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Neurologisches Bewusstsein: Definition, Bedeutung, Theorien und Konzepte


Bewusstsein beschreibt, im weitesten Sinne, das Erleben von mentalen Prozessen und Merkmalen. Innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie wird der Bewusstseinsbegriff weitestgehend mit der bewussten Verhaltenssteuerung gleichgesetzt. Der Bewusstseinsbegriff innerhalb der Biologie beschreibt die Trennung von bewusst und unbewusst wahrgenommenen Sinneseindrücken. Zum Beispiel fallen bestimmte Merkmale eines Gegenstandes auf, andere wiederum werden übersehen.

Bewusstsein in der Psychologie

Das Konzept des Bewusstseins ist nicht so einfach zu erfassen. Was genau ist also unter dem Bewusstsein zu verstehen? Dieses ist in der psychologischen Forschung zwar von zentraler Bedeutung, allerdings ist es etwas schwer Greifbares. In der Geschichte der Psychologie wich die Absicht, das Bewusstsein zu untersuchen, nach und nach dem Behaviorismus.

In dieser psychologischen Strömung lag der Fokus nicht mehr auf den schwer zu beschreibenden und untersuchenden Bewusstseinszuständen, sondern allein auf dem beobachtbaren Verhalten. Das ging so weit, dass das Bewusstsein in den 1960er Jahren kaum noch eine Rolle spielte. John B. Watson – ein Vertreter des Behaviorismus – empfahl sogar, dass die Psychologie sich überhaupt nicht mehr um das Bewusstsein scheren sollte.

Diese Denkweise setzte sich allerdings nicht auf Dauer durch und nach der Blütezeit der behavioristischen Psychologie rückte das Bewusstsein wieder mehr in den Fokus der Forschung.

Die Fortschritte in den Neurowissenschaften spielten dem anwachsenden Interesse am Bewusstsein in die Hände. Denn mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, wie zum Beispiel der fMRT (Funktionelle Magnetresonanztomografie) können Forscher Prozesse im Gehirn verfolgen. So zeigt sich beispielsweise, welche Gehirnareale bei unterschiedlichen Bewusstseinszuständen aktiv sind. Unter Bewusstsein stellen wir uns in der Regel den normalen Zustand des Wachseins oder Wachbewusstseins vor.

Denk nur einmal an das Träumen im Schlaf oder auch das Tagträumen. Bereits Schläfrigkeit ist ein anderer Bewusstseinszustand als das Wachbewusstsein. Die drei genannten Zustände treten spontan auf. Es gibt allerdings auch physiologisch bedingte. Das Bewusstsein kann sich beispielsweise im Zuge eines Nahrungs- oder Sauerstoffmangels verändern.

Ein gutes Beispiel hierfür sind Halluzinationen. Diese können auch durch Drogenkonsum hervorgerufen werden. Zu den psychologisch verursachten Zuständen gehören Hypnose und Meditation, aber auch sensorische Deprivation. Eine sensorische Deprivation meint die komplette Abschirmung von äußeren Reizen, wodurch es ebenfalls zu Halluzinationen kommt.

Bewusste Wahrnehmung

Das Bewusstsein gilt als eine bewusste Wahrnehmung. Wir nehmen demnach uns selbst und unsere Umwelt bewusst wahr, sofern wir bei Bewusstsein sind. Dazu gehören alle unmittelbaren Erfahrungen, die wir machen. Interne sowie externe. Zu den externen gehören Reize, die wir über unsere Sinneskanäle empfangen. Beispielsweise visuelle Reize über die Augen, auditive Reize über die Ohren oder Schmerz-, Hitze- sowie Kältereize über die Rezeptoren in der Haut. Diese Reizzuführung wird bei der sensorischen Deprivation unterbunden.

