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Molekulargenetische Psychologie an Beispielen erklärt


Die menschliche Persönlichkeit, das Denken, Fühlen und Handeln wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst und geformt. In der Psychologie lohnt es sich daher auch, einen Blick auf die Frage nach dem genaueren Einfluss der Gene und der Umwelt auf den Menschen zu werfen. Kultur, familiäres oder berufliches Umfeld, das breite Spektrum der Lebensverhältnisse – all das gehört zum Bereich „Umwelt“. Das ist noch einmal ein anderes Kapitel.

In diesem Artikel wollen wir uns der Frage widmen, was unsere Gene mit uns machen. Denn derzeit stellt sich eigentlich nicht mehr die Frage, ob die Gene unser Denken und Verhalten beeinflussen. Viel mehr gehen Verhaltensgenetiker mittlerweile der Frage nach, wie und welche Gene sich auf unser Verhalten auswirken. An dieser Stelle kommt die Molekulargenetik ins Spiel.

Was ist Molekulargenetik?

Dieses Teilgebiet der Biologie befasst sich mit der Untersuchung von Genen. Oder genauer gesagt: mit der molekularen Struktur und Funktion unserer Gene. Denn wenn diese Funktionen bekannt sind, lassen sich auch Rückschlüsse auf den Einfluss dieser spezifischen Gene auf das Verhalten ziehen.

Es sei allerdings gesagt, dass persönliche Merkmale nicht nur von einem bestimmten Gen beeinflusst werden, sondern meistens von einer ganzen Gruppe an Genen. Zum Beispiel können Zwillings- und Adoptionsstudien den Zusammenhang zwischen Vererbung und Übergewicht besser beleuchten. Es gibt allerdings nicht ein bestimmtes Gen, das für Übergewicht verantwortlich ist. Dennoch kann das Zusammenspiel verschiedener Gene dir Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Person übergewichtig wird.

So wird zum Beispiel angenommen, dass bestimmte Gene für den Zeitpunkt entscheidend sind, wann der Magen dem Gehirn signalisiert, dass er voll ist und mit dem Essen aufgehört werden sollte. Zusätzlich ist auch das Verbrennen von Kalorien genetisch bedingt. Manche Menschen verbrennen bei sportlichen Aktivitäten mehr Kalorien als andere und manche setzen überschüssige Kalorien schneller in Form von Fettpolstern an.

Nicht ein einzelnes Gen, sondern Gruppen von Genen wirken auf uns

Ein Ziel der molekularen Verhaltensgenetik ist es daher, das Zusammenspiel dieser verschiedenen Funktionen von bestimmten Genen zu erforschen. Auf diese Weise kann etwa herausgefunden werden, welche verschiedenen Gene zusammenwirken, um zu einer besonders stark oder besonders gering ausgeprägten Extraversion zu führen. Um bei diesem Beispiel zu bleiben: Wie gesellig oder zurückgezogen eine Person ist, hängt nicht nur von einem bestimmten „Extraversionsgen“ ab, sondern von einer Gruppe von Genen, die einen Einfluss auf die Ausprägung dieses Persönlichkeitsmerkmals haben. An den beiden Beispielen Übergewicht und Extraversion erkennst du bereits, dass die Gene nicht nur einen Einfluss auf den Körper, sondern auch auf die Psyche haben.

Zusammenhang von Genen und Erkrankungen

Mittlerweile lassen sich mit Hilfe genetischer Tests bereits viele Krankheiten identifizieren. Damit einher geht auch die Chance, die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Erkrankungen in gewissen Populationsgruppen zu ermitteln. Es gibt eine Vielzahl von Laboren rund um den Globus, in denen Psychologen und Molekulargenetiker zusammenarbeiten. Hier versuchen sie Gene zu finden, die beispielsweise die Gefahr für Depressionen, Lernstörungen oder Alkoholabhängigkeit steigern.

Dazu suchen die Molekulargenetiker Familien, in denen bestimmte Erkrankungen über Generationen hinweg immer wieder auftraten. Bei diesen Familien werden Blut- und Speichelproben genommen und auf die DNS hin untersucht. DNS ist das Kürzel für Desoxyribonukleinsäure, welche die Erbinformationen trägt. Die DNS von gesunden und erkrankten Familienmitgliedern wird miteinander verglichen. Die Forscher versuchen dabei, Unterschiede in den Genen festzustellen, welche die Erkrankungen begünstigen.

