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Wieso heißt es Kaiserschnitt: Herkunft des Wortes, damalige Bedeutung


Bei einem Kaiserschnitt kommt das Kind über einen Bauchschnitt auf die Welt. Die ursprüngliche Bezeichnung für diese Art der Geburt kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „schneiden“. Für ihre genaue Herkunft kommen unterschiedliche Orte und Zeiten infrage.

  1. Die Geburt Cäsars
  2. Das Lateinische Wort: sectio caesaria und dessen Überlieferung
  3. Deutscher Übersetzungsfehler für Schnittlinge


Was ist ein Kaiserschnitt?

Ein Kaiserschnitt ist ein Geburtsmodus. Er wird auch Schnittentbindung genannt.
Beim Kaiserschnitt kommt das Kind durch eine Bauchoperation zur Welt. Die Bauchdecke sowie Gebärmutter werden eröffnet und das Kind darüber entnommen.

Ein Kaiserschnitt ist notwendig, wenn die werdende Mutter an bestimmten Vorerkrankungen leidet. Verletzungen der Wirbelsäule oder die Gefahr eines Gebärmutterrisses gehören beispielsweise dazu. Auch Missbildungen beim Kind, die bei einer natürlichen Geburt zu Komplikationen führen würden, sind ein möglicher Grund. Kommt es unter der Geburt zum Geburtsstillstand, oder sind keine Herztöne mehr zu hören, nutzt man ebenfalls den Kaiserschnitt.

Darüber hinaus gibt es mittlerweile die Möglichkeit des Kaiserschnitts auf Wunsch. Ein Kaiserschnitt bietet Vor- und Nachteile, die jede Frau für sich abwägen muss. So kommt es statistisch gesehen nach einem Kaiserschnitt häufiger zu Anpassungsstörungen beim Kind. Die Frau erleidet bei späteren Schwangerschaften außerdem häufiger Fehlgeburten. Auf der anderen Seite ist ein Kaiserschnitt planbar. Die Gefahr, dass das Kind unter der Geburt an Sauerstoffmangel leidet, ist deutlich geringer.

Der erste erfolgreiche Kaiserschnitt und die Geschichte des Kaiserschnitts

Über mehr als ein Jahrtausend lang kam ein Kaiserschnitt nur nach dem Tod der Mutter zum Einsatz. Es war nicht erlaubt, eine Schwangere durch einen operativen Eingriff zu retten. Das Überleben des Kindes stand über dem der Mutter.

Doch diese Form der Geburt ist trotzdem keine Erfindung der Neuzeit. Tatsächlich führte den ersten Kaiserschnitt, bei dem Frau und Kind überlebten, Jacob Nufer etwa um 1500 durch. Der Tierkastrator aus der Schweiz wollte seine eigene Frau dadurch vor dem Tod bewahren. Sie lag zu diesem Zeitpunkt seit mehreren Tagen in den Wehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Geburt doch noch erfolgreich auf natürlichem Weg abschließen würde, war gering.

Wahrscheinlich hatte Nufer durch seine Arbeit an Tieren ausreichend anatomisches Wissen für den Eingriff erlangt. Angeblich hat seine Frau ein Jahr darauf auf natürlichem Weg Zwillinge und anschließend noch insgesamt vier Kinder zur Welt gebracht.

In den Jahren darauf wurden immer wieder Kaiserschnitte bei lebendigen Schwangeren durchgeführt, um Mutter und Kind zu retten. Häufig überlebten die Frauen die Eingriffe nicht. Sie verstarben am hohen Blutverlust oder an Infektionen.

Später, im Jahr 1881, passte Ferdinand Adolf Kehrer die Operation an. Der deutsche Gynäkologe schnitt die Gebärmutter nicht mehr längs, sondern quer auf. Zusätzlich vernähte er sie mit dem Bauchfellüberzug. Diese Art des Kaiserschnitts wird bis heute angewendet.

