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Wieso ist Kreativität wichtig? Bedeutung, Beispiele, Förderung & Messung


Kreativität ist gefragt. Wenn wir an diesen Begriff denken, kommt bei vielen fast automatisch das Bild von jungen Designern oder Künstlern auf. Doch auch in der Wissenschaft ist Kreativität von großem Nutzen. Denn wenn es um neue Probleme geht, zu denen es noch keine Lösung gibt, dann ist das fantasievolle und kreative Denken eines Forschers häufig die einzige Möglichkeit.

Außerdem ist Kreativität auch im Alltag überaus nützlich. Denn auch hier stoßen wir häufig an Grenzen, die mit altbekannten Lösungsstrategien nicht zu überwinden sind. Einfallsreichtum ist also in den verschiedensten Lebensbereichen von Vorteil. Doch was ist Kreativität genau? Wie hängt sie mit Intelligenz zusammen und wie lässt sie sich fördern? Antworten auf diese und weitere Fragen, findest du im folgenden Artikel.

Was ist Kreativität?

Kreativität wird beschrieben als die Fähigkeit, neuartige und nützliche Ideen zu haben. Nützlich sind Einfälle dann, wenn sie der Situation angemessen sind und zur Lösung eines Problems beitragen. Ohne Nutzen sind die neuen und kreativen Ideen im besten Falle seltsam oder im schlimmsten Falle vollkommen nutzlos.

Ein historisches Beispiel für eine kreative Idee, war die Erfindung des Rades. Denn dieses war definitiv neu. Niemand kannte zuvor so etwas wie ein Rad. Und nützlich war es obendrein. Denn plötzlich konnten selbst schwere Dinge verhältnismäßig einfach von A nach B transportiert werden.

Zusammenhang zwischen Kreativität und Intelligenz

Sowohl Kreativität als auch Intelligenz sind bei der Lösung von Problemen von Nutzen. Zwar handelt es sich bei beiden Merkmalen nicht um identische Eigenschaften, doch sie haben dennoch einen starken Bezug zueinander. So zeigt die heutige Forschung, dass ein Zusammenhang hinsichtlich der kognitiven Prozesse besteht. Die Intelligenz übernimmt sozusagen der Steuerung von Basisprozessen der Kognitionen. Kreativität hingegen ist für komplexere Tätigkeiten und Aufgaben verantwortlich.

Laut Sternberg ist die Intelligenz eines der sechs Hauptelemente der Kreativität. Neben der Intelligenz gehören noch die Umgebung, die Persönlichkeit eines Menschen sowie dessen Denkstil, Wissen und Motivation zu den Voraussetzungen kreativen Denkens. Allerdings scheinen auch neuronale Netzwerke eine entscheidende Rolle zu spielen. Denn gerade Verbindungen im präfrontalen Kortex im vorderen Teil des Gehirns haben einen Einfluss auf die Kreativität. Gleiches gilt für das limbische System. Dieser (entwicklungsgeschichtlich sehr alte Teil des Gehirns) reguliert unter anderem die Verdauung und die Fortpflanzung. Allerdings ist er darüber hinaus für Funktionen wie das Lernen, das Gedächtnis oder Emotionen mitverantwortlich.

Lässt sich Kreativität messen?

Anders als bei der Messung der Intelligenz gibt es kein allgemeines Maß für die Kreativität. Es gibt demnach keinen offiziellen „Kreativitätsquotienten“. Allerdings haben Robert Sternberg und Kollegen fünf Aspekte der Kreativität herausgearbeitet. Sternberg hat ebenfalls die triarchische Theorie der Intelligenz entwickelt, welche sich aus der praktischen, analytischen und kreativen Intelligenz zusammensetzt.

Expertenwissen

Je mehr Wissen wir haben, desto mehr Verbindungen ergeben sich. Wenn du in einem bestimmten Gebiet sehr viel Gelernt hast, kannst du auf einen großen Wissensschatz zurückgreifen. Darin enthalten sind eine Menge „Wissensbausteine“, die du untereinander kombinieren kannst. Auf diese Weise kannst du auch bis dato noch nicht vorhandene Ideen hervorbringen. Eine fundierte Wissensvorlage klingt vielleicht zunächst einmal nicht sonderlich kreativ, kann dir aber als Ideengrundlage dienen.

Stell dir einen Chemiker vor, der nicht wirklich viel Ahnung von seinem Fachgebiet hat. Wenn es um die Lösung eines komplexen Problems geht, wird er schneller an seine Grenzen stoßen als ein Kollege, der ein breites Wissensspektrum auf diesem Gebiet hat. Dieser kann nämlich auf viel mehr Informationen zurückgreifen und diese auch für die Lösung des Problems miteinander verknüpfen. Wie du weiter oben bereits gelesen hast, ist Wissen eine Voraussetzung für die Kreativität.

