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Farbschläge und Vererbung beim Wellensittich: Gibt es rote Wellensittiche


farbschlag und vererbung beim wellensittich

Die Farbe der Wellensittiche entsteht durch ein Zusammenspiel von einem Farbstoff und einem dunklen Pigment. Die Menge oder das Fehlen eines oder beider Komponenten führt dazu, dass Wellensittiche jede Farbe annehmen können, bis auf Rot.

Die Farbgebung der Wellensittiche

Welche Farben die Federn eines Wellensittichs haben, ist genetisch bedingt. Die Vögel gehören einer von zwei möglichen Farbreihen an: Grünreihe oder Blaureihe.

Diese Reihen teilen sich jeweils wiederum in drei Farbstufen: hell, mittel und dunkel. Hinzu kommen Mutationen wie Albinos, bei denen dem Vogel die Farbpigmente vollständig oder an einigen Körperteilen fehlen. Diese gehören zur Blaureihe.
Außerdem entscheidet der sogenannte Violettfaktor über die Intensität der Farbe. Besitzt ein Wellensittich diesen Faktor, erscheinen seine Federn in einem dunkleren, kräftigeren Farbton.

Grob lassen sich die Farbreihen folgendermaßen aufteilen: Zur Grünreihe gehören die Farben Hellgrün, Dunkelgrün, Graugrün, Olivgrün und Gelb. Die Blaureihe besteht aus den Farben Hellblau, Dunkelblau, Violett, Mauve, Grau und Weiß.

Die Grünreihe

Die Grünreihe entspricht der ursprünglichen Färbung der Wellensittiche. Ein wildfarbener Wellensittich hat einen grünen Körper, ein gelbes Gesicht, einen blauen Fleck auf den Wangen sowie vier bis sechs schwarze Flecken an der Kehle. Auf seiner Stirn beginnen die namensgebenden Wellenlinien in Schwarz, bzw. einem sehr dunklen Grün oder Blau, die auf dem Rücken und den Flügeln breiter werden. Zwischen diesen Streifen sind die Federn auf den Flügeln gelblich.

Ihre grüne Grundfärbung verdanken die Wellensittiche dem Farbstoff Psittacin. Dieser befindet sich im inneren Zellrand ihrer Federn und lässt diese Grün erscheinen. Die unterschiedlichen Grüntöne entstehen durch Melanin, welches im Kern der Federzellen eingelagert ist. Melanine sind meist dunkle Pigmente. Beim Menschen sorgen sie für Sommerbräune und allgemein unterschiedliche Hautfarben.

Besitzt ein Vogel der Grünreihe kaum Melanin, erscheint sein Gefieder an diesen Stellen hellgrün. Ein Wellensittich mit wenig Melanin ist dunkelgrün. Ist viel Melanin vorhanden, ist sein Gefieder olivgrün. Albinos der Grünreihe weisen ein gelbes Gefieder auf.

Die Blaureihe

Die Wellensittiche der Blaureihe besitzen kein Psittacin. Ausgenommen sind lediglich sogenannte „Gelbgesichter“. Sie haben, wie ihr Name schon sagt, ein gelbes Gesicht und daher an dieser Körperstelle auch Psittacin. Ansonsten besitzt ihr Gefieder aber eine blaue Färbung, sodass sie zur Blaureihe gezählt werden.

An der Stelle in den Zellen der Vögel, an denen sich normalerweise der Farbstoff Psittacin befinden würde, haben blaue Wellensittiche einen kleinen Hohlraum. Einfallendes Licht bricht dadurch erst gegen den dahinter liegenden Zellkern. Dieser ist, durch das Melanin, dunkel.
Die Menge an Melanin entscheidet nun allein über die Erscheinung der Federn. Wenig Melanin führt zu einer hellblauen Färbung. Viel Melanin lässt sie hingegen dunkelblau erscheinen.

Sonderformen der Blaureihe sind sogenannte„Zimter“. Sie besitzen äußerst wenig Melanin, sodass ihre Federn bräunlich erscheinen. Gescheckten Wellensittichen fehlt nur an einigen Körperstellen Psittacin, sodass sie grüne und blaue Flecken haben. Albinos der Blaureihe sind weiß.

Wie es zu den anderen Farbschlägen kam

Bis 1864 gab es Wellensittiche nur in ihrer Wildfarbe. Mit ihrer Einfuhr nach Europa begann man, an ihrer Farbgebung zu experimentieren. Da zunächst nur einzelne Tiere aus Australien gebracht wurden, kam es zwangsläufig zu Inzucht, welche Mutationen begünstigte.

Schon bald nach ihrem erstmaligen Erscheinen in Europa (1840) erfreuten sich die Vögel einer so großen Beliebtheit, dass sie massenhaft aus Australien exportiert wurden. So verzeichnete ein einzelner Londoner Händler im Zeitraum zwischen September 1878 und Januar 1879 eine Anzahl von knapp 160.000 importierten Wellensittichen. 1894 erließ Australien ein noch heute gültiges Ausfuhrverbot für Vögel. Die wilden Bestände der Wellensittiche waren zu diesem Zeitpunkt bereits stark bedroht.

Schon Jahre vorher begann eine Massenzucht in England, Frankreich und Deutschland. Auch dabei kam es schnell zu Mutationen, die sich in der Farbgebung der Vögel zeigte.

1864 gab es die ersten gelben Wellensittiche. 1878 züchtete ein Belgier erste blaue Tiere. Bis 1928 kamen dunkelgrüne, olivgrüne, kobaltblaue, mauve und weiße Wellensittiche hinzu.

Diese Mutationen kamen auch der Forschung zugute. Der Deutsche Wellensittichzüchter Verband bewies an den Wellensittichen die Anwendbarkeit der Mendelschen Regeln.

Wird es jemals einen roten Wellensittich geben?

Nach jetzigem Stand der Forschung ist ein roter Wellensittich unmöglich. Durch Mutation ist es zwar gelungen, dass ein normalerweise vorhandener Farbstoff, das Psittacin, wegfällt. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass durch spontane Mutation ein neuer Farbstoff hinzukommt. Psittacin oder das Fehlen von Psittacin führt dazu, dass Wellensittiche jede Farbe annehmen können, bis auf Rot. Der dafür notwendige Farbstoff heißt Psittacofulvin. Rote Papageien wie der Hellrote Ara synthetisieren ihn selbst, ein in der Tierwelt einmaliges Phänomen.

Eine Alternative für spontane Mutationen wäre, eine nah verwandte Art einzukreuzen, um so den roten Farbstoff einzubringen. Wellensittiche bilden jedoch eine eigene Gattung ohne Unterarten oder andere nahe Verwandte.

Der nächste Verwandte ist der Grassittich. In dieser Gattung gäbe es mit dem Glanzsittich zwar einen Vogel mit Rotanteil im Gefieder, aber die Tiere sind nicht nah genug miteinander verwandt, um sie zu kreuzen.

Kreuzungsversuche mit dem Rosenbauchsittich

Der Rosenbauchsittich, auch Bourkesittich genannt, ist eine Vogelart, die im inneren Landesteil Australiens lebt. Die Tiere werden mit 19 bis 22 cm Körpergröße ähnlich groß wie Wellensittiche. Auch in der Lebensweise (mit Ausnahme der aktiven Tageszeit; Rosenbauchsittiche sind dämmerungsaktiv, Wellensittiche tagaktiv), Ernährung und den Haltungsbedingungen als Heimtier ähnelt der Rosenbauchsittich dem Wellensittich sehr. Einige Liebhaber vergesellschaften die Tiere sogar.

Der Rosenbauchsittich verfügt über einen namensgebenden, roten Körper. Auch sein Rücken und die Oberseite seiner Flügel sind zart rot oder rosa. Seine Flügelspitzen sowie sein Schwanz ähneln wiederum der Farbgebung der Wellensittiche.
Der Rosenbauchsittich wurde 1835 entdeckt. Ursprünglich wurde er den Grassittichen zugeordnet. Mittlerweile bildet er eine eigene Gattung, die nur eine einzige Art enthält.

Der Rosenbauchsittich galt als Hoffnung für den roten Wellensittich. Er sieht diesem sogar so ähnlich, dass er fälschlicherweise als solcher verkauft wird. Da er deutlich weniger bekannt ist als der Wellensittich, halten ihn viele Personen, die ihn zum ersten Mal sehen, auch von sich aus für einen roten Wellensittich.

Um dem Wellensittich endlich rote Farbe zu verleihen, kreuzten Züchter diesen mit dem Rosenbauchsittich. Das blieb ohne Erfolg. Andere nahe verwandte Vögel fallen ebenfalls raus. Es wird daher höchstwahrscheinlich niemals einen roten Wellensittich geben.


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