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Chronik (Geschichte): Bedeutung, Unterschied zu Annalen und Chronologie


Eine Chronik ist eine pragmatische (im Sinne auf praktisch) Art der Geschichtsschreibung in Form einer zeitlichen Abfolge von historischen Ereignissen. Historische Geschehen werden in einer zeitlich korrekten Reihenfolge geschildert. Der Begriff „Chronik“ geht auf die altgriechischen Wörter für Zeit und Buch zurück und bedeutet Zeit- oder eben Geschichtsbuch.

Chronik: Definition und Bedeutung

Eine Chronik ist ursprünglich eine schlichte, aber streng durchgeführte Aneinanderreihung von Jahreszahlen und den dazugehörigen Ereignissen. Sie ist kurz und knapp gehalten, ohne Erklärungen. Die Daten können aber auch ergänzt werden durch eine ausführliche Schilderung einzelner Ereignisse.

Chroniken sind nicht grundsätzlich neutral oder objektiv. Alleine die Auswahl der festgehaltenen Ereignisse und ihre Zusammenstellung innerhalb eines bestimmten Sinnzusammenhangs, machen sie zu einer subjektiven Geschichtsdarstellung des Schreibers.

Die Geschichte der Chroniken

Die Geschichtsschreibung in Form von Chroniken bzw. chronikalischen Annalen gab es schon im Altertum. Eine Chronik war keine spezielle literarische Kunstform. Es bedurfte keiner sprachlichen Rhythmik, keiner Verse oder Reime. Die Daten und ihre Erklärungen wurden in einer ungebundenen Sprache niedergeschrieben. Chroniken und Annalen sind also die einfachsten und somit naheliegendsten Weisen, Geschichte strukturiert niederzuschreiben.

Unter „Altertum“ versteht die Geschichtswissenschaft den langen Zeitraum von etwa 3500 v. Chr. bis etwa 600 n. Chr. des mediterranen-vorderasiatischen Raums. Am Anfang dieses Zeitraums standen die Erfindung der Schrift und die damit einhergehende Ausbildung der altorientalischen Reiche in Vorderasien und Ägypten. Das Altertum endet mit der Spätantike, an die sich das Frühmittelalter anschloss. In dieser Zeit entstand die Geschichtsschreibung und somit die Chronik.

Chroniken in Vorderasien und Alten Ägypten

Kurze chronikalische Werke entstanden schon in den frühen vorderasiatischen Kulturen und auch im Alten Ägypten. Es waren Annalen, die die Herrscherabfolgen chronologisch darstellten und den jeweiligen Regierungszeiten bestimmte Ereignisse zuordneten. Sie berichten in einer knappen Form über wichtige Geschehnisse und verzichten dabei auf eine literarische Ausarbeitung zur Erklärung oder Beschreibung der festgehaltenen Ereignisse.

Dabei konnte es sich um Seuchen, Feldzüge, Sonnenfinsternisse, besonders gute oder besonders schlechte Ernten und vieles mehr handeln. Annalen sind die früheste Form der chronikalischen Geschichtsschreibung und sind wichtige historische Quellen.

Im Alten Ägypten gab es schon während der Pyramidenzeit Königslisten auf Papyrus, die in den Archiven der königlichen Residenz und in Tempeln aufbewahrt wurden. Diese Papyri wurden im Laufe der Geschichte immer wieder kopiert, abgeschrieben und in Stein gemeißelt. Der sogenannte Palermostein aus der 5. Dynastie ist eine solche Kopie einer Königsliste. Das Original dieses Annalensteins stammte vermutlich aus der damaligen Hauptstadt und dem Königssitz des Alten Reichs, aus Memphis. Es gab noch andere Königslisten auf Papyrus, die beispielsweise als Vorlage für die sogenannten königlichen Ahnentafeln in einigen Tempeln des Neuen Reichs dienten.

Königslisten gab es auch als Keilschrifttexte aus der sumerischen, babylonischen und assyrischen Zeit. In einer zeitlichen Abfolge sind Herrscher, Königsresidenzen und Regierungszeiten aufgelistet. Auch in Israel existierte diese Form der Geschichtsschreibung. Hier sind das „Buch der Chronik“ der Hebräischen Bibel und das „Buch der Könige“ des Tanach und somit des Alten Testaments zu nennen. Anhand dieser Annalen können historische Ereignisse zeitlich einem Herrscher zugeordnet werden. Die frühen Annalen der Menschheitsgeschichte sind relative Chronologien.

