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Aciclovir in der Schwangerschaft und Stillzeit


Aciclovir ist ein Wirkstoff, der gegen bestimmte Viren eingesetzt wird.
In diesem Artikel erklären wir Dir, gegen welche Krankheiten der Wirkstoff eingesetzt wird und welche Folgen die Virus-Erkrankungen für Mütter und ungeborene Kinder haben können.
Außerdem beschreiben wir, was Schwangere und stillende Mütter zum Schutz ihrer Babies beachten sollten.

Medikamente in der Schwangerschaft

Zum Schutz ungeborener Kinder ist es in Deutschland verboten, Medikamente an schwangeren Frauen zu testen. Daher gibt es nur wenige Informationen darüber, wie schädlich einzelne Medikamente für das ungeborene Kind, den sogenannten Fötus sind.

Das heißt, die Informationen, die es zur Anwendung einzelner Medikamente gibt, stammen immer von Ärzten aus Arztpraxen oder Krankenhäusern, die schwangere Frauen behandeln, welche diese Medikamente genommen haben. Deshalb sollten Schwangere immer mit ihren Frauenärzten sprechen, wenn sie ein Medikament von ihrem Hausarzt verschrieben bekommen. Auf eigene Faust sollten werdende Mütter oder auch Stillende niemals Medikamente nehmen, ohne mit dem Frauenarzt gesprochen zu haben.

Was ist ein Virus und wie wird es bekämpft?

Ein Virus ist nur unter sehr starken Mikroskopen sichtbar.
Wissenschaftler sind sich nicht einmal einig darüber, ob Viren überhaupt Lebewesen sind. Denn Viren können sich nur in Wirtszellen, also den Zellen anderer Lebewesen wie Tieren oder Bakterien vermehren. Dies tun Viren, indem sie ihre Erbinformationen in die Zellen der Wirte einspeisen. Haben Viren die Zelle erfolgreich infiziert, also ihre Erbinformationen in die Zelle einprogrammiert, produziert die Zelle in der Folge Virenbausteine.

Medikamente, die gegen Viren helfen können, nennen Wissenschaftler und Ärzte Virustatikum oder in der Mehrzahl Virustatika. Sie stoppen die Vermehrung von Viren in den Zellen angegriffener Lebewesen, indem sie sozusagen verhindern, dass Viren ihre Erbinformationen, ihre sogenannte DNS (Desoxyribonukleinsäure), an die Wirtszelle übertragen können.

Bei welchen Virus-Erkrankungen wird Aciclovir eingesetzt?

Aciclovir wird bei Erkrankungen eingesetzt, die durch Herpes simplex Viren des Typs 1 und 2 und Varizella Zoster Viren verursacht werden. Einerseits sorgt Aciclovir dafür, dass die Krankheitszeichen, die durch die beiden Viren-Typen hervorgerufen werden, abklingen. Zusätzlich stoppt der Wirkstoff die Vermehrung der Viren. Die Viren werden sozusagen in einen Schlaf versetzt. Die Patienten sind dann sehr viel weniger bis nahezu nicht ansteckend.

Der Wirkstoff kann entweder lokal, das heißt in Form von Salben, auf Hautstellen mit Krankheitszeichen aufgetragen werden. Darüber hinaus kann Aciclovir auch systemisch gegeben werden, das heißt per Infusion direkt in den Blutkreislauf oder in Tablettenform.

Herpes simplex 1 und mögliche Folgen für Neugeborene

Beim Herpes simplex unterscheidet man nochmal in Herpes simplex 1 und 2.
Wenn Patienten eine Infektion, also eine Entzündung, durch Herpes simplex des Typs 1 haben, äußert sich das entweder an schmerzhaften teils nässenden Bläschen im Bereich der Lippen, aber auch an anderen Teilen des Gesichts wie zum Beispiel den Augen oder der Nase.

Hat man sich einmal im Leben mit Herpes simplex 1 angesteckt, behält man den Erreger sein Leben lang im Körper. Die Viren gehen sozusagen in eine Art Winterschlaf, nachdem die Entzündungen im Gesicht abgeheilt sind. Wenn Betroffene ein geschwächtes Immunsystem haben, zum Beispiel bei einer Erkältung oder Stress, können die Viren wieder aktiv werden, also aufwachen. Dann kann es wieder zu den oben beschriebenen Symptomen kommen.

Herpes simplex 1 ist in der gesamten Bevölkerung sehr weit verbreitet und in der Regel harmlos.
Anstecken kann man sich zum Beispiel über Speichel, also das Teilen von Gläsern und Besteck, Küssen und Schmierinfektion. Dabei gelangt Speichel von erkrankten Personen über Berührung der Hände auf Gegenstände wie Türklinken oder Griffe von Bus und Bahn, welche andere Personen wiederum berühren und Viren gelangen in Mund oder Nase.

Während grundsätzlich gesunde Menschen sich nicht vor Herpes simplex 1 zu fürchten brauchen, kann das Virus für immungeschwächte Personen, also Menschen, die zum Beispiel an AIDS erkrankt sind oder Krebs haben und mit starken Medikamenten behandelt werden, lebensgefährlich sein.

Das gleiche gilt für neugeborene Babys.
Bei ihnen kann das Virus in der Haut, den inneren Organen und dem Gehirn und Rückenmark schwere Schäden verursachen und sogar zum Tod führen. Diese spezielle Form der Erkrankung durch Herpes simplex nennen Mediziner Herpes neonatorum. Allerdings wird Herpes neonatorum sehr viel häufiger durch Herpes simplex 2 als Herpes simplex 1 ausgelöst.

