Skip to main content

Unterschied zwischen abstrakt und konkret an Beispielen erklärt


Allgemein kann man feststellen, dass alle Dinge, Gegenstände oder Personen – welche wir sehen und anfassen können, zu den konkreten Sachverhalten gehören. Dazu gehören zum Beispiel Katze, Boot, Baum oder Schrank.

Liebe, Hass und alle anderen Gefühle kann man nicht sehen, nicht riechen und nicht anfassen, wodurch diese zu abstrakten Konzepte zählen. Auch Wörter wie Errungenschaft oder Weisheit sind abstrakt. Schließlich kann man sagen, dass diese Abstrakte lediglich abstrakt sind, da man sich darunter nicht wirklich etwas Konkretes vorstellen kann.

Der Unterschied zwischen abstrakt und konkret liegt demnach in den Eigenschaften und Merkmalen einer Sache begründet. Bei einer Tür gibt es eine gedankliche Vorstellung davon, wie diese funktioniert, wie diese aussieht und sich anfühlt. Bei abstrakten Begriffen geht dies nicht, außer man hebt bestimmte Eigenschaften hervor und macht sie dadurch konkreter. Dies nennt sich Abstraktionsprozess.

Was bedeutet abstrakt?

Das ist mir zu abstrakt.

Diese Sätze hört man oft, um das Wort abstrakt mit theoretisch gleichzusetzen. Beide Begriffe bedeuten allerdings etwas ganz Unterschiedliches. Mit dem oben genannten Satz ist eigentlich gemeint, dass der Sachverhalt undurchschaubar ist und sich das Konkrete nicht aus dem Kontext ergibt.

Dies ist aber etwas ganz Anderes als eine Theorie. Denn eine Theorie ist, laut Definition, ein Erkenntnisgewinn, welcher auf Wissen basiert, anstatt auf Erfahrungen. Somit ist eine Theorie oder auch das Wort theoretisch nichts, was nicht nachvollziehbar oder nur als Idee funktionieren kann. Stattdessen ist eine Theorie immer wissensbasiert. Im Gegensatz dazu sind beispielsweise Vorurteile erfahrungsbasiert und demnach keine wissenschaftliche Theorie.

Durch Abstraktionen, welche ganz normale Denkprozesse sind und bei jedem automatisch stattfinden, werden die wesentlichen konkreten Eigenschaften einer Sache von den ganz unkonkreten bzw. abstrakten Merkmalen getrennt. Dadurch bleibt, nach dem Denkprozess, nur noch das Notwendige eines Sachverhaltes über, wodurch dieser besser beurteilt werden kann.

Wenn jemand dann sagt, dass ihm dieser Sachverhalt zu abstrakt erscheint, deutet dies lediglich daraufhin, dass derjenige die abstrakten Eigenschaften nicht von den konkreten trennen kann. Dies wiederum bedeutet, dass er im Sachverhalt nicht gut genug eingewiesen ist, um die Trennung in derzeit „wichtig“ und „unwichtig“ zu vollziehen.

Denn um eine Beurteilung über unwichtige und wichtige Eigenschaften zu treffen, muss derjenige inhaltlich diese Eigenschaften in Bezug setzen können. Ansonsten kann keine Bewertung erfolgen und demnach kann auch nicht festgestellt werden, was konkret und was abstrakt erscheint.

Das Abstrakte am Beispiel erklärt

Du möchtest Lebensmittel kaufen, hast aber keine Ahnung von gesunder Ernährung. Trotzdem bittet dein Lebenspartner dich, die Lebensmittel besonders gesund einzukaufen. Dazu liest du dir die Inhaltsstoffe auf der Verpackung durch. Aber du kannst nicht erahnen, ob ein niedriger Zuckergehalt besser oder schlechter ist. Und da du nicht weißt, ob Vitamine gesund oder schädlich sind, kannst du keine Unterscheidung in gute und schlechte Nahrung treffen. Demnach erscheint dir die Sachlage zu abstrakt.

Wenn du allerdings Ahnung von gesunder Ernährung hast, gehst du anders vor. Nun kommt es darauf an, mit welcher Zielsetzung du einkaufen willst. Denn du kannst bei gesunder Ernährung, auf wenig Zucker oder hohen Vitamin-Anteil achten. Manch anderer schaut auf die Proteine und der nächste auf vegane Zutaten. All diese Merkmale gehören zur gesunden Ernährung. Dennoch legst du, im Vorfeld, deine eigene Priorität fest.

Angenommen du willst keinen Zucker in deinen Lebensmitteln. Dann suchst du auf der Zutatenliste gezielt danach und blendest den Vitaminanteil, die tierischen Inhaltsstoffe usw. aus. Du trennst demnach das für deinen Kontext wichtige vom Unwichtigen, um einen konkreten Sachverhalt herzustellen. Dies geht allerdings nur, da du den Erkenntnisgewinn (Zucker=schlecht) bereits gedanklich formuliert hast.

Unterschied zwischen Konkreten und Abstrakten an Beispielen erklärt

Das Beispiel zeigt, dass wir einen gewissen Wissenstand oder Erkenntnisstand benötigen – um Konkretes aus dem Abstrakten zu erkennen.

Und viele abstrakte Begriffe sind Dinge, welche wir nur mit einem höheren Erkenntnisstand begreifen können. Zum Beispiel das Wort Sozialstaat. Dies bedeutet, dass Umverteilung zwischen Reichen und ärmeren Menschen stattfindet, welches der Staat organisiert. Ganz konkret heißt das: Reiche Menschen zahlen mehr Steuern, damit der Staat ärmere Menschen finanziell unterstützen kann.