Mit internen Erfahrungen sind unsere Gedanken, Gefühle und Vorstellungen gemeint.
Über die bewusste Wahrnehmung können wir über unsere Vergangenheit nachdenken, Zukunftspläne schmieden oder unsere Aufmerksamkeit auf etwas richten, das wir lernen möchten. Je mehr wir eine bestimmte Sache durch das Lernen verinnerlicht haben, desto weniger bewusst führen wir sie aus. Haben wir erst einmal gelernt, wie man Auto fährt, laufen die dazugehörigen Handgriffe meist nur noch halbautomatisch ab.

Warum haben wir ein Bewusstsein?

Es wird vermutet, dass das Bewusstsein einen Vorteil bei der Arterhaltung bietet. Evolutionspsychologen gehen davon aus, dass wir aufgrund des Bewusstseins unsere Handlungen mit den möglichen Konsequenzen abwägen. So kann es im zwischenmenschlichen Zusammenleben von Vorteil sein, sein Gegenüber und dessen Absichten bewusst abzuschätzen. Können wir jemandem vertrauen? Ist diese Person uns gegenüber wohlgesonnen oder will sie uns ausnutzen? Könnte sie die Absicht haben, uns zu schaden? Solche Überlegungen sind mit dem Bewusstsein möglich.

Biologische Grundlagen des Bewusstseins

Unter dem Begriff „kognitive Neurowissenschaften“ werden interdisziplinäre Studien der Gehirnaktivitäten verstanden.

Genauer gesagt, hängen die hier untersuchten Aktivitäten des Gehirns mit Kognitionen zusammen. Unter Kognitionen sind verschiedene Prozesse des Gehirns zu verstehen. Dazu gehören etwa die Wahrnehmung und das Gedächtnis sowie die Sprache oder das Denken. Der Neurowissenschaftler Marvin Minsky drückte es so aus: „Der Verstand ist das, was das Gehirn tut“. Dieses Tun zu durchschauen, ist jedoch nicht so einfach. Trotz technologischer Fortschritte ist heute immer noch nicht gänzlich geklärt, wie das Gehirn das Bewusstsein erzeugt.

Wo befindet sich das Bewusstsein?

Der Sitz des Bewusstseins wird von den meisten Neurowissenschaftlern auf dem Kortex vermutet. Das ist der evolutionsgeschichtlich gesehen neuere Teil des Gehirns. Durchzogen von etlichen Furchen und Windungen erinnert er an die Oberfläche eines Walnusskerns. Dieser Bereich des Gehirns (auch Großhirnrinde genannt) ist für höhere kognitive Funktionen verantwortlich. Während beispielsweise ältere Gehirnbereiche wie das Stammhirn für lebenswichtige Funktionen (Atmung oder Herzschlag) zuständig sind, spielen sich auf dem Kortex Prozesse ab, die das Sprechen oder Denken ermöglichen.

Über das Zustandekommen von bewussten Gedanken und Erfahrungen ist die Forschung sich noch uneins. Eine Annahme ist, dass diese Erfahrungen durch synchrone Aktivitäten im Gehirn ausgelöst werden. So sollen Reize ins Bewusstsein vordringen, sobald sie eine bestimmte Schwelle übertreten.

Wann nehmen wir Reize bewusst wahr?

Dazu müssen sie genügend aufeinander abgestimmte Neuronen (Nervenzellen im Gehirn) anregen. Zu schwache Reize gelangen zwar bis ins Gehirn, werden aber nicht weitergeleitet und damit nicht bewusst von uns wahrgenommen. Ein stärkerer Reiz hingegen kann in Gehirnbereiche gesendet werden, die mit unterschiedlichen Aufgaben betraut sind. Das kann beispielsweise die Sprache, das Gedächtnis oder die Aufmerksamkeit betreffen. Bisher ist jedoch nicht abschließend geklärt, wie diese synchrone Aktivität abläuft.

Es stellt sich ebenfalls die Frage, wo die Grenzen des Bewusstseins liegen. Sogenannte vegetative Patienten befinden sich beispielsweise nach einem schweren Unfall in einem Zustand der körperlichen Unbeweglichkeit. Auch scheinen sie rein äußerlich über keine bewusste Wahrnehmung mehr zu verfügen. Dass das nicht immer der Fall ist, zeigten jedoch Untersuchungen solcher Patienten mittels fMRT. Werden sie etwa darum gebeten, sich ein Tennisspiel vorzustellen, zeigt sich etwas Interessantes. Denn auf diese Bitte hin werden bei einigen Patienten die Bereiche des Gehirns aktiv, die für die Steuerung von Armen und Beinen zuständig sind.

