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Evolutionstheorien


Wenn das Wort Evolutionstheorie fällt, denken die meisten Menschen wohl an Charles Darwin bzw. dessen Evolutionstheorie. Dabei war er weder der erste, noch der einzige Wissenschaftler, der Theorien über den Ursprung des Lebens und die Entstehung verschiedener Arten, aufstellte.

Tatsächlich befassten sich bereits in der Antike Philosophen mit dem Thema. Wirklich wichtig und mit wissenschaftlichen Versuchen und Forschung untermauert, wurden Evolutionstheorien allerdings erst vor einigen hundert Jahren.
Die bedeutendsten Evolutionstheorien werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Was versteht man unter einer Evolutionstheorie?

Eine Evolutionstheorie bezeichnet eine wissenschaftliche Erklärung für die Veränderlichkeit der Arten. Auch die Entstehung dieser kann durch eine Evolutionstheorie erklärt werden.

Den Theorien liegt zugrunde, dass jedes Lebewesen, egal welcher Art es angehört, einem Entwicklungsprozess unterliegt, wodurch sich im Verlauf der Geschichte Veränderungen an ihm vollziehen. Diese Veränderungen können auch zur Entstehung neuer Arten führen.

Die heutige Ansicht ist die, dass es keine allgemeingültige Evolutionstheorie gibt. Viel mehr macht die stetige Forschung notwendig, dass verschiedene Theorien in Teilen miteinander verbunden werden, um, dem jeweiligen Forschungsstand entsprechend, das bestmögliche Bild der Evolution zu erhalten.

Kreationismus als Theorie über die Schöpfung der Welt

Kreationismus schließt die Veränderlichkeit der Arten aus und widerspricht damit einem Punkt der Evolutionstheorien. Stattdessen versucht dieser Ansatz nur, die Entstehung der Arten zu erklären.

Unter Kreationismus versteht man die wörtliche Auslegung einer Heiligen Schrift, speziell der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments. Aus zeitlich eingrenzbaren Inhalten der Bibel geht im Kreationismus hervor, dass die Erde nur wenige Tausend Jahre alt ist. Pflanzen, Tiere und Menschen wurden durch einen Schöpfer (intelligenten Designer) erschaffen.
Kreationismus ist daher eine religiöse Erklärung für die Entstehung von Leben, keine wissenschaftliche.

Katastrophentheorie als Theorie über die Veränderung der Lebewesen

Die Katastrophentheorie, auch Kataklysmentheorie genannt, wurde von Georges Cuvier geprägt, einem französischen Naturforscher, der von 1769 bis 1832 lebte. Cuvier war überzeugt davon, dass die Erde und ihre Bewohner durch sich immer wiederholende, weitreichende Katastrophen verändert wurden.

Diesen Katastrophen (Überschwemmungen, Inselbildung, Vulkanausbrüche, etc.) folgte ein massenhaftes Aussterben in den betroffenen Regionen. Aus anderen Regionen wanderten anschließend andere Arten ein und bevölkerten die leeren Gebiete neu.

Cuvier lehnte die Veränderlichkeit der Arten ab. Er ging davon aus, dass verschiedene Lebensformen unabhängig voneinander erschaffen worden waren. Seine Behauptungen stützte er auf Fossilfunde, die in aufeinanderfolgenden Schichten, welche durch Segmente getrennt waren und die auf Überschwemmungen schließen ließen, völlig unterschiedliche Arten zeigten.

Die Naturgeschichte von Georges-Louis Leclerc de Buffon

Georges-Louis Leclerc de Buffon war ein französischer Naturforscher. Er lebte von 1707 bis 1788 und widmete seine zweite Lebenshälfte der Veröffentlichung eines naturwissenschaftlichen Werkes, dem „Histoire naturelle générale et particulière“ (zu Deutsch die „Allgemeine und spezielle Geschichte der Natur“, kurz auch die Naturgeschichte genannt).

Von den ursprünglich geplanten 50 Bänden erschienen zu seinen Lebzeiten 36. Weitere acht veröffentlichte der Naturforscher Bernard Germain Lacépède. Die Naturgeschichte wurde in viele Sprachen übersetzt und erschien in Deutschland bei gleich drei Verlegern.

Buffon lehnte die zu seiner Zeit übliche taxonomische Einteilung der Natur ab. Taxonomie bezeichnet in der Biologie beispielsweise die Kategorisierung in Klasse, Ordnung, Gattung usw., welche ein hierarchisches Verwandtschaftsgeflecht bildet.

