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Wie kam es zum Mauerfall, welche Bedeutung und Folgen hatte der Fall der Mauer


Wie kam es zum Mauerfall, welche Bedeutung und Folgen hatte der Fall der Mauer

Bildquelle: www.pixabay.com

In der Nacht vom 09. auf den 10. November 1989, von Donnerstag auf Freitag, fiel die Mauer in Berlin. Diese Mauer trennte den Ostteil der Stadt, der unter der Regierung der DDR stand, vom westlichen Teil. Dieser war Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Ereignis vor knapp 30 Jahren war eines der bedeutendsten Geschehnisse im 20. Jahrhundert. Wir zeigen dir, wie es überhaupt zum Bau der Mauer kam, welche Bedeutung der Mauerbau hatte und warum die Mauer letztlich gefallen ist.

Die Berliner Mauer verlief über eine Länge von ca. 160 Kilometern quer durch Berlin. Sie war eine der am besten bewachten Grenzen zu dieser Zeit. Sie trennte nicht nur zwei Länder, sondern vor allem zwei politische Systeme – den Kommunismus im Osten und den Kapitalismus im Westen. Als „Mauerfall“ bezeichnet man die Öffnung dieser Grenze, so dass die Bürger Ost-Berlins ungehindert in den Westen reisen konnten.

Die Hintergründe zum Bau der Berliner Mauer

Warum wurde die Mauer überhaupt gebaut?
Um dies genau zu verstehen, muss man in die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg zurückblicken.

Ganz Deutschland wurde nach dem Ende des Krieges in vier sogenannte Besatzungszonen aufgeteilt, die von den vier Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion kontrolliert und verwaltet wurden.
Genauso verfuhr man mit der Hauptstadt Berlin, die ebenfalls in vier Sektoren unterteilt wurde.
Der Westteil der Stadt wurde von Frankreich, den USA und Großbritannien kontrolliert, der Ostteil stand unter sowjetischer Verwaltung.

1948 wurden die drei westlichen Sektoren zu einem einzigen Sektor zusammengefasst und die Deutsche Mark als eigene Währung eingeführt.
Die Sowjetunion, die ganz Berlin für sich beanspruchen wollte, war mit dieser Entwicklung alles andere als einverstanden und reagierte darauf mit einer sogenannten Blockade.

Du musst dir die Situation so vorstellen, dass die Stadt Berlin komplett von der sowjetisch kontrollierten Zone umschlossen war.
Berlin war quasi eine Art Insel auf dem Meer der sowjetischen Besatzungszone.
Die Blockade bewirkte, dass eine Versorgung von Westberlin über Land nicht mehr möglich war.

Daher wurden die Einwohner über eine sogenannten Luftbrücke versorgt.
Das bedeutete, dass die Flugzeuge der Westmächte Tag und Nacht Lebensmittel nach Westberlin einflogen.
Dieser Zustand dauerte beinahe ein Jahr.

1949 kam es zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland und als Reaktion darauf kurze Zeit später auch zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik, der DDR.

1952 begann die Regierung der DDR damit, die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten zu sichern.
Auch gab es immer wieder Überlegungen, innerhalb Berlins die Grenze zwischen Ost und West zu schließen.
Doch gab es zu diesem Vorhaben noch keine Zustimmung der Sowjetunion, unter deren starkem Einfluss die DDR stand.

Außerdem stellte die Verkehrssituation in der Hauptstadt ein weiteres Hindernis für die komplette Abriegelung dar.
Da die Grenze in Berlin aufgrund seiner Länge und Struktur kaum vollständig zu kontrollieren war, kam es in der Zeit von 1949 bis 1961 zu einer massiven Fluchtbewegung von Ost nach West.
Ungefähr 2,6 Millionen Menschen verließen das Staatsgebiet der DDR, um im Westen ihr Glück zu finden.
Darunter befanden sich sehr viele junge, gut ausgebildete Menschen, deren Weggang die Wirtschaftskraft der DDR enorm schwächte.
Der Staat sah sich daher zum Handeln gezwungen.

So kam es dann zum Mauerbau

Am 3. August 1961 wurde die Entscheidung getroffen, die Grenze in Berlin zu schließen.
An diesem Tag fand eine Besprechung zwischen dem sowjetischen Präsidenten Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht statt.

