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Bündnisse im 1. Weltkrieg: Allianzen & Bündnispolitik im Überblick


Vor dem Ersten Weltkrieg gab es zahlreiche Spannungen, Bündnisse und Zerwürfnisse zwischen den größten Nationen Europas: Deutschland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Großbritannien und Russland. Das angespannte Klima und die Folgen vorausgegangener Konflikte und Machtinteressen mündeten schließlich im Ausbruch Ersten Weltkrieges.

Was ist ein Bündnissystem?

Bündnissysteme sind Zusammenschlüsse von Ländern, die über eine ähnliche oder sich ergänzende Struktur verfügen sowie gemeinsame Interessen verfolgen. Die Bündnissysteme vor dem Ersten Weltkrieg waren durch verschiedene Faktoren geprägt:

  • Alte Länder-/Völkerfreundschaften.
  • Vorausgegangene Kriege.
  • Wirtschaftliche Interessen.
  • Suche nach starken Bündnispartnern als Schutz.

In Europa bildeten sich entweder solche Zusammenschlüsse der großen Mächte oder neutrale Staaten. Meistens waren es kleinere Länder wie Belgien oder die Schweiz, die sich aus der länderübergreifenden Politik heraushielten und die Neutralität wählten.

Bündnisse konnten lose Absprachen, Freundschaften unter Regenten oder auch echte Verträge sein.

Chronologische Entstehung der Bündnissysteme vor dem Ersten Weltkrieg

  • 1873 Dreikaiserabkommen zwischen Österreich-Ungarn, dem Deutschen Kaiserreich und Russland.
  • 1879 Zweibund zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn.
  • 1881 Dreikaiserbund zwischen Österreich-Ungarn, dem Deutschen Kaiserreich und Russland.
  • 1882 Dreibund zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn und Italien (zeitweise auch Rumänien)..
  • 1887 Geheimer Vertrag zwischen dem Deutschen Kaiserreich und Russland über gegenseitige Neutralität
  • 1892/94 Zweierverband Frankreich Russland.
  • 1904 Entente cordiale (herzliches Einverständnis) zwischen Großbritannien und Frankreich.
  • 1907 Interessensausgleich zwischen Großbritannien und Russland.

Die Deutschen Bündnisse vor dem Ersten Weltkrieg

Vor dem Ersten Weltkrieg war Deutschland ein Kaiserreich. Oberhaupt war offiziell Kaiser Wilhelm I. Seit der Einführung der konstitutionellen Monarchien (um 1800) wurde das Land zusätzlich von Volksvertretern und zuletzt von einem Reichskanzler geführt.

Das Bündnissystem vor dem Ersten Weltkrieg ging auf Interessen des Kaisers und Reichskanzler Otto von Bismarck zurück.

Erst 1871 hatten sich deutsche Regionen zu einem großen Reich, dem Deutschen Kaiserreich, zusammengeschlossen. Das erregte bei anderen Großmächten in Europa Unruhe. Insbesondere die alten vorherrschenden Mächte Frankreich und England fürchteten sich vor der neuen Macht und Größe Deutschlands.

Vor dem Zusammenschluss hatte es heftige Kriege gegeben. Zuletzt hatten sich Frankreich und Deutschland in den Jahren 1870 bis 1871 bekämpft. Dabei ging es um alte Rivalitäten, Grenzgebiete wie das Elsass, Lothringen und wirtschaftliche Interessen.

Aufgrund vieler vorausgegangener Konflikte bezeichnete man Frankreich auch als „Erbfeind“ Deutschlands.
Otto von Bismarck wusste um die Besorgnis der Nachbarn und ließ offiziell erklären, „das Kaiserreich sei saturiert“. Das bedeutet „gesättigt“, man hege also keine kriegerischen Absichten mehr, um das Reich zu vervollständigen.

Gleichzeitig beabsichtige Bismarck aus Furcht vor einer Erstarkung des Erbfeindes die wirtschaftliche und politische Isolation Frankreichs. Um eine Annäherung von Frankreich und Russland zu verhindern, sicherte sich zunächst Deutschland ein Bündnis mit dem Zarenreich.

