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Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg: Stimmung und Ereignisse


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Deutsche Kaiserreich zu Beginn des Ersten Weltkrieges


Die Stimmung vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterschied sich im Deutschen Reich und Österreich-Ungarn stark von der in den meisten anderen Ländern, was Folge einer über Jahrzehnte ablaufenden Entwicklung war. Der Wunsch nach Größe und Prestige, aber auch nach Veränderung spielte dabei eine entscheidende Rolle.

Lage und Stimmung vor dem Ersten Weltkrieg

Will man verstehen, wie es zum Ersten Weltkrieg kommen konnte und wie die Stimmung am Vorabend des Krieges war, muss man in der Zeit einige Jahrzehnte zurückgehen:

Entstehung des Deutschen Kaiserreichs

Deutschland existiert in kultureller Hinsicht seit etwa 2000 Jahren, doch war es lange Zeit ein loser Staatenbund, ein Zusammenschluss zahlreicher kleiner Fürstentümer und Königreiche. So scheiterte die deutsche Revolution 1848 auch daran, dass die Revolutionäre sich nicht darauf einigen konnten, was zum neuen deutschen Nationalstaat dazuzählen sollte.

Vor allem drei Königreiche stritten um die Vorherrschaft: Preußen, Bayern und Österreich. Die „engere Union“ des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. (1795 – 1861) und seines Außenministers Joseph Maria von Radowitz (1797 – 1853) unter dem Ausschluss Österreichs scheiterte 1850.

1862 wurde dann der konservative Junker Otto von Bismarck (1815 – 1898) preußischer Ministerpräsident, und forderte „Eisen- und Blutpolitik“ sowie „Evolution statt Revolution“ – anders gesagt: Außenpolitisch kalkulierte Bismarck Kriege ein und innenpolitisch wollte er revolutionären Kräften durch Zugeständnisse immer einen Schritt voraus sein, den Menschen gerade so viel geben, dass die Revolution das Risiko nicht wert war. Die Menschen sollten halt mehr zu „verlieren [haben] als ihre Ketten“, wie Karl Marx (1818 – 1883) es formuliert hatte.

1866 ging Bismarck zunächst ein Bündnis mit Italien ein und forderte dann ganz unverhohlen einen Deutschen Bund ohne Österreich und unter preußischer Führung. Wien mobilisierte daraufhin die Truppen, wurde aber bei Königsgräz vernichtend geschlagen, was von Frankreich, das bis dahin zwischen Preußen und Österreich taktiert hatte, verlangte, Farbe zu bekennen.

Das Ergebnis des Vorfriedens von Nikolsburg am 26. Juli 1866 und des Prager Friedens vom 23. August 1866 war die von Frankreich geforderte und von Bismarck gebilligte Dreiteilung Deutschlands in einen Norddeutschen Bund unter Führung Preußens, der bis zur Mainlinie reichte, die süddeutschen Staaten, denen die Option offengehalten wurde, einen eigenen Bund zu gründen, und Österreich-Ungarn.

Ausgelöst durch die Emser Depesche kam es am 19. Juli 1870 zum Krieg zwischen den Erbfeinden Preußen und Frankreich. Am 2. September 1870 siegte Preußen bei Sedan und nahm den französischen Kaiser Napoleon III. (1808 – 1873) gefangen. Die daraufhin ausgehandelten Bündnisverträge beinhalteten den Zusammenschluss des Süddeutschen und des Norddeutschen Bundes unter Preußens Führung.

So wurde am 1. Januar 1871 offiziell das Deutsche Reich gegründet. Zur großen Demütigung Frankreichs fand die Proklamation und Krönung Wilhelms I. (1797 – 1888) zum Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles statt. Der bayerische König Ludwig II. (1845 – 1886) trug Wilhelm I. erst nach der Bestätigung einer jährlichen Zahlung von 10.000 Talern durch Bismarck die Krone an.

Bismarcks Bündnispolitik

Bismarck hatte außenpolitisch nun zwei Ziele: die Isolation Frankreichs und die Verhinderung weiterer Kriege. Mit Italien bestand bereits seit dem 8. April 1866 ein Bündnis.

