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Milchspendereflex spüren, auslösen und regulieren | Stillratgeber


Muttermilch ist wertvoll. So wertvoll, dass der Körper sie quasi hinter verschlossenen Toren zurückhält, bis der Richtige anklopft. Diese Tore sind der Milchspendereflex. Er sorgt dafür, dass nicht pausenlos Milch aus den Brüsten stillender Frauen austritt. Nur dann, wenn sie auch wirklich gebraucht wird, soll sie auch fließen.

Wie dieser Reflex ausgelöst wird, was er mit der Zusammensetzung der Muttermilch zu tun hat, wie man ihn stärken oder schwächen kann und was du tun kannst, wenn er ganz ausbleibt, erfährst du hier.

Was ist der Milchspendereflex und wozu dient er?

Der Milchspendereflex ist ein Reflex, der durch das Saugen an der Brust ausgelöst wird. Bei Menschen und allen anderen Säugetieren sorgt die Stimulation des Babys oder Jungtieres dafür, dass mehr Milch austreten kann. Gleichzeitig regt diese die Milchproduktion an.

Der Milchspendereflex wird nur dann ausgelöst, wenn das Baby an der Brust saugt. Auch eine Milchpumpe kann diesen Reflex auslösen, allerdings in verminderter Form. Beim Ausstreichen mit den Händen wird er in der Regel nicht aktiviert. Bei einigen Müttern kann es jedoch schon reichen, wenn sie an ihr Baby denken, Hautkontakt haben oder es schreien hören. Wie schnell dabei der Milchspendereflex ausgelöst wird, ist individuell unterschiedlich und kann sich außerdem im Laufe der Stillbeziehung noch ändern.

Viele Frauen können diesen Reflex spüren. Manche beschreiben ihn als warmes Gefühl in der Brust, andere als Kribbeln oder leicht schmerzhaftes Ziehen. Dabei darfst du den Reflex nicht mit dem Anlegeschmerz verwechseln, der häufig zu Beginn einer Stillbeziehung auftritt. Die Brustwarze muss sich erst an die neue Belastung gewöhnen. Dadurch kann es in den ersten Wochen nach der Geburt zu schmerzhaften Reizungen der Brustwarze kommen.

Wie wird der Milchspendereflex ausgelöst?

Nuckelt das Baby an der mütterlichen Brust, stimuliert es dadurch in der Brustwarze befindliche Nervenfasern. Diese geben den Reiz an den Hypothalamus im Gehirn weiter. Dort wird daraufhin das Hormon Oxytocin produziert. Oxytocin ist ein fettunlösliches Hormon, das schon bei der Geburt entscheidend mitwirkt. Es regt die Gebärmutter dazu an, sich kräftig zusammenzuziehen. Ohne Oxytocin gäbe es demnach keine Wehen.

So ist auch zu erklären, wieso es nach der Geburt vor allem beim Stillen zu starken Nachwehen kommt. Stillen hilft demnach bei der Rückbildung der Gebärmutter.

Oxytocin hat außerdem eine beruhigende und angenehme Wirkung auf die Stimmung der Mutter. So beeinflusst es also auch die Bindung zwischen Mutter und Kind, da die Mutter das Stillen als besonders schön empfindet. Des Weiteren stärkt Oxytocin die Bindung zwischen Partnern, indem es das Vertrauen festigt, sowie luststeigernd wirken kann.

Das Hormon wird nun über den Hypophysenhinterlappen (ein Teil der Hirnanhangdrüse) in den Körper abgegeben. Es wirkt bei stillenden Frauen besonders an den Myoepithelzellen der Milchdrüse. Diese Myoepithelzellen bestehen aus glatter Muskulatur und haben die Fähigkeit, sich stark zusammenzuziehen. Der Milchspendereflex setzt daher ein, indem sich diese Zellen, angeregt durch das Hormon Oxytocin, zusammenziehen. Die dort befindliche Milch transportieren sie anschließend in Richtung Brustwarze. Auf dem Weg dorthin weiten sich gleichzeitig die Milchgänge, um mehr Milch aufnehmen zu können.

Bis der Milchspendereflex ausgelöst wird, vergehen in der Regel etwa zehn Sekunden. Dabei können beide Brüste gleichzeitig betroffen sein, obwohl nur eine durch Saugen stimuliert wurde.

Ändert sich die Milch im Laufe einer Stillmahlzeit?

Während einer Stillmahlzeit kommt es zu mehreren Reflexen, die unterschiedlich lang andauern. Zwischen 45 Sekunden und über drei Minuten ist alles möglich. Während dieser Reflexe bekommt das Kind deutlich mehr Milch.

Am allermeisten gibt die Brust beim ersten Milchspendereflex ab. Im Schnitt erhält das Kind bei diesem 45 % der Gesamtmenge. Diese erste, auch Vormilch genannte Milch ist wässrig und fettarm. Sie dient in erster Linie zum Durstlöschen. Kinder, die nach nur wenigen Minuten von selbst abdocken, hatten demnach vermutlich nur Durst.

Je länger die Stillmahlzeit dauert, desto höher wird der Fettgehalt in der Milch. Dies kommt zustande, indem sich die Milchbläschen, in denen die Milch produziert wird, zusammenziehen. Somit wird ihre Oberfläche immer kleiner und an den Rändern gespeichertes Fett wird mit der nächsten Milch eher fortgespült. Der Milchspendereflex hilft auch dabei. Er sorgt durch die Kontraktionen dafür, dass sich die Fettkügelchen eher ablösen und in die Milch wandern.

Und da der Milchspendereflex die Milchproduktion immer in beiden Brüsten stimuliert, ist der Fettgehalt in der zweiten Brust von Anfang an höher. Je länger eine Stillmahlzeit dauert, desto mehr Fett befindet sich also in der Milch.

Wie kann man den Milchspendereflex stärken oder schwächen?

Sowohl ein zu schwacher, als auch ein zu starker Milchspendereflex können sich negativ auf die Stillbeziehung auswirken. Bei einem zu starken Reflex ist das Kind möglicherweise mit der Milchmenge überfordert. Es verschluckt sich oder dockt ab, weil zu viel Milch herausschießt. Ist der Reflex zu schwach, geben manche Kinder frustriert auf, obwohl sie noch nicht satt sind.

Hast du das Gefühl, dass dein Baby mit der Milchmenge überfordert ist, kannst du die Schwerkraft für euch arbeiten lassen. Stille dafür in liegender Position und lege dein Baby auf deinen Bauch. Auch eine leicht zurückgelehnte Haltung kann schon helfen. Aufwärts fließt natürlich weniger und langsamer Milch, wodurch dein Baby besser zurechtkommen sollte. Du kannst außerdem äußerlich sichtbare Milchkanäle auf deinem Brustwarzenvorhof mit der flachen Hand abdrücken, um die Milchmenge zu reduzieren.

Auch kalte Wickel um die Brüste vor einer Stillmahlzeit mindern den Milchfluss. Alle Gefäße ziehen sich zusammen und Oxycotin gelangt langsamer zur Brust. Allerdings kann zu häufiges Kühlen auch dazu führen, dass die Milchmenge allgemein abnimmt.

Bestimmten Tees (Salbei, Pfefferminz) wird ebenfalls eine abstillende Wirkung nachgesagt. Diese fällt jedoch von Frau zu Frau sehr unterschiedlich stark aus.

Um den Milchspendereflex zu stärken, solltest du viel Hautkontakt zu deinem Baby haben und es häufig wechselseitig anlegen. Dies erhöht die Milchproduktion und stärkt damit gleichzeitig den Milchspendereflex.

Du kannst dir außerdem die Schwerkraft in umgekehrter Form zunutze machen. Lege dafür dein Baby auf eine nicht zu weiche Unterlage und stille, indem du auf allen Vieren über ihm kniest. Babys bekommen in dieser Haltung die Brust häufig sehr gut zu fassen, was ihnen ebenfalls hilft, ausreichend zu trinken.

Wärmende Umschläge oder ein Vorbereiten der Brust auf die nächste Stillmahlzeit, kann auch nützlich sein. Reibe dafür deine Brust zwischen den Händen und massiere sie. Diese Stimulation löst den Milchspendereflex in der Regel noch nicht aus, lockert jedoch das Gewebe auf. Verhärtungen, die zu einem Milchstau führen könnten, kannst du so ebenfalls herausmassieren, wodurch diese beim nächsten Anlegen verschwinden.

Außerdem solltest du in beiden Fällen Stress vermeiden und dir Zeit nehmen. Erfolge sind bei beiden Problemen nicht von heute auf morgen zu erwarten. Eine Stillbeziehung muss sich erst einspielen. Auch wenn du einen sehr starken oder etwas zu schwachen Milchspendereflex hast, kannst du dennoch dein Baby voll stillen.

Welche Gründe gibt es für einen fehlenden oder zu kurzen Milchspendereflex?

Stress beeinflusst maßgeblich die Oxytocinausschüttung. Eine anstrengende oder traumatische Geburt kann von Anfang an die Stillbeziehung gefährden. Auch später kann Stress durch häufigen Besuch von Verwandten, Müdigkeit oder Überforderung und fehlende Unterstützung durch den Partner dazu führen, dass der Milchfluss ausbleibt.

Wichtig zu wissen ist, dass dadurch nicht die Milch fehlt. Es fehlt lediglich der Reflex, der die Brust anregt, diese auch abzugeben. So kann sich dennoch ein Teufelskreis entwickeln, da die Mutter sich noch weiter stresst. Sie befürchtet, ihr Baby nicht ernähren zu können.

Das Wichtigste beim Stillen ist demnach Ruhe und Entspannung. Sage zu häufigen Besuch ruhig ab oder ziehe dich mit deinem Baby zurück. Verbringe sogar ein paar Tage mit ihm nur im Bett und lege es so oft an, wie es möchte. Das kann bedeuten, dass du stündlich stillen musst und die Pausen zwischendurch nicht der Rede wert sind. Der Aufwand am Anfang kann enorm sein, aber es hilft. Jede Frau kann stillen.


Dieser Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit Ärzten, Hebammen und Apothekern entstanden.
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