Trotzdem: Der Grundstein für den Kaiserschnitt wurde bereits im Mittelalter gelegt. Heute kommt eines von fünf Kindern in Deutschland auf diese Weise zur Welt.

Entwicklung der Bezeichnung Kaiserschnitt

Der Ursprung des Wortes Kaiserschnitt liegt im Lateinischen. Die mittellateinische Bezeichnung „sectio caesaria“ beschrieb damals eine Operation an einer während der Entbindung verstorbenen Frau. Durch die Operation wurden Mutter und Kind nach ihrem Tod voneinander getrennt, um beide einzeln zu bestatten.
„Caesaria“ oder auch „Caesarea“ leitet sich von dem lateinischen Wort für „schlachten“, „schneiden“ oder „ausschneiden“ ab.

Gleichzeitig entstand daraus der heutige Begriff „Kaiser“. So kam es im Deutschen zur Bezeichnung „Kaiserschnitt“, welche im Grunde das Wort „schneiden“ doppelt enthält.
Im Englischen heißt der Kaiserschnitt übrigens bis heute „Caesarean section“. Sein französischer Name lautet „césarienne“. Seine lateinische Herkunft ist also kaum bestreitbar.

Kaiserschnitt: Herkunft des Wortes

Zur Wortherkunft gibt es drei Theorien.

1. Die Geburt Gaius Iulius Caesars

Die Bedeutung des Namens „Caesar“ ist nicht ganz geklärt. Plinius der Ältere, ein Schriftsteller, der etwa ein Jahrhundert nach Caesar lebte, verbindet Caesars Namen mit seiner Geburt. Caesar ist demnach nicht nur ein Name, sondern auch ein Titel. Er bedeutet „der aus dem Mutterleib Geschnittene“.

Es gibt begründete Zweifel an der Geschichte Plinius des Älteren. Aurelia, Caesars Mutter, starb erst 46 Jahre nachdem sie Caesar zur Welt gebracht hatte, im Jahr 54 v. Chr. 100 v. Chr., als Caesar geboren wurde, war die Medizin noch nicht so weit, dass eine Frau einen Kaiserschnitt überlebt hätte. Dennoch hält sich diese Legende so hartnäckig, dass sie möglicherweise unser heutiges Verständnis des Kaiserschnitts geprägt hat.

2. Das Gesetz „Lex Caesarea“

Justinian I. war im 6. Jh. n. Chr. römischer Kaiser. Unter ihm kam es zu einem Gesetz, dem Lex Caesarea. In diesem verankerte der Kaiser, dass während der Entbindung verstorbene Frauen nicht mit ihrem Kind im Bauch beerdigt werden dürfen. Das ebenfalls verstorbene Kind muss der Frau aus dem Bauch geschnitten werden, damit es nach katholischem Glauben getauft werden kann. Dieses Gesetz geht vermutlich auf einen römischen König zurück: Numa Pompilius, der von 715 bis 672 v. Chr. Rom regierte.

Zusätzlich erhoffte man sich dadurch, das Kind noch lebend zur Welt bringen zu können. Daher war es durch dieses Gesetz auch erlaubt, den Kaiserschnitt bei im Sterben liegenden, aber noch nicht verstorbenen Frauen durchzuführen. Er war jedoch nicht zulässig, um die Frau zu retten. Vielleicht verbirgt sich der Ursprung des Wortes „Kaiserschnitt“ also in diesem Gesetz.

3. Ein Übersetzungsfehler

Latein ist eine tote Sprache. Dadurch kann es bei Übersetzungen leicht zu Fehlern kommen, die gar nicht oder erst viel später bemerkt werden. So war es möglicherweise beim Kaiserschnitt.

Das lateinische Wort „caesones“ kommt ebenfalls als Ursprung für den Kaiserschnitt in Betracht. Es bedeutet „Schnittlinge“. So wurden (in der Regel tote) Kinder bezeichnet, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen. Im Deutschen wurde „caesones“ allerdings falsch als „Kaiser“ übersetzt.


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