Stattdessen war er überzeugt, dass er durch die Beobachtung der Natur und die Durchführung von Experimenten die Entstehung des Lebens durch Urzeugung aus kleinsten Teilchen erklären konnte. Aus diesen ersten Lebewesen entwickelten sich weitere aufgrund klimatischer Veränderungen.

Anstatt der Hierarchie, wie sie die Taxonomie lehrt, lieferte Buffon also eine Stufenleiter, auf dessen höchster Sprosse sich das am weitesten entwickelte Lebewesen befand. Buffon verglich für seine Forschung die Anatomie von Lebewesen und erkannte, dass zurückgebildete Körperteile durch veränderte Lebensumstände in der Vergangenheit nutzlos wurden.

Er war überzeugt, dass solche evolutionären Vorgänge in zwei verschiedene Richtungen verlaufen konnten: in eine vervollkommnende und eine zurückbildende. Den Menschen sah er als Vervollkommnung, den Affen als zurückgebildete Version des Menschen.

Evolutionstheorie nach Jean-Baptiste de Lamarck

Jean-Baptiste de Lamarck war ein französischer Botaniker, Entwicklungsbiologe und Zoologe. Er lebte von 1744 bis 1829.
Seine Evolutionstheorie, später Lamarckismus genannt, veröffentliche er 1809 in seinem Werk „Philosophie Zoologique“ und später erneut in der „Histoire naturelle des animaux sans vertèbres“.

Laut seinem Werk beeinflussen Katastrophen nicht die Evolution. Stattdessen entwickeln sich Lebewesen durch eine sich langsam verändernde Umwelt weiter.

Lamarck ging davon aus, dass Lebewesen durch veränderte Lebensumstände andere Bereiche ihres Körpers stärker nutzten, wodurch sie diese trainierten. Die dadurch gestärkten Körperteile oder Organe vererbten sie dann an ihre Nachkommen.

Beliebt ist dabei das Beispiel der Giraffe. Ursprünglich hatte diese laut Lamarck einen kurzen Hals, der sich langsam in die Länge zog, da sich die Giraffe über mehrere Generationen immer wieder nach höher werdenden Baumkronen strecken musste, um die Blätter fressen zu können.

Darwinismus als moderne Evolutionstheorie

Charles Darwin lebte von 1809 bis 1882 und war ein britischer Naturforscher. Seine Evolutionstheorie entstand 1838, nachdem er eine Vermessungsfahrt mit der HMS Beagle unternommen hatte, die ihn über mehrere Jahre in verschiedene Gebiete der Erde geführt hatte.

Der Darwinismus, wie seine Evolutionstheorie genannt wird, sagt aus, dass alle Lebewesen ständigen Veränderungen unterliegen. Diese Veränderungen können zufällig dazu führen, dass einige Exemplare einer Population besser an in diesem Moment bestehende Lebensumstände angepasst sind, als andere. Dies führt dazu, dass die besser angepassten Lebewesen sich stärker vermehren als die schlecht angepassten. Dadurch wiederum werden die positiven Eigenschaften der Art an die nächste Generation weitergereicht.

Auf diese Theorie kam Darwin durch Finken, welche er von den Galápagos-Inseln mitgebracht hatte. Die Tiere hatten völlig unterschiedlich dicke Schnäbel. Darwin erkannte, dass die Tiere alle miteinander verwandt waren, aber durch die ständige Nahrungsknappheit auf den Inseln sich speziell an das auf ihrer Heimatinsel existierende Nahrungsangebot anpassten. Das dahinterstehende Prinzip, das immer der zufällig am besten Angepasste überlebte, nannte er natürliche Auslese.

Darwins Evolutionstheorie besagt, dass die Evolution passiv stattfindet (wobei sie auch die Vererbung erworbener Fähigkeiten nicht ausschließt), während bei Lamarck die Lebewesen ausschließlich aktiv zu den Veränderungen beitragen.

Um zu verhindern, dass seine Theorie in seiner eher konservativ denkenden Heimat unterging, hielt Darwin seine Erkenntnisse viele Jahre zurück. Er veröffentlichte sie erst 20 Jahre später, als Alfred Russel Wallace, ein jüngerer Kollege, ähnliche Beobachtungen machte, unabhängig von denen Darwins.