1878 hatte Bismarck den Vorsitz beim Berliner Kongress, bei dem leitende europäische Staatsmänner zusammenkamen, um die gespannte Lage auf dem Balkan zu entschärfen, dort stritten Russland und das Osmanische Reich nämlich wie schon in den 1850ern auf der Krim um die Vorherrschaft. Bismarck gelang es zwar, die Krise zu bereinigen, jedoch auf Kosten des bis dahin guten Verhältnisses zwischen dem russischen Zarenreich und dem deutschen Kaiserreich.

1879 schloss Bismarck den deutsch-österreichischen Zweibund, der eine Beistandspflicht im Falle eines russischen Angriffs auf einen der beiden Bündnispartner vorsah. Ebenso bestand im Falle eines Angriffs durch eine andere dritte Macht Neutralitätspflicht. Zusätzlich zu diesem Bündnis schloss Preußen zwei Jahre später aber auch das Drei-Kaiser-Bündnis aus Deutschem Reich, Österreich-Ungarn und Russland.

Auch bei diesem bestand eine Neutralitätspflicht im Falle des Angriffs einer vierten Macht. So konnte Bismarck sich wieder ans Zarenreich annähern und gleichzeitig das potenziell fatale Bündnis zwischen Frankreich und Russland verhindern. 1882 wurde der Zweibund dann um Italien zum Dreibund erweitert. Fehlte noch das Vereinigte Königreich in Bismarcks geplanter Verzahnung der europäischen Großmächte.

1887 drohte erneut eine kriegerische Auseinandersetzung auf dem Balkan – diesmal zwischen Russland und Österreich-Ungarn, was Bismarck zu einem geheimen und auf drei Jahre befristeten Rückversicherungsvertrag zwischen Deutschem Reich und Russland veranlasste. Da Russland einlenkte, konnte diese Krise überwunden werden.

Gleichzeitig kriselte es zwischen anderen Großmächten, was Bismarck die Gelegenheit gab, nun endlich auch die Briten in seine Bündnispolitik hineinzuziehen. Es entstand die Mittelmeerentente oder auch der Orientdreibund, ein Bündnis von Vereinigtem Königreich, Österreich-Ungarn und Italien, das auch einen Schutz des Osmanischen Reichs gegen russische Angriffe vorsah.

Damit hatte Bismarck einen erneuten Krieg in Europa nahezu unmöglich gemacht, denn Frankreich war als einzige europäische Großmacht ohne Bündnis derart isoliert, dass es keinen Krieg mit einer der anderen Großmächte vom Zaun brechen konnte. Die Staaten Europas lebten ihre Machtbestrebungen deshalb außerhalb Europas, in den Kolonien aus.

Wettlauf um die Kolonien

Kolonien der Staaten Europas in Afrika, Asien, Amerika und Australien gab es schon seit Ende des 15. Jahrhunderts, doch seine Hochphase erreichte der Kolonialismus im ausgehenden 19. Jahrhundert. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen ging es hierbei vor allem um Prestige und Großmachtstreben.

Immerhin bot sich die Möglichkeit, das eigene Reich zu vergrößern, ohne in Europa selbst Krieg führen zu müssen. Besonders das Vereinigte Königreich und Frankreich lieferten sich ein stetes Kopf-an-Kopf-Rennen in Afrika: Frankreich strebte dabei eine Verbindung des westafrikanischen Kolonialreichs zum Indischen Ozean an, einen Ost-West-Gürtel von Dakar bis Dschibuti, während das Vereinigte Königreich ein geschlossenes Kolonialreich auf der Nord-Süd-Achse von Kairo, Ägypten bis nach Südafrika zum Kap der Guten Hoffnung plante.

Die rivalisierenden und unvereinbaren Interessen machten die bewaffnete Auseinandersetzung in Nord- und Zentralafrika, wo die beiden geplanten Kolonialreiche sich kreuzten, nahezu unvermeidbar.

Das Deutsche Reich hatte sich aus diesem Wetteifern um Überseegebiete zunächst heraus gehalten. Das änderte sich mit der Krönung von Wilhelm II. (1859 – 1941) zum Kaiser, denn der neue Kaiser wollte Kolonien oder wie er es nannte „einen Platz an der Sonne“ für das Deutsche Reich. Kaum hatte Wilhelm II. 1888 den Thron bestiegen, wurde die Unvereinbarkeit der Pläne Bismarcks mit denen des Kaisers offenbar.

1890 entließ Wilhelm II. Bismarck als Reichskanzler und ersetzte ihn durch Leo von Caprivi (1831 – 1899), der Bismarcks bisherige Politik nicht fortsetzte. So wurde etwa der Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht erneuert. Das Zarenreich ging daher ein Bündnis mit Frankreich ein, um die eigenen Interessen auf dem Balkan zu schützen.

