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Was ist Intelligenz: Definition, kognitive Entstehung und Entwicklung


Zur Intelligenz gehören im Allgemeinen: Das Lernen aus Erfahrungen, Problemlösung und Wissenseinsatz.

Was genau jedoch unter diesem Konzept zu verstehen ist, versuchen verschiedene Ansätze zu erklären. Denn die Intelligenz eines Menschen setzt sich einerseits aus dessen genetischer Grundlage zusammen und andererseits aus verschiedenen Umwelteinflüssen. So kann eine günstige genetische Veranlagung sich unter schlechten Umwelteinflüssen nicht gut herausbilden. Günstige Umwelteinflüsse hingegen fördern die Intelligenz. Und zwar unabhängig davon, wie die genetische Grundlage aussieht.

Mit der Intelligenz geht auch die Anpassungsfähigkeit an die Umwelt einher. Außerdem hängt der Grad der Intelligenz davon ab, wie gut die kognitiven Prozesse einer Person im Allgemeinen funktionieren.

Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen gehört auch die Sprache. Diese kann sich günstig auf die Intelligenz auswirken. Während die Umwelteinflüsse besonders in der Kindheit einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Intelligenz ausüben, nimmt im Alter die Bedeutung der Gene zu.

Was ist Intelligenz?

Bei der Intelligenz handelt es sich um ein gesellschaftlich konstruiertes Konzept. Daher haben unterschiedliche Kulturen auch verschiedene Vorstellungen darüber, was einen intelligenten Menschen ausmacht.

Ein kultureller Aspekt steht also außer Frage. Allerdings herrscht Uneinigkeit darüber, ob Intelligenz eine einzige Fähigkeit ist oder ob sie aus mehreren Fähigkeitsbereichen besteht. Allgemein kann man allerdings Intelligenz als eine Fähigkeit beschreiben, die…

  • das Lernen aus Erfahrungen
  • das Lösen von Problemen oder
  • den Einsatz des vorhandenen Wissens

zur Anpassung an eine neue Situation umfasst. Da es sich bei Intelligenz um ein gesellschaftlich geprägtes Konstrukt handelt, sind im Laufe der Zeit auch unterschiedlichen Intelligenzmodelle entstanden.

So war zum Beispiel Charles Spearman der Annahme, dass es sich bei der Intelligenz um eine allgemeine Fähigkeit handelt. Diese allgemeine Intelligenz nannte er g-Faktor. Das „g“ steht hier für das englische Wort für „allgemein“ (= „general“). Diese Vorstellung war und ist zum Teil immer noch umstritten.

So setzte Louis Thurstone der Idee eines g-Faktors eine eigene Theorie zur Intelligenz entgegen. In dieser bezeichnete er die Intelligenz als etwas, das aus mehreren Bereichen besteht. Er legte seinen Versuchspersonen verschiedene Tests vor und leitete daraus sieben unterschiedliche Intelligenzfaktoren ab. Diese betitelte er als „primäre geistige Fähigkeiten“. Zu diesen zählte er folgende Kompetenzen:

  1. Sprechbeherrschung,
  2. Raumvorstellung,
  3. Wortflüssigkeit,
  4. Auffassungsgeschwindigkeit,
  5. Gedächtnis,
  6. schlussfolgerndes Denken
  7. und Rechengewandtheit.

Allerdings zeigte sich bei der Auswertung der Werte, dass eventuell doch so etwas wie ein g-Faktor vorliegt. Denn wenn Personen in einem der sieben Bereiche gut abschnitten, erzielten sie häufig auch in den anderen sechs Gebieten gute Ergebnisse.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich weitere Theorien darüber, was Intelligenz ausmacht. Howard Gardner beispielsweise geht von acht verschiedenen Intelligenzen aus. Diese sind musikalisch, logisch-mathematisch, räumlich, auf die Natur bezogen, sprachlich, interpersonal (= zwischen Personen), intrapersonal (= innerhalb einer Person) und körperlich-kinästhetisch.

Sternberg hingegen nimmt drei verschiedene Intelligenzen an: Die analytische, die praktische und die kreative Intelligenz.

Wie entsteht Intelligenz?

Wie hoch oder wie niedrig die Intelligenz eines Menschen ist, entscheidet das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt.

Es gibt vermutlich nicht das eine „Intelligenz-Gen“. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass verschiedene Gene an der Ausprägung der Intelligenz beteiligt sind. Allerdings spielt auch die Umwelt eine große Rolle. Denn selbst wenn eine genetische Ausstattung für eine hohe Intelligenz vorhanden ist, muss diese sich nicht zwingend ausbilden.

Stattdessen gibt es eine Vielzahl an Umwelteinflüssen, welche die Intelligenz fördern oder deren Entwicklung hemmen können. Eine anregende Umwelt gilt als situationale Grundlage für die Förderung der Intelligenz. Liegt eine gute genetische Grundausstattung vor, kann eine fördernde und fordernde Umgebung sowie eine gute Ausbildung zur Ausprägung der Intelligenz beitragen.

Jedoch hält die Umwelt auch verschiedene Risikofaktoren bereit, welche sich negativ und hemmend auf die Intelligenz auswirken. Zu solchen Risikofaktoren zählen beispielsweise Armut und Alkohol- oder Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft, ebenso wie starker mütterlicher Stress während dieser Zeit. Doch auch der Verlust eines Elternteils durch Trennung oder Tod sowie ein niedriger Bildungsstand der Eltern können sich hemmend auf die Intelligenz des Kindes auswirken.

Warum manche Menschen letztendlich intelligenter sind als andere, ist noch nicht vollständig geklärt. Zwar scheint eine genetische und neurologische Grundlage ausschlaggebend zu sein. Wie diese Grundlage allerdings genau aussieht, ist bisher nicht ganz klar. Fest steht jedoch, dass basierend auf dieser Grundlage manche Gehirne effizienter arbeiten als andere. Das macht die dazugehörigen Personen kognitiv leistungsstärker als andere – oder kurzgesagt: intelligenter.

Wird Intelligenz vererbt oder entsteht sie durch die Umwelt?

Sowohl die Gene als auch unsere Umwelt wirken sich auf die Intelligenz aus.
Zudem ging die Forschung früher noch davon aus, dass die fluide Intelligenz ebenfalls genetisch bedingt ist. Auf diese Form der Intelligenz gehen wir weiter unten noch genauer ein. Die fluide Intelligenz stellte sich allerdings als trainierbar hinaus.

Das wiederum ist nicht nur allgemein eine erfreuliche Erkenntnis, sondern könnte auch bei Weiterbildungsmaßnahmen für ältere Arbeitnehmer interessant sein. Mit dem Alter nimmt die fluide Intelligenz in der Regel ab, während die kristalline Intelligenz erhalten bleibt.

Während ältere Arbeitnehmer also einerseits auf ihr Wissen und die langjährige Berufserfahrung zurückgreifen können, sind sie häufiger mit neuartigen Herausforderungen überfordert.

Weiter oben hast du bereits gelesen, dass die Intelligenz sowohl durch genetische als auch durch umweltbedingte Einflüsse zustande kommt. Es gibt sowohl fördernde als auch hemmende Faktoren auf beiden Seiten.

Beispielsweise kann eine genetisch bedingte geistige Behinderung eine Intelligenzminderung zur Folge haben. Hier können entsprechende Förderprogramme allerdings ein Stück weit einer Benachteiligung entgegenwirken.

Andererseits können auch soziale Einflüsse die Intelligenz an ihrer Entwicklung hindern. Kinder aus bildungsfernen Schichten erzielen häufig schlechtere Ergebnisse bei Intelligenztests als Kinder aus akademischen Elternhäusern. Erstere haben schlichtweg schlechtere Bildungschancen.

Intelligenz ist also nicht allein von den Genen vorbestimmt. Die Umweltbedingungen haben einen großen Anteil an der geistigen und kognitiven Entwicklung eines Menschen. Die Forschung zeigte in den letzten Jahren allerdings auch, dass der Einfluss der Gene auf die Intelligenz im Laufe unseres Lebens zunimmt. Das liegt vermutlich daran, dass der Mensch sich seine Umwelt zum Teil selbst erschafft.

Wie ist das gemeint?
Menschen tendieren dazu, sich im späteren Alter automatisch den Bildungsaspekten zuzuwenden, die ihrer genetischen Veranlagung am ehesten entspricht. Ein Beispiel dafür: Ein Kind verfügt über eine genetisch hohe Intelligenz, wächst jedoch in einer eher durchschnittlich bis unterdurchschnittlich intelligenten Familie auf. Von seinen Eltern erhält es dementsprechend eher wenig Förderung. Allerdings kann dieses Kind in seinem späteren Leben dennoch die Bildung nachholen, die seinem genetischen Potenzial näher kommt.

Zusammenhang zwischen Intelligenz und Anpassungsfähigkeit

Anpassungsfähigkeit ist ein Teilaspekt der Intelligenz.
Eine hohe Intelligenz geht mit der Fähigkeit einher, schnell zu lernen und sich durch den Rückgriff auf Erlerntes an Herausforderungen in der Umwelt anzupassen. Im Umkehrschluss ist eine hohe Anpassungsfähigkeit auch eine Voraussetzung für Intelligenz. Wir müssen uns einer neuen Situation möglichst gut anpassen, um auf eine kluge Art und Weise reagieren zu können. Diese Anpassungsfähigkeit wird im Rahmen der Intelligenzforschung auch als fluide Intelligenz bezeichnet. Anders als bestimmte andere Intelligenzaspekte, ist die fluide Intelligenz nicht angeboren. Sie kann gezielt trainiert werden.

Generell wird zwischen fluider und kristalliner Intelligenz unterschieden. Während es bei der kristallinen Intelligenz vor allem um Wissen und Erfahrung geht, geht es bei der fluiden Intelligenz eben um das Lösen von Problemen und die Anpassung an neue Situationen. Mit bestimmten Trainings lässt sich das Arbeitsgedächtnis stärken. Diese ist für das vorübergehende Abspeichern Informationen zuständig. Es kümmert sich allerdings auch um die Planung, Kontrolle und Durchführung einer Aufgabe. Je effizienter das Arbeitsgedächtnis funktioniert, desto besser können wir mit ungewohnten Herausforderungen umgehen.

Zusammenhang zwischen Intelligenz, Kognition und Denken

Mit der Intelligenz geht auch unsere Problemlösefähigkeit einher.
Diese ist ein Teil der fluiden Intelligenz. Mit Kognitionen sind sämtliche mentalen Prozesse gemeint, die sich mit der Wahrnehmung von Informationen und deren Verarbeitung beziehen sowie deren Abspeicherung und Abruf.

Doch auch die Fähigkeit der Problemlösung zählt zu den kognitiven Leistungen. Anders ausgedrückt, zählt die Intelligenz und auch das Denken zu den kognitiven Prozessen. Die drei Aspekte greifen daher ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Je effizienter die kognitiven Leistungen einer Person sind, desto höher ist auch ihre Intelligenz einzuschätzen.

Zusammenhang zwischen Intelligenz und Sprache

Intelligenz kann durch Sprache beeinflusst werden.
Erlernen wir eine neue Sprache, erlangen wir meistens gleichzeitig neue Denkweisen. Im Laufe der menschlichen Entwicklung haben sich mehrere tausend Sprachen entwickelt.

Diese beinhalten jeweils Aspekte, welche an die kulturellen und umweltbedingten Faktoren angepasst sind. Denken und Sprache beeinflussen sich gegenseitig. So haben manche Sprachen etwa keine separaten Bezeichnungen für Blau und Grün. Lernen diese Personen eine Sprache mit einer Unterscheidung der beiden Farben, ändert sich auch ihre subjektive Farbwahrnehmung.

Allerdings ist die Intelligenz nicht nur beim Erlernen einer neuen Sprache beteiligt. Sprache ist ein Werkzeug der Kommunikation. Haben Kinder Sprachschwierigkeiten, leiden häufig auch ihre kognitiven Fähigkeiten darunter. Sprache kann die Entwicklung der Intelligenz fördern.

Menschen mit Sprachschwierigkeiten bleiben daher nicht selten hinter ihren Möglichkeiten zurück. Einerseits können Kinder mit Sprachproblemen dem Unterrichtsstoff schlechter folgen als ihre Mitschüler. Doch auch im Privaten können die Schwierigkeiten mit der Sprache zu weiteren Entwicklungsverzögerungen führen.

Die Kinder können sich nicht selbstständig in Wissensbereiche einarbeiten, weil sie das geschriebene Wort nicht richtig verstehen. Hinzu kommen gesellschaftliche Faktoren. Sprache ist auch ein Mittel zur Integration.

Fallen gesellschaftliche Kontakte aufgrund von Kommunikationsproblemen weg, ist die Umwelt weniger anregend und fördernd. Selbst wenn genetisch gesehen das Potential für eine hohe Intelligenz gegeben ist, kann diese aufgrund von unzureichenden sprachlichen Fähigkeiten oftmals nicht ausgeschöpft werden.

Sprachförderung und -training bei Kindern ist allerdings nicht nur in kognitiver Hinsicht erstrebenswert. Denn auch gesellschaftlich und emotional können sie davon profitieren, da beispielsweise Ausgrenzung und gesellschaftliche Isolation aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten ausbleiben.

Zusammenfassung

  • Intelligenz ist ein gesellschaftlich konstruiertes Gebilde. Verschiedene Kulturen haben unterschiedliche Auffassungen von Intelligenz.
  • Mit Intelligenz ist die Anpassung an situationale Herausforderungen gemeint. Diese besteht aus dem Rückgriff auf vorhandenes Wissen und Lernerfahrungen bei der Problemlösung.
  • Es gibt viele Erklärungsmodelle der Intelligenz. Spearman ging von einem g-Faktor aus. Thurstone nahm stattdessen sieben verschiedene Bereiche der Intelligenz an. Sternberg geht von drei Bereichen aus und Gardner von acht.
  • Viele Gene sind an der Ausprägung von Intelligenz beteiligt. Allerdings hat die Umwelt ebenfalls einen großen Anteil an ihrer Entwicklung.
  • Die genetischen Grundlagen sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Die Anpassungsfähigkeit geht auf die fluide Intelligenz zurück. Diese ist für die Problemlösung zuständig. Sie umfasst zudem das Arbeitsgedächtnis und die Handlungsplanung, -kontrolle und -durchführung.
  • Denken, Kognition und Intelligenz sind ineinander verzahnte Konstrukte. Sie beeinflussen sich gegenseitig.
  • Die Sprache kann die Intelligenz ebenfalls beeinflussen. So können Sprachschwierigkeiten zu einer Beeinträchtigung im Bildungsverlauf werden. Sprachförderung ist daher hinsichtlich der Intelligenzentwicklung sinnvoll.

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