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6 Möglichkeiten der geschichtlichen Zeitrechnung: islamisch, jüdisch, römisch, christlich und weitere


Zeitrechnung ist eine wichtige Basis für die menschliche Kultur. Sie orientiert sich an den Jahreszeiten und dem Stand der Gestirne. Im Laufe der menschlichen Geschichte gab es eine Vielzahl verschiedener Modelle zur Zeitrechnung. Im Geschichtsunterricht der 5. Klasse werden die 4 gängigsten Kalendertypen vorgestellt.

  • christliche Zeitrechnung, beginnend mit dem Jahr 0 für Jesus Christus Geburt
  • die jüdische Zeitrechnung, welche den Anfang der Welt als Ursprung wählte. Laut jüdischen Kalender liegt dieser Zeitpunkt 3761 v.Chr.
  • islamische Zeitrechnung beginnt im Jahr 622 n.Chr. als der Prophet Mohammed nach Medina wanderte.
  • römische Zeitrechnung, welche 753 v. Christus einsetzte und die Erschaffung Roms als Ausgangswert hatte.

Neben diesen 4 gängigen Formen existieren weitere Zeitrechnungsmodelle, wie das chinesische oder die Rechnung der Mayas. Anhand dieser Modelle lässt sich ein geschichtliches Ereignis in jeden Kalender übertragen. Zum Beispiel die Entdeckung Amerikas (1492):

  • im christlichen Kalender ist das Datum weiterhin 1492
  • in der jüdischen Zeitrechnung liegt das Datum 3761 weiter. Demnach ergibt sich das Jahr 5253 (1492 + 3761).
  • Laut römischer Zeitrechnung hätte Kolumbus Amerika im Jahr 2245 entdeckt (753 + 1492).
  • Und laut islamischer Zeitrechnung würde die Entdeckung Amerikas auf das Jahr 870 (1492 – 622) fallen.

Entstehung der Zeitrechnung

Will man sich dem Thema Zeitrechnung nähern, ist es sinnvoll, sich zunächst einmal folgende Frage zu stellen: Warum gibt es überhaupt Zeitrechnung? Natürlich wird diese von astronomischen Gegebenheiten bestimmt, wie uns heute klar ist. Die Rotation der Erde bestimmt das, was wir auf der Erde als Stand der Sonne wahrnehmen. Dieser wiederum bestimmt die Tageszeiten.

Der Stand der Erde zur Sonne und die Neigung der Erdachse bestimmen die Jahreszeiten. Der Umlauf der Erde um die Sonne dauert exakt 365,24219052 Tage oder 365 Tage 5 Stunden 48 Minuten 45,261 Sekunden. Man spricht hierbei in der Fachsprache von einem tropischen Jahr (altgriechisch: τρόπος, tropos = „Drehung, Wendung“) oder etwas laienhafter vom Sonnenjahr. Aber wieso war es für die Menschen von Bedeutung, das Vergehen der Zeit zu messen?

Es haben sich im Laufe der Geschichte unabhängig voneinander viele Kalender entwickelt. Der Einfachheit halber wollen wir uns auf den ältesten dieser Kalender konzentrieren: der altägyptische Kalender. Dieser verbreitete sich im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten und war so die Basis für andere Kalender, auf die im Weiteren noch eingegangen werden wird.

Die Hochkultur im alten Ägypten wurde möglich durch den Nil. Der Nil überflutete in einem jährlichen Zyklus seine Ufer und brachte dabei fruchtbaren Schlamm mit sich, der die Basis für die ägyptische Landwirtschaft war. Um zu wissen, wann die Felder vorbereitet werden mussten, war es wichtig, die Nilschwemme vorhersehen zu können.

So teilte sich das altägyptische Jahr in drei Jahreszeiten: Éche (Überschwemmung), Pherá (Wachstum) und Scháme (Hitze). Da das Erscheinen des Sopdet (der Stern Sirius, welcher 70 Tage des Jahres nicht zu sehen ist) in etwa mit dem Einsetzen der Nilschwemme zusammenfiel, wurde dieser Tag als Jahresbeginn festgelegt. Heute entspräche dieser dem 20. Juli.

