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Intelligenzmodelle und deren Bedeutung am Beispiel erklärt


Das Ziel der Intelligenzmodelle ist das Beschreiben und Erklären von Intelligenz. Es war lange Zeit umstritten, ob es sich bei der Intelligenz um ein eindimensionales Gebilde handelt oder ob es verschiedene Facetten beinhaltet.

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Modelle beziehungsweise Theorien in der Psychologie herausgebildet, welche sich der Intelligenz widmen. Im Folgenden gehen wir auf einige Modelle und deren jeweiligen Bereiche ein. Zunächst geht es um das triarchische Modell Sternbergs, danach um die soziale und emotionale Intelligenz nach Thurstone und Mayer. Abschließend behandeln wir die fluide und kristalline Intelligenz, die der Theorie von Cattell angehören.

1. Analytische Intelligenz

Die analytische Intelligenz ist eine der drei Intelligenzaspekte nach Sternberg.
Sternbergs Modell wird auch als triarchische Theorie bezeichnet. Unter der analytischen Intelligenz kann auch die schulische Problemlöseintelligenz verstanden werden.

Diese Form der Intelligenz ist diejenige, die mit Intelligenztests durch genau beschriebene Aufgaben erfasst wird. Diese Aufgaben haben nur eine einzige korrekte Lösung. Daher lassen sich mit solchen Tests beziehungsweise mit dem Feststellen der analytischen Intelligenz die Leistungen in der Schule gut vorhersagen.

Allerdings ist die Vorhersagekraft bezogen auf berufliche Erfolge eher eingeschränkt. Ein anderes Beispiel sind Anagramme. Dabei veränderst du die Reihenfolge der Buchstaben in deinem Geist und überlegst, welche Abfolge die einzig richtige ist.

Die analytische Intelligenz kann auch als eine Fähigkeit zur grundlegenden Informationsverarbeitung verstanden werden. Dem Denken und Problemlösen liegen dabei verschiedene Komponenten zugrunde. Wissenserwerbskomponenten sind nötig, damit wir neue Informationen und Fakten lernen und uns diese merken können.

Hinzu kommen Komponenten der Ausführung von Techniken und Strategien. Schließlich werden sogenannte metakognitive Kompetenten benötigt, die der Auswahl der Strategien dienen. Außerdem werden durch diese Komponenten die Schritte auf dem Weg zur Lösung überwacht.

2. Praktische Intelligenz

Ein weiterer Teil der triarchischen Theorie ist die praktische Intelligenz.
Anders als die analytische Intelligenz kann die praktische nicht wirklich erfragt werden. Es handelt sich nicht um eng umschriebene Probleme, die nur eine Lösung haben. Stattdessen ist die praktische Intelligenz gefragt, wenn es um das Lösen von Alltagsproblemen und -aufgaben geht.

Sie kommt zum Beispiel beim Reparieren des defekten Toasters zum Einsatz. Im Normalfall gibt es bei diesen eine Vielzahl von möglichen Lösungsalternativen. Die praktische Intelligenz ist daher individueller als die analytische Intelligenz, wird allerdings von dieser unterstützt.

3. Kreative Intelligenz

Die dritte triarchische Intelligenz ist die kreative Intelligenz.
Hierbei geht es vor allem darum, sich an neue Situationen und Herausforderungen anzupassen. Allerdings fällt auch das Entwickeln neuer Ideen in diese Kategorie. Als Beispiel könntest du dir vorstellen, dass du dich in der Wildnis verirrst. In so einer Situation ist deine kreative Intelligenz gefragt, damit du überlebst und wieder nach Hause findest.

Auf Basis dieser drei Intelligenzbereiche lassen sich laut Sternberg Vorhersagen über unseren Erfolg in der realen Welt machen.

