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Wieso wird Karneval gefeiert


Am 11. November eines jeden Jahres, genau um 11.11 Uhr beginnt in Deutschland die Karnevalsession (regional auch Fasching oder Fastnacht genannt). In der sogenannten fünften Jahreszeit regieren vielerorts die Jecken oder Narren. Es gibt groß aufgezogene Umzüge, Prunksitzungen, Maskenfeste, Musik und jede Menge Spaß und Frohsinn. So ist es zumindest seit Anfang des 19.Jahrhunderts.

In Deutschland entstand der politische Karneval Anfang des 19. Jahrhunderts, als rheinische und westfälische Provinzen ins preußische Reich eingegliedert wurden.

Karneval gibt es allerdings schon sehr viel länger. Damals wurde in der Karnevalszeit ausgelassen gefeiert, bis die jährliche Fastenzeit begann. Diese dauerte 40 Tage und endete immer am Osterfest. Weil Ostern immer auf ein unterschiedliches Datum fällt, war auch Karneval immer zu anderen Zeiten aber früher begann er nie vor Januar.

Karneval: Wortbedeutung, Herkunft

Der Begriff Karneval lässt sich sinngemäß mit „weg mit dem Fleisch“ übersetzen. Er ist abgeleitet vom lateinischen Wort carnevalarium bzw. vom Italienischen „carne“ (das Fleisch) und „velare“ (wegnehmen). “ Weg mit dem Fleisch“ lautete damals die Devise einige Tage vor der Fastenzeit, weil die Gläubigen während dieser Zeit nach dem Willen der Kirche unter anderem auf Fleisch verzichten sollten.

Schließlich gab es noch wenige Möglichkeiten, seine Fleischvorräte langfristig haltbar zu machen und da war es doch besser, sie vorher aufzuessen. Außerdem wollten die Menschen noch einmal feiern und es sich gut gehen lassen, bevor sie sich zur Fastenzeit vielfältig beschränken und mäßigen mussten.

Ursprung des politischen Karnevals

In Deutschland wird der Karneval ganz besonders im Rheinland gefeiert. Jedoch ganz anders als in Spanien, Brasilien oder anderswo. Liegt das Hauptaugenmerk in anderen Ländern im Verkleiden und Feiern, so finden in Deutschland auch Büttenreden oder politische Anspielungen beim Karneval statt. Auch das Prinzenpaar ist einmalig.

Der Grund dafür liegt in der deutschen Geschichte. Denn Deutschland war bis zum Jahr 1871 ein geteiltes Land, welches aus verschiedenen Kleinstaaten bestand. Zwischen 1806 und 1815 lag Deutschland bzw. Preußen als deutscher Kleinstaat im Krieg mit Frankreich, welches durch Napoleon Bonaparte regiert wurde. Köln und weitere Teile des Rheinlandes standen unter französischer Regentschaft.

Die napoleonischen Befreiungskriege endeten 1815. Auf dem Wiener Kongress von 1815 wurde beschlossen, dass das Rheinland und die Provinz Westfalen ins preußische Königreich eingegliedert werden. Zwar waren diese Gebiete nun wieder unter einem deutschen König vereint, doch gab es eine Spaltung in Ost- und Westpreußen. Die Unterschiede in Kultur und Vorstellung waren enorm.

Damals entstand der Begriff „Musspreuße“, wonach sich der westdeutsche Bevölkerungsteil als Preußen fühlen mussten. Den wohl größten Unterschied gab es in der Religion. Preußen war katholisch, das Rheinland und Westfalen waren weitestgehend evangelisch. Dadurch entstand eine Kluft zwischen der Bevölkerung dieser Regionen und der preußischen Obrigkeit.

Seit 1806 bestanden außerdem die sogenannten preußischen Reformen, welche in der Staatsführung, dem Steuerrecht und der Wirtschaftspolitik Einzug hielten. Den Westdeutschen Provinzen des Rheinlandes und Westfalen wurden diese Reformen übergestülpt, was zu weiteren Spannungen führte.

Ihre Ablehnung gegen Preußen drückten die westdeutschen Provinzen im Karneval aus. Die Büttenrede und der politische Witz gegen preußischen Adel wurde Bestandteil des Karnevals in Westdeutschland. Die Büttenrede hat ihren Ursprung in einem Rügerecht, welches bereits im Mittelalter existierte. Demnach durften in der Fastnachtzeit einfache Bürger die herrschende Klasse ungestraft kritisieren.

Später wurden weitere Traditionen einführt. So schneiden „Weiber“ die Schlipse der Männer zur Weiberfastnacht ab. Auch dies ist aus dem Protest gegen bestehende Regeln entstanden. Der politische Karneval, wie wir ihn in Deutschland feiern, ist einzigartig. Seine ursprünglichen Wurzeln, als letztes ausgelassenes Feiern vor der Fastenzeit, sind ebenfalls geblieben.

Karneval heute

Im Zeitalter der Gefrier-und Kühlschränke existiert das Problem der Lebensmittellagerung natürlich nicht mehr und auch das vorösterliche gemeinschaftliche Fasten ist nicht mehr weit verbreitet. Aber die Freude am ausgelassenen Feiern, an Umzügen, an Maskierung und allgemeiner Gaudi ist geblieben.

Wieso aber seit über 100 Jahren der Karneval schon am 11.11. beginnt, ist nicht ganz klar. Es könnte damit zusammen hängen, dass es ab dem 4.Jahrhundert eine zweite kürzere Fastenzeit unmittelbar nach dem Sankt Martinsfest gab und der Namenstag des Heiligen auf den 11.November fällt. Eine andere Erklärung besteht darin, dass die Zahl 11 von jeher als Narrenzahl und Symbol für Maßlosigkeit, Völlerei und Sünde galt.

Schließlich war die 10 die Zahl der Ordnung, der göttlichen Gebote. Und wer diese Zahl willkürlich überschritt, galt zumindest als närrisch. Ein weiterer Vorteil, schon im November mit den närrischen Tagen zu beginnen lag einfach da darin, dass es so mehr freie Termine für die vielen geplanten Karnevalsveranstaltungen gab.

Wo wird Karneval gefeiert?

Karneval wird an vielen Orten der Welt gefeiert. In Deutschland liegen die Karnevalshochburgen im Rheinland und in Hessen, aber auch in Westfalen, in Sachsen und Thüringen, sogar im Norden Deutschlands wird in manchen Regionen Karneval groß gefeiert.

Auch die Schweizer, Österreicher, Belgier, Niederländer, Luxemburger, Italiener und Spanier, sogar die Russen haben ihren Karneval. Die größten und spektakulärsten Karnevalszentren weltweit sind Rio de Janeiro/Brasilien, Trinidad und Tobago/Karibik, Venedig/Italien, Basel/Schweiz und Cadiz/Spanien.


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Über den Autor:

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