Die drei Jahreszeiten waren je in vier Monate unterteilt (angegeben sind die Namen ab dem Neuen Reich) – Éche: Thoth (benannt nach dem Gott der Zeitrechnung), Paophi, Athyr, Choiak; Phéra: Tybi, Mechir, Pamenoth, Parmuthi; Scháme: Pachons, Payni, Epiphi, Mesore. Diese zwölf Monate waren unterteilt in drei Wochen zu je zehn Tagen – die Siebentagewoche führten erst die Babylonier ein. Damit käme der altägyptische Kalender aber nur auf 360 Tage, obwohl die alten Ägypter anhand des Standes von Sternen und Sonne durchaus berechnen konnten, dass das Jahr 365 Tage hat.

Zu den übrigen fünf Tagen, den Epagomenen (griech.: „die Hinzugewonnen“), gibt es eine nette Sage: Nut, die Göttin des Himmels, und ihr Bruder Geb, der Gott der Erde, waren ein Paar, das nicht zusammenfinden konnte. Alle 360 Tage des Jahres lang trennte ihr Vater Schu, der Gott der Luft, die beiden. So ging Nut eine Wette mit Thoth, dem Gott der Zeit, ein. Sie spielte gegen ihn eine Partie Senet (altägyptisches Brettspiel) um fünf zusätzliche Tage, an denen Schu keine Macht über sie und Geb haben würde.

Nut gewann und konnte sich nun mit Geb vereinigen. Daraus gingen fünf Kinder hervor, nach denen die Epagomene benannt sind: Osiris, Haroeris, Seth, Isis und Nephthys. Damit kommen wir auf 365 Tage.

Neben diesem astronomischen Sonnenkalender, in der Fachsprache vom lateinischen sol (=„Sonne“) abgeleitet auch Solarkalender, existierte im alten Ägypten auch ein Mondkalender. Dieser Lunarkalender (lat. luna = „Mond“) diente aber primär zur Berechnung von Feiertagen und wurde anhand der Mondphasen berechnet, weshalb er weniger genau war.

Somit kann man schon einmal die Einteilung in Jahre nachvollziehen. Früher waren Zeitrechnungen bei der Zählung oder Benennung der Jahre dann meist von Herrschern abhängig, wohingegen heutige gängige Zeitrechnungen häufig eine religiöse Komponente haben.

Jüdische Zeitrechnung bzw. Kalender

Der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender, also ein Mondkalender, der wegen der Bindung an das Sonnenjahr einen Schaltmonat hat. Er beginnt umgerechnet auf den international von den meisten Menschen verwendeten gregorianischen Kalender (dazu später) im Jahr 3761 v. Chr. mit der Zählung – das Jahr 2021 entspräche also dem Jahr 5781/5782 (3761+2021) im jüdischen Kalender.

Das Jahr 0 des jüdischen Kalenders ist keineswegs das Jahr seiner Entstehung, denn das dürfte in das 6. Jahrhundert v. Chr. fallen. Zu dieser Zeit befanden sich die Israeliten im Exil in Babylonien und übernahmen im Wesentlichen den babylonischen Lunisolarkalender. Warum also 3761 v. Chr.? Im Jahr 359 n. Chr. legte der Patriarch Hillel II. die bis dahin geheimgehaltene Berechnung des jüdischen Kalenders offen.

Hierzu gehörte auch, dass er aus der Heiligen Schrift, die recht spezifische Angaben über zeitliche Abläufe und die Lebensalter der jüdischen Stammväter macht, heraus den Zeitpunkt der Schöpfung zurückberechnete und dies als das Jahr 0 festlegte. Der Jahresanfang wurde auf den 1. Nisan festgelegt und fiel damit ins Frühjahr, weil da die Ahnen der Israeliten aus Ägypten ausgezogen sein sollen. Heute beginnt das jüdische Jahr jedoch am 1. Tischri.