4. Soziale Intelligenz

Bei der sozialen Intelligenz handelt es sich um ein Konzept von Thorndike.
Dieser nahm an, dass soziale Intelligenz sich aus drei unterschiedlichen Komponenten zusammensetzt. Dazu zählte er die soziale Sensitivität, eine ausbalancierte Beziehungs- und Durchsetzungsfähigkeit sowie die soziale Handlungskompetenz.

Bei der sozialen Sensitivität geht es um die richtige Deutung von Gedanken, Gefühlen und Absichten sowie Fähigkeiten anderer Menschen in sozialen Situationen. Erfasst wird diese Teilfähigkeit der sozialen Intelligenz durch verschiedene Testverfahren. Der Four Factor Test of Social Intelligence erhebt Daten zu den Ausprägungen der befragten Person in den Bereichen „soziale Übersetzung“, „Vorhersage“, „Gruppierung von Ausdrücken“ und „fehlende Bilder“.

Die soziale Handlungskompetenz hingegen beschreibt die Fähigkeit einer Person, soziale Probleme zu lösen. Wie jemand sich bei der sozialen Problemlösung verhält, kann auf zwei Arten erfasst werden. Entweder gibt die Person eine Selbstauskunft darüber oder es werden soziale Situationen inszeniert, bei der die Handlungen der betreffenden Person beobachtet werden.

Ein Beispiel ist hier das Assessment Center. Dabei handelt es sich um eine Methode aus dem Personalwesen, mit der zum Beispiel Bewerber hinsichtlich ihrer Eignung für eine Stelle überprüft werden. Dabei werden unter anderem Situationen durchgespielt, die für den Arbeitsalltag von Bedeutung sind. Zum Beispiel sollen die Bewerber dabei in Rollenspielen ihre sozialen Handlungskompetenzen unter Beweis stellen.

Die soziale Intelligenz erlaubt es uns, soziale Situationen besser zu verstehen. Durch dieses Verständnis können wir uns entsprechend erfolgreich in diesen Situationen verhalten.

5. Emotionale Intelligenz

Die emotionale Intelligenz ähnelt in vielen Punkten der sozialen Intelligenz.
Das liegt vor allem daran, dass die emotionale Intelligenz auch häufig als ein Teil der sozialen Intelligenz verstanden wird. Mayer, Salovey und Caruso unterteilen die emotionale Intelligenz in vier Bereiche. Der erste bezieht sich auf die Wahrnehmung von Emotionen. Dabei geht es nicht nur darum, Emotionen in der Mimik eines anderen Menschen zu erkennen.

Auch Musikstücke, Geschichten oder Gemälde können Emotionen transportieren. Darauf folgt die Fähigkeit, die Emotionen zu verstehen. Es geht darum, Emotionen vorherzusagen und zu verstehen, wie diese ineinander übergehen können. Nach einem Streit kann zum Beispiel erst die Emotion Wut im Vordergrund stehen, sich anschließend jedoch in Trauer verwandeln.

Die Regulation von und der Umgang mit Emotionen ist ein weiterer Aspekt. So ist es wichtig zu wissen, welcher Gefühlsausdruck in welcher Situation angemessen ist und welcher nicht. Schließlich ist noch die Nutzung von Emotionen ein Bereich der emotionalen Intelligenz. Eine kluge Nutzung kann kreatives Denken befördern. Die angesprochene Übermittlung von Emotionen durch Kunstwerke ist nur dann möglich, wenn der Künstler diese einzusetzen (also zu nutzen) weiß. Ein anderes Modell stammt von Goleman und beinhaltet unter anderem die Aspekte Selbstkontrolle, Selbstmotivation und Begeisterung.

Studien zur emotionalen Intelligenz zeigten deren positive Effekte aus soziale Interaktionen. Menschen mit einer hohen Ausprägung in diesem Intelligenzbereich haben Freundschaften von höherer Qualität und lassen sich von negativen Emotionen nicht so schnell mitreißen. Sie haben einen guten Sinn dafür, welche Verhaltensweisen gerade angebracht sind.

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Auch der Umgang mit Konflikten fällt ihnen aufgrund der hohen Sensibilität für emotionale Informationen leichter als so manch anderem. Die Verarbeitung dieser emotionalen Hinweise läuft außerdem in der Regel unbewusst ab. Daher wissen diese Personen „automatisch“, was zu tun ist. Da sie sich nicht von spontanen Impulsen leiten lassen, können sie Belohnungen gut aufschieben. Das kann unter anderem im Berufsleben relevant sein. Allerdings wirkt sich die emotionale Intelligenz ebenso positiv auf die Bereiche Schule, Ehe oder Erziehung aus.

Dass die emotionale Intelligenz unabhängig von der allgemeinen Intelligenz besteht, zeigte ein Fallbeispiel sehr deutlich. Der Neurowissenschaftler Damasio arbeitete mit einem Patienten „Elliot“, der nach der Entfernung eines Hirntumors zusätzlich auch seine Emotionen verloren hatte.

So zeigte er etwa keinerlei emotionale Reaktionen, wenn ihm erschreckende Bilder von verletzten Menschen oder Katastrophen gezeigt wurden. Er wusste, dass diese Bilder etwas Schlimmes zeigen. Doch er fühlte es nicht. Insgesamt war er jedoch noch so intelligent wie vor der Operation. Er fühlte allerdings nichts mehr. Darunter litt sowohl sein berufliches als auch sein Privatleben und am Ende verlor er sowohl den Job als auch Frau und Kinder. Allerdings berührte ihn das ebenso wenig wie die schockierenden Bilder.

6. Fluide Intelligenz

Die fluide Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.
Allerdings zählt auch die Eigenschaft dazu, Probleme lösen zu können. Diese Form der Intelligenz ermöglicht es dem Menschen, abstrakte und neue Probleme anzugehen und zu bewältigen.

Gemessen werden kann diese Form der Intelligenz zum Beispiel durch Aufgaben zur räumlichen Anordnung, für welche logische Schlussfolgerungen benötigt werden. Bei den Aufgaben sind die Hintergrundinformationen für die Lösung entweder schon in der Aufgabenstellung enthalten oder sie lassen sich leicht erschließen.

Ein Beispiel dafür ist die Arbeitswelt. Die fluide Intelligenz nimmt im späteren Alter nicht selten ab. Jüngere Arbeitnehmer können sich daher leichter auf neue Herausforderungen einstellen. Allerdings kann fortwährende mentale Aktivität die fluide Intelligenz auch im Alter aufrechterhalten. Diese Form der Intelligenz ist demnach trainierbar.

7. Kristalline Intelligenz

In diesem Intelligenzbereich geht es um Erlerntes.
Neben der fluiden gehört auch die kristalline Intelligenz zum Modell von Raymond Cattell. Bei der kristallinen Intelligenz geht es jedoch um bereits vorhandenes Wissen und um die Fähigkeit, auf dieses zur Problemlösung zurückzugreifen. Die Aufgaben sind in der Regel gut wiederzuerkennen und es werden konkrete Herausforderungen dargelegt.

Die kristalline Intelligenz kann anhand von Wortschatz- oder Rechentests gemessen werden. Doch auch Fragen zum Allgemeinwissen eignen sich zur Erfassung dieser Intelligenzform. Auch hier kann als Beispiel der Arbeitskontext dienen. Ältere Mitarbeiter haben mitunter Probleme, sich in neue Aufgabenfelder einzuarbeiten. Allerdings bleibt die kristalline Intelligenz erhalten. Da diese sich aus Wissen zusammensetzt, haben ältere Arbeitnehmer hier den jüngeren gegenüber einen Erfahrungsvorteil.

Intelligenzen und Modelle im Vergleich

In diesem Artikel hast du etwas über die Intelligenzmodelle von Sternberg (analytische, praktische und kreative Intelligenz), Cattell (fluide und kristalline Intelligenz), Thurstone (soziale Intelligenz) sowie Mayer und Kollegen (emotionale Intelligenz) erfahren.

Die analytische Intelligenz in Sternbergs triarchischen Theorie wird auch schulische Problemlöseintelligenz genannt. Es geht um die Lösung von genau definierten Problemen, die nur eine richtige Antwort zulassen. Dazu gehören beispielsweise Matheaufgaben. Sternberg unterteilt die analytische Intelligenz nochmals in drei Unterpunkte: Wissenserwerb, Technik- und Strategieausführung und Metakognition.

Die triarchische Theorie beinhaltet außerdem noch die praktische und die kreative Intelligenz. Die praktische Intelligenz wird bei schlecht definierten Problemen benötigt. Diese haben mehrere mögliche Lösungen und treten häufig im Alltag auf. Die Anpassungsfähigkeit an neue Situationen wird von der kreativen Intelligenz gefördert. Sternbergs Modell traf auch auf Kritik. So stellt sich etwa die Frage, ob die allgemeine Intelligenz überhaupt von der praktischen und kreativen Intelligenz zu trennen ist.

Bei der sozialen Intelligenz nach Thurstone werden drei Bereiche unterschieden. Diese beziehen sich auf die soziale Sensitivität, eine ausbalancierte Beziehungs- und Durchsetzungsfähigkeit sowie die soziale Handlungskompetenz. Es geht unter anderem um die Fähigkeit, soziale Probleme zu lösen. Doch auch das Wissen über ein situationsangemessenes Verhalten wird dazugezählt.

Kritiker geben zu bedenken, dass bei der Erfassung der sozialen Intelligenz häufig unterschiedliche Testkonzepte und Aufgabeninhalte genutzt werden. Das erschwert die Vergleichbarkeit der Ergebnisse untereinander. Außerdem kommt der Realitätsbezug in den Aufgaben nicht selten zu kurz oder sie beziehen sich kaum auf die theoretische Grundlage.

Mit dem Konzept der sozialen Intelligenz ist die emotionale Intelligenz verwandt. Mayer, Salovey und Caruso haben diesen Intelligenzbereich in vier Gebiete unterteilt. Es geht um das Wahrnehmen, Verstehen, den Umgang und die Nutzung von emotionalen Informationen. Menschen mit einer stark ausgeprägten emotionalen Intelligenz verhalten sich in sozialen Situationen sehr souverän.

Ihre Freundschaften sind stabiler und sie spüren, was andere Menschen gerade brauchen. Auch mit den eigenen Emotionen gehen sie ausgeglichen um. Sie lassen sich nicht von negativen Emotionen mitreißen oder von spontanen Impulsen beeinflussen. Diese Fähigkeiten befähigen sie zu einem erfolgreichen Handeln im Berufs- und Privatleben.

Welche Folgen eine geringe (oder gänzlich fehlende) emotionale Intelligenz haben kann, zeigt der Fall Elliot. Neben der Definition von Mayer und Kollegen gibt es weitere Modelle, darunter auch das von Goleman. Dieser zählt neben weiteren Faktoren auch die Selbstmotivation zur emotionalen Intelligenz. Jedoch ist Motivation nach der Auffassung der meisten Forscher nicht als Intelligenzbereich anzusehen. Doch unabhängig von den einzelnen Modellen zur emotionalen Intelligenz stellt sich die Frage, ob mit dieser der Begriff „Intelligenz“ nicht zu weit ausgedehnt wird.

Cattell beschreibt in seinem Modell die fluide und die kristalline Intelligenz. Die fluide Intelligenz hilft uns bei der Bewältigung neuer Aufgaben. Sie spielt auch beim Lernen eine wichtige Rolle und ist trainierbar. Auf bereits vorhandenes Wissen wird bei der kristallinen Intelligenz zurückgegriffen. Die Ausprägung dieser Intelligenzform kann beispielsweise durch Fragen zum Allgemeinwissen getestet werden.


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