Der andere starke Verbündete des Deutschen Kaiserreiches sollte die Großmacht Österreich-Ungarn sein.
1873 schloss das Deutsche Kaiserreich das sogenannte Dreikaiserabkommen zwischen dem Kaiser Deutschlands, Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn und Zar Alexander II. von Russland. 1881 wurde aus dem Abkommen der Dreikaiserbund.

Zu Österreich-Ungarn gehörten in dieser Zeit viele slawischen Länder und Nationen in Osteuropa und auf dem Balkan. Viele dieser Länder waren mit der Zugehörigkeit nicht zufrieden und sehnten sich nach Unabhängigkeit.

Da Russland traditionell die Schutznation aller slawischer Völker war, kam es immer wieder zu Spannungen mit Österreich-Ungarn. Russland hätte nicht wenige der zu Österreich-Ungarn gehörenden Landstriche gerne selbst ins Reich integriert.

Schon nach kurzer Zeit brach das Bündnis zwischen Österreich-Ungarn und Russland auseinander. Daraufhin schloss das Deutsche Kaiserreichs 1887 einen eigenen Vertrag mit Russland. Gleichzeitig behielt das deutsche Reich die freundschaftlichen Beziehungen und Bündnisse mit Österreich-Ungarn, dem Hauptverbündeten, aufrecht.

Das Scheitern von Bismarcks Bündnissystem

Im Jahr 1888 kam es zu einem Wechsel: Wilhelm II. wurde Kaiser des Deutschen Reichs. Seine Persönlichkeit war ganz anders, als die seines Großvaters Wilhelm I.

Wilhelm II. verfolgte ein Weltmachtstreben, träumte von Kolonien und wollte seinem Reich einen „Platz an der Sonne“ sichern.
Trotz konstitutioneller Monarchie gab der Kaiser als eigentliches Oberhaupt die Richtung der Politik vor.

Bismarck hatte seine Außenpolitik auf Sicherheit und starke Partner begründet. Wilhelm II. verfolgte zunehmend egoistische Ziele, woraufhin Bismarck im Jahr 1890 von seinem Posten als Reichskanzler zurücktrat.

Kurz darauf brach der Pakt des Deutschen Reichs mit Russland und Frankreich nutzte die Chance.
Frankreich und Russland schlossen ein Bündnis, in dem sie sich gegenseitige Neutralität im Fall eines Angriffs auf eines der beiden Länder zusicherten.

Weitere Bündnissysteme und politische Zusammenhänge vor dem Ersten Weltkrieg

Bis 1914 sicherte sich das Deutsche Kaiserreich mit Italien einen weiteren Partner. Der Dreibund bestand aus dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn und Italien.

Frankreich söhnte sich mit der ehemaligen Konkurrenzmacht Großbritannien (vor allem in Fragen der Kolonialisierung) aus und verbesserte seine wirtschaftlichen sowie politischen Kontakte.

Nach 1900 entwickelte sich aus dem Bündnis der beiden Länder die sogenannte Entente („Verständigung“). Als Frankreich Russland auf seine Seite holte, wurde daraus die Triple Entente aus Frankreich, Großbritannien und Russland.

Großbritannien sah sich vor allem durch den Ausbau der deutschen Flotte und die Absichten des Kaisers weitere Kolonien zu gründen bedroht. Bis zu diesem Zeitpunkt war Großbritannien die unangefochtene Supermacht mit zahlreichen Kolonien auf der ganzen Welt.

Russland suchte trotz der Abkommen mit Deutschland stets nach Kontakten und Frieden mit Frankreich und Großbritannien.
Der neue Zar Nikolaus II. (ab 1894 bis 1917) war beunruhigt über den Machtzuwachs des Deutschen Reiches und dessen mögliche Ambitionen in Europa und der Welt.

Insgesamt war das politische Klima vor dem Ersten Weltkrieg in Europa von diesen Faktoren schwer beeinträchtigt:

  • Angst vor neuen Kriegen.
  • Wirtschaftliche Interessen.
  • Konkurrenz in der Kolonialisierung.
  • Persönliche und egoistische Zielen der Kaiser, Könige und der Zaren.
  • Zunehmendes Wettrüsten.

Jeder beobachtete das Treiben des anderen mit Argwohn und latenter Aggressivität.

