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Wie kann man Intelligenz messen: IQ-Test, EQ-Test, HAWIK-Test und Weitere


IQ-TEST bzw. Intelligenztests wurden ursprünglich mit der Absicht entwickelt, den Förderbedarf von Schulkindern zu ermitteln. Die ersten Tests dieser Art stammten von Binet und Simon und beschränkten sich noch auf das Intelligenzalter. Später entstand das Konzept des Intelligenzquotienten (kurz IQ).

Intelligenz wird mittlerweile anhand von Leistungs- und Eignungstests gemessen und mit Normwerten angegeben. Zudem gibt es verschiedene Intelligenztests, mit denen auch unterschiedliche Bereiche der Intelligenz erhoben werden können. Erfassen lassen sich unter anderem die soziale, emotionale, fluide und kristalline Intelligenz. Bei der praktischen Intelligenz ist eine Messung schwieriger, weil diese sich häufig situationsabhängig äußert.

Wie lässt sich Intelligenz messen?

Die Wurzeln der modernen Intelligenzmessung liegen im schulischen Bereich.
In der Zeit zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert trat in Frankreich ein Gesetz in Kraft, das eine Schulpflicht für alle Kinder vorsah.

Infolgedessen zeigte sich jedoch bereits bald, dass einige Kinder ihren Mitschülern weit hinterherhinkten und mit dem regulären Unterricht nicht mithalten konnten. Bei manchen Kindern war ein Förderbedarf offensichtlich.

Doch wie sollte man (am besten frühestmöglich) feststellen, welche Kinder klug und welche weniger klug sind? Zunächst wurden die Lehrer von der Regierung beauftragt, die Kinder in ihren Klassen subjektiv zu beurteilen.

Mittlerweile ist bekannt, dass die subjektive Beurteilung anderer Menschen mit Verzerrungen einhergehen. Lehrer bilden da keine Ausnahme. So kam es zu vielen Fehleinschätzungen, weil die Lehrer sich von den sozialen Hintergründen der Kinder beeinflussen ließen.

So vermuteten sie bei Kindern aus ärmeren Elternhäusern unbewusst eine geringere Intelligenz als bei Kindern reicher oder gut gebildeter Eltern. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Vorbildung. So konnten einige Kinder dem Stoff höherer Klassen nicht folgen, weil ihre vorherige Schule keine besonders gute Lehre vermittelt hat. Wie es um das Vorwissen der Kinder bestellt war, konnten die Lehrer ebenfalls nicht genau einschätzen.

Aufgrund der mangelhaften Beurteilungsergebnisse durch die Lehrer wurde der damalige Erziehungsminister Alfred Binet mit der Lösung dieses Problems beauftragt. Zusammen mit seinem Kollegen Thomas Simon entwickelte er eine Methode zur Messung der Intelligenz bei Kindern.

Unterscheidung zwischen Intelligenzleistung und Intelligenzalter

Bei der Intelligenzleistung geht es lediglich um die geistige Leistung.
Damit ist die Leistung gemeint, die mit Hilfe der Intelligenz erbracht wurde. Das Lösen von Problemen ist beispielsweise von der Intelligenz abhängig.

Hier das klassische Beispiel…
Stell dir einen Affen in einem Raum vor. An der Zimmerdecke ist eine Banane befestigt, an welche er allerdings nicht herankommt. Die Banane hängt einfach zu weit oben. Nun befinden sich in diesem Raum allerdings mehrere Holzkisten. Wenn der Affe nun die Kisten stapelt, sich darauf stellt und somit die Banane greifen kann, zeugt das von Intelligenz. Er nutzt die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten (in diesem Fall die Kisten), um das Problem zu lösen.

Hierbei kann auch von einer Intelligenzleistung gesprochen werden. Im Zusammenhang mit Schulkindern können Intelligenzleistungen sich auf die erreichten Noten in Klausuren beziehen. Hier besteht die Intelligenzleistung darin, die Aufgaben mit Hilfe des erlernten Wissens korrekt zu beantworten.

Binet und Simon hatten die Idee, dass die Intelligenzleistung mit dem Intelligenzalter zusammenhängt. Sie gingen davon aus, dass alle Kinder sich nach einem gewissen geistigen Ablauf entwickeln. Demnach müssten die Testergebnisse eines weniger intelligenten Kindes den Ergebnissen eines jüngeren Kindes entsprechen.

Zum Beispiel hat ein acht Jahre altes Kind Probleme mit Schulthemen, welche andere Kinder im selben Alter ohne Schwierigkeiten bewältigen. Allerdings kann das Kind mit sechsjährigen Schülern mithalten. Dieses Kind hätte dann beispielsweise ein Intelligenzalter von sechs.

Beim Intelligenzalter handelt es sich demnach um ein Maß zur Intelligenzfeststellung. Wären die geistigen Leistungen des Kindes im Beispiel dieselben wie bei anderen Achtjährigen, dann hätte es auch ein Intelligenzalter von acht.

Wie lässt sich der IQ bestimmen?