Ulbricht war Vorsitzender des Zentralkomitees der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) und der starke Mann in der DDR.
Noch zwei Monate zuvor hatte Ulbricht auf einer Pressekonferenz einen Satz gesagt, der im Nachhinein als eine der größten Lügen in der Geschichte einging. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Am 13. August 1961 gab er dennoch den Befehl, die Grenze zum Westsektor Berlins abzuriegeln.
Er beauftragte die Armee, mit dem Bau der Berliner Mauer zu beginnen.
Die Berliner Mauer stand über 28 Jahre und war das stärkste Symbol des Kalten Krieges und der Teilung von Ost und West.

Vorgeschichte zum Fall der Berliner Mauer

Man muss wissen, dass die DDR zwar ein eigenständiger Staat war, der jedoch wirtschaftlich und militärisch extrem abhängig von der Sowjetunion war.

Das politische System des Sozialismus herrschte zu dieser Zeit im gesamten Ostblock vor.
Es war den Regierungen der osteuropäischen Länder schlicht und einfach nicht möglich, diesen von der Sowjetunion vorgegebenen Kurs zu verlassen.
Alle Arten von Reformen wurden von Moskau im Keim erstickt.

In den Fällen, in denen das Volk protestierte, wurden die Demonstrationen blutig mit militärischer Stärke beendet.
Kurz gesagt, sowjetische Truppen waren befugt, auf das Staatsgebiet von beispielweise Polen oder der Tschechoslowakei vorzudringen und Aufstände mit allen Mitteln niederzuschlagen.
Dies war nicht nur eine theoretische Möglichkeit, sondern wurde in der Praxis tatsächlich auch so gehandhabt.

Mitte der 80er Jahre begann in der Sowjetunion ein Umdenken.
Zum einen war es so, dass das Wettrüsten um die militärische Vorherrschaft mit den USA mit unglaublich hohen Kosten verbunden war.
Der extrem hohe Militäretat der Sowjetunion bewirkte eine zunehmende Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation des Landes, da das Geld für Reformen und Wirtschaftsprojekte fehlte.

Zum anderen kam mit Michail Gorbatschow ein neuer Staatsführer an die Macht, der einen Kurs der Annäherung an den Westen einleitete.
Er gewährte den Menschen im Land zunehmend mehr Freiheiten und führte auch das Selbstbestimmungsrecht der Ostblockstaaten ein.

Ein militärisches Eingreifen in diesen Ländern war nun nicht mehr möglich.
Alles in allem entwickelte sich zu dieser Zeit in Osteuropa ein Geist der Erneuerung, der sich immer weiter ausbreitete.
Dieser Geist setzte nach und nach auch die DDR unter Erich Honecker, dem Nachfolger von Walter Ulbricht, unter Druck.
Der Zerfall des Sozialismus war nun nicht mehr aufzuhalten.

Das Jahr 1989

Der im Sterben liegende Sozialismus siechte im Jahr 1989 weiter vor sich hin.
Im Mai dieses Jahres beschloss die ungarische Regierung, den Grenzzaun zu Österreich zu demontieren.

Diese Grenzanlage war hoffnungslos veraltet und weder die Sowjetunion, noch die Ungarn selbst, wollten die Kosten für eine Erneuerung tragen.
Beide Staaten sahen aufgrund der politischen Entwicklung auch keinen Anlass dafür.
Diese Nachricht erregte bei der Führung der DDR zunächst keine Besorgnis, da die Ungarn weiterhin die Sicherheit der Grenze gewährleisten wollten.

Die Bürger der DDR wurden nur durch das westdeutsche Fernsehen auf diese Neuigkeit aufmerksam und reisten daraufhin zu Tausenden nach Ungarn.
Ein Überschreiten der Grenze war jedoch aufgrund extrem verstärkter Grenzpatrouillen nicht möglich und kaum jemandem gelang die Flucht.

Am 11. September 1989 wurde die ungarisch-österreichische Grenze geöffnet und ca. 25.000 Bürger der DDR passierten in den folgenden drei Wochen den Grenzübergang und flohen über Österreich in die Bundesrepublik Deutschland.