Angelehnt an den babylonischen Kalender fällt der erste Tag des Monats auch im jüdischen Kalender auf Neumond. Das reguläre Jahr hat dann zwölf an den Mondphasen orientierte Monate: Tischri (תשרי), Marcheschwan (מרחשון), Kislew (כסלו), Tevet (טבת), Schevat (שבט), Adar II (beth) (אדר ב), Nisan (ניסן), Ijjar (אייר), Siwan (סיון), Tammus (תמוז), Aw (אָב) und Elul (אֱלוּל).

Doch dauert ein Mondjahr nur 354,3671 Tage und das Sonnenjahr 365,2422 Tage. Das bedeutet, dass 19 Sonnenjahre in etwa 235 Mondmonaten entsprechen. Diese 19 Jahre bezeichnet man benannt nach einem griechischen Astronomen auch als Meton-Periode. Im jüdischen Kalender sind die Jahre 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19 einer Meton-Periode Schaltjahre mit dem zusätzlichen Monat Adar (aleph) (אדר א).

Die Wochen im jüdischen Kalender sind angelehnt an die Schöpfungsgeschichte übrigens sieben Tage lang und enden am Schabbat (Samstag).

Heute wird der Kalender hauptsächlich zur Berechnung religiöser Feiertage des Judentums verwendet. Einzig in Israel ist er seit der Verabschiedung des Nationalstaatsgesetzes am 18. Juli 2018 offiziell der einzig gültige Kalender, nachdem er seit der Staatsgründung 1948 parallel zum gregorianischen Kalender genutzt wurde. Im Alltag benutzen Israelis jedoch nach wie vor beide Kalendersysteme parallel.

Römischer Kalender bzw. römische Zeitrechnung

Wie der ursprüngliche römische Kalender aussah, ist bis heute unklar. Vermutlich geht er auf den älteren etruskischen Kalender zurück und bezog sich, nachdem man die Jahre zunächst noch nach den regierenden Konsulen benannt hatte, später als Jahr 0 auf die mythische Stadtgründung Roms durch Romulus, 753 v. Chr. im gregorianischen Kalender.

Der römische Kalender selbst war vermutlich ein Lunarkalender, was die These des römischen Tribunen Gaius Licinius Macer, der römische Kalender habe von jeher zwölf Monate gehabt, stützen würde. Andere historische Quellen wie Konsul Marcus Fulvius Nobilior und Marcus Terentius Varro gehen aber von zehn Monaten aus.

Warum diese Uneinigkeit?
Gesichert ist, dass das Jahr am 1. Martius begann, der nach dem Kriegsgott Mars benannt war. Darauf folgten der Aprilis (Wortherkunft ist umstritten), der nach der griechischen Göttin Maia benannte Maius und der nach der Göttin Iuno benannte Iunius. Der nächste Monat war der Quintilis von quintus = „fünf“. Auch die darauffolgenden Monate entsprechen Zahlen: Sexitilis (6), September (7), October (8), November (9), December (10).

Unklarheit besteht nun darüber, ob darauf schon immer der nach dem zweigesichtigen Gott Ianus benannte Ianuarius folgte. Der Februarius wäre demnach der zwölfte Monat. Da es sich beim römischen Kalender ursprünglich um einen Lunarkalender handelte, gab es auch einen Schaltmonat oder lateinisch Mensis intercalaris. Ab 153 v. Chr. des gregorianischen Kalenders war der 1. Ianuarius der Jahresanfang.

Besondere Tage jeden Monats waren die Kalenden (erster Tag des Monats), die Iden (Monatsmitte und Tag des Vollmonds, was je nach Monat auf den 13. oder 15. fiel), die Nonen (der achte Tag vor den Iden, was den zunehmenden Mond markieren sollte) und die Terminalien (Gegenstück zu den Nonen und somit der abnehmende Mond). Vom Wort Kalenden leitet sich im Übrigen dann auch das Wort Kalender ab.

Die Länge der Monate dürfte sich im Laufe der Geschichte mehr als einmal geändert haben. Es ist nicht einmal bekannt, wann die Schaltregel eingeführt wurde. Aus heutiger Sicht von Bedeutung ist ohnehin vor allem der spätere lunisolare Kalender, bei dem die Monate 29 Tage dauerten und um einen zehntägigen Schaltmonat Mercedonius ergänzt wurden.