Der Verstand ist zweigeteilt

Wenn wir über das Bewusstsein sprechen, sollte auch die Parallelverarbeitung nicht unbeachtet bleiben. Mit der Parallelverarbeitung ist gemeint, dass Informationen auf zweierlei Wegen verarbeitet werden. Und zwar sowohl auf bewussten als auch auf unbewussten. Siehst du einen Hund, nimmst du ihn einerseits bewusst wahr und denkst vielleicht „Was für ein hübscher Labrador“.

Dieser Gedanke ist ein Resultat deiner kognitiven, bewussten Verarbeitung. Allerdings finden gleichzeitig auch unbewusste Prozesse statt. So nimmst du unbewusst die Farbe des Fells wahr, die Entfernung des Hundes zu dir oder in welcher Stimmung der Hund gerade ist. Der Großteil der Aktivitäten im Gehirn läuft unbewusst ab. Das gilt auch für das Gedächtnis, die Wahrnehmung oder Sprache. Viele kognitive Vorgänge spielen sich zwar einerseits auf einer bewussten Spur ab. Eine Menge davon findet gleichzeitig auch noch auf der unbewussten und automatischen Spur statt. Auf eine besonders erstaunliche Weise zeigt sich dieser Umstand im „blinden Sehen“.

Was ist blindes Sehen?

Das Sehen ist etwas äußerst Komplexes. Unsere Augen erlauben uns im wahrsten Sinne des Wortes, uns ein Bild von der Welt zu machen und mit dieser zu interagieren. Allerdings sind nicht allein die Augen am Sehvorgang beteiligt. Denn erst im Gehirn werden die eingehenden visuellen Reize zu sinnvollen Eindrücken zusammengefügt. Daran sind verschiedene Bereiche des Gehirns beteiligt. Einige davon scheinen mit dem Bewusstsein assoziiert zu sein, andere wiederum nicht. Wir sehen unsere Umwelt jedoch nur scheinbar ausschließlich bewusst.

So können Schädigungen mancher Hirnareale auch zu einem unbewussten Sehen führen. Zwar nehmen wir prinzipiell auch unbewusst visuelle Reize wahr. Doch bei einem Ausfall des bewussten Sehens bleibt nur noch das unbewusste. Dann ist vom blinden Sehen die Rede. Der Fall einer Frau Ende der 2000er Jahre zeigte dies deutlich. Die Frau hatte nach einer Kohlenmonoxidvergiftung einen Hirnschaden erlitten und konnte nichts mehr sehen. Zumindest nicht bewusst.

Wenn sie gebeten wurde, Objekte voneinander zu unterscheiden, scheiterte sie. Sie konnte diese visuell nicht bewusst erkennen. Allerdings verhielt sie sich so, als könnte sie sehen. Sie konnte problemlos nach Objekten greifen oder sogar Postkarten korrekt in horizontale oder vertikale Briefschlitze stecken.

Mit Hilfe von magnetischen Impulsen können Gehirnbereiche kurzzeitig gestört werden. Wenn der primäre visuelle Kortex auf diese Weise „abgeschaltet“ wird, entsteht eine temporäre Blindheit. Bei dieser tritt jedoch auch ein blindes Sehen ein, da weitere für das Sehen zuständige Bereiche aktiv bleiben. Es wird also nur das bewusste Sehen ausgeschaltet, nicht die Sehfähigkeit an sich.

Das Gehirn ist schneller als unser Bewusstsein

Bei der Entscheidungsfindung hängt das Bewusstsein manchmal etwas hinterher. Dies konnte auch bewiesen werden. Bei Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zeigte sich, dass unser Bewusstsein manchmal etwas langsam ist. Wir gehen zwar davon aus, dass wir unsere alltäglichen Entscheidungen bewusst treffen. Allerdings verdichten sich die Hinweise darauf, dass unser Gehirn dem Bewusstsein häufig voraus ist.

Wenig überraschend ist vermutlich, dass die Entscheidung für etwa eine Handbewegung rund 0,2 Sekunden vor der eigentlichen Bewegung stattfindet. Interessant ist jedoch, dass die Aktivität des Gehirns bereits 0,35 Sekunden vor der bewussten Entscheidung zunimmt. Diese Tatsache ermöglich es Hirnforschern, die Handlungen von Testpersonen vorherzusagen.

Sie werden zum Beispiel darum gebeten, mit dem linken oder rechten Zeigefinger einen Knopf zu drücken. Währenddessen werden fMRT-Scans vom Gehirn der Probanden gemacht. Anhand der auf den Scans sichtbaren Muster der Hirnaktivität können die Forscher vorhersagen, für welchen Finger sich die Teilnehmer entscheiden. Und das noch bevor diese ihre Entscheidung gefällt haben. Das gelingt zwar nicht immer, doch eine Trefferquote von rund 60 Prozent sind ist zu verachten. Besonders wenn man bedenkt, dass die Vorhersagen sieben Sekunden vor der Entscheidung gemacht wurden.

Zusammenfassung

  • Bewusstsein bedeutet, innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie, ein Wahrnehmen und Verarbeiten von mentalen Prozessen.
  • Während der Hochphase des Behaviorismus hatte die Erforschung des Bewusstseins keinen sonderlich hohen Stellenwert. Das änderte sich in der nachfolgenden Zeit allerdings.
  • Ein Grund dafür war der technologische Fortschritt, der den Forschern einen Einblick in die Denkprozesse des menschlichen Gehirns erlaubte.
  • Es gibt unterschiedliche Bewusstseinszustände, wie das Träumen oder die Hypnose. Andere gehen mit Halluzinationen einher. Diese können etwa durch Sauerstoffmangel oder auch sensorische Deprivation ausgelöst werden.
  • Das Bewusstsein vereint die bewusste Wahrnehmung von inneren und äußeren Reizen. Innere Reize sind beispielsweise Gefühle oder Gedanken. Bei äußeren Reizen geht es um sensorischen Input, den unser Gehirn über die Sinnesorgane empfängt.
  • Das Bewusstsein könnte sich entwickelt haben, weil es sich im Laufe der Evolution als Vorteil für das Überleben erwiesen hat.
  • Wie das Bewusstsein zustande kommt, wird in den Neurowissenschaften untersucht. Daran beteiligt ist vor allem die Großhirnrinde, auch Kortex genannt.
  • Unsere Wahrnehmung geschieht allerdings nicht nur auf bewusstem, sondern auch auf unbewusstem Wege. Hierbei ist von Parallelverarbeitung die Rede.
  • Ob wir einen Reiz überhaupt bewusst wahrnehmen, hängt vermutlich von seiner Intensität ab. Die Stärke des Reizes entscheidet über seine Weiterleitung im Gehirn. Überschreitet er diese Schwelle nicht, dringt er nicht bis in unser Bewusstsein vor.
  • Wie genau das Bewusstsein letztendlich funktioniert, ist noch nicht ganz klar. Allerdings zeigen Fallbeispiele, dass die unbewusste Wahrnehmung auch ohne die bewusste funktioniert. Demnach handelt es sich um zwei unabhängige Verarbeitungsspuren im Gehirn. Diese ermöglichen solche seltsamen Phänomene wie etwa das blinde Sehen.

Literatur

  • Gerald M. Edelman, Giulio Tononi: Gehirn und Geist. Wie aus Materie Bewusstsein entsteht, ISBN 3406488366*
  • Ansgar Beckermann: Das Leib-Seele-Problem: Eine Einführung in die Philosophie des Geistes, ISBN 3825235920*
  • David R Hawkins: Die Ebenen des Bewußtseins: Von der Kraft, die wir ausstrahlen, ISBN 3932098021*

Tasse

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