„IQ“ ist die Kurzform von „Intelligenzquotient“.
Die ursprüngliche Formel bestand darin, das Intelligenzalter durch das Lebensalter zu teilen und das Ganze dann mit 100 zu multiplizieren. Auf diese Weise kommt ein Kind auf den Wert 100, wenn sein Intelligenzalter auch dem Lebensalter entspricht.

In Bezug auf das Kind von acht Jahren wäre die Rechnung also wie folgt: 8/8 = 1 x 100 = 100. Hätte das achtjährige Kind ein Intelligenzalter von 6, dann würde die Gleichung folgendermaßen aussehen: 6/8=0,75*100= 75. Demnach wäre der Intelligenzquotient oder kurz IQ bei 75.

In neueren Intelligenztests kommt diese Formel allerdings nicht mehr zum Einsatz. Hierin wird die Intelligenzleistung mit dem Normwert der entsprechenden Altersgruppe verglichen. Die durchschnittliche Leistung der Personen in derselben Altersgruppe werden als Standardwert genommen und auf 100 gesetzt. Bewegt sich der Testwert zwischen 85 und 115 so befindet sich die Intelligenz der Testperson im Normalbereich.

Welche Intelligenzebene wird bei einem Intelligenztest gemessen?

Moderne Intelligenztests finden auf Leistungs- oder Eignungsebene statt.
Leistungstests sollen Auskunft über das bisher erworbene Wissen und die Fähigkeiten einer Person geben. Diese Leistungstests beziehen sich allerdings nicht nur auf Intelligenztests. Eine Matheprüfung oder ein Diktat im Deutschunterricht sind ebenfalls als Leistungstests anzusehen.

Hingegen ist das Ziel von Eignungstests die Vorhersage zukünftiger Lernfähigkeiten. Solche Tests kommen zum Beispiel bei der Studienwahl zum Einsatz. Die Studenten können anhand der Ergebnisse einschätzen, für welche Fächer sie sich eignen und welche Fächer wenig Erfolg versprechen würden.

Einer der meist genutzten Intelligenztests für Erwachsene ist die Wechsler Adult Intelligence Scale (WAIS). Dieser Test besteht aus mehreren Untertests, welche einen Verbalteil und einen Handlungsteil beinhalten. Zu diesen Untertests gehören zum Beispiel das Finden von Gemeinsamkeiten, der Mosaiktest oder der Wortschatztest.

Beim Finden von Gemeinsamkeiten wird das logische Denken geprüft. Es geht darum Gemeinsamkeiten zwischen Konzepten oder Wörtern zu finden. Zum Beispiel kann nach der Ähnlichkeit zwischen Wolle und Baumwolle gefragt werden.

Der Mosaiktest verlangt von der Testperson, dass sie ein vorgegebenes Muster mit Bauklötzen nachbilden. Hierbei geht es um die visuelle abstrakte Verarbeitung. Beim Wortschatztest wird lediglich nach der Bedeutung verschiedener Begriffe gefragt. Die Testperson soll zum Beispiel definieren, was eine Geige ist.

Insgesamt besteht der Test aus 15 Untertests. Der WAIS gibt einen Wert für die allgemeine Intelligenz an, liefert mittels der Untertests allerdings auch noch Informationen über verschiedene Teilbereiche der Intelligenz.

Dazu gehören beispielsweise Werte für das Arbeitsgedächtnis, das Auffassungsvermögen, das Sprachverständnis oder die Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Wie lässt sich soziale Intelligenz messen?

Diese Form der Intelligenz ermöglicht ein besseres Verständnis von sozialen Situationen.
Das Konzept der sozialen Intelligenz nach Thorndike beinhaltet drei Bereiche: soziale Sensitivität, ausbalancierte Beziehungs- und Durchsetzungsfähigkeit, soziale Handlungskompetenz.

Menschen mit einer hohen sozialen Intelligenz zeichnen sich durch eine hohe soziale Sensibilität und Einsicht aus. In der Regel sind sie gut darin, sich in die Lage eines anderen zu versetzen. Außerdem weisen sie eine hohe soziale Anpassungsfähigkeit auf.

Wie fast alle psychologischen Konzepte kann auch die soziale Intelligenz mit Hilfe von Fragebögen erhoben werden. Das Problem bei der Selbstauskunft ist, dass die Befragten zu sozial erwünschten Antworten tendieren. Sie antworten also auf eine Weise, die mit den sozialen Normen und Werten übereinstimmt.

Außerdem kann eine befragte Person sich selbst auch anders einschätzen als eine andere Person diese beschreiben würde. Die Ehrlichkeit des Befragten ist ein weiterer Einflussfaktor.

Um diese Probleme zu umgehen, entwickelten Süß und Kollegen den Magdeburger Test zur Sozialen Intelligenz (SIM). Dabei handelt es sich um einen Leistungstest mit Alltagsbezug, der soziale Situationen einbezieht. Mit diesem Instrument werden das soziale Verständnis, das soziale Gedächtnis und die soziale Wahrnehmung gemessen.

Wie lässt sich emotionale Intelligenz messen?

Die emotionale Intelligenz ist ein Teilaspekt der sozialen Intelligenz.
Nach Mayer, Salovey und Caruso besteht dieser Intelligenzbereich aus vier unterschiedlichen Komponenten. Diese beinhalten das Wahrnehmen, das Verstehen, die Regulation und das Nutzen von Emotionen.

Menschen mit einer stark ausgeprägten emotionalen Intelligenz wissen zum Beispiel, wie sie sich in bestimmten Situationen angemessen verhalten. So finden sie problemlos die richtigen Worte, wenn sie einer trauernden Person Trost spenden oder einem Kollegen Mut zusprechen möchten.

Doch auch auf ihr eigenes Leben hat die emotionale Intelligenz gleich mehrere positive Effekte. Sie können besser mit Konflikten umgehen und lassen sich nicht von Impulsen oder negativen Emotionen übermannen. Stattdessen können sie sich in Geduld üben und Belohnungen aufschieben. Zusammen mit ihrer Sensibilität für emotionale Hinweise ermöglichen ihnen all diese Fähigkeiten stabile Beziehungen und Freundschaften sowie Erfolg im Berufsleben.

Erfassen lässt sich die emotionale Intelligenz einer Person beispielsweise durch den EQ-Test. Hier werden dem Befragten zehn verschiedene soziale Szenarien vorgestellt. Seine Aufgabe besteht darin, eine von jeweils vier dazugehörigen Antwortmöglichkeiten auszuwählen.

Ein anderer Test ist der TEMINT. Hier soll die befragte Person sowohl Gefühle als auch deren Intensität in spezifischen Situationen bewerten. Mayer, Salovey und Caruso haben allerdings auch selbst einen Test entwickelt: den Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test (MSCEIT).

Dieser erfasst die emotionale Intelligenz anhand von acht Subskalen. Diese umfassen den Gesamtwert der emotionalen Intelligenz, die strategische emotionale Intelligenz, die Emotionswahrnehmung sowie das Emotionswissen, die erfahrungsbasierte Emotionale Intelligenz, Emotionsnutzung und -regulation.

Wie lässt sich praktische Intelligenz messen?

Die praktische Intelligenz gehört zur triarchischen Theorie vom Psychologen Robert Sternberg.
Diese Form der Intelligenz findet vor allem im Alltagsgebrauch Anwendung. Sie wird bei der Lösung von alltäglichen Problemen genutzt und bezieht sich auf einen bestimmten Kontext.

Daher ist es auch nicht einfach, diese Form der Intelligenz zu messen. Dennoch spielt die praktische Intelligenz besonders im Berufsleben eine Rolle. In Assessment Centern werden daher häufig Aufgaben eingesetzt, welche die praktische Intelligenz der Bewerber offenbaren sollen.

Ihren planerisch-organisatorischen Fähigkeiten werden etwa mit der Postkorb-Aufgabe überprüft. Unter Zeitdruck sollen die Bewerber einen fiktiven Posteingang abarbeiten und die eingehenden Informationen sortieren. Dabei sollen sie entscheiden, wo die Prioritäten liegen und welche Aufgaben delegiert werden können beziehungsweise an wen.

Sie sollen daneben auch noch zeigen, dass die in solchen Situationen den Überblick behalten können. Soll der technisch-mechanische Teil der praktischen Intelligenz geprüft werden, werden vom Arbeitgeber häufig Arbeitsproben verlangt.

Wie lässt sich fluide und kristalline Intelligenz messen

Das Intelligenzmodell von Raymond Cattell beinhaltet die fluide und die kristalline Intelligenz.
Die fluide Intelligenz kommt dann zum Einsatz, wenn wir mit neuen Herausforderungen und abstrakten Problemen konfrontiert werden.

Anders als früher vermutet, ist die fluide Intelligenz nicht angeboren. Sie ist trainierbar. Die kristalline Intelligenz bezieht sich auf das erworbene Wissen, das wir uns im Laufe unseres Lebens aneignen. Einerseits geht es hierbei um das Wissen an sich. Andererseits auch um die Fähigkeit, bei der Lösung von Problemen auf dieses Wissen zugreifen zu können.

Zur Messung der fluiden Intelligenz dienen zum Beispiel einige Untertests des HAWIK-IV. Die Abkürzung steht für den „Hamburg-Wechlser-Intelligenztest für Kinder“ und besteht aus insgesamt 15 Untertests.

Dieser Test für die Erfassung der kindlichen Intelligenz überprüft die fluide Intelligenz zum Beispiel mit dem Zahlen-Symbol-Test. Beim Zahlen-Symbol-Test müssen die Kinder unter Zeitdruck einer Reihe von verschiedenen Symbolen die entsprechenden Zahlen zuordnen. Ihnen wird dafür eine Beispielreihe vorgelegt. So soll es etwa in ein Dreieck eine 7 eintragen, in einen Kreis eine 5 oder in ein Quadrat eine 4.

Um die kristalline Intelligenz zu messen, kann beispielsweise eine entsprechende Kurzskala (BEFKI GC-K) eingesetzt werden. Diese besteht aus verschiedenen Fragen zum Allgemeinwissen. Es werden unterschiedlichen Wissensbereiche abgefragt. Dazu zählen unter anderem Biologie, Geschichte und Kunst.


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