1898, als der deutsche Kaiser gerade Rückhalt in seinem Ansinnen von deutschen Politikern erhielt, drohte dann die Lage in Afrika zu eskalieren. Am 18. September erreichte eine Expedition von General Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener (1850 – 1916) das von Major Jean-Baptiste Marchand (1863 – 1934) geleitete Fort bei Faschoda.

Hätten die beiden Offiziere oder ihre Regierungen weniger besonnen reagiert, wäre es zum Krieg gekommen. Frankreich wollte aber keinen Zweifrontenkrieg gegen das Vereinigte Königreich und das Deutsche Reich wegen einer eher unbedeutenden Kolonie riskieren. Die Faschoda-Krise zeigt deutlich, dass noch wenige Jahre vor Kriegsausbruch Briten und Franzosen sehr an Frieden gelegen war.

1904 schlossen die beiden Kolonialmächte mit der Entente cordiale dann ein enges Bündnis, das drei Jahre später um Russland erweitert wurde: die Triple Entente.

Von den sechs Großmächten England, USA, Russland, Frankreich, Deutschland und Japan waren also sieben Jahre vor Kriegsausbruch drei in einem gemeinsamen Bündnis, das einen Krieg verhindern sollte. Die USA waren ohnehin bemüht, sich aus den Kriegen Europas herauszuhalten, und waren lediglich 1898 in einen Konflikt mit Deutschen und Briten um die Kleinen Samoa-Inseln verstrickt gewesen.

Japan wollte vor allem seinen Einfluss in China vergrößern, wo die Kolonialmächte 1900 noch gemeinsam den Boxeraufstand niederschlugen und es danach zu einer friedlichen Übereinkunft zwischen Deutschland und Großbritannien über die Interessengebiete in Form des Yangtse-Abkommens kam.

Haager Friedenskonferenzen

Zar Nikolaus II. (eigentlich: Nikolaj Aleksandrovič Romanov; 1868 – 1918) sah die drohende „Katastrophe“, die aus dem Wetteifern der Kolonialmächte und der Verstrickung der übrigen Großmächte entstehen könnte, kommen und regte 1889 eine Zusammenkunft der Vertreter mehrerer Staaten an, bei der Möglichkeiten für friedliche Lösungen von Konfliktsituationen gefunden werden sollten.

Zweimal kamen Politiker und Gelehrte in Den Haag zusammen: Vom 18. Mai bis zum 29. Juli 1899 trafen sich Juristen und Politiker aus 26 Staaten, vom 15. Juni bis zum 18. Oktober 1907 Vertreter aus 44 Staaten. Auch wenn verbindliche Rechtsnormen erarbeitet und ein Schiedsgerichtshof eingerichtet werden konnten, scheiterte die Einführung einer obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit an den Stimmen des Deutschen Reichs, Österreich-Ungarns, des Osmanischen Reichs und einiger kleinerer Staaten.

Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich sollten im Ersten Weltkrieg die Allianz der Mittelmächte begründen, die den Krieg begonnen haben werden, ihnen gegenüber würden die Entente und die Alliierten stehen.

Expansionsstreben des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns

Während die meisten Staaten Europas wenig Interesse an einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung in Europa selbst hatten, verlangte es dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn nach einer prestigeträchtigen Position unter den europäischen Staaten. Österreich-Ungarn ging es dabei vor allem um Gebiete auf dem Balkan, die allerdings teilweise unter russischer Schirmherrschaft standen.

Dennoch annektierte die K.u.K.-Monarchie (Österreich-Ungarn war Königreich und Kaiserreich zugleich) Bosnien-Herzegowina, was später jene serbischen Separatisten auf den Plan rufen sollte, die das österreichische Thronfolgerehepaar ermorden würden. Das Deutsche Reich dachte allerdings in weit größeren Maßstäben als Österreich-Ungarn.

Das Selbstbild der Deutschen

Das von Preußen geprägte Deutsche Reich war eine durch und durch militaristische Gesellschaft. Jeder Mann, der etwas auf sich hielt, bekleidete einen militärischen Rang und dieser Rang war auch im normalen zivilen Leben Statussymbol und etwas, was anderen Ehrfurcht gebot.