Die Woche hatte auch im römischen Kalender bereits sieben Tage, die nach babylonischem Vorbild nach den sieben wichtigsten Himmelskörpern benannt waren: Sol (Sonne), Luna (Mond), Mars, Mercurius (Merkur), Iūppiter (Jupiter), Lucifer (Venus) und Saturnus (Saturn).

Julianischer Kalender als zweite römische Zeitrechnung

45 v. Chr. des gregorianischen Kalenders ersetzte der von Gaius Iulius Caesar (eingedeutscht häufig Julius Cäsar, obwohl der Name Caesar keineswegs Zæsar, sondern Kaiser gesprochen wurde, davon leitet sich auch das deutsche Wort „Kaiser“ ab) eingeführte julianische Kalender den früheren römischen Kalender.

Caesar griff hierbei auf den altägyptischen Kalender zurück, zu dem seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. die von Pharao Ptolemaios III. eingeführten Schaltjahresregelung gehörte, bei der alle vier Jahre ein zusätzlicher Tag eingefügt wurde. Allerdings behielt Caesar die meisten Monatsnamen bei. Seinen Geburtsmonat Quintilis benannte er nach sich selbst in Iulius um.

Der erste römische Kaiser August verfuhr einige Jahre später ebenso mit dem Sextilis, weil er in diesem Monat sein erstes Konsulat angetreten hatte. Die zwölf Monate des julianischen Kalenders wären demnach: Ianuarius, Februarius, Martius, Aprilis, Maius (der nun jedoch auf den Göttervater Iupiter Maior zurückgehen sollte), Iunius, Iulius, Augustus, September, October, November, December. Dass sich unsere heutigen Monatsnamen davon ableiten, dürfte spätestens jetzt wohl auch dem Letzten aufgefallen sein. Die Monate hatten jeweils auch dieselbe Länge wie heute.

Christliche Zeitrechnung und gregorianischer Kalender

Als das Christentum im Zuge der konstantinischen Wende 313 bis 380 n. Chr. im gregorianischen Kalender zur römischen Staatsreligion erhoben wurde, übernahm man im Wesentlichen den julianischen Kalender. Nur das Bezugsjahr 1 änderte sich und richtete sich nun nach der damals vermuteten Geburt Christi, die, wie man heute weiß, wohl in Wahrheit in den Zeitraum von 7 bis 4 v. Chr. im gregorianischen Kalender fiel. Ein Jahr 0 gibt es in der christlichen Zeitrechnung nicht. Auf das Jahr 1 v. Chr. folgt das Jahr 1 n. Chr..

Nun fiel schon sehr häufig der Begriff „gregorianischer Kalender“. Das ist der Kalender, der derzeit international am gebräuchlichsten ist. Er entstand im 16. Jahrhundert, als auffiel, dass der julianische Kalender über die Jahrhunderte eine Verschiebung der Tage zur Folge gehabt hatte. Das julianische Jahr ist mit 365,25 Tagen 11 Minuten länger als ein tropisches Jahr. Das führt alle 130 Jahre zu einer Verschiebung um einen Tag nach vorne.

1582 verordnete Papst Gregor XIII. in einer päpstlichen Bulle den julianischen Kalender durch den nach ihm benannten gregorianischen Kalender zu ersetzen. 1582 wurden dann auch in den Ländern, die den neuen Kalender sofort angenommen hatten, zehn Kalendertage ausgelassen, damit der Frühlingsanfang nicht mehr auf den 11. sondern wieder auf den 21. März fiel.

Man konzentrierte sich auf den Frühlingsanfang, weil dieser zur Berechnung des Osterfestes von Bedeutung ist. Papst Gregor XIII. reformierte aber eben auch die Schaltjahresregel. Zwar sollte weiterhin jedes ganzzahlig durch vier teilbare Jahr ein Schaltjahr sein. Hinzu kam aber eine Auslassung des Schaltjahres bei allen ganzzahlig durch 100, aber nicht durch 400 teilbaren Jahren. Die Jahre 1700, 1800 und 1900 sollten demnach keine Schaltjahre sein, die Jahre 1600 und 2000 hingegen schon.

