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Turiner Königsliste


Die Turiner Königsliste, auch bekannt als Turiner Königspapyrus, entstand in der Regierungszeit Ramses II. im Neuen Reich (19. Dynastie, etwa 1279-1213 v. Chr.). Es handelt sich um einen Papyrus, auf dem eine Liste der ägyptischen Könige mit ihren Regierungsjahren verzeichnet ist. Sie beginnt mit dem ersten, dem mythischen König Menes und endet mit den Herrschern der 17. Dynastie.

Der Begriff Königspapyrus täuscht, denn tatsächlich handelt es sich dabei um zum Teil kleinste Fragmente eines Papyrus. Sie gelangten im Jahr 1824 nach Italien ins Museo delle antichità egizie in Turin. Dennoch ist der Turiner Königspapyrus die umfangreichste Liste ägyptischer Könige. Daneben existieren aber noch einige andere Königslisten, die alle zusammen die Basis einer relativen Chronologie des Alten Ägyptens bilden.

Aufmachung und hieratische Schrift

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Zeichnung der Turiner Königsliste, Von PLstrom – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 , https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18609784

Die Vorder- bzw. Innenseite eines Papyrus wurde von rechts nach links in einer Schreibschrift beschrieben (hieratisch). Geschrieben wurde mit einem Pflanzenstängel aus Binse, der in Rußtusche getunkt wurde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich, wie in allen Schriften, auch im Hieratischen Schreibgewohnheiten und Zeichenformen. Das Alter der handgeschriebenen Texte lässt sich somit zeitlich in die verschiedenen Schriftstufen einordnen. Der Königspapyrus aus Turin wurde in Neuhieratisch verfasst, die Kursivschrift der 19. Dynastie.

Hieratisch ist im Grund eine kursive Hieroglyphenschrift. Fast alle hieratischen Schriftzeichen haben eine hieroglyphische Entsprechung. Aus diesem Grund werden Papyri heutzutage von den Ägyptologen zunächst aus dem Hieratischen in die Hieroglyphenschrift umgeschrieben. Wenn dies gelungen ist, sind die Texte wesentlich einfacher zu lesen. Handschriften waren schon in früher Zeit unleserlicher als eine „Druckschrift“.

Papyrus besteht aus Streifen vom Mark der Papyruspflanze. Sie werden in einer Lage in Längsrichtung nebeneinander gelegt. Darüber wird quer eine zweite Lage Papyrusstreifen nebeneinander gelegt. Danach wird das Papyrusblatt gepresst und getrocknet. Der Pflanzensaft verklebt die Streifen. Anschließend wird das Blatt geglättet und kann zum Schreiben benutzt werden.

Die Vorderseite (recto) des Papyrusblattes ist die Seite mit den Längsstreifen, die beim Schreiben die Binse leicht über das Blatt gleiten lässt. Die Rückseite (verso) wird normalerweise nicht beschriftet. Allerdings gibt es viele Papyri, die auch auf der Rückseite beschrieben sind. Da die Papyrusstreifen auf der Rückseite quer zu den Längsstreifen liegen, geht die Richtung der Papyrusfasern von oben nach unten. Das führte dazu, dass die Binse beim Schreiben öfter hängen blieb, weil die Schreibrichtung (hieratisch immer von rechts nach links) gegen die Richtung der Pflanzenfasern ging.

Die Turiner Königsliste wurde auf die Rückseite eines Verwaltungsdokuments geschrieben. Der Papyrus war ursprünglich eine Abgaben- bzw. Steuerliste. Die Abgabenliste wurde sicher nicht mehr benötigt und genügte offensichtlich für den erforderlichen Zweck. Die Königsliste wurde recht nachlässig auf die Rückseite des Papyrus geschrieben.

Entziffert wurde das Hieratische von Jean-François Champollion im Jahr 1821. Das war ein Jahr bevor es ihm gelang, die Hieroglyphen zu entziffern. Champollion erkannte, dass es sich bei dem Hieratischen um eine Schriftsprache handelt, also um eine geschriebene Sprache.

