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Was bedeutet Begriffsschrift: Definition und Bedeutung


Begriffsschrift ist ein eher wenig geläufiger Ausdruck, der oft mit der Bezeichnung für andere Schriftarten erklärt oder definiert wird. Es handelt sich hierbei um Schriftarten, für die Begriffsschrift eigentlich als Oberbegriff steht oder von denen sie deutlich abzugrenzen ist.

Dass der Ausdruck dennoch Bekanntheit erlangt hat, liegt am Titel einer Abhandlung des Mathematikers Gottlob Frege aus dem Jahr 1879, in welcher er sowohl ein mathematisch-logisches Konzept als auch dessen grafische Darstellung mittels eines speziellen Zeichensatzes jeweils als Begriffsschrift bezeichnete.

Begriffsschrift als deutscher Ausdruck für Ideografie

Zu Freges Zeit setzte man die sogenannte Ideographie mit Begriffsschrift gleich, was zwar durchaus angemessen ist, vielleicht aber auch zur Erklärung beiträgt, weshalb man sich mit der Verwendung des Wortes Begriffsschrift schwer tut. Ein Übriges trägt der Umstand bei, dass auch weitere mit dem Wort zusammenhängende Ausdrücke nicht einheitlich verwendet werden und auch ihre Beziehung untereinander verschiedenen Auffassungen unterliegt.

Denn das der Ideographie zugrundeliegende griechische Wort Eidos steht zunächst für die Idee eines Gegenstandes, also nur für die Vorstellung, die man von dem Gegenstand hat. Hierbei handelt es sich um den Begriff des Gegenstands, nicht um den Gegenstand selbst.

Der Ursprung für dieses Konzept liegt in der antiken griechischen Philosophie. Der Begriff eines Stuhls ist nicht der jeweilige einzelne Stuhl, sondern eine abstrahierende Kategorisierung des Stuhls, in der sich jeder einzelne Stuhl wiederfinden kann, unabhängig von seinen Eigenschaften wie Farbe oder Größe.

Ein ideografisches Zeichen oder Ideogramm wäre demzufolge ein solches, das diesen Begriff des Stuhls in irgendeiner grafischen Form kennzeichnet. Geschieht dies allerdings durch die stilisierte Abbildung eines Stuhls, ist bereits von einem Piktogramm (lateinisch pictum für gemalt) die Rede. Ob die Piktografie hier wirklich einzuordnen ist, wird allerdings unterschiedlich aufgefasst.

Nicht nur dies belegt, wie fließend die Übergänge in den Bezeichnungen sind. Hinzu kommt meist auch noch die Frage, welche Art von Zeichen aus welcher anderen Art hervorgegangen ist, und zwar bezogen auf die Sprache, in der es vorkommt. Jedenfalls hat sich Ideografie bis heute als der eigentliche Terminus anstelle von Begriffsschrift gehalten.

Logografie und Begriff

Der im Ausdruck Logografie vorkommende Bestandteil Logos bedeutet dagegen das Wort, das gerade im Kontext verwendet wird (z.B. dieser Stuhl hier).

Logos wird im Deutschen aber auch als Begriff wiedergegeben, weshalb man gelegentlich auch – zu Unrecht – Logografie mit Begriffsschrift gleichsetzt.

Auch der Logografie wird hin und wieder die Piktografie zugerechnet, womit gemeint ist, dass auch hier ein einziges Zeichen für ein ganzes Wort steht, wenn es sich um ein Bildzeichen handelt. Die Einteilung als logografisch scheint der Piktografie auch am angemessensten zu sein.

Stufen der Verschriftlichung von Lauten bis zum einzelnen Zeichen als Bedeutungsträger

Ein kurzer und vereinfachter Blick auf die Schrift selbst sowie verschiedene Arten von Schrift, die einen Bezug zur Begriffsschrift haben, soll Systematik und Schwierigkeiten hierbei näher erläutern.

Ein Kriterium für die Einteilung von Schriftarten ist, wofür in der Sprache die verwendeten Zeichen stehen. Dies kann für die Zeichenlänge des Wortes, den Lernaufwand für die Schrift oder etwa für die Präzision der festgehaltenen Information Vor- und Nachteile mit sich bringen.
Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass die Schriften vieler Sprachen aus Anteilen verschiedener Schriftarten zusammengesetzt sind. Somit sind sie nicht mehr eindeutig als Vertreterin einer einzigen bestimmten Schriftart deklarierbar.

Auch sind gegebenenfalls schriftliche Besonderheiten zu berücksichtigen, wie etwa die Determinative in den ägyptischen Hieroglyphen. Bei ihnen handelt es sich um ehemals bildliche Zeichen und auf den ersten Blick wie Piktogramme wirken. In Wirklichkeit haben sie keinen Informationsgehalt, sondern sind einzig dazu bestimmt, Bedeutung oder Funktion anderer Zeichen anzuzeigen.

Alphabetschriften

Alphabetschriften lassen sich am eindeutigsten definieren. In ihnen stehen die Zeichen (Buchstaben, daher auch Buchstabenschriften) für rein sprachliche Laute. Ein einzelner Buchstabe transportiert keinerlei Information. Daher ergibt zum Beispiel nur der Buchstabe r für sich allein genommen keinen Sinn.

