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Semiramis und die hängenden Gärten von Babylon


Die hängenden Gärten der Semiramis beflügeln seit der Antike die Phantasie der Menschen. Sie sind von Mythen umrankt, deren Grundlage sich nach Jahrtausenden schwer oder gar nicht zurückverfolgen lässt. Bis heute gibt keine gesicherten Hinweise über ihren Standort und ihren Erbauer, so dass viel Raum für Mutmaßungen bleibt.

Was sind die Hängenden Gärten von Babylon?

Über kein anderes Weltwunder ist so wenig bekannt. In den Schriften antiker Chronisten finden sich mehrere Hinweise auf die hängenden Gärten von Babylon. Sie galten vor allem aufgrund ihres Bewässerungssystems und der Ansammlung von exotischen Pflanzen mitten in der Wüste als außergewöhnlich. Allerdings hat keiner der Chronisten diese Anlage selber zu Gesicht bekommen. Es haben sich darüber hinaus keine Beweise erhalten, die ihre Existenz belegen könnten.

Als Erbauer der hängenden Gärten wird König Nebukadnezar erwähnt. Er erweiterte Babylon während seiner Herrschaft von 605 – 562 v. Chr. um viele Prachtbauten. Seinerzeit soll Babylon die größte Stadt der Welt gewesen sein. Chronisten berichten, dass Nebukadnezar II die Anlage für seine Ehefrau Amytis errichtet habe. Amytis stammte ursprünglich aus dem Bergland und habe inmitten der Wüstenlandschaft Sehnsucht nach der Vegetation ihres Heimatlandes gehabt.

Wer war Semiramis?

Semiramis lebte in der Zeit um 900 vor Chr. in Babylon. Die spätere Königin wird in antiken Schriften als Tochter der Göttin Derketo beschrieben. Sie heiratete den syrischen Statthalter Menon und nach dessen Selbstmord den syrischen König Ninos. Andere Chronisten bezeichnen Semiramis dagegen als eine Hofdame, die den König verführte. Nach dessen Tod übernahm sie die Herrschaft über das assyrisch-babylonische Reich.

Als Königin wollte sie den Ruhm ihres Gatten übertreffen und erbaute deshalb in Babylon zahlreiche Kanäle, Straßen, Brücken, Wasserspeicher und künstliche Hügel. Sie vergrößerte das Herrschaftsgebiet in Richtung Libyen und Äthiopien und führte ihre Truppen bis nach Indien. Als ihr eigener Sohn sie ermorden lassen wollte, sah sie das Ende ihrer Herrschaft gekommen und dankte ab. Anschließend verwandelte sie sich in eine Taube und flog davon.

Warum werden die hängenden Gärten von Babylon auch als Gärten der Semiramis bezeichnet?

Erst in der frühen Neuzeit haben Autoren die hängenden Gärten mit Königin Semiramis in Verbindung gebracht. Semiramis ist vorrangig als Erbauerin der Stadtmauer von Babylon bekannt. Diese Mauer zählte mit ihrer Länge von 18 Kilometern ursprünglich zu den sieben Weltwundern, denn die Liste dieser Wunder erfuhr im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder eine Überarbeitung. Antike Autoren erzählen von den hängenden Gärten in Zusammenhang mit berühmten Bauwerken in Babylon, deren Erbauung Semiramis zugeschrieben wird. Nirgendwo findet sich jedoch ein Hinweis, dass die Königin auch die hängenden Gärten in Auftrag gegeben hat.

Wie könnten die Hängenden Gärten der Semiramis ausgesehen haben?

Vorhandene Abbildungen stammen aus der frühen Neuzeit und zeigen zeitgenössische Baustile und Elemente. Vermutlich handelte es sich bei der Anlage um einen Terrassengarten auf einem Kellergewölbe. Glaubt man den antiken Quellen, bildete er ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 120 Metern. Die Terrassen sollen eine Höhe bis zu 25 Metern erreicht haben und wären damit über die Stadtmauern hinaus sichtbar gewesen. Unter den einzelnen Absätzen sollen sich Gänge befunden haben.

Die Stadt Babylon lag in einer sehr ausgedehnten, trockenen Ebene. Die Art der Bewässerung der hängenden Gärten ist nicht geklärt – vermutlich hätte das Wasser aus dem nahe gelegenen Fluss Euphrat stammen müssen.

Nach der Mitte des 2. Jahrhunderts vor Chr. verlor Babylon seine Funktion als Hauptstadt und erlebte einen langsamen Niedergang. Heute befinden sich an ihrer Stelle ausgedehnte Trümmerfelder, die erst zum Teil ausgegraben und erforscht wurden. 1899 entdeckte der Archäologe Robert Koldewey in den Ruinen Babylons einen Gewölbebau, den er für einen Teil des Weltwunders hielt. Mit einer Länge von 35 Meter wäre die Anlage wesentlich kleiner als vermutet. Das Bauwerk verfügte über eine Brunnenanlage zur Bewässerung. Es bleibt offen, ob es sich bei dieser Anlage um die hängenden Gärten handeln könnte.

Könnten sich die hängenden Gärten in Ninive befunden haben?

Unter Umständen handelt es sich bei den hängenden Gärten um die Palastgärten von Ninive. Diese Stadt liegt 480 Kilometer von Babylon entfernt am Fluss Tigris und wurde von den Assyrern gegründet. Nach Meinung mehrerer Forscher waren die Gärten Teil des königlichen Palastes des assyrischen Königs Sanherib (704 – 681 v. Chr.), der sie für seine Frau erbauen ließ. Historische Quellen berichten von Bäumen, die auf einem überdachten Säulendach wachsen. Zur Bewässerung hätten in diesem Fall wasserführende Brücken (Aquädukte) zur Verfügung gestanden.

Alexander der Große errichtete 331 v. Chr. in der Nähe von Ninive ein Lager. Nach seinen Aufzeichnungen soll sich in der Nähe ein Aquädukt befunden haben. Dies wäre nicht ungewöhnlich, denn der assyrische König Sanherib gab in den Jahren 703 – 690 v. Chr. zahlreiche Baumaßnahmen für die Wasserversorgung seiner wachsenden Residenz und der umliegenden Gärten und Plantagen in Auftrag. Es handelt sich hierbei um ein System von vier Kanälen mit einer Gesamtlänge von 150 Kilometern. Einzelne Abschnitte dieser Wasserversorgung haben sich bis heute erhalten.

Die Baumaßnahmen umfassten viele Tunnel und Brücken und dauerten 15 Jahre. Er führte an der spektakulärsten Stelle auf einer 280 Meter langen und neun Meter hohen Brücke mit fünf Spitzbogen über ein Flusstal. Dieses Aquädukt ist vermutlich das älteste Bauwerk seiner Art und wurde von den Römern als Vorbild für ähnliche Anlagen verwendet. Es war 21 m breit und bestand aus über zwei Millionen behauenen Steinquadern aus Kalkstein. Das Gefälle von einem Meter pro Kilometer ließ das Wasser gleichmäßig Richtung Ninive fließen. Die Bauinschrift Sanheribs ist in Keilschrift auf am Aquädukt erhalten. Vielleicht handelt es sich bei ihm auch um den Erbauer der hängenden Gärten?

Über den Autor:

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