Die Entdeckung des Königspapyrus

Die Fundumstände des Königspapyrus sind völlig unbekannt. Er wurde um 1820 herum von Bernardino Drovetti gekauft. Drovetti (1776-1852) war ein italienischer Diplomat im Dienste Napoleons. Er wurde von Napoleon in der Funktion als Kommissar für Auslandsbeziehungen nach Ägypten gesandt. 1798 hatten die Franzosen Ägypten erobert. 1799 zog sich Napoleon aus dem Land zurück und schickte erst im Jahr 1803 Diplomaten nach Ägypten. Drovetti und sein Vorgesetzter Matthieu de Lesseps sollten die Lage vor Ort beobachten und Bericht erstatten.

1815 übergab Drovetti seinen Diplomatenposten an seinen Nachfolger. Er blieb aber in Ägypten, erkundete das Land und betätigte sich als Sammler. 1829 wurde er Generalkonsul für Frankreich in Ägypten. Während seines langen Aufenthalts baute sich Drovetti eine große Sammlung arabischer und altägyptischer Hinterlassenschaften auf. In seinem Auftrag waren Agenten im Land unterwegs, die nach Antiquitäten suchten und Ausgrabungen durchführten. Drovetti verkaufte sie an die Meistbietenden nach Europa. Unter seinen Käufern war beispielsweise auch der bayerische König Ludwig I., dessen Ankäufe sich heute im Museum Ägyptischer Kunst in München befinden.

Drovettis Sammlung war enorm groß. Ein Großteil davon stammte aus Luxor, vieles aber auch aus Tanis, Fayum und Abydos. Er bot seine ägyptologische Sammlung Frankreich und dem Königreich Sardinien-Piemont an, das später auch den Zuschlag erhielt. Sie ging 1824 an die Universität von Turin und bildete den Grundstein für das Ägyptische Museum. Diese Sammlung enthielt neben weiteren bedeutsamen Papyri auch den Königspapyrus. Er war in einer Kiste nach Italien transportiert worden, zerfiel unterwegs aber in kleinste, zum Teil nur einen Quadratzentimeter kleine Fragmente.

Die Rekonstruktion des Königspapyrus

Es war Jean-François Champollion (1790-1832), der die Kiste 1824 auspackte und auf einigen Bruchstücken des Papyrus Königsnamen entziffern konnte. Champollion war es, dem es erst kurz zuvor gelungen war (im Jahr 1822) die Hieroglyphen anhand von Königsnamen zu entziffern. Er fertigte von den großen Fragmenten des Königspapyrus eine Zeichnung an, hielt eine Rekonstruktion aber aufgrund des Zustands für unmöglich.

Nach Champollions Abreise untersuchte Gustav Seyffarth (1796-1885) den Papyrus bzw. seine Fragmente. Seyffarth war ein Altertumsforscher und früher Ägyptologe der Universität Leipzig. Er konnte keine Hieroglyphen und auch keine hieratische Schrift lesen. Ihm gelang es aber, anhand der Papyrusfasern alle Fragmente zusammenzusetzen. Seine Rekonstruktion ist bis heute in großen Teilen gültig. Leider sind etwa 50 Prozent des Papyrus verloren. Seine noch erhaltene Länge beträgt 1,7 Meter. Er ist 41 cm breit und in über 160 Fragmente zerbrochen.

Aufbau und Inhalt des Turiner Königspapyrus

Der Turiner Königspapyrus ist in 11, nur teilweise erhaltene Kolumnen bzw. Spalten eingeteilt. Sie enthalten die Namen und die Regierungsjahre der Könige bis zum Beginn des Neuen Reiches. Die Auflistung der Königsnamen beginnt aber erst in der dritten Kolumne.

In der ersten Kolumne werden Götterdynastien aufgeführt, mit dem Schöpfergott Ptah an der Spitze. Die zweite Kolumne berichtet von 30 Herrschern aus Thinis und zehn Herrschern aus Memphis, die hunderte Jahre lang das Land regiert haben sollen. Dabei handelt es sich um mythische Herrscher. In der dritten Kolumne beginnt in der elften Zeile die Namensnennung der historischen Könige. Als erster König wird Menes erwähnt.