Dies schützt vor Armut, vor zu großer Ungerechtigkeit und sorgt für ein gewisses Maß an Chancengleichheit. Der abstrakte Begriff des Sozialstaates umfasst aber auch zahlreiche Gesetze, welche dies regeln und Behörden, welche dies steuern. Durch diese vielen unwesentlichen Merkmale (Gesetze, Behörden, Ämter, Verantwortliche, Regularien) entsteht ein abstraktes Gebilde, welches undurchschaubar ist.

Durch die gedankliche Trennung von den ganzen unwesentlichen (Gesetze usw,) und den eigentlich wesentlichen Merkmalen (Umverteilung) wird das Abstrakte zu etwas Konkreten. Demnach entscheiden wir, mit unserem Kenntnisstand, ob etwas abstrakt erscheint oder zu etwas Konkreten wird.

Abstrakte Theorien

Die Evolutionstheorie ist eine Lehre, welche erklärt – dass sich Lebewesen, im Laufe der Erdgeschichte, entsprechend weiterentwickelt haben. Demnach haben die heute lebenden Arten gleiche Urahnen. Die bereits gefundenen Fossilien belegen die Evolution.

Für viele Menschen ist die Vorstellung, dass der Affe und der Mensch den gleichen Vorfahren hatten, extrem abstrakt und in diesem Sinne weit hergeholt. Dennoch zeigen Gen-Analyse, dass Mensch und Affe große Übereinstimmungen haben. Demnach gibt es eine genetische Verwandtschaft zwischen dem Menschen und den Affen. Untersucht man nun die Gene von Fossilien, stellt man dort ebenfalls fest, dass diese Urahnen und die heute lebende Affen (zu denen der Mensch gehört) gleiche Genanteile besitzen.

Sind die Genanteile entsprechend groß, liegt die Verwandtschaft noch nicht so lang zurück. Werden die Genanteile entsprechend kleiner, hat sich die heute lebende Art schon vor geraumer Zeit von diesem Urahnen gelöst. Alle Lebewesen stammen demnach von den gleichen Lebewesen ab. Die genetische Trennung bzw. Aufspaltung in eine andere Art liegt nur weiter zurück.

Menschen sich demnach vom Affen-Ahnen als letztes genetisch getrennt. Die Trennung zwischem Mensch und allen anderen Säugetieren lag evolutionsgeschichtlich viel weiter zurück. Und die Trennung zwischen dem Menschen und allen anderen Wirbeltieren liegt noch weiter zurück. Dennoch ist der Mensch mit jedem anderen Lebewesen verwandt, was die Genetik beweist.

Die abstrakte Theorie der Affen-Mensch-Verwandtschaft ist nur so lange abstrakt, bis der Erkenntnisstand und bestimmte Merkmale (Genanalyse) diese zu etwas Konkreten machen. Dann wird das Gebilde vorstellbar, nachvollziehbar und somit konkret.

Zusammenfassung

  • Der Unterschied zwischen abstrakt und konkret liegt in der Vorstellung über eine bestimmte Sache begründet.
  • Lässt sich eine ganz genaue Vorstellung zu einem Sachverhalt treffen, erscheint dieser konkret.
  • Ist der Sachverhalt allerdings ungenau und weist zu viele ungenaue Eigenschaften auf, verschwimmt das Konkrete und wird abstrakt.
  • Dadurch schleicht sich das Vorurteil ein, dass das Abstrakte etwas nicht Funktionelles sei.
  • Tatsächlich sind abstrakte Begriffe lediglich zu weiträumig und liefern keine klare Abgrenzung in ihren wesentlichen Merkmalen.
  • Durch Abstraktion als Denkprozess können unwesentliche Eigenschaften ausgeblendet werden, wodurch eine Konkretisierung erreicht wird.
  • Ob etwas konkret oder abstrakt erscheint, hat demnach etwas damit zu tun, ob wir wissen – welche Eigenschaften wir ausblenden können.
  • Und um ausblenden zu können, müssen wir über den Sachverhalt Bescheid wissen, um wichtiges von unwichtigem zu trennen.
  • Erst dann kann etwas Abstraktes zu etwas Konkreten werden.

Tasse

Wie gefiel dir der Beitrag?

Vielleicht möchtest du auch in Zukunft mehr solcher Beiträge lesen.

Aber du solltest wissen...

ScioDoo.de ist ein Projekt, welches von mir freiwillig und mit hohem Aufwand vorangetrieben wird.

Wenn du ScioDoo nützlich und hilfreich findest, bitte ich dich, das Projekt mit einer kleinen Spende zu unterstützen.

Schon der Preis einer Tasse Kaffee kann reichen, um morgen wieder weiter zu machen.

Mehr erfahren


Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

Das Ziel von ScioDoo ist es, dass du hier Informationen findest, welche du für deinen Alltag, Schule, Studium oder eine betriebliche Weiterbildung brauchst.

Aber nicht nur das...

Gleichzeitig will ich das Wissen recht unterhaltsam servieren, so dass du vielleicht mal wiederkommst.

Ich weiß selbst, dass dieser Ansprung enorm ist.

Aber deshalb arbeite ich auch jeden Tag an mir und an diesem Projekt, so dass du auch jeden Tag neues kostenloses Wissen bekommst.

Nicht schlecht, oder?

Also bis später vielleicht.

LG Mathias Mücke