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Was beinhaltet die Krankenhausreform 2023: Maßnahmen und Bedeutung


krankenhausreform-2023

Die Krankenhäuser in Deutschland benötigen eine Reform – und das erst nicht seit gestern. Was bereits seit Langem geplant ist, soll im Jahr 2023 endlich umgesetzt werden. Was es mit der Krankenhausreform 2023 auf sich hat und worum es dabei vor allem geht, stellen wir Ihnen im nachfolgenden Artikel genauer vor.

Geht es um das Finanzielle, stehen zahlreiche deutsche Krankenhäuser nicht gut da. Rund 60 Prozent der Kliniken kalkulieren für das letzte Jahr wirtschaftliche Verluste ein – dazu kommen höhere Energiekosten und die hohe Inflation als zusätzliche Herausforderungen.

Medizinprodukte und Lebensmittel, aber auch Strom sind bei Weitem nicht mehr so günstig wie früher. Dennoch können Krankenhäuser natürlich auch nicht einfach teurere Behandlungen anbieten als vorher und die Preise einfach anheben wie die Bäckerei um die Ecke. In den Krankenhäusern selbst leidet das Personal unter einer hohen Belastung durch die Arbeit.

Nicht erst seit Kurzem ist der Pflegesektor in Deutschland einer der unattraktivsten überhaupt – was vor allem an der Bezahlung liegt. Eine Pflegekraft betreut schon einmal 20 Patienten oder mehr am Tag. Dazu kommen Nacht- oder Wochenenddienst. Die Zustände sind desolat und erfordern eine Reform.

Bis zum Sommer 2023 soll unter anderem deshalb ein Referentenentwurf vorgelegt werden, welcher die Basis einer gemeinsamen Gesetzesgrundlage darstellen soll. Das Ziel ist es laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, zu vermeiden, dass Krankenhäuser «durchökonomisiert» werden und stattdessen vor allem medizinische Aspekte im Fokus stehen.

Krankenhausreform 2023: So sieht die aktuelle Lage aus

In Deutschland gibt es derzeit rund 1.900 Krankenhäuser, in denen knapp 490.000 Betten stehen. Rund ein Drittel der Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen – das sind über 85 Millionen Euro – fließen jedes Jahr allein in Krankenhausbehandlungen.

Das ist viel Geld. Aber knapp 60 Prozent der Krankenhäuser schreiben dennoch keine schwarzen Zahlen. Grund: Die Betten sind oft nur zu rund 70 Prozent belegt. Auf der anderen Seite gibt es jedoch insbesondere für Kinder oft viel zu wenige Betten in den Krankenhäusern. Nicht zu vergessen ist der Personalmangel, unter dem insgesamt fast 90 Prozent aller Kliniken und Pflegeeinrichtungen in Deutschland leiden.

So werden Krankenhäuser in Deutschland finanziert

Derzeit werden Krankenhäuser in Deutschland vor allem von den Ländern, aber auch von den Fallpauschalen der Krankenkassen finanziert. Investitionen werden von den Ländern getragen. Sämtliche laufenden Betriebskosten, darunter fallen auch die Personalkosten, werden von den Krankenkassen über die Fallpauschalen finanziert.

In der Praxis funktioniert ein solches Modell jedoch nicht immer. Nach Angaben der DKB benötigte man im Jahr 2020 zum Beispiel insgesamt sechs Milliarden Euro für Investitionen, während die Länder lediglich drei Milliarden Euro investierten. Dieses Ungleichgewicht existiert bereits seit vielen Jahren – und aus diesem Grund verwenden die Krankenhäuser die Gelder der Krankenkasse auch für verschiedene Investitionen.