Bis ins Jahr 1691 war im Übrigen auch der Jahresanfang in der christlichen Welt nicht einheitlich geregelt. Erst Papst Innozenz XII. legte den 1. Januar als Jahresbeginn fest. Auch der 1. Advent als Beginn des Kirchenjahres, Weihnachten (25. Dezember) oder Verkündigung des Herrn (25. März) existierten bis dahin etwa parallel als Jahresanfänge. In Ländern, in denen nicht die römisch-katholische Kirche, sondern die Ostkirchen dominierten, fällt der Jahresanfang bis heute auf den 1. September.

Die Wochen haben in der christlichen Zeitrechnung angelehnt an die Schöpfungsgeschichte wie beim jüdischen Kalender sieben Tage.

Zur Markierung christlicher Daten sind sowohl die Kürzel v. Chr. (vor Christus) und n. Chr. (nach Christus) als auch A.C. (Ante Christum = „vor Christus“) und A.D. (Anno Domini = „Jahre des Herrn“) gebräuchlich.

Islamische Zeitrechnung

Der islamische Kalender ist ein reiner Lunarkalender. Er hat 12 Monate zu je 29 oder 30 Tagen und deshalb sind die Jahre mit 354 oder 355 Tagen im Schnitt 11 Tage kürzer als die Jahre des gregorianischen Kalenders. Das führt dazu, dass sich muslimische Feiertage, zu deren Bestimmung der islamische Kalender auch von Muslime hauptsächlich gebraucht wird, im Verhältnis zum Sonnenjahr kontinuierlich verschieben und sozusagen durch das Jahr wandern. So beginnt der Fastenmonat Ramadan aus Sicht des gregorianischen Kalenders etwa jedes Jahr 10 bis 12 Tage eher.

Die zwölf Monate des islamischen Kalenders sind im Übrigen: Muharram (محرم), Safar (صفر), Rabīʿ al-awwal(ربيع الأول), Rabīʿ ath-thānī (ربيع الثاني), Dschumādā l-ūlā (جمادى الأولى), Dschumādā th-thāniya (جمادى الثانية), Radschab (رجب), Schaʿbān (شعبان), Ramadan (رمضان), Schawwāl (شوّال), Dhū l-Qaʿda (ذو القعدة) und Dhū l-Hiddscha (ذُو الحِجّةِ). Im altarabischen Lunisolarkalender, auf dem der islamische Kalender samt seiner Monatsnamen basiert, gab es noch wie im jüdischen Kalender einen regelmäßig eingeschobenen Schaltmonat Nasī‘ (= „Verschiebung“).

Im Jahre 630 n. Chr. gregorianischer Zeitrechnung eroberten muslimische Truppen Mekka und schafften den altarabischen Kalender zugunsten des islamischen Kalenders ab. Nach Sure 9:37 galt das Einschieben des Schaltmonats Nasī‘ den Muslimen als Eingriff in die göttliche Ordnung. Da der Mondkalender zwar die Festlegung der Monatsanfänge erleichterte, aber zur Planung der lebenswichtigen Landwirtschaft völlig impraktikabel ist, wurde in fast allen islamischen Ländern trotzdem ein Sonnenkalender parallel weitergeführt. Im Iran und in Afghanistan wird sogar ein Sonnenkalender mit dem gleichen Bezugsjahr 0 geführt.

Sowohl das Jahr 0 als auch der Jahresbeginn der islamischen Zeitrechnung orientieren sich an der Hidschra (هجرة), der Auswanderung Mohammeds von Mekka nach Medina. Diese fand nach gregorianischer Zeitrechnung am 16. Juli 622 n. Chr. statt. Dieser Tag ist als der 1. Muharram 0 definiert. Man spricht hierbei von der Hidschrī-Zeitrechnung und macht entsprechende Datumsangaben durch A.H. für anno hegirae (Jahr der Hidschra) kenntlich.