Etwa zur gleichen Zeit suchten Tausende DDR-Bürger in der deutschen Botschaft in Prag Zuflucht und versuchten, ihre Ausreise zu erzwingen.
Auch hier kapitulierte der Staatsapparat der DDR und verhinderte den Transport der Menschen in Sonderzügen nach Westdeutschland nicht.

Man könnte denken, dass Erich Honecker nun die Zeichen der Zeit erkannte.
Jedoch war dieser mit einer unbegreiflichen Sturheit geschlagen, so dass er nach wie vor keinerlei Reformwillen zeigte und weiterhin am Programm des Sozialismus festhielt.
Sein Zitat vom 15. August 1989 lässt hinsichtlich seiner Einstellung keine Zweifel offen.
„Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“

Die Menschen in der DDR waren nun beflügelt durch die Ereignisse in Ungarn und der Tschechoslowakei.
Sie nahmen auch zur Kenntnis, dass sich die Sowjetunion, wie von Gorbatschow versprochen, nicht einmischte.

In diesem Zuge kam es ab September 1989 zu friedlichen Massendemonstrationen gegen die politischen Verhältnisse und für eine demokratische Neuordnung des Staates.
Diese Demonstrationen unter dem Motto „Wir sind das Volk“ hatten in Leipzig seinen Ursprung und weiteten sich nach und nach auch auf andere Großstädte in der DDR aus.

Man kann durchaus sagen, dass diese Demonstrationen, an denen Hundertausende Bürger teilnahmen, ein Akt des zivilen Ungehorsams waren.
Es wäre damals durchaus vorstellbar gewesen, dass Honecker einen Schießbefehl erteilt, um den Willen des Volkes zu brechen.
Jedoch wurden die Versammlungen und auch die Forderungen nach Reisefreiheit nicht verhindert.
Der Staat kapitulierte letztendlich vor der Menge der Demonstranten und dem Willen des Volkes.

Der Fall der Mauer am 9. November 1989

Die Ereignisse am 9. November waren teilweise unübersichtlich, verwirrend und von Missverständnissen geprägt.

Fakt ist, dass am Morgen des 9. November von der Führungsspitze der DDR eine neue Regelung zur Reisefreiheit getroffen wurde.
Diese Regelung besagte, dass jeder Bürger der DDR ohne Vorliegen von bestimmten Voraussetzungen das Recht hatte, aus der DDR auszureisen.
Es galten allerdings folgende Bedingungen:

  • Eine Ausreise war nur über direkte Grenzübergänge in die Bundesrepublik möglich, nicht mehr über Drittstaaten.
  • Eine Rückkehr in die DDR war dann nicht mehr möglich.
  • Die Ausreise musste beantragt werden. Genehmigungen hierzu sollten aber kurzfristig erteilt werden.
  • Diese Regelung sollte am Folgetag, dem 10. November veröffentlich werden und auch ab diesem Zeitpunkt in Kraft treten.

Ziel war, dass die neue Regelung zu einer geordneten, bürokratischen und langfristigen Ausreise führt.

Dann allerdings überschlugen sich die Ereignisse.
Um 18:00 des 9. November fand eine Pressekonferenz statt, in der der Sprecher des Zentralkomitees, Günter Schabowski, über die neue Ausreiseregelung informieren sollte.

Hier kam es zu einem folgenschweren Missverständnis.
Zum einen erwähnte Schabowski nicht, dass eine Ausreise quasi ein One-Way-Ticket ohne Rückkehrmöglichkeit in die DDR war.
Zum anderen behauptete er auf Nachfrage eines Journalisten, dass die neue Reiseregelung ab sofort in Kraft treten würde.

Man kann sich vorstellen, wie diese Ankündigung auf die Millionen Bürger vor den Fernsehgeräten wirkte, von denen sich die meisten seit vielen Jahren nichts sehnlicher wünschten als die DDR zu verlassen.

Bereits 90 Minuten später standen ausreisewillige Bürger vor dem Grenzübergang und forderten von den Grenzsoldaten, die Grenze zu öffnen.
Diese hatten jedoch noch keinen Befehl dazu erhalten, da das Gesetz ja erst am Folgetag in Kraft treten sollte, und eine Ausreise auch nur mit Genehmigung möglich sein sollte.

Es kam wie es kommen musste.
Die Menschen am Grenzübergang wurden mehr und mehr, die Forderungen wurden lauter und lauter.
Die Soldaten waren mit der Situation sichtlich überfordert.

Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht entschlossen sich einzelne Grenzbeamte, dem Druck der mittlerweile tausenden Menschen nachzugeben und die Schlagbäume zu öffnen.
Um Mitternacht waren alle Grenzübergänge in der Stadt geöffnet.
Die Mauer war gefallen.

Auswirkungen des Mauerfalls auf die Wirtschaft

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl versprach den Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung „blühende Landschaften“.
Dieses Versprechen war sicher schwerer einzulösen als gedacht.
Die Aufgabe, den Osten wirtschaftlich auf Westniveau zu bringen, war mehr als ambitioniert.

Die wirtschaftliche Lage in Ost und West konnte unterschiedlicher nicht sein.
Die ostdeutschen Betriebe, die bisher von der freien Marktwirtschaft abgeschottet waren, mussten sich nun der globalen Konkurrenz stellen.
Die Produktivität der Betriebe war oft gering, die Produktionsstätten veraltet und wenig leistungsfähig.

Dazu kam, dass der Markt im Osten Deutschlands nun von westdeutschen Produkten überschwemmt wurde.
Die Nachfrage nach den dort hergestellten Produkten und Dienstleistungen sank und sank – im eigenen Land wie auch bei den bisherigen Handelspartnern in Osteuropa.
Der Export von in Ostdeutschland hergestellten Produkten nach Osteuropa sank in den drei Jahren nach der Wende um 80 %.

Alles in allem fiel der Osten Deutschlands in den Jahren nach der Wende in eine tiefe Wirtschaftskrise.
Hohe Arbeitslosigkeit, Massenschließungen von Produktionsstätten, Abwanderung der Menschen in den Westen waren die Folgen.
1992 lag die Industrieproduktion in den neuen Bundesländern 73 % niedriger als 1989.

Die Folgen dieser wirtschaftlichen Entwicklung dauern bis heute an.
Ledigliche massive finanzielle Zuwendungen seitens des Westens verhinderten den totalen Zusammenbruch.

Auswirkungen des Mauerfalls auf die Gesellschaft

Die Gesellschaft wird natürlich immer von wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst.
Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse schwierig sind, ist die Gesamtsituation ebenfalls sehr häufig unbefriedigend.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass die ostdeutschen Bürger über Nacht aus ihren bisherigen Lebensverhältnissen herausgerissen wurden und nun mit einem Umfeld zurechtkommen mussten, das nichts mit dem gemeinsam hatte, das sie bisher gewohnt waren.
Die neu gewonnene Freiheit hatte auch ihre Schattenseiten.
Denn die Menschen mussten lernen, sich wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch neu zu behaupten.

Viele Menschen waren daher hin- und hergerissen zwischen Euphorie, Enttäuschung und einer gewissen Zukunftsangst.
Alte und gewohnte Institutionen, Werte und Normen waren über Nacht verschwunden.
Dies führte in Verbindung mit wirtschaftlichen Problemen zu einer hohen Verunsicherung.
Das Land war zwar wiedervereinigt, die Gesellschaft jedoch war zunächst immer noch geteilt.

Auswirkungen des Mauerfalls auf Europa und die politische Weltordnung

Die Berliner Mauer war nicht nur ein Symbol für die Teilung Deutschlands, sondern auch für die Teilung Europas und der Welt.

Beide deutschen Staaten gehörten unterschiedlichen Verteidigungsbündnissen an.

  • Westdeutschland war Mitglied der NATO.
  • Ostdeutschland gehörte zum Warschauer Pakt.

Die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Blöcken bestimmte jahrzehntelang die Weltordnung.
Das Verhältnis zueinander war frostig und geprägt von Misstrauen und Drohungen aller Art.

Zu einer militärischen Eskalation kam es jedoch nie.
Daher wurde dieser Ost-West-Konflikt auch Kalter Krieg genannt.
Die Beseitigung der Berliner Mauer 1989 und der Wandel der osteuropäischen Länder hin zu demokratischen Staaten führte kurz darauf zur Auflösung des Warschauer Paktes.

Mittel- und langfristig führte die Wiedervereinigung Deutschlands zu einer deutlichen Stärkung der EU.
Unter der Führung Deutschlands und Frankreichs gelang es, die Einheit Europas voranzutreiben und damit einen großen Teil zur Friedenssicherung auf dem Kontinent beizutragen.