Chancen und Risiken der Genforschung

Das Erforschen der Gene birgt sowohl positive als auch negative Aspekte. Auf der einen Seite können zwar mit voranschreitender Forschung immer mehr Zusammenhänge zwischen den Genen und bestimmten Erkrankungen nachgewiesen werden. Doch auf der anderen Seite kann es auch zu Diskriminierung kommen. In der pränatalen Diagnostik kommt es zu einem ethischen Problem besonderer Art: Bereits vor der Geburt kann den Eltern mitgeteilt werden, ob ihr Kind bestimmte Erkrankungen haben wird oder wie hoch das Erkrankungsrisiko aufgrund bestimmter Genkompositionen sein wird. Mit diesem Wissen wird gleichzeitig eine große Verantwortung an die werdenden Eltern übertragen.

Wissen bringt Verantwortung und viele Fragen mit sich

Bereits das Wissen um das Geschlecht, kann werdende Eltern zu bestimmten Handlungen verleiten. Durch das frühe Erkennen des Geschlechts kam es in Kulturen, in denen Söhne höher angesehen werden als Töchter, zu vermehrten Schwangerschaftsabbrüchen bei weiblichen Föten. Das wiederum führt zu einem Mangel an Frauen in diesen Gesellschaften. Mit diesem Wissen stellt sich folglich die Frage, wie es bei anderen Merkmalen aussieht. Wenn Eltern schon das Geschlecht bestimmen wollen, würden sie sich dann auch bei der Persönlichkeit eher nach sozial erwünschteren Eigenschaften richten? Es ist nachvollziehbar, dass werdende Eltern wissen möchten, ob ihr Kind eine Erbkrankheit haben wird oder nicht.

Doch was ist, wenn die Eltern sich ein aufgeschlossenes und geselliges Kind wünschen, statt ein übervorsichtiges und zurückhaltendes? Würden Eltern sich bei Föten, die später wenig extravertiert sein werden, eher für eine Abtreibung entscheiden? Oder würden sie nicht nur in Bezug auf die Persönlichkeit, sondern auch aufgrund der äußeren Erscheinung des späteren Kindes solche Entscheidungen treffen? Zum Beispiel, weil sie lieber ein blondes, statt ein rothaariges Kind möchten oder lieber eines mit grünen, statt mit braunen Augen?

Ist das eine Persönlichkeitsmerkmal besser als das andere?

In Bezug auf die Persönlichkeit eines Menschen möchten wir abschließend anmerken, dass es keine positiven oder negativen Persönlichkeitseigenschaften gibt.

Zum Beispiel ist Extraversion an sich nicht „besser“ als Neurotizismus. Es kommt auch immer auf die jeweilige Umwelt an. Eine offene und gesellige Person, die schnell neue Kontakte schließt und sich in neue Herausforderungen stürzt, kann in einer sicheren Umwelt im Vorteil sein. Doch in einer unsicheren Umwelt kann ein hoher Neurotizismuswert, der mit einem Hang zu einem sehr vorsichtigen und zurückhaltenden Verhalten einhergeht, dem Überleben dienlicher sein. Es wäre ohnehin nicht wünschenswerte eine in Bezug auf die Persönlichkeit „gleichgeschaltete“ Gesellschaft zu haben. Es würde einfach zu viel verloren gehen.

Zusammenfassung

  • Die Molekulargenetik ist ein Teilgebiet der Biologie. Dieser Forschungszweig befasst sich mit der molekularen Struktur der Gene und ihren Funktionen.
  • Sowohl Gene als auch Umwelt haben einen Einfluss auf den Körper und die Psyche. Dabei handelt es sich allerdings eher um den Einfluss von verschiedenen Gruppen von Genen. Es gibt zum Beispiel nicht das eine Gen für Übergewicht oder eine bestimmte Persönlichkeitseigenschaft.
  • Im Rahmen der molekulargenetischen Forschung werden weltweit in Laboren die Gene verschiedener Familien erforscht und verglichen. Der Fokus liegt dabei auf Genen, welche mit Krankheiten zusammenhängen, die sich seit Generationen durch diese Familien ziehen.
  • Die Fortschritte in der Forschung erlauben es mittlerweile, mit Hilfe von genetischen Tests verschiedene Krankheiten ausfindig zu machen. So können beispielsweise werdende Eltern ebenso über das Geschlecht des ungeborenen Kindes in Kenntnis gesetzt werden wie über die Höhe des Risikos, dass ihr Kind an einer Erbkrankheit leiden wird.
  • Da diese Form des Wissens jedoch ein zweischneidiges Schwert ist, ergeben sich ethische Probleme. Es besteht beispielsweise die Gefahr selektiver Schwangerschaftsabbrüche. So könnten werdende Eltern die Schwangerschaft vorzeitig beenden, wenn das Baby sich nicht ihren Vorstellungen entsprechend entwickelt. Sei es in Bezug auf dessen Persönlichkeit, Geschlecht, Erkrankungswahrscheinlichkeit oder sonstige Merkmale. Hier ist eine ethische Debatte angebracht.

Tasse

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