Fantasievolles Denken

Bei der Kreativität geht es auch um die Fähigkeit, ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Eine blühende Fantasie hilft dabei. Sie ermöglicht es dir, neue Verbindungen herzustellen oder unentdeckte Muster zu erkennen. Wenn dir für ein Problem keine vollständige Lösung vorliegt, kannst du so mit Hilfe fantasievoller Überlegungen verschiedene Teillösungen verknüpfen und so vielleicht zu einer endgültigen Lösung kommen.

Wagemutige Persönlichkeit

Durchhaltevermögen ist zielführend. Denn wer sich selbst nach einer Vielzahl von Rückschlägen nicht von seinem Weg abbringen lässt, wird früher oder später auf die Lösung stoßen. Thomas Edison hat etliche Materialien getestet bis er schließlich den geeigneten Glühdraht für seine wohl berühmteste Erfindung fand – die Glühbirne. Wer keine Risiken wagt und keine Unklarheiten aushalten kann, bleibt bei seiner Suche nach neuen Erfahrungen schnell auf der Strecke.

Intrinsische Motivation

Druck von außen ist kein Nährboden für Kreativität. Stattdessen geht es darum, dass eine kreative Person sich von ihrer inneren Motivation sowie von Herausforderungen antreiben lässt. Termindruck, die Frage, wie man durch sein Handeln auf andere wirken könnte oder der Faktor Geld als Belohnung stehen bei kreativen Menschen weniger im Fokus. Es geht viel mehr um den inneren Antrieb, den diese Menschen durch das Vergnügen an ihrer Arbeit gewinnen und die Befriedigung bei der Bewältigung von Herausforderungen.

Kreative Umgebungen

Diese unterstützen sowohl das Aufbauen von Netzwerken als auch das Arbeiten im Alleingang.
Viele Wissenschaftler und Forscher der früheren und späteren Geschichte hatten Mentoren oder unterstützende Beziehungen zu Kollegen. Teamaufbau und Kommunikation sind Aspekte, die in kreativen Umgebungen gefördert werden. Doch diese Form von Umgebungen ermöglichen Innovationen auch durch das Ermöglichen von ungestörtem Nachdenken. Es muss demnach auch Rückzugsorte geben, damit ohne Unterbrechungen von außen gearbeitet werden kann.

Weitere Beurteilungsarten der Kreativität

Bewerten lässt sich die Kreativität außerdem am individuellen Maß des konvergenten und divergenten Denkens. Das divergente Denken wird als Fähigkeit beschrieben, ungewöhnliche Lösungen für ein Problem hervorbringen zu können. Geprüft werden kann diese Fähigkeit anhand von bestimmten Fragen, bei welchen der Befragte sich in schnellem und flexiblem Denken beweisen muss.

Solche Fragen beziehungsweise Aufgaben können darin bestehen, so viele viereckige Dinge oder so viele weiße Lebensmittel wie möglich in drei Minuten aufzulisten. Oder in kurzer Zeit alle möglichen Verwendungszwecke für einen Ziegelstein zu nennen. Die Resultate werden anschließend auf Basis ihrer Flüssigkeit, Einzigartigkeit und Ungewöhnlichkeit ausgewertet.

Zur Testung der konvergenten Intelligenz kann ein Wort-Assoziations-Test genutzt werden. Dabei wird die Testperson mit einer Reihe von Wörtern konfrontiert und soll einen Begriff finden, der zwei dieser Wörter miteinander verbindet. Eine Beispielreihe wäre „Fisch“, „Mine“, „Rausch“ oder „Plastik“, “Suppe“, “Tran“. Du kannst an dieser Stelle ja einmal kurz überlegen, was dir dazu einfällt und deine Lösung notieren. Am Ende des Artikels findest du die Auflösung.

Mit konvergentem Denken ist übrigens eine Einsicht zu bezeichnen, die einem schlagartig in den Sinn kommt. Diese Form des Denkens kommt zum Einsatz, wenn das Problem klar definiert ist und es eine korrekte Lösung gibt.

Allerdings kann die Kreativität einer Person auch gemessen werden, indem sie etwas erschaffen soll. Das kann eine Zeichnung, eine Geschichte oder ein Gedicht sein.

Welche Bedeutung hat Kreativität für die Gesellschaft?

Kreativität hilft einer Gesellschaft, zukunftsfähig zu bleiben. Bei der Kreativität geht es um das Hervorbringen neuer und nützlicher Ideen. Daher ist diese Fähigkeit gerade in der heutigen Zeit von Bedeutung. Wir leben in einer Welt des stetigen Wandels. Globalisierung, Technologisierung und Digitalisierung machen Kreativität unverzichtbar. Denn sie ist unter anderem eine Anpassungsleistung an neue und ungewohnte Situationen. Eine sich verändernde Welt geht mit vielen neuen Situationen einher, für die es ganz einfach noch keine vorgefertigten Lösungswege gibt. Daher ist hier ein kreatives Denken gefragt.

Umfragen zufolge werden gerade junge Menschen als besonders kreativ eingeschätzt. Damit geht allerdings ein Problem einher: Aufgrund des demografischen Wandels besteht unsere Gesellschaft zunehmend aus älteren Personen. Stellt sich also die Frage, wie man dennoch als Gesellschaft zukunftsfähig bleiben kann.