Der Vorteil solcher Schriftarten liegt unter anderem darin, dass sie dank ihrer Kominierbarkeit zu größeren Lauteinheiten in der Regel mit einem relativ geringen Inventar an Zeichen auskommen, so wie das deutsche Alphabet mit 26 Buchstaben. Andererseits sind sie nicht völlig präzise.
Auch können sie für den Gebrauch in einer anderen Sprache übernommen werden, doch muss man sie für typische Laute dieser Sprache gegebenenfalls modifizieren: entweder schafft man für solche Laute ein eigenes Zeichen, oder das selbe Zeichen wird in verschiedenen Lautzusammenhängen unterschiedlich ausgesprochen. Das Letztere setzt eine Kenntnis durch den Sprecher voraus.

Silbenschriften

Silbenschriften stellen längere klangliche Einheiten von Wörtern dar. Das macht sie geeignet zum schnelleren Schreiben (wie zum Beispiel in stenografischen Schriften, die wenigstens in Teilen Silbenschriften sind), wohingegen die Zeichenanzahl je nach dargestellter Sprache und somit der möglichen Silben stark variiert.

Sie waren vor allem in alten Sprachen verbreitet und wurden später oft durch Alphabete ersetzt. Beispiel für eine moderne Silbenschrift sind die sogenannten Kanji in der japanischen Schrift, die ihren Ursprung in der chinesischen haben. Die chinesische Schrift ist ihrerseits in Teilen eine Silbenschrift, aber nicht nur. Aufgrund ihrer vielseitigen Gestalt wird sie im Folgenden auch unter den übrigen Schriftarten aufgeführt werden.

Schriften mit eigenen Zeichen als Träger von Bedeutung

Während Buchstaben- und Silbenschriften die Laute einer Sprache wiedergeben, stehen Schriften, die aus noch größeren Einheiten, nämlich der Abbildung ganzer Wörter, bestehen, für den Inhalt des Niedergeschriebenen, nämlich für die Bedeutung des Wortes selbst – oder für den Begriff, der dem Wort zugrundeliegt.

Ganze Wörter im eigentlichen Sinne werden mittels der Logografie versinnbildlicht. Hierfür stehen grafische Zeichen, sogennante Logogramme.
Prominenteste Vertreterin einer logografischen Schrift ist wiederum die chinesische. Allerdings ist sie nicht rein logografisch, sondern nur mehrheitlich. Hinzu kommen auch noch ideografische Elemente, so dass das Chinesische teils der Logografie, teils aber auch der Ideografie zugeordnet wird.
Werden in einer logografischen Schrift die Wörter durch erkennbare Abbildungen vertreten, so spricht man von Piktogrammen. Die Piktografie als die Darstellung durch Bilder gilt als Vorläuferin alter Schriften wie der Keilschrift, der Hieroglyphen und in Teilen auch der chinesischen Schrift.

Für die Ideografie und damit letztlich die Begriffsschrift existiert keine wirklich exakte und verbindliche Definition, noch nicht einmal eine uneindeutige. Man kann lediglich Beispiele für Ideogramme anführen. So handelt es sich bei den im Deutschen verwendeten Zahlzeichen um Ideogramme, was wiederum den engen Zusammenhang von Begriff und Zahl illustriert, besonders hinsichtlich der Abstraktion.

Freges Begriffsschrift und die Präzision der Sprache

Vor diesem Hintergrund scheint sich der Titel von Gottlob Freges Begriffsschrift als nicht ganz treffend zu erweisen.
Zunächst gilt es zu wissen, dass für ihn das Wort Begriff, wie er andernorts ausführt, eine besondere mathematische Bedeutung haben kann. Unter Begriffen versteht er keine gedanklichen Vorstellungen oder verbale Äußerungen, sondern bestimmte mathematische Gruppen.

Auch ist seine Terminologie, die er in Teilen selbst geschaffen hat, scheinbar alles andere als begrifflich. Sie besteht aus einem hoch abstrakten Zeichensatz, der sich dem herkömmlichen Bedeutungsverständnis entzieht und erst eigens erlernt werden muss.

Die Symbole erschließen sich auch anders als Piktogramme aufgrund von Ähnlichkeiten mit Gegenständen der gewöhnlichen Erfahrung nicht auf den ersten Blick von selbst, sondern sind ausschließlich für die Fachwelt gedacht.

Und dennoch war Freges Anliegen nicht nur die Formalisierung von Sprache, welche dank der erstrebten Präzision eine von der Logik ausgehende mathematische Beweisführung und Schlussfolgerung erleichtern sollte.

Er wollte zwar die Logik durch die Eindeutigkeit des Ausdrucks vom Ballast der meist uneindeutigen Alltagssprache frei machen. Andererseits hoffte er ganz in der Tradition des Philosophen Leibniz, diese Alltagssprache, die „Sprache des Lebens“ (Frege) durch seine Arbeit ebenso an dieser Eindeutigkeit teilhaben zu lassen und der gewöhnlich gesprochenen Sprache zu größtmöglicher Klarheit verhelfen. Dass dies heute immer noch vonnöten ist, zeigen, die eben gemachten Ausführungen über die Eindeutigkeit von Begriffen.