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Was ist eine Lohnlücke: Definition und Bedeutung


Als Lohnlücke werden die Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern, den geografischen Regionen (Ost-West, Nord-Süd), den Branchen und Berufen unter einem Begriff zusammengefasst. Insbesondere die Lohnlücke zwischen Mann und Frau geriet zunehmend ins öffentliche Interesse.

Was ist eine Lohnlücke: Definition und Bedeutung

Das öffentliche Interesse am prozentualen Unterschied zwischen den Stundenlöhnen von Männern und Frauen hat in Deutschland deutlich zugenommen. Gleichzeitig ist die prozentuale Lohnlücke zwischen Männern und Frauen nahezu konstant geblieben. Das bedeutet, dass es zu Spannungen zwischen dem Interesse der Öffentlichkeit und der erlebten Wirklichkeit kommt.

Eine europäische Übersicht zeigt, dass niedrige Frauenerwerbsquoten tendenziell mit einer geringeren Lohnlücke verbunden sind. Soll bedeuten, weniger Frauenarbeit – kleinere Lohnlücke zwischen Mann und Frau. Dieses Phänomen wird mit variierenden Geschlechterunterschieden in den Charakteristika der erwerbstätigen Bevölkerung in den Ländern erklärt.

Deutschland hat sowohl im Vergleich zu allen Ländern Europas als auch nur zu solchen Ländern mit ähnlichen Frauenerwerbsquoten eine der größten Lohnlücken. Dagegen fallen die skandinavischen Länder mit ihren relativ kleinen Lohnlücken bei zugleich hohen Frauenerwerbsquoten im europäischen Vergleich markant auf. Die Erhöhung der Partnermonate beim Elterngeld, die quantitative und qualitative Zunahme der Kinderbetreuung und eine Reform der Steuervorteile für Zusammenveranlagung sind geeignete Mittel, um die Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu erhöhen – sowohl im Hinblick auf die Erwerbsbeteiligung als auch der Lohnhöhe.

Zwei wichtige empirische Fakten sind in einer Diskussion über die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen stets zu berücksichtigen. Erstens ihre zeitliche Entwicklung. Die Lohnlücke ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erheblich kleiner geworden. 1960 betrug sie in Deutschland gut 35 %. Die Lohnlücke stagniert jedoch seit einiger Zeit auf einem Niveau von etwas mehr als 20 %.

Zweitens lässt sich ein großer Teil der Lohnlücke auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen in den Bereichen Ausbildung, Berufserfahrung, wöchentliche Arbeitszeit sowie Branchen und Berufswahl zurückführen.

Determinanten der Lohnhöhe

Folgende Faktoren können die Lohnlücke beeinflussen:

  • Bildung und Berufserfahrung,
  • Beschäftigungsumfang (etwa Teilzeitarbeit, Vollzeitarbeit),
  • Erwerbsunterbrechungen,
  • Branchen-, Berufswahl und betriebliche Einflüsse,
  • innerbetriebliche Faktoren (etwa Erfassung durch Tarifverträge),
  • weitere Entgeltfaktoren (etwa Entgeltbewertung, Präferenzen).

Unbereinigte Lohnlücke

Die unbereinigte Lohnlücke betrachtet den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen allgemein, während die bereinigte Lohnlücke auf den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen mit denselben individuellen und betriebsbezogenen Merkmalen abzielt. Letztere betrachtet vergleicht nur Frauen und Männer mit selber Qualifikation und Berufserfahrung.

Die unbereinigte geschlechtsspezifische Lücke lässt sich auf unterschiedliche Weise messen: So können Stundenlöhne, das Monatseinkommen, das Jahreseinkommen oder das Einkommen über das gesamte Erwerbsleben hinweg betrachtet werden. Es lässt sich das Brutto- oder Nettoeinkommen heranziehen.

Häufig werden die Bruttostundenlöhne betrachtet. Diese bilden auch die Grundlage der von Eurostat ausgewiesenen Lohndifferenzen (geschlechtsspezifischer Lohnunterschied ohne Anpassungen). Der Bruttostundenlohn ist ein geeigneter Indikator, wenn das Erkenntnisinteresse auf Aspekten der Entlohnung durch Unternehmen liegt und es um allokative Fragen geht. Stehen eher soziale Aspekte wie die Armutsinzidenz im Vordergrund, kann der Nettolohn geeigneter sein, da dann der Haushaltszusammenhang berücksichtigt werden muss.

Der Bruttolohn wiederum ist mithin der Indikator der Wahl, wenn es darum geht, das Ausmaß der Ungleichbehandlung abzuschätzen, die durch den Arbeitsmarkt insgesamt erfolgt. Auch in diesem Zusammenhang ist die Beschränkung auf Stundenlöhne sinnvoll, denn so werden Lohnunterschiede ausgeschlossen, die auf einen unterschiedlichen Arbeitsumfang zurückgehen.

Eine Differenz beim Bruttomonatslohn, die sich allein aus einem unterschiedlichen Arbeitsumfang erklärt, ist kein geeigneter Indikator für das Vorliegen von Diskriminierung, da einer höheren Entlohnung dann auch mehr Arbeit und damit mutmaßlich ein höherer Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens gegenübersteht, der die höhere Entlohnung rechtfertigt.

Vor diesem Hintergrund ist eine indirekte Berücksichtigung von Monats- und Jahreseinkommen sinnvoll, weil sämtliche Lohnbestandteile in die Berechnung der Stundenlöhne Eingang finden sollten. Rein tarifvertraglich festgelegte Stundenlöhne berücksichtigen keine Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder andere Boni und Gratifikationen. In vielen Fällen sind auch gar nicht Stundenlöhne vertraglich vereinbart worden, sondern lediglich Monatslöhne in Verbindung mit einer tariflichen Arbeitszeit.

Bereinigte Lohnlücke

Die bereinigte Lohnlücke bezeichnet den Lohnunterschied, der sich ergibt, wenn die Löhne von Frauen und Männern mit denselben individuellen und betriebsbezogenen Merkmalen verglichen werden, das heißt es werden die Löhne von Frauen und Männern mit dem gleichen Bildungsniveau, in den gleichen Berufen und Branchen, der gleichen Beschäftigungsform (Vollzeit-, Teilzeit- oder geringfügiger Beschäftigung) usw. miteinander verglichen. Da sich Frauen und Männer in den genannten Merkmalen oft unterscheiden, können die Unterschiede einen Teil der zuvor ermittelten unbereinigten Lohnlücke erklären.

Fazit

Deutschland weist im Jahr 2020 im EU-Vergleich mit 19 Prozent immer noch einen der höchsten geschlechtsspezifischen Lohnabstände auf, was sich möglicherweise auch auf die im Vergleich geringe geschlechtsspezifische Beschäftigungslücke von 12,7 Prozentpunkten zurückführen lässt. So partizipieren in Deutschland hoch qualifizierte Frauen kaum stärker am Arbeitsmarkt als Frauen mit geringer und mittlerer Qualifikation.

Dagegen sind in Ländern mit einer hohen Beschäftigungslücke wie Italien und Malta geringqualifizierte Frauen weniger stark erwerbstätig, sodass das durchschnittliche Lohnniveau der Frauen insgesamt relativ hoch ist. Eine Verallgemeinerung dieses Befunds zu der These, dass die Höhe der Lohnlücke und die Höhe der Beschäftigungslücke stets negativ korreliert sind, ist jedoch nicht unproblematisch.

Betrachtet man die verschiedenen Determinanten der Lohnlücke, so wird deutlich, dass persönliche Charakteristika wie das Bildungsniveau aufgrund der verbesserten Bildungsergebnisse von Frauen immer mehr an Relevanz verlieren. Eine Vielzahl der internationalen Studien weist stattdessen der horizontalen und vertikalen geschlechtsspezifischen Segregation weit mehr Bedeutung zu: So entscheiden sich Frauen tendenziell für andere Berufe als Männer, die teilweise auch schlechter bezahlt sind. Zudem entscheiden sich Frauen häufiger für Erwerbsunterbrechungen mit anschließender Teilzeitbeschäftigung, oft auch unfreiwillig, womit sich ihre Karrierechancen verringern. Für solche Entscheidungen spielen auch soziale Normen und institutionelle Charakteristika eine wichtige Rolle.

Im Hinblick auf die Höhe des Lohnabstands ist es auch relevant, zu welchem Zeitpunkt des Karriereverlaufs die Löhne von Frauen und Männern verglichen werden. So ist bei der Gruppe der Berufsanfänger der Lohnabstand meist geringer. Des Weiteren besteht eine Lohnlücke zwischen kinderlosen Frauen und Frauen mit Kindern, die sich unter anderem darauf zurückführen lässt, dass viele Frauen nach der Geburt eine Erziehungspause einlegen und für die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit öfter eine Teilzeitbeschäftigung anstreben als Frauen ohne Kinder.


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