Dabei war es keineswegs so, dass die Idee der Wiedervereinigung anfangs überall Begeisterung auslöste.
Aufgrund der unrühmlichen Vorgeschichte Deutschlands gab es ernsthafte Bedenken.
Besonders Frankreich, Großbritannien und Israel fürchteten ein stärker werdendes Deutschland.
Da gerade diese Länder im Ersten und Zweiten Weltkrieg besonders von der deutschen Aggression betroffen waren, verwunderte diese Einstellung kaum.

Die Situation heute

30 Jahre sind inzwischen seit der Wende vergangen.
Das ist eine komplette Generation.
Wie sieht die Situation heute aus? Ist die Gesellschaft noch immer gespalten? Denken die Menschen noch immer in Ost und West? Sehen wir uns die Fakten an.

Seit 1991 hat der Osten etwa ein Viertel seiner Einwohner an den Westen verloren.
Die Wanderungsbewegung in die Gegenrichtung konnte den Verlust bei weitem nicht auffangen.
Viele Dörfer und Landkreise verloren vor allem junge Menschen, die im Osten keine Perspektive mehr sahen.
Die soziale Infrastruktur verkümmerte. Schulen, Vereine, Freizeiteinrichtungen und Krankenhäuser mussten geschlossen werden.

2017 aber war ein denkwürdiges Jahr.
Denn dieses war das erste Jahr seit der Wende, in dem mehr Menschen von West nach Ost gezogen sind als umgekehrt.
Dies hat zum einen natürlich den Grund, dass sich im Osten mittlerweile kaum noch Menschen aufhalten, die auswanderungswillig sind.
Zum anderen aber locken attraktive Städte wie Leipzig oder Potsdam auch zunehmend Menschen aus dem Westen an.

Man darf sich aber nichts vormachen.
In vielen Orten der ehemaligen DDR findet man noch immer Probleme wie Überalterung, Perspektivlosigkeit und schwache Infrastruktur.
Gerade dünn besiedelte, strukturschwache Regionen wie Brandenburg sind besonders betroffen.

Leichter messbar sind andere Daten.
Betrachtet man das Gehaltsgefüge in Ost und West, so stellt man fest, dass das Durchschnittseinkommen eines sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten im Westen ca. 700 Euro höher ist als im Osten.

Ebenso verhält es sich mit Karrierechancen.
Nur 1,7 % der Spitzenpositionen aus verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Verwaltung oder Kultur werden von Menschen aus den neuen Bundesländern besetzt.
Es ist also nach wie vor ein finanzielles Ungleichgewicht wahrnehmbar.

Doch wie sehen die Menschen aus Ost und West die Situation? Existiert die vielzitierte Mauer in den Köpfen noch immer?
In verschiedenen Studien wurde festgestellt, dass primär in der Generation unter 30 Jahren die Mauer deutlich kleiner wird.

Diese Menschen kennen die DDR schließlich nur aus Geschichtsbüchern.
Sie sind bereits im vereinten Deutschland geboren und aufgewachsen.
Die Diskrepanz zwischen Ost und West existiert noch, aber sie bröckelt.
Es ist festzustellen, dass junge Ostdeutsche noch immer weniger Vertrauen in staatliche Institutionen haben.
Auch sehen sie die Demokratie allgemein und die Gerechtigkeit in der Gesellschaft weniger positiv als ihre Altersgenossen im Westen.

Dieses Phänomen wird jedoch in erster Linie auf die wirtschaftliche Situation zurückgeführt.
Grob gesagt heißt das folgendes: Jemand, dessen wirtschaftliche Situation gut ist, hat eine deutlich höhere Meinung zur Demokratie und bewertet das System deutlich eher als gerecht.
In der Konsequenz heißt dies, dass man nur die wirtschaftliche Situation des einzelnen verbessern muss, um höhere Zustimmungsraten für das politische System und das Gerechtigkeitsempfinden zu erhalten.