Neben den Königsnamen werden ab der dritten Kolumne auch herausragende Taten der Könige genannt, außerdem die jeweilig Regierungsdauer und das Lebensalter des Herrschers bei seiner Abdankung bzw. bei seinem Tod. Die Herrscherabfolgen in den Kolumnen, soweit sie noch vorhanden sind:

  • Kolumne 1: Götter
  • Kolumne 2, Zeilen 11-25: Götter und mythische Könige
  • Kolumne 3, Zeilen 11-25: 1. bis 2. Dynastie
  • Kolumne 4, Zeilen 1-25: 2. bis 5. Dynastie (Altes Reich)
  • Kolumne 5, Zeilen 1-26: 6. bis 10. Dynastie (Erste Zwischenzeit)
  • Kolumne 6, Zeilen 12-25: 11. bis 12. Dynastie (Mittleres Reich)
  • Kolumne 7, Zeilen 1-2: 12. bis 13. Dynastie (Mittleres Reich)
  • Kolumne 8, Zeilen 1-23: 13. Dynastie (Zweite Zwischenzeit)
  • Kolumne 9, Zeilen 1-30: 13. bis 14. Dynastie (Zweite Zwischenzeit)
  • Kolumne 10, Zeilen 1-30: 14. Dynastie (Zweite Zwischenzeit)
  • Kolumne 11, Zeilen 1-?: 14. bis 17. Dynastie (Zweite Zwischenzeit)

Aufgrund des hohen Zerstörungsgrads des Papyrus könnte es auch sein, dass die Fragmente enger zusammengeschoben werden müssen. Dann wären automatisch weniger als 50 Prozent des Papyrus verloren. Diese Frage wird sich aber wohl nicht mehr klären lassen.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Turiner Königsliste gewinnen?

Es ist zu vermuten, dass der Königspapyrus keine große formale Bedeutung für den Schreiber hatte. Wenn die Königsliste offiziell wichtig gewesen wäre, wäre sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf die Rückseite eines alten, schon benutzten Verwaltungsdokuments geschrieben worden. Daraus lässt sich schließen, dass es ein Original gegeben haben muss, von dem diese Liste abgeschrieben wurde und von der der Schreiber wusste.

Interessant ist die Tatsache, dass der Schreiber auch die Herrscher der Zweiten Zwischenzeit mit aufgelistet hat. Allerdings fehlt vor ihren Namen die königliche Titulatur. Zu sehen ist stattdessen das Schriftzeichen für „Fremdherrscher“. Die sogenannten Hyksos waren keine einheimischen Könige, sondern ausländische Eindringlinge. Normalerweise wurden diese Fremdherrscher in den Königslisten nicht genannt.

Die Regierungsdauer einiger Könige wird auf den Monat und Tag genau festgeschrieben. Wieder andere Könige wurden zu Familien zusammengefasst. Die Akribie mit der die Turiner Königsliste ausgeführt wurde, lässt darauf schließen, dass dem Schreiber alle Herrschernamen und alle Daten genauestens bekannt waren.

Zu Missverständnissen bei den modernen Übersetzern führte der Name Hudjefa, der gleich zweimal in der Turiner Königsliste auftaucht. Mittlerweile ist gewiss, dass es sich bei Hudjefa lediglich um einen Platzhalter handelt. Die Schreiber der 19. Dynastie setzten Platzhalter ein, wenn ein Name schon auf dem Originaldokument, von dem abgeschrieben wurde, unlesbar, zerstört oder ausgelöscht war. Das Wort Hudjefa bedeutet so viel wie „fehlt“ oder „ausgelöscht“. Eine andere Bezeichnung mit der gleichen Bedeutung findet sich in der hieroglyphischen Königsliste von Sakkara. Hier ist die Rede von Sedjes. Dieser „Name“ wurde sogar in eine Kartusche geschrieben, bedeutet aber ebenfalls nur „fehlt“ oder „ausgelöscht“.

Weitere Königslisten vervollständigen den Königspapyrus

Die älteste erhaltene Königsliste stammt aus dem Alten Reich. Es ist der sogenannte Annalenstein der 5. Dynastie aus der Regierungszeit des Königs Neferirkare (etwa 2475-2465 v. Chr.). Auch diese Steintafel ist zerbrochen und nicht mehr vollständig erhalten. Zwei große Bruchstücke sind als Palermostein und als Kairostein bekannt und befinden sich den Museen, nach denen sie benannt sind.

Drei kleinere Teilstücke befinden sich ebenfalls in Kairo, ein weiteres in London, im Petrie Museum of Egyptian Archaeology. Der Annalenstein ist auf der Vorder- und auf der Rückseite hieroglyphisch beschriftet. Aufgeführt sind in Tabellenform die verschiedenen Namen aller Könige von der prädynastischen Zeit bis zu Neferirkare. Erwähnt werden außerdem wichtige Jahresereignisse, Nilfluthöhen und das Krönungs- und das Todesjahr eines jeweiligen Königs.