Bündnissysteme zum Beginn des Ersten Weltkrieges

Im Sommer 1914 starben der österreich-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau bei einem Attentat in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo.

Verübt wurde der Anschlag von serbischen Nationalisten. Zwischen Österreich-Ungarn und Serbien war es zuvor zu großen Spannungen gekommen. Das Königreich Serbien wollte sein Reich ausdehnen und vor allem das seit 1908 von Österreich-Ungarn annektierte Bosnien in seinen Besitz nehmen.

Österreich-Ungarn soll schon vor dem Attentat einen Krieg gegen Serbien in Betracht gezogen haben und hatte dazu die freundschaftliche Zusage des Deutschen Kaisers eingeholt. Sollte es zu einem Krieg kommen, hatte Kaiser Wilhelm II. seinem engsten Verbündeten bedingungslose Unterstützung (Blankoscheck) zugesagt.

Russland dagegen sah das Bündnis und die Konflikte erneut mit Argwohn. Aus diesem Grund scheute sich der Kaiser von Österreich zunächst auch vor einem Krieg. Das Zarenreich verfügte über die größte Streitmacht in Europa. Weder Österreich noch der deutsche Kaiser Wilhelm II. wollten sich unbedingt mit der Großmacht anlegen.

Das Attentat war schließlich doch der Zünder, der die angespannte politische Lage in Europa zur Explosion brachte.
In einer Kettenreaktion entlud sich, was sich über Jahre hinweg zwischen den europäischen Großmächten angestaut hatte:

  • Österreich-Ungarn erklärte am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg.
  • Unmittelbar darauf schickte Russland seine Streitkräfte los, um Serbien zu schützen.
  • Das Deutsche Reich erklärte daraufhin Russland den Krieg.
  • Kurz darauf erklärte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg.
  • Am 4. August 1914 marschierte das Deutsche Reich in das neutrale Belgien ein, um nach Frankreich zu gelangen.
  • Später dehnte sich der Krieg bis in die Kolonien der beteiligten Nationen in Afrika und Asien aus.
  • 1917 trat die USA an der Seite der Entente gegen die Mittelmächte in den Krieg ein.

Bündnissysteme während des Ersten Weltkrieges

Der Dreibundvertrag zwischen dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn und Italien endete nach Kriegsbeginn mit der Neutralitätserklärung Italiens.

1915 verbündete sich Italien schließlich mit der Entente aus Großbritannien und Frankreich und trat in den Kampf ein.

Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien schlossen das neue Bündnis der Mitte.

Im Laufe des Ersten Weltkriegs schlossen sich viele Staaten der Entente als Verbündete an, unter anderem Portugal, Belgien, Serbien, Griechenland, Japan und China.

In den kommenden Jahren bekämpften sich die Völker erbittert an mehreren Fronten. Erstmals kamen dabei Giftgaswaffen, U-Boote und andere schlagkräftige Waffentechnologie zum Einsatz. Es kam zu Gräueltaten auf allen Seiten, die Anzahl der Toten (17 Millionen weltweit) und das Leid waren verheerend.

Der Erste Weltkrieg endete im November 1918 mit der Abdankung des Deutschen Kaisers und einem am 11. November 1918 unterzeichneten Waffenstillstand.

Bündnissysteme nach dem Ersten Weltkrieg

Die Bündnisse zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn sowie dem Osmanischen Reich existierten nicht mehr.

Deutschland verlor etliche Regionen im Osten (Pommern, Schlesien), Osterreich-Ungarn zerfiel und schrumpfte auf ein kleines Land zusammen, aus dem bald eine Republik wurde.

Die Siegermächte aus der Entente verbündeten sich weiter vor allem gegen Deutschland, das als Hauptschuldiger des Krieges galt.
Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich wurden getrennt abgeurteilt.

Russland hatte im Krieg schwere Niederlagen gegen das Deutsche Reich und herbe Verluste erlitten. Die Unzufriedenheit im Volk war groß und Revolutionäre nutzten die Gunst der Stunde, um die Zarenfamilie zu ermorden und die Monarchie zu beenden.

Im Versailler Vertrag von 1919 wurde dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn die alleinige Schuld am Kriegsausbruch gegeben.