Wie viel Macht eine bloße Uniform bedeutete, zeigt die Geschichte des Hauptmanns von Köpenick: Friedrich Wilhelm Voigt (1849 – 1922), ein einfacher Schuster, konnte am 16. Oktober 1906, nur weil er eine Hauptmannsuniform trug, eine Gruppe Soldaten um sich versammeln, ins Köpenicker Rathaus eindringen und dort den Bürgermeister verhaften und die Stadtkasse stehlen. Nur so einen hohen Rang musste man sich auch leisten können.

Das Dreiklassenwahlrecht, das ohnehin nur für Männer galt, denn Frauen waren bis 1900 nicht einmal als eigene Rechtssubjekte vor dem Gesetz anerkannt, teilte die Menschen auch hinsichtlich der politischen Einflussnahme klar nach Vermögen und daraus resultierendem gesellschaftlichen Stand ein. Progressive oder gar sozialistische Kräfte waren verpönt, stattdessen setzte man auf Etikette und bürgerlich-konservative Werte. Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ spiegelt diese Gesellschaft, in der man nach oben buckelte und nach unten trat in satirischer Weise wider.

Der deutsche Panther kitzelt den Gallischen Hahn

Im Jahr 1911 löste der „Panthersprung nach Agadir“ die Zweite Marokkokrise aus (die Erste Marokkokrise trug sich 1905 zu). Die Panther war ein deutsches Kanonenboot, das 1912 in den französischen Seeraum vor Agadir, Marokko vorstieß. Im Grunde testete das Deutsche Reich aus, wie weit es mit seinen Rivalen gehen konnte.

Würde Frankreich den Frieden trotz der territorialen Verletzung wahren? Ja. Frankreich war mehr an Frieden gelegen als an der Unverletzbarkeit seines Kolonialreiches und trat dem Deutschen Reich daher Teile seines Gebietes im Kongo ab.

Kriegsverherrlichung

Am 20. Februar 1909 publizierte Filippo Tommaso Marinetti (1876 – 1944) das „Futuristische Manifest“ und begründete damit die Bewegung des Futurismus, einer anfangs noch auf Italien beschränkten Künstlerbewegung. Die Kunst der Futuristen ist bis auf die Plastik „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“ von Umberto Boccioni (1882 – 1916) von 1913, die die italienische 20-Cent-Münze ziert, weitestgehend vergessen.

Doch ihre Ideologie gibt einen guten Eindruck von der Stimmung in der europäischen Bevölkerung, gerade junger Männer, vor dem Krieg. Ferner waren die Futuristen die ideologischen Wegbereiter des Faschismus. Das wundert auch nicht, wenn man sich einige Thesen aus dem „Futuristischen Manifest“ ansieht, These 9 etwa lautet:

„Wir wollen den Krieg verherrlichen – diese einzige Hygiene der Welt – den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes.“

Krieg bedeutete für diese Menschen Aufbruch, Veränderung. Auch im Deutschen Reich verlangte es vielen jungen Männern danach, sich in ruhmreichen Schlachten fürs Vaterland zu beweisen. Als der Krieg 1914 ausbrach, jubelten die jungen Männer auf den Straßen, denn niemand rechnete mit einem vierjährigen Martyrium aus Grabenkämpfen und Panzerschlachten.

Einen Krieg wie den Ersten Weltkrieg hatte es bis dahin auch nicht gegeben. Doch nun gab gerade der von den Futuristen so besungene technische Fortschritt den Menschen ganz neue Möglichkeiten, einander zu töten.

1880 hatte Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (1800 – 1891) noch geschrieben:

„Der ewige Friede ist ein Traum, und nicht einmal ein schöner, und der Krieg ist ein Glied in Gottes Weltordnung. In ihm entfalten sich die edelsten Tugenden des Menschen, Mut und Entsagung, Pflichttreue und Opferwilligkeit mit Einsetzung des Lebens. Ohne den Krieg würde die Welt im Materialismus versumpfen.“

Umberto Boccioni starb übrigens, weil er bei einer militärischen Übung vom Pferd fiel.

Kriegsausbruch: Auslöser

Am 28. Juni 1914 verübte der serbische Nationalist Gavrilo Princip (1894 – 1918) dann ein Attentat auf das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este (1863 – 1914) und seine Gemahlin Sophie Chotek von Chotkowa (1868 – 1914) bei deren Besuch in Sarajevo.

Der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph I. (1830 – 1916) wollte daraufhin in Serbien militärisch intervenieren, konnte alleine aber keinen Krieg mit dessen Schutzmacht Russland riskieren. Deshalb kam es zu der folgenschweren Rückversicherung beim einzig verbliebenen Bündnispartner, dem Deutschen Reich. Wilhelm II. dürfte die Gelegenheit herbeigesehnt haben. Der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg (1856 – 1921) schrieb daher am 6. Juli 1914 an Franz Joseph I.:

„Kaiser Franz Joseph könne sich aber darauf verlassen, daß S[eine] M[ajestät] im Einklang mit seinen Bündnispflichten und seiner alten Freundschaft treu an Seite Österreich-Ungarns stehen werde.“

Historiker nennen jenes Telegram gemeinhin den „Blankoscheck“, denn übersetzt hieß diese Versicherung nicht anderes als: „Wenn ihr Krieg anfangt, werden wir euch dabei unterstützen.“ Und Österreich-Ungarn fing Krieg mit Serbien an, was die Russen auf den Plan rief, was wiederum die Deutschen nötigte, Österreich-Ungarn zur Hilfe zu eilen, was seinerseits Frankreich und das Vereinigte Königreich zur Unterstützung Russlands nötigte. Erster Weltkrieg.

Zusammenfassung

  • Die Wurzeln, die zur Entstehung des Ersten Weltkriegs führten, liegen weit zurück.
  • Deutschland hatte lange als Vielvölkerstaat bestehend aus vielen kleinen Fürstentümern und Königreichen bestanden.
  • Besonders Preußen und Österreich stritten um die Vorherrschaft innerhalb des losen Staatenbunds.
  • 1866 gelang es dem preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, Österreich militärisch zu besiegen und den Norddeutschen Bund unter Führung Preußens zu begründen.
  • Dieser führte 1870 Krieg gegen Frankreich, das ein Deutsches Reich bis dahin verhindert hatte, und siegte.
  • Norddeutscher Bund und Süddeutscher Bund wurden 1871 zum Deutschen Reich mit Wilhelm I. als Kaiser vereint.
  • Bismarck verfolgte danach eine Bündnispolitik, die Frankreich außenpolitisch isolieren sollte und einen Krieg zwischen den anderen Großmächten nahezu unmöglich machen sollte.
  • Der neue Kaiser Wilhelm II. entließ Bismarck, weil er dessen Politik nicht fortsetzen wollte. Stattdessen sollte das Deutsche Reich sich nun am Wettlauf um die Kolonien beteiligen. Kolonien bedeuteten nämlich Prestige.
  • Auch ersetzte das Streiten um Kolonialgebiete die Kriege innerhalb Europas.
  • Das Vereinigte Königreich und Frankreich rivalisierten um geschlossene Kolonialreiche in Afrika, ließen es aber nicht auf einen Krieg ankommen.
  • Es entstanden neue Bündnisse, die nun das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn politisch isolierten.
  • Weil er einen Krieg befürchtete, rief Zar Nikolaus II. die Haager Friedenskonferenzen ein.
  • Die erhofften Beschlüsse scheiterten an den Stimmen des Deutschen Reichs und Österreich-Ungarns.
  • Die Gesellschaft des preußisch geprägten Deutschen Reichs war stark militaristisch, der militärische Rang war gleichbedeutend mit Ansehen im Zivilleben.
  • Das deutsche Militär testete aus, wie weit es mit den anderen Kolonialmächten gehen konnte – so führte der „Panthersprung von Agadir“ 1911 zur Abtretung von Kolonialgebieten Frankreichs.
  • Die Bevölkerung im Deutschen Reich, aber auch in Italien sehnte sich nach Veränderung und hoffte, dass ein Krieg genau diese bringen würde.
  • Anlass zum Krieg gab dann das Attentat auf das österreichisch-ungarische Thronfolgerehepaar in Sarajevo 1914.
  • Der deutsche Kaiser garantierte dem österreichisch-ungarischen Kaiser nämlich Beistand im Falle eines Krieges. In diesen war bald die ganze Welt involviert.

Literatur

  • Christopher Clark (Autor), Norbert Juraschitz (Übersetzer), Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog, ISBN: 978-3570552681*
  • Barbara W. Tuchman (Autor), Der stolze Turm. Ein Portrait der Welt vor dem Ersten Weltkrieg 1890-1914, ISBN: 978-3426036716*

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