Die Planung ist von den Bundesländern abhängig

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens hat die geplante Krankenhausreform 2023 als «eine Mammutaufgabe» bezeichnet. Sie sei dennoch notwendig, da es bereits jetzt Lücken für die Versorgung gäbe – insbesondere in den ländlicheren Gebieten. Dazu kommt, dass in den kommenden Jahren zahlreiche Pflegekräfte und Ärzte in Rente gehen werden. Die Vorschläge für die geplante Reform, welche eine Regierungskommission schon auf Aufforderung des Bundesgesundheitsministeriums im Dezember vorstellte, würden laut Behrens in zahlreichen Aspekten bereits den schon besprochenen Reformen in Niedersachsen sowie NRW entsprechen.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann fügt hinzu, dass es dabei nicht geplant sei, Krankenhäuser zu schließen, sondern vor allem ein höheres Niveau an Behandlungsqualität zu erreichen. Darüber hinaus müssten Aufgaben gezielt verteilt werden. Die Krankenhausplanung solle laut ihm weiterhin Ländersache bleiben. Es sei laut Laumann nicht richtig, eine einheitliche Schablone über deutsche Kliniken zu legen – das sei ohnehin nicht realisierbar, da sich die Krankenhäuser in den verschiedenen Regionen Deutschland teilweise deutlich voneinander unterscheiden und individuelle Anpassungen nötig seien.

Die Krankenhausreform und das System der Fallpauschalen

Ehe man im Jahr 2003 die Fallpauschalen in Deutschland einführte, erhielten Krankenhäuser Pauschalen für jeden Tag, an denen Patienten in ihrer Klinik verbracht hatten. Die Folge waren entsprechend lange Liegezeiten und dementsprechend höhere Kosten. Mit Einführung der Fallpauschalen sollte dies geändert werden, um feste Richtlinien gemäß der Verweildauer in Krankenhäusern bei bestimmten Erkrankungen und der damit verbundenen Vergütung vorgeben zu können. Im Rahmen dieser Richtlinie wird dann eine einheitliche Pauschale bezahlt, ohne dass die tatsächliche Verweildauer des Patienten in der Klinik dabei eine Rolle spielt.

Zwar hat die Einführung der Fallpauschalen einige Verbesserungen mit sich gebracht, allerdings waren auch mitunter gewisse Probleme eine Konsequenz, die sich nicht vermeiden ließ. So haben die Krankenhäuser zahlreiche gut bezahlte Fälle akquiriert. In der Pädiatrie für Kinder und Jugendliche ist ein solches System allerdings nicht realisierbar. Denn hier gibt es häufig keine planbaren Eingriffe, sondern vielmehr Notfälle und Akutbehandlungen. Die Folge dessen ist wiederum, dass die Zahl der Betten in der Pädiatrie zwischen 1990 und 2020 um rund 45 Prozent sank.

Dazu kommt: Verglichen zu anderen Ländern werden in Deutschland zahlreiche Operationen durchgeführt. Geht es darum, künstliche Hüftgelenke zu implantieren, steht Deutschland sogar im internationalen Vergleich an der Spitze. Es lassen sich allerdings weder beim Gesundheitszustand noch beim Alter der Bevölkerung plausible Gründe dafür finden. Experten sind der Meinung, dass knapp 20 Prozent der implantierten Hüftprothesen in Deutschland überflüssig seien.

Welche Rolle spielt die Expertenkommission bei der Krankenhausreform

Im Rahmen ihres Koalitionsvertrags nahm sich die Ampel vor, die erforderlichen Reformen für eine bedarfsgerechte und zeitgemäße Krankenhausversorgung zu schaffen. So setzte man hierfür eine Expertenkommission ein, welche bislang drei Stellungnahmen mit Entwürfen für die Reform vorgestellt haben. Darin geht es vor allem um mehr Geld für Geburts- und Kinderkliniken, damit einerseits das Personal in den Kliniken entlastet werde sowie gleichzeitig für weniger Übernachtungen, die nicht wirklich nötig seien, zu sorgen.

Auch die Finanzierung der Krankenhäuser werde unterstützt. Konkrete Entwürfe zu Geburtshilfe Kinderkliniken und weniger Übernachtungen in Krankenhäusern seien bereits per Gesetz festgelegt worden – der nächste Schritt ist die Realisierung des wichtigsten Themas: Der Reform der Finanzierung von Krankenhäusern.

Im Zuge der Finanzreform sollen insbesondere die Ressourcen besser aufgeteilt werden, denn laut Medizinern gäbe es vielerorts eine Überversorgung in gewissen Bereichen, während andere dagegen unterversorgt seien – wie zum Beispiel die Kinderheilkunde.

Die Krankenhausreform 2023: Über diese Vorschläge beraten Bund und Länder

Im Zuge der geplanten Krankenhausreform 2023 sollen Kliniken vor allem gezielt Aufträge erhalten, welche unterschiedlichen Leistungen durch sie durchgeführt werden sollen. Hier ist von den sogenannten Leistungsgruppen die Rede, wie beispielsweise Magen-Darm-, Herz- oder auch Nierenbehandlungen. Das sei effizienter, als eine übergreifende Fachabteilung für Innere Medizin zu unterhalten, in der wichtige Kompetenzen fehlen – wie zum Beispiel die richtige Behandlung eines akuten Herzinfarktes.

Darüber hinaus sieht die Reform vor, dass die Kliniken bundesweit einheitlich drei verschiedenen Kategorien zugeordnet werden und dafür entsprechende Förderungen bekommen.

Diese drei Stufen sind:

  • Kliniken zur Grundversorgung
  • Maximalversorger wie Universitätskliniken
  • Krankenhäuser mit Regel- und Schwerpunktversorgung

Weiterhin sollen die Fallpauschalen drastisch reduziert werden. Krankenhäuser erhalten noch immer für jeden Patienten einen pauschalen Eurobetrag, was – so Lauterbach – zu einer Art «Hamsterrad-Effekt» führe, in dessen Zuge möglichst zahlreiche Behandlungen so günstig wie möglich durchgeführt würden. Dies hätte eine schlechtere Behandlungsqualität zur Folge und setze das ohnehin bereits überlastete Personal zusätzlich unter Druck.

Geringere Pauschalen könnten dabei den Anreiz verringern, teure Prothesen einzubauen, obwohl dies nicht zwingend nötig sei und gleichzeitig finanzielle Ressourcen für sogenannte Vorhalteleistungen zu schaffen.

Gemäß der Reformvorschläge für 2023 sollen deutsche Kliniken in Zukunft unter anderem für die Aufnahme von Notfällen, für das Vorhalten von Personal oder für erforderliche Medizintechnik feste Summen erhalten. Diese werden als Vorhalteleistungen bezeichnet.
Ein gutes Beispiel ist die Feuerwehr – sie wird natürlich auch dann bezahlt, wenn es gerade nirgends brennt, sondern durchgehend.

Karl Lauterbach ist der Meinung, dass Basisfinanzierung für Kliniken, Angemessenheit und Qualität die wichtigsten Kriterien für eine stabile medizinische Versorgung sind. Um dies zu gewährleisten, können im Reformentwurf spezielle Vorhalteleistungen festgelegt werden. Hierbei handelt es sich um eine Basisfinanzierung, damit die Notaufnahme, das Personal oder auch die Medizintechnik vorgehalten werden.

Allgemein soll die Krankenhausreform 2023 den Druck von den Kliniken nehmen: Weg vom Modell «Jeder macht alles» in die Richtung einer Spezifikation auf bestimmte medizinische Bereiche. Ein erster Schritt ist dabei bereits die Unterteilung der Krankenhäuser in die drei genannten Kategorien. So ließe sich insgesamt eine qualitativ hochwertige Behandlung sicherstellen, weil sich die Krankenhäuser auf gewisse Bereiche konzentrieren könnten.

Wann wird die geplante Krankenhausreform umgesetzt

Die Krankenhausreform ist ein Mammutprojekt, das bereits seit einigen Jahren vom Bund und den Ländern diskutiert wird. Bei der geplanten Reform für 2023 handelt es sich um ein Projekt, das langfristig umgesetzt wird. Karl Lauterbach spricht dabei sogar von einer Revolution für deutsche Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Die Medizin solle wieder in den Fokus der Therapie gerückt werden und nicht rein dem wirtschaftlichen Aspekt folgen. Experten sind der Ansicht, dass die Reform in diesem Jahr bereits seitens des Gesetzgebers realisiert werden und dann spätestens Anfang 2024 in der Praxis in Kraft treten kann. Dabei wird es allerdings keine Umstellung von einem Tag auf den anderen geben. Vielmehr erfolgt ein Wechsel in vielen kleinen Schritten in den Kliniken: Von der Kommission wird im Zuge dessen eine Übergangsphase von fünf Jahren angesetzt, in der man das System Stück für Stück in den Krankenhäusern einführt.