Es ist zwar schwierig, pauschal zu urteilen, ob die Mauer in den Köpfen 30 Jahre nach der Wende immer noch vorhanden ist, aber gewisse Tendenzen lassen sich in jedem Fall nachweisen.
Grundsätzlich gilt: Je jünger und wirtschaftlich zufriedener die Menschen sind, desto mehr verschwinden Unterschiede zwischen Ost und West.
Wer sich abgehängt fühlt und keine Perspektive hat, nimmt das Gefälle immer noch als sehr stark wahr.

Es wird schätzungsweise noch mindestens eine weitere Generation dauern, bis die Unterschiede sowohl in den Köpfen, als auch auf den Gehaltszetteln der Menschen verschwunden sind.

Wie empfand ich den Mauerfall und die Wende?

Ich bin ein Kind der DDR.
12 Jahre lang wuchs ich hinter dem eisernen Vorhang auf.

Dabei war ich aber keineswegs unglücklich.
Ich war organisiert als Jungpionier, ein Reiseverbot und persönlichen Einschnitte in Demokratie und Freiheit spürte ich nicht.
Aber, wie ich schon schrieb – war ich noch jung.

Als die Menschen von Ost nach West flohen, glaubte ich im ersten Moment – dass sämtliche Westdeutsche in den Osten fliehen.
Denn uns wurde in der Schule und durch die Gesellschaft beigebracht, dass Menschen in Westdeutschland durch Armut und Ausbeutung bedroht waren.
Selbst bei meinem ersten Westbesuch fragte ich meine Mutter, wo die ganzen Arbeitslosen seien.
Tatsächlich glaubte ich, dass ein Großteil der Menschen in Westdeutschland arm seien und auf der Straße leben müssten. Dem war natürlich nicht so.

Dennoch hat sich seit der Wiedervereinigung das Leben Einzelner stark verändert.
Durch den Untergang des Kommunismus fiel gleichzeitig der Gegenentwurf bzw. das gesellschaftliche Konkurrenzmodell.

Dadurch verspürte, meiner Meinung nach, auch die soziale Marktwirtschaft weniger Druck vom Osten.
Dieser Wegfall führte dann letztendlich dazu, dass sich die soziale Marktwirtschaft mehr an der freien Marktwirtschaft orientierte – als am Sozialstaat.
Das bedeutet aber auch, dass das Wirtschaftssystem mehr in Richtung freien Kapitalismus, anstelle eines sozialen Ausgleichs schwank.

Heute leben sehr viele Menschen unter der Armutsgrenze.
Wenn du in Berlin morgens zum Bäcker gehst, ist es nicht ungewöhnlich – dass du auf mindestens einen Obdachlosen triffst. Flaschensammler triffst du sowieso überall.
Hätte ich damals diese Anblicke gesehen, wäre mein Gesellschaftsunterricht in der Schule schlagartig zur Realität geworden.
Jetzt da die Konkurrenz fehlt, bedeutet der Untergang der DDR und des Kommunismus vielleicht auch den Untergang der sozialen Marktwirtschaft.

Falls du mehr über Geschichten und Schicksale der Wendezeit und des Mauerfalls erfahren möchtest, besuche doch das Projekt #remember1989. Dieser Beitrag ist Teil einer ganzen Blogparade um den Fall der Berliner Mauer, dem eisernen Vorhang und Schicksale nach Wende.

Literatur

  • Renatus Deckert (Hrsg.): Die Nacht, in der die Mauer fiel – Schriftsteller erzählen vom 9. November 1989. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-46073-3*
  • Kai Diekmann, Ralf Georg Reuth (Hrsg.): Die längste Nacht, der größte Tag – Deutschland am 9. November 1989. Piper, München 2009, ISBN 349205336X*, (Bildband mit Stellungnahmen von Zeitzeugen aus Politik und öffentlichem Leben).
  • Gerhard Haase-Hindenberg: Der Mann, der die Mauer öffnete. Warum Oberstleutnant Harald Jäger den Befehl verweigerte und damit Weltgeschichte schrieb. Heyne, München 2007, ISBN 978-3-453-12713-5*
  • Hans-Hermann Hertle: Chronik des Mauerfalls. Die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989. 10. Auflage, Links, Berlin 2006, ISBN 3-86153-113-5*
  • Hans-Hermann Hertle, Kathrin Elsner (Hrsg.): Der Tag, an dem die Mauer fiel. Die wichtigsten Zeitzeugen berichten vom 9. November 1989. Nicolai Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-89479-537-5*

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