Die Königsliste von Karnak stammt aus dem Neuen Reich und wurde von Thutmosis III. (18. Dynastie) in Auftrag gegeben. Hier sind 61 Könige aufgeführt. Vermutlich handelt es sich bei den abgebildeten und mit Namen gekennzeichneten Königen aber um die Abbildungen von Königsstatuen. Es wird angenommen, dass diese Statuen beim Umbau des Karnak-Tempels durch Thutmosis III. gefunden und sie deswegen notiert wurden. Die Auflistung ist nicht chronologisch angelegt, aber sie nennt auch die Herrscher der Ersten und Zweiten Zwischenzeit. Insofern ist die Königsliste von Karnak für die altägyptische Chronologie von großer Bedeutung.

Die Königsliste von Sakkara stammt aus der 19. Dynastie. Es ist eine hieroglyphische Liste, die sich im Grab eines memphitischen Priesters namens Tjuneroy aus der Zeit Ramses II. befand. Die Liste nennt 58 Könige, deren Namen und Abfolgen sich zum großen Teil mit denen des Turiner Königspapyrus decken. Die Liste aus Sakkara befindet sich heute im Museum von Kairo.

Die Königsliste von Abydos aus dem Totenkulttempel Sethos I. und die Königsliste von Abydos aus dem Totenkulttempel von Ramses II. sind praktisch identisch und stammen beide aus der 19. Dynastie. Die Liste von Ramses II. ist deutlich schlechter erhalten als die seines Vaters Sethos I. und befindet sich heute im British Museum in London.

Die hieroglyphische Liste aus dem Sethos-Tempel umfasst 76 Könige, von Menes bis Sethos I. Auffällig ist, dass viele Herrscher der Ersten und alle Herrscher der Zweiten Zwischenzeit in der Auflistung fehlen. Außerdem fehlen fünf Könige der 18. Dynastie, die aus religiösen oder staatspolitischen Gründen absichtsvoll ignoriert wurden. Das waren Hatschepsut, Amenophis IV. (Echnaton), Semenchkare, Tutanchamun und Eje II.

Aegyptiaca als Ergänzung zum Königspapyrus

Manetho war ein Priester aus dem unterägyptischen Sebennytos. Er lebte in der Ptolemäerzeit (309 – 30 v.Chr.), vermutlich unter den Königen Ptolemaios I., Ptolemaios II. und Ptolemaios III. Seine Lebensdaten sind nicht überliefert, aber er wird in einem Verwaltungsdokument aus der Zeit Ptolemaios III. erwähnt. Seine bekannteste Schrift ist die Aegyptiaca, die Geschichte Ägyptens, die er zweisprachig in Hieratisch und Griechisch verfasste. Sein Werk umfasst die Geschichte des Landes in Form von drei Büchern, von den Anfängen bis zur Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen. Es ist eine Chronik zur Politik, Religion und Geschichte Altägyptens.

Überliefert ist die Aegyptiaca nicht im Original, sondern nur indirekt. Sie wurde von Gelehrten und Historikern der Spätantike in Teilen abgeschrieben und übersetzt. Trotz des Fehlens der Originalschriften wird Manethos Werk als die Basis der Erforschung der altägyptischen Geschichte angesehen. Er war es, der die durchgehende Herrscherabfolge in 30 Dynastien einteilte. Diese Einteilung bildet noch heute das Gerüst der altägyptischen Chronologie.

Seine Informationen bezog Manetho in erster Linie aus den Papyri der Tempel-Archive. Er musste ein Hohepriester gewesen sein, denn er hatte offensichtlich Zugang zu allen Dokumenten. Manetho verfügte über so viel Detailwissen, dass nur dieser Schluss möglich ist. Er war gebildet und konnte ebenso Hieroglyphen lesen und schreiben wie Hieratisch und Griechisch. Seine Aegyptiaca entsprach ganz der altägyptischen Tradition der Annalen. Sie war im Großen und Ganzen eine Auflistung von Ereignissen.