Die immense Rüstungspolitik Wilhelm II. war von den Siegermächten in Versailles als ein Zeichen der ständig vorhandenen Kriegsbereitschaft gewertet. Nach dem Krieg wurde das so gewertet, als habe das Deutsche Reich nur gewartet, bis es einen Grund zur Kriegserklärung insbesondere an Frankreich gehabt habe.

Außerdem habe das Deutsche Reich durch den Einmarsch in das neutrale Belgien eine empfindliche Verletzung des Völkerrechtes begangen.

Die Abgesandten des Deutschen Reiches protestierten. Schließlich unterzeichneten sie im Juni 1919 widerwillig die Friedensverträge nach Androhung einer militärischen Intervention durch Sieger.

Durch extrem hohe Reparationszahlungen und wirtschaftliche Einschränkungen sollte verhindert werden, dass das Deutsche Reich wieder aufrüstet. Österreich war unbedeutend geworden und kam milder davon.

Über eine Mitschuld der anderen oder eine gemeinsame Verantwortung für den Krieg wurde nicht gesprochen.

Dieser Umstand bahnte nach Meinung vieler heutiger Experten den Weg für den bald darauf folgenden Zweiten Weltkrieg. Deutschland litt extrem unter den Reparationszahlungen, dem Imageverlust und der isolierten Stellung innerhalb Europas. Direkt nach dem Ende des Kaiserreiches hatte das besiegte Deutschland kein Staatsoberhaupt und keine Verfassung. Das Land bot damit einen optimalen Nährboden für Extremismus.

Zusammenfassung

  • Die wichtigsten Bündnissysteme vor dem Ersten Weltkrieg waren das Dreikaiserabkommen zwischen Österreich-Ungarn, dem Deutschen Kaiserreich und Russland (1873), der Zweibund zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn (1879), der Dreikaiserbund zwischen Österreich-Ungarn, dem Deutschen Kaiserreich und Russland (1881), der Dreibund zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn und Italien (1882), der Neutralitäts-Vertrag zwischen dem Deutschen Kaiserreich und Russland (1887), der französisch-russischer Zweierverband (1892/94) und die Entente zwischen Großbritannien und Frankreich (1904).
  • Die Bündnisse zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn mit Russland waren weniger von Freundschaft und Verbundenheit und mehr von Vorteilsdenken geprägt.
  • Deutschland sowie Österreich-Ungarn waren freundschaftlich eng verbunden.
  • Frankreich und Großbritannien legten vor dem Ausbruch des Krieges ihre Streitigkeiten über die Kolonialvormacht und vergangene Auseinandersetzungen bei.
  • Frankreich und Deutschland galten seit Jahrhunderten durch viele Kriege als Erbfeinde (auch Erzfeinde).
  • Deutschland wollte Frankreich aus Angst vor einer Rache des 1871 verlorenen Krieges isolieren.
  • Als der Bund mit Russland zerbrach, sicherte sich Frankreich eine Partnerschaft mit dem Zarenreich.
  • Zum Ausbruch des Krieges führten Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien, das Bosnien (Teil von Ö-U) für sich beanspruchte.
  • Der Deutsche Kaiser sicherte dem Kaiser von Österreich uneingeschränkte Unterstützung zu.
  • Als der österreichische Thronfolger in Sarajewo von Serbien getötet wurde, löste dies eine Kettenreaktion aus.
  • Während des Ersten Weltkrieges bildeten das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das dazugekommene Osmanische Reich die Mittelmächte.
  • Der Entente aus Frankreich und England schlossen sich viele weitere Länder an, die schließlich als die Siegermächte hervorgingen.
  • Nach dem Krieg bestand das Bündnis der Siegermächte weiter.
  • Die Mittelmächte gab es nicht mehr.

Literatur

  • Oliver Neumann (Autor), Bündnispolitik und Julikrise 1914: Die Suche nach Ursachen und Anlass für den Ersten Weltkrieg, ISBN: 978-3656740599*
  • Ian Westwell (Autor), Der 1. Weltkrieg: Dargestellt mit über 500 Fotos, Karten und Schlachtplänen, ISBN: 978-3846820018*
  • Wolfgang Kruse (Autor), Der Erste Weltkrieg (Geschichte kompakt), ISBN: 978-3534264476*

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