Unterschied zwischen Darwinismus und Lamarckismus

Der große Unterschied zwischen beiden Theorien zur Entstehung der Arten, ist die Rolle der Lebewesen. Laut Lamarck benutzen Lebewesen bestimmte Organe, Gliedmaßen oder Körperteile öfter, wodurch diese sich stärker ausprägen. (Giraffenhals, aufrechter Gang beim Menschen)

Laut der Lehre von Darwin erfolgt eine Veränderung der Lebewesen zufällig durch Mutation. Die Giraffe hat demnach ihren langen Hals zufällig bekommen und nicht deshalb, weil sie diesen ständig nutzte. Dann erwies sich dieser lange Hals als vorteilhaft, wodurch dieses Exemplar mehr Nachwuchs, besseren Zugang zu Nahrung usw. bekam. Letztendlich setzte sich diese Eigenschaft über mehrere Millionen Jahre durch und bestimmt heute das Wesen der Art. (siehe dazu: „Was ist Evolution“)

Synthetische Evolutionstheorie

Die Synthetische Evolutionstheorie stellt eine Erweiterung der Evolutionstheorie Darwins und Wallaces dar. Der deutsche Arzt, Histologe und Zoologe August Weismann, welcher von 1834 bis 1914 lebte, erweiterte den Darwinismus mit seinen Forschungen.

Er vertrat die Ansicht, dass sich, wenn man die religiöse Schöpfungsgeschichte und die Evolutionstheorie betrachtet, zwar keine von beiden beweisen lässt, jedoch eine von beiden möglicherweise widerlegt werden kann.

Besonders die Vererbungslehre, die als Darwin „On the Origin of Species“ 1859 veröffentlichte, noch unbekannt war, gilt als Erweiterung des Darwinismus. Ansonsten entspricht dieser der Synthetischen Evolutionstheorie in vielen Punkten.

Auch Weismann war überzeugt, dass die am besten angepassten Individuen die höchsten Überlebenschancen hatte. Er erklärte diese Angepasstheit über zufällige, genetische Mutationen, welche positive oder auch negative Auswirkungen auf das Individuum haben können. Negative sortieren sich selbst aus, indem sie durch geringere Überlebenschancen keine Nachkommen zeugen. Positive sorgen dafür, dass die verbesserten Merkmale in höheren Zahlen weitergegeben werden.

Weitere Evolutionstheorien

Aus den bekannten Theorien, wie dem Darwinismus, der synthetischen Evolution und auch der Theorie nach Lamarck – ergaben sich Weitere. Diese sind zwar weniger anerkannt, haben dennoch Anhänger.

Neodarwinismus/Weismannismus

Der Neodarwinismus beschreibt eine Erweiterung des Darwinismus, jedoch noch ohne die genetische Komponente, die erst durch die Mendel’schen Vererbungsgesetze bekannt wurde.

Saint-Hilaires Evolutionstheorie

Étienne Geoffroy Saint-Hilaire lebte von 1772 bis 1844. Er war ein französischer Zoologe und war der Ansicht, dass sich Veränderung im Körperbau von Wirbeltieren und Wirbellosen langsam und ohne plötzliche Sprünge vollzieht. Dadurch kam er zu dem Schluss, dass auf diese Weise nutzlos gewordene Körperteile rudimentär, also stark rückgebildet, aber noch erkennbar vorhanden, zu finden sein müssen. Solche Rudimente sind beim Menschen beispielsweise die Weisheitszähne oder der Blinddarm.

Hilaire vertrat die Ansicht, dass alles Leben einen gemeinsamen Ursprung hatte. Er erkannte, dass Vögel von Reptilien abstammten, war jedoch der Meinung, dass die Evolution in seiner Zeit bereits beendet war, also keine weiteren Veränderungen mehr stattfinden.

Warum hat sich die Evolutionstheorie nach Darwin und deren Weiterführung durchgesetzt?

Darwin lieferte mit seinen Forschungen zur Veränderlichkeit der Arten den Grundstein, auf den bis heute mit der Synthetischen Evolutionstheorie aufgebaut wird. Auch diese, so ist mittlerweile bekannt, ist noch keine endgültige Antwort auf die Frage, wie sich auf der Erde das Leben entwickelt und verändert.

Sie fußt jedoch auf wissenschaftlich nachweisbaren Erkenntnissen, bzw. kann jede andere bekannte Theorie wegen wissenschaftlich unerklärlichen Komponenten vernachlässigt werden. Sie ist also nicht unbedingt die richtige Antwort, aber nach jetzigem Stand die wahrscheinlichste. (Siehe dazu den Beitrag: „Ist Evolution bewiesen oder eine Theorie“.)

So wissen wir beispielsweise heute, dass der Einfluss von zufällig auftretenden Mutationen in der Evolution, wodurch Selektion einsetzt, eine deutlich geringere Rolle einnimmt, als der Gendrift. (siehe auch Evolutionsfaktoren)

Darwin lieferte also eine Theorie, die mit moderneren Forschungsmethoden und neuen Erkenntnissen immer wieder erweitert oder teilweise widerlegt werden kann. Daher ist sie bis heute bekannt.

Evolutionstheorien im Überblick