Wie kann man Kreativität fördern?

Im Absatz zur Kreativitätsmessung hast du verschiedene Aspekte dieser Fähigkeit kennengelernt. An einigen von diesen lässt sich anknüpfen, um die individuelle Kreativität auszubauen und zu unterstützen. Eine Möglichkeit ist das Aneignen eines Expertenwissens. Durch eine fundierte Wissensgrundlage sind mehr kreative Verknüpfungen möglich. Du könntest dich fragen, welcher Bereich dir besonders wichtig ist und wo du genug Leidenschaft aufbringen kannst, um einen großen Wissensvorrat anzulegen.

Doch auch die „Inkubationszeit“ ist nicht zu unterschätzen. Damit ist in diesem Fall allerdings nicht die Zeit zwischen einer Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheitssymptome gemeint. In Bezug auf die kreative Problemlösung geht es darum, sich nach der intensiven Beschäftigung mit einem Thema eine Weile nicht mehr damit zu befassen. Es heißt nicht umsonst „Darüber muss ich erst einmal schlafen“. Denn während du dich nicht bewusst mit einem Problem befasst, werden dennoch Informationen verarbeitet und Verbindungen in deinem Gehirn geknüpft. Daher kann es zu einem plötzlichen „Aha-Effekt“ kommen, wenn du dich erst nach einer Weile dem Problem erneut zuwendest.

Um diesen Prozess zu unterstützen, lässt du auch besser erst einmal von aufmerksamkeitsfressenden Dingen ab. Statt stundenlang vor dem Fernseher zu sitzen oder dich durch die sozialen Medien zu klicken (oder auch beides gleichzeitig), könntest du meditieren oder spazieren gehen. Einfach einmal den Geist schweifen zu lassen hilft dabei, Informationen mental zu „verdauen“. Statt den Blick (und damit auch deine Gedanken) also auf einem Bildschirm verharren zu lassen, lasse ihn doch zur Abwechslung einfach schweifen. Solche gedanklichen Auszeiten können der Kreativität ungemein auf die Sprünge helfen.

Erweitere deine Denkarten. Das geht hervorragend durch die Beschäftigung mit anderen Kulturen. Dein Denken wird durch den Einfluss neuer Sichtweisen flexibler. Studien konnten zeigen, dass kreative Lösungen leichter von Probanden erdacht wurden, wenn diese eine Weile im Ausland verbracht hatten. Multikulturelle Erfahrungen können also nicht nur dein Verständnis von der Welt erweitern, sondern damit auch deine Kreativität befeuern.

Auch mentale Experimente können kreative Gedankengänge anregen. Einerseits können Fragen bezüglich „was hätte sein können?“ die Fantasie anregen. Andererseits funktioniert auch die umgekehrte Richtung: Du kannst dich etwa fragen, was morgen, nächste Woche oder in fünf Jahren sein könnte, was für Herausforderungen oder Probleme auftreten und wie du ihnen eventuell begegnen könntest.

Zusammenfassung

  • Kreativität meint die Fähigkeit, neue und nützliche Ideen zu entwickeln.
  • Wie auch die Intelligenz ist Kreativität bei der Lösung von Problemen von Vorteil. Intelligenz ist eine der Komponenten von Kreativität. Weitere Komponenten sind Wissen, eine kreative Umgebung, Motivation und der persönliche Denkstil.
  • Es gibt kein allgemein gültiges Maß zur Bestimmung der Kreativität. Allerdings kann der Grad der Kreativität daran bemessen werden, wie die folgenden Merkmale bei einer Person ausgeprägt sind: Fantasievolles Denken, wagemutige Persönlichkeit, Expertenwissen, intrinsische Motivation.
  • Weitere Methoden zur Kreativitätsmessung sind die Untersuchung von divergentem und konvergentem Denken oder auch die Erschaffung eines kreativen Werkes, zum Beispiel einer Zeichnung.
  • Kreativität hat eine gesellschaftliche Bedeutung. In Zeiten des stetigen Wandels ist Kreativität eine Anpassungsleistung, welche eine Gesellschaft zukunftsfähig macht. Daher ist es wichtig, sich die Frage nach der Förderung von Kreativität zu stellen.
  • Da die Voraussetzungen für Kreativität bekannt sind, liegen darin auch Ansatzpunkte für die Unterstützung des kreativen Denkens.
  • Hilfreich ist das Aneignen von Expertenwissen und das Schaffen kreativitätsfördernder Umgebungen. Doch es kann auch helfen, den Geist schweifen zu lassen oder Gedankenexperimente durchzuführen.

Auflösung

Du bist nun am Ende des Artikels angelangt und wie versprochen kommt nun die Lösung der Wortassoziationen. Die Antworten auf die oben genannten Wortreihen „Fisch“, „Mine“, „Rausch“ und „Plastik“, “Suppe“, “Tran“ sind die Begriffe „Gold“ (Goldrausch und -mine) sowie „Tüten“ (Plastiktüten und Tütensuppe).


Tasse

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