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Warum wurde Im Westen nichts Neues verboten: Ursachen und Gründe


Der Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque erschien 1928 und zählt heute zu den wichtigsten Antikriegsbüchern des 20. Jahrhunderts. Verboten wurde der Roman von den Nationalsozialisten jedoch erst als die Aufführung einer auch in Deutschland sehr erfolgreichen Verfilmung untersagt wurde. „Im Westen nichts Neues“ ist damit auch einer der Romane, die bei der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

Vollkommenes Kunstwerk

Im Westen nichts Neues ist ein Roman des deutsch-jüdischen Schriftstellers Erich Maria Remarque. 1928 erschienen, zählt der Roman bis heute zu einem der wichtigsten Anti-Kriegsbücher der Weltliteratur. Doch so positiv heute das Licht der Literaturkritik auf dieses Buch fällt, so umstritten wurde es von seinen Zeitgenossen Ende der 1920’er Jahre aufgenommen.

Zwar gab es durchaus lobende Kritiken, beispielsweise vom Literaturnobelpreisträger Stefan Zweig, der diesen Roman ein „vollkommenes Kunstwerk“ nannte, aber es gab auch kritische Stimmen. Und das sowohl nicht nur von Nationalkonservativer, sondern auch von sozialdemokratischer und linker Seite. Warum?

Umstritten – von allen Seiten

Um das „Warum“ der kritischen und ablehnenden Meinungen zu Erich Maria Remarques Roman zu verstehen, hilft ein Verweis auf den Inhalt des Romans. Es geht im Wesentlichen um das Schicksal des 19-jährigen Paul Bäumer, der sich freiwillig als Soldat im Ersten Weltkrieg verpflichtet. Schnell verliert er im Angesicht des Sterbens in den Schützengräben seine Euphorie und Illusionen. Ohne ein letztes Fünkchen Hoffnung fällt Paul in den letzten Kriegstagen.

Remarque selbst hielt sein Buch für völlig unpolitisch. Jedoch sah er sich selbst kurz nach der Veröffentlichung seines Romans im Kreuzfeuer von recht, links und der sogenannten politischen Mitte wahlweise als Verleumder, Pazifist, Kriegsromantiker, Verklärer und Betrüger beschimpft. Wohlmeinende Einlassungen zum Buch kamen dabei vom bereits genannten Kollegen Stefan Zweig und zahlreichen Kriegsversehrten, die dem Roman eine kraftvolle und bildgewaltige Sprache mit hohem Wirklichkeitsgehalt zugestanden.

Ein anderer Teil der Kritik und der Skepsis diesem Buch gegenüber kam von kulturkritischer Seite, die in dem Roman den „Ausverkauf guter literarischer Sitten“ sah. Tatsächlich veröffentlichte der Ullstein-Verlag den Roman mithilfe einer großen und breit angelegten Marketingkampagne – der ersten Werbekampagne eines deutschsprachigen Verlagshauses!

Verkaufsschlager

Auch wenn das Echo auf diesen Roman durchaus geteilt war, so hinderte es den Roman nicht daran, zu einem großen Verkaufsschlager zu werden. Zuweilen war die Nachfrage nach dem Buch so groß, dass es mehrmals nachgedruckt werden musste. Vor dem Hintergrund dieses riesigen Publikumserfolges verstummten auch rasch die lauten kritischen Stimmen. Es wurde ruhig um das Buch – offenbar wurde es stumm gelesen.

Hollywood gibt den Stein des Anstoßes zum Verbot

Auch wenn sich Erich Maria Remarque einen politisch motivierten Hintergrund verbat, sprach der Roman eine deutlich pazifistische und kriegskritische Sprache. Genau diesen Aspekt stellte der 1930 erschienene Hollywoodverfilmung des amerikanischen Regisseurs Lewis Milestone in den Mittelpunkt seines Filmes.

Mit zwei Oscars ausgezeichnet, erlebte der Film sowohl in den USA als dann auch in Deutschland einen großen Erfolg – und führte zu einem Eklat: Joseph Goebbels, 1930 Gauleiter der NSDAP in Berlin sorgte dafür, dass Stinkbomben auf die Kinogänger geworfen und Mäuse im Saal ausgesetzt wurden. Drei Tage später verbot die Oberprüfstelle des Deutschen Reiches den Film wegen „Schädigung des deutschen Ansehens im Ausland“.

Verbot durch die Nationalsozialisten

Erich Maria Remarque sah voraus, was in den nächsten Jahren folgen sollte und wanderte 1932 in die Schweiz aus. Am 10. Mai 1933 erfolgte dann das offizielle Verbot des Buches durch die Nationalsozialisten und Joseph Goebbels. Zusammen mit zahlreichen anderen Büchern wurde im Westen nichts Neues auf dem Berliner Opernplatz verbrannt mit dem Worten: „Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkriegs, für Erziehung des Volkes im Geiste der Wehrhaftigkeit – ich übergebe dem Feuer die Schriften des Erich Maria Remarque“.

Den Flammen zum Trotz hat der Roman überlebt und wurde bis heute weit über 20 Millionen Male verkauft und ist in 50 Sprachen übersetzt. Erich Maria Remarque blieb als gefeierter und anerkannter Schriftsteller bis zu seinem Tode am 25. September in seinem Exil in Locarno.


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