Manethos ursprüngliches Werk wurde im Laufe der Jahrhunderte vielfach abgeschrieben. Diese Abschriften wurden wiederum abgeschrieben. Dass sich im Laufe der Zeit Fehler, Veränderungen und Verstümmelungen einschlichen, ist natürlich. Vieles lässt sich deswegen heute nur noch schwer zuordnen. Zur Ergänzung der übrigen noch vorhandenen Königslisten ist die Aegyptiaca dennoch unverzichtbar. Zumal für die Herrscherabfolge nach Ramses II. keine altägyptischen Listen überliefert sind.

So existiert zum Beispiel in der Papyrussammlung der Universitätsbibliothek Heidelberg ein kleines Papyrusfragment (pBaden 4.59) aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. Es handelt sich wohl um eine in griechischer Schrift verfasste Abschrift einer spätantiken Bearbeitung von Manethos Aegyptiaca. Auf dem Heidelberger Fragment befindet sich ein Teil einer Liste der Perserkönige der 27. Dynastie.

Die Bedeutung des Turiner Königspapyrus für die Chronologie

Die Bedeutung des leider sehr zerstörten Turiner Königspapyrus kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es gibt zwar einige andere Königslisten, aber keine ist so ausführlich wie die aus Turin. Wäre der Papyrus erhalten geblieben, wären darauf alle Könige von der 1. bis zur 17. Dynastie aufgelistet gewesen.

Die chronologische Abfolge der Könige und die Angaben der jeweiligen Regierungslängen sind aus heutiger Sicht sehr zuverlässig. Die geschichtliche Überlieferung beginnt zwar mit Göttern, Halbgöttern und mythischen Königen, denen allen phantastische Regierungslängen zugeschrieben wurden. Doch die Herrscherabfolge ab der 1. Dynastie ist korrekt.

Die Zerstörung des Turiner Königspapyrus wurde durch die unsachgemäße Aufbewahrung und den Transport von Ägypten nach Italien verursacht. Als er in Turin ausgepackt wurde, war er fast vollständig zerstört. Jean-François Champollion hielt eine Rekonstruktion für völlig unmöglich. Vermutlich ist es ein Wunder, dass noch so viele Fragmente gerettet werden konnten. Schließlich waren die Restaurationsmöglichkeiten Anfang des 19. Jahrhunderts im Vergleich zu heute noch nicht sehr weit fortgeschritten.

Mithilfe aller Königslisten kann die Ägyptologie Daten, historische Ereignisse oder kulturelle Entwicklungen zeitlich einordnen. Die Listen liefern die Basis für den zeitlichen Ordnungsrahmen, der eine Rekonstruktion der Geschichte ermöglicht.

Eine relative Chronologie stützt sich aber nicht auf abstrakte Zeitangaben. Es geht dabei nicht um die Lebensdaten eines altägyptischen Königs, der – nach modernem Geschichtsverständnis – vielleicht von 1976-1913 v. Chr. lebte. Es geht um die jeweilige Regierungsdauer eines Königs, von seiner Thronbesteigung bis zu seinem Tod, ebenso bei den Folgekönigen. Die Rede war also von einem Ereignis, das zum Beispiel im Jahr 3 der Regierung des Königs XY stattgefunden hat. Die Ägypter hatten einen anderen Umgang mit der Zeit und ein anderes Verständnis von Zeit als wir heute.

Zusammenfassung

  • Der Turiner Königspapyrus ist eine Königsliste, die auf die Rückseite eines alten, nicht mehr gebrauchten Verwaltungsdokuments geschrieben wurde.
  • Sie stammt aus der Zeit Ramses II. (19. Dynastie) und ist die Abschrift eines Originals, das nicht mehr vorhanden ist.
  • Wozu die Liste erstellt wurde, wird sich nicht mehr klären lassen. Der Schreiber war aber sicher ein Beamter, der Zugang zu alten Akten bzw. zu Archiven hatte.
  • Die Turiner Königsliste ist noch heute Forschungsgegenstand. 2009 wurden weitere, bisher unbekannte Bruchstücke des Königspapyrus im Lager des Ägyptischen Museums in Turin gefunden. Sie sind wohl in einem relativ guten Zustand und warten noch auf ihre Veröffentlichung.

Literatur

  • F. J. Lauth: Manetho Und Der Turiner Königs-Papyrus, ISBN 5519084815*
  • Ptolemy, Manetho: Aegyptiaca, etc.: History of Egypt and Other Works, ISBN 0674993853*
  • Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie, ISBN 3447040270*

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