So wäre der 23. November 1963 A.D. etwa der 6. Radschab 1383 A.H., der 23. November 2023 A.D. aber der 10. Dschumādā l-ūlā 1445 A.H.. Eingeführt wurde Hidschrī-Zeitrechnung laut dem Astronomen Abu r-Raihan Muhammad ibn Ahmad al-Bīrūnī (973 – 1048 gregorianischer Zeitrechnung) im Jahr 638 gregorianischer Zeitrechnung vom zweiten Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb.

Wie in allen abrahamitische Religionen hat die Woche auch im Islam sieben Tage. Diese sind: Yaum al-aḥad (يوم الأحد), Yaum al-iṯnain (يوم الإثنين), Yaum aṯ-ṯulāṯāʾ(يوم الثلاثاء), Yaum al-arbiʿāʾ (يوم الأَرْبعاء), Yaum al-ḫamīs (يوم الخَمِيس), Yaum al-ǧumʿa (يوم الجُمْعَة) und Yaum as-sabt (يوم السَّبْت). Im Grunde werden die Tage nur durchnummeriert, denn jeder dieser Tage lässt mit der Zahl des Wochentages (Erster bis Siebter) und dem Wort „Tag“ übersetzen. Wie im Judentum beginnt die Woche mit dem christlichen Sonntag und endet am Sabbat/Samstag.

Chinesische Zeitrechnung

Auch wenn der chinesische Kalender auch in China seit der Gründung der Volksrepublik 1949 offiziell nicht mehr gilt, ist er doch für über eine Milliarde Chinesen nach wie vor wichtig zur Berechnung wichtiger Feiertage und für die Landwirtschaft. Eine gängige Bezeichnung für den chinesischen Kalender ist auch Nónglì (農曆/农历 = „Bauernkalender“).

Der chinesische Kalender besteht im Grunde aus zwei parallel existierenden Kalendern: einem reinen Solarkalender und einem Lunisolarkalender, also einem Lunarkalender mit Schaltmonaten zur Anpassung an das tropische Jahr. Es gibt also ein Sonnenjahr (歲/岁, suì) und ein Mondjahr (年, nián).

Der Solarkalender ist nicht in Monate unterteilt. Stattdessen werden die 360° des Sonnenumlaufs in 24 Abschnitte zu je 15° aufgeteilt, die durch 24 Stationen, die Jiéqì (節氣/节气), unterteilt werden. Jedes zweite Jiéqì ist ein Zhongqi (中氣/中气, zhōngqì = „zentrale Jahreseinteilung“). Je sechs Jiéqì bilden eine Jahreszeit. Die beginnen nicht wie in westlichen Kalendern mit der Sonnenwende oder Tagundnachtgleiche, denn diese liegen in der Mitte der jeweiligen Jahreszeit. Die 24 Jiéqì sind (Zhongqi fett gedruckt, in Klammern die Entsprechungen im gregorianischen Kalender):

  • 315° 立春, Lìchūn – Frühlingsanfang (3.– 5. Februar); auch Jahresanfang
  • 330° 雨水, Yǔshuǐ – Regen (18.– 20. Februar)
  • 345° 驚蟄/惊蟄, Jīngzhé1 – Erwachen der Insekten (5.– 7. März)
  • 0° 春分, Chūnfēn – Frühlings­tagundnachtgleiche (20.– 22. März)
  • 15° 清明, Qīngmíng – Klar und hell (4.– 6. April)
  • 30° 穀雨/谷雨, Gǔyǔ – Regen auf die Saat (19.– 21. April)
  • 45° 立夏, Lìxià – Sommeranfang (5.– 7. Mai)
  • 60° 小滿/小满, Xiǎomǎn – Kleine Fülle/Ährenbildung (20.– 22. Mai)
  • 75° 芒種, Mángzhòng – Körner mit Grannen / Ährenzeit (5.– 7. Juni)
  • 90° 夏至, Xiàzhì – Sommer­sonnenwende (21.– 22. Juni)
  • 105° 小暑, Xiǎoshǔ – Mäßige Hitze (6.– 8. Juli)
  • 120° 大暑, Dàshǔ – Große Hitze (22.– 24. Juli)
  • 135° 立秋, Lìqiū – Herbstanfang (7.– 9. August)
  • 150° 處