Chroniken der griechisch-römischen Antike

Die Chroniken der griechisch-römischen Antike waren komplexer gestaltet als die Altägyptens oder die der vorderasiatischen Kulturen. Der hauptsächliche Grund dafür ist wohl im zeitlichen Abstand zu sehen. Der altägyptische Annalenstein der 5. Dynastie oder die sumerischen Königslisten entstanden gut 2000 Jahre vor denen der antiken Geschichtsschreiber.

Die griechisch-römische Antike umfasst den Zeitraum vom Beginn der archaischen Zeit Griechenlands (etwa 750 v. Chr.) bis zum Beginn der Spätantike mit dem Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian (284 n. Chr.).

Die wichtigsten Verfasser griechischer Chroniken waren Apollodor von Athen (um 180-110 v. Chr.) und Kastor von Rhodos (im 1. Jhd. v. Chr.), aus der hellenistischen Zeit. Aus der römischen Zeit ist Publius Herennius Dexippus (210-275 n. Chr.), genannt Dexippos zu nennen. Dexippos war ein griechischsprachiger römischer Historiker.

In der Antike gab es unterschiedliche Formen von Geschichtsschreibungen. Es gab die chronikalischen Annalen, die rückblickend einen zeitlich geordneten historischen Überblick verschafften. Daneben gab es Annalen, die Vergangenes erzählten, die sogenannten Historiae. Letztere waren umfassende geschichtliche Werke von Historikern wie Herodot (im 5. Jhd. v. Chr.), Sallust (86-34 v. Chr.) oder Tacitus (58-120 n. Chr.).

Chroniken in der Spätantike

Der Beginn der Spätantike wird mit dem Herrschaftsantritt des römischen Kaisers Diokletian im Jahr 284 angesetzt. Die christlichen Gelehrten der Spätantike orientierten sich an den griechischen Chronisten der hellenistischen Zeit. Einflussreich war Sextus Iulius Africanus (um 160-240). Er schuf eine christliche Weltchronik, die die gesamte, ihm bekannte Weltgeschichte schilderte.

Weltchroniken wurden im nachfolgenden Mittelalter die typischen Geschichtswerke. Sie umfassten die Darstellung der Geschichte von der „Welterschaffung“ bis in die jeweilige Gegenwart des Geschichtsschreibers. Ihre Quellen waren die griechisch-römischen Annalen. Sie verknüpften biblische und historische Ereignisse und deuteten die Weltgeschichte als Heilsgeschichte. Im Laufe der Zeit verschmolzen Annalen, Chroniken und Historien. Es gab keine eindeutige Unterscheidung mehr.

Dennoch stellen gerade die Chroniken der Spätantike für die Geschichtswissenschaft wichtige Quellen dar. Bedeutende Chronisten waren christliche Gelehrte wie etwa Eusebius von Caesare (260-340), der „Vater der Kirchengeschichte“, Hieronymus (347-420), Heiliger und Kirchenvater, Hydatius von Aquae Falviae, Bischof, gestorben um 469, Josua Stylites (um 500), der keine Weltchronik, sondern eine Chronik über selbst erlebte Ereignisse schrieb, oder Johannes Malalas (490-570), oströmischer Historiker und Verfasser einer christlichen Weltchronik in griechischer Sprache.

Chroniken im christlichen Mittelalter

Das Verfassen christlicher Weltchroniken lebte im byzantinischen Reich, in „Byzanz“, fort. Byzanz wurde auch das Oströmische Reich oder schlicht Ostrom genannt. Es war ein Kaiserreich, das nach der sogenannten Reichsteilung des Römischen Reiches im Jahr 395 im östlichen Mittelmeerraum entstanden war. Das byzantinische Reich war die östliche Hälfte des Römischen Reiches. Seine Hauptstadt war Konstantinopel, Byzanz genannt. Es endete mit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen.

Ein bedeutender byzantinischer Chronist war Georgios Synkellos (starb um 810). Georgios schrieb seine Weltchronik in Konstantinopel am Hof des Patriarchen Tarasios. Seine Chronik reichte von der Weltschöpfung, die er auf das Jahr 5493 v. Chr. festlegte, bis in die Spätantike. Er bezieht sich auf viele ältere Quellen, die heute verloren sind. Insofern ist sein Werk für die Geschichtswissenschaft besonders wertvoll. Georgios bezieht sich unter anderem auf Kastor von Rhodos, Dexippos, Sextus Iulius Africanus oder auch auf Eusebius von Caesarea.

Ein weiterer byzantinischer Chronist war Theophanes der Bekenner (760-818). Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Theophanes beendete die Chronik des Georgios Synkellos, der vor ihrer Vollendung starb. Er ging streng annalistisch vor und behandelte den Zeitraum von 284 bis 813, seiner eigenen Lebenszeit. Für jedes Jahr der Weltchronik führte er historische Informationen an.

Im lateinischen weströmischen Reich war die Art der Geschichtsschreibung etwas anders angelegt. Die byzantinischen Chroniken erlebten ihre Blüte im Frühmittelalter, die weströmischen hingegen später im Hoch- und Spätmittelalter. Sie waren keine Chroniken anhand von Kalenderjahren. Sie richteten sich nach den Regierungszeiten von Königen und Päpsten und stellten die Ereignisse in einen größeren zeitlichen Zusammenhang.

Es ging nicht nur darum, einen historischen Überblick zu erstellen. Es ging den christlichen Gelehrten vor allem darum, die Weltgeschichte als christliche Heilsgeschichte darzustellen. Das Verfassen von Annalen anhand des jährlichen Zeitgeschehens wurde in den Klöstern, Bischofssitzen und herrschaftlichen Residenzen veranlasst.

Bedeutende Chronisten des Mittelalters waren beispielsweise Isidor von Sevilla (im 6./7. Jhd.). Er war Bischof von Sevilla und stellte alles noch vorhandene Wissen der Antike in einer Enzyklopädie zusammen. Thietmar von Merseburg (11. Jhd.). Er war Bischof des Bistums von Merseburg und gilt als einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber der späten Ottonenzeit.

Otto von Freising lebte im 12. Jahrhundert. Er war Bischof von Freising und einer der bedeutendsten Geschichtsschreibern des gesamten Mittelalters. Sein Werk „Chronica sive Historia de duabus civitatibus“ gilt als Höhepunkt der Geschichtsschreibung im Mittelalter. Hartmann Schedel (15. Jhd.) war Arzt, Humanist und Historiker. Sein Hauptwerk war eine illustrierte Weltchronik. Es gibt viele weitere Chroniken, in Deutschland und in anderen Ländern. Die sogenannte Fredegarchronik aus dem 7. Jhd. n. Chr. beispielsweise ist die Hauptquelle der Geschichte Frankreichs dieser Zeit.

Formen der chronikalischen Geschichtsschreibung

Neben den christlichen Weltchroniken gab es viele weitere Varianten. Es gab Hauschroniken, die familiär und genealogisch ausgerichtet waren. Sie waren Erinnerungsschriften. Im Italien der Renaissance entstanden die ersten Familienchroniken, bald darauf gab es sie auch in den deutschen Handelsstädten.

Sie waren ein neues Medium, eine neue Möglichkeit, das sich entwickelnde bürgerliche Traditions- und Selbstbewusstsein in Form einer Familiengeschichte darzustellen. Sie waren eine Vorform der Autobiografie. Alles konnte die Familienchroniken ergänzen, auch Bilder oder Urkunden.

Es entstanden außerdem Königs- und Kaiserchroniken, Landes-, Städte- und Klosterchroniken. Sie unterschieden sich nicht nur nach Inhalt, sondern auch nach ihrer Reichweite. Städtechroniken sind beispielsweise auch aus Afrika bekannt, etwa die Kilwachronik, die um 1520 entstand oder die Patechronik, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts niedergeschrieben wurde. Kilwa Kisiwani und Pate sind ostafrikanische Städte. Es handelt sich bei diesen Chroniken um Königslisten.

Daneben entwickelten sich im Laufe der Neuzeit auch Schul- und Vereinschroniken, die zusammen mit Kirchenchroniken zu Dorfchroniken wurden. Die Kirchen- und Schulchroniken wurden im 19. Jahrhundert populär. Dorflehrer und Küster, die ortskundigen und ortsansässigen Gelehrten, berichteten chronologisch und detailliert über die Kirchen- und Schuljahre. Dorfchroniken sind heute ein wichtiger Teil der Lokal- und Regionalgeschichte.

Unterschied Chronik und Annalen

Annalen werden oftmals den Chroniken gleichgesetzt. Eine Chronik reiht relevante Begebenheiten aneinander, ohne auf einen ursächlichen Zusammenhang zu achten und der Zeitfolge nach. Bei den Annalen dagegen bilden die Regierungszeiten der politischen und religiösen Machthaber das zeitliche Gerüst. Aus diesem Grund ist es naheliegend, dass die ersten Chroniken der Menschheitsgeschichte Annalen waren. Denn eine von Regierungszeiten unabhängige, abstrakte Zeitrechnung gab es erst sehr spät in der Geschichte.

Ein Zeitpunkt braucht einen Bezugspunkt, damit er verankert werden kann. Wenn es keine Jahreszahlen gibt, gibt es eben Regierungszeiten eines Herrschers. Ein Ereignis fand vielleicht im Jahr 2 der Regierung des Herrschers X statt. Ein anderes Ereignis ergab sich dann vielleicht im Jahr 11 des Herrschers Y. In Königslisten wurden die Abfolgen der Herrscher festgehalten. Sie bildeten das zeitliche Grundgerüst für die einfachste Art der Geschichtsschreibung.

Unterschied Chronik und Chronologie

Chronologie ist eine Methode, um historische Ereignisse in einer zeitlichen Abfolge zu organisieren. Somit werden oftmals verschiedene Chroniken, unterschiedlicher Autoren, herangezogen. Diese werden in Bezug gesetzt, zeitlich gestaffelt bzw. geordnet und daraus eine Chronologie angefertigt.

Wenn historische Ereignisse nicht mehr nur rein chronologisch dargestellt werden, sondern in Zusammenhängen und in Bezug zueinander, dann handelt es sich um Geschichtswerke (historische Darstellungen) und nicht um Chroniken. Sie erklären und erläutern die niedergeschriebenen Geschehnisse, indem sie sie mit anderen in Verbindung bringen. Eine rein chronologisch-lineare Betrachtungsweise der Geschichte ist dann nicht mehr gegeben.

Geschichtswerke dieser Art wurden bevorzugt im Mittelalter verfasst. Bekannte Chronisten waren etwa Gregor von Tours (538-594). Er war Bischof und Geschichtsschreiber. Ernst von Kirchberg lebte im 14. Jahrhundert und war ein Reimchronist und Buchmaler. Er wirkte in Mecklenburg. Fulcher von Chatres (1059-1127) war ein wichtiger Chronist des Ersten Kreuzzuges. Otto von St. Blasien war ein Benediktinermönch und Chronist aus dem späten 12. Jahrhundert. Jean Froissart (1337-1405) war ein Dichter und der Chronist der ersten Hälfte des Hundertjährigen Krieges.

Zusammenfassung

  • Eine Chronik ist ein Nachschlagewerk, das nach der Zeitachse und nicht alphabetisch geordnet ist.
  • Chroniken bilden historische Ereignisse innerhalb eines bestimmten zeitlichen und räumlichen Rahmens ab.
  • Es gibt verschiedene Arten von Chroniken, von Listen bis zu detaillierten Erklärungen und Beschreibungen der Ereignisse eines bestimmten Zeitpunktes. Bei beiden Varianten handelt es sich aber immer um rein chronologische Abfolgen historischer Ereignisse.
  • Auch heute noch sind Chroniken populär. Im privaten Bereich sind es vor allem die Familienchroniken. Es gibt sie aber auch als historische Nachschlagewerke im Buchhandel unter Titeln wie „Chronik des 20. Jahrhunderts“, „Chronik der Weltgeschichte“ oder „Chronik der Erde“.

Literatur

  • Stefan Jordan: Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft, utB GmbH, ISBN 3825250059
  • Stefan Jordan: Lexikon Geschichtswissenschaft: Hundert Grundbegriffe (Reclams Universal-Bibliothek), ISBN 3150005035

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