Herpes simplex 2 und mögliche Folgen für Neogeborene

Herpes simplex 2 ist der sogenannte Genitalherpes.
Er äußert sich darin, dass Erkrankte neben hohem Fieber und Gliederschmerzen starkes Brennen, Jucken und Ausfluss aus der Scheide beziehungsweise den Penissen haben. Zusätzlich können noch mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen an den Geschlechtsorganen entstehen. Genitalherpes zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Trägt eine Person das Virus Herpes simplex 2 in sich und das Virus ist aktiv, können sich Geschlechtspartner bei ungeschütztem Verkehr anstecken.

Herpes simplex 2 kann sich neben Geschlechtsverkehr aber auch während der Geburt von der Mutter auf das Neugeborene übertragen. Entweder beim Platzen der Fruchtblase oder beim Kontakt des Babys mit der Scheide der Mutter. Das Baby kann an Herpes neonatorum erkranken. Wie oben beschrieben hat diese Infektion in der Regel sehr schwere bis tödliche Folgen.

Ab der 34. Schwangerschaftswoche und bei einer ersten Ansteckung mit Herpes simplex 2 besteht besonders großes Risiko für das ungeborene Baby, sich bei der Mutter anzustecken. Um das Risiko für das Kind zu verringern, werden betroffene Babys per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht.

Windpocken und mögliche Folgen in der Schwangerschaft

Das Varizella Zoster Virus kann sowohl Windpocken verursachen als auch die sogenannte Gürtelrose.
Windpocken treten meist bei Kleinkindern auf. Erkrankte haben hohes Fieber und kleine rote mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen hauptsächlich am Oberkörper und dem Gesicht. Windpocken sind extrem ansteckend, daher haben sie auch ihren Namen.

Winzige Speicheltröpfchen, die über den Atem in die Luft gelangen, können zur Ansteckung führen. Diese Art der Ansteckung nennt man daher Tröpfcheninfektion. Bei Windpocken kann die Ansteckung sogar über weite Entfernungen im Freien geschehen.

Bei Erwachsenen sind Windpocken deutlich gefährlicher als bei Kindern und es kann zu zusätzlichen schweren Folgen kommen wie Leber-, Lungen- und Gehirnentzündung. Da Windpocken sehr weit verbreitet sind, haben Erwachsene die Erkrankung in der Regel schon hinter sich oder sind geimpft.

Sind Windpocken einmal überstanden, ist man lebenslang immun. Die Varizella Zoster Viren werden inaktiv, sie gehen sozusagen in einen Winterschlaf. Wird man dann erneut erkrankt, kommt es zur sogenannten Gürtelrose.

Erkranken Schwangere an Windpocken, bekommen sie in der Folge der Krankheit zehnmal häufiger als Nichtschwangere eine Lungenentzündung. Solche Lungenentzündungen sind bei Schwangeren dreimal häufiger tödlich als bei Nichtschwangeren.
Das ungeborene Baby kann sich während der Schwangerschaft anstecken, wodurch schwere Fehlbildungen an Haut, Augen, Skelett, Muskeln und Gehirn entstehen können. Darüber hinaus kann es sogar zu Fehlgeburten, dem Tod des Babys, kommen.

Gürtelrose während der Schwangerschaft

Ist das Immunsystem geschwächt, zum Beispiel auch bei Stress, können inaktive Viren einer bereits durchlaufenen Windpocken-Erkrankung wieder aktiv werden und eine Gürtelrose auslösen. Krankheitszeichen können rote Bläschen rund um den Oberkörper sein sowie starke Nervenschmerzen. Erkrankte können andere in ihrer Umgebung mit Windpocken anstecken, wenn diese nicht geimpft sind oder noch keine Windpocken hatten.

Eine Gürtelrose während der Schwangerschaft ist weder für Mutter noch Kind gefährlich. Die Viren werden nicht über das Blut an das Ungeborene übertragen.

Aciclovir während der Schwangerschaft

Zeigen werdende Mütter Krankheitszeichen, die durch Herpes simplex oder Varizella Zoster verursacht wurden, kann Aciclovir gegeben werden. Dies tut man einerseits, um die Krankheitszeichen der Mutter zu lindern. Andererseits geht es auch darum, das ungeborene Kind vor der Ansteckung und damit verbundenen möglichen Schäden zu schützen. Der Wirkstoff kann dann während der ganzen Schwangerschaft über Infusionen oder Tabletten, also systemisch, gegeben werden.

Man geht bisher davon aus, dass ungeborene Babys dadurch nicht geschädigt werden.
Aciclovir in Form von Salben auf betroffenen Hautstellen gilt als unbedenklich, also nicht schädlich für Mutter oder Ungeborenes.

Aciclovir in der Stillzeit

Obwohl Aciclovir in kleinen Mengen im Blut gestillter Kinder nachgewiesen konnte, wenn Mütter den Wirkstoff eingenommen hatten, waren die Kinder in keinem bisher beobachteten Fall auffällig. Nehmen Mütter Aciclovir, kann ganz normal weiter gestillt werden.

Auch Neugeborene können Aciclovir verabreicht bekommen, um Erkrankungen durch Herpes simplex oder Varizella Zoster zu behandeln. Die Babys vertragen das im Allgemeinen gut.

Lokale Anwendungen von Aciclovir, zum Beispiel in Form von Salben gegen Lippenherpes, sind nicht verschreibungspflichtig. Sie können also in der Apotheke ohne Rezept gekauft werden. Trotzdem sollten Schwangere wie bereits oben beschrieben immer mit ihrem Frauenarzt sprechen, bevor sie irgend ein Medikament nehmen. Der Arzt kann möglicherweise andere Mittel empfehlen oder verschreiben, um das ungeborene Kind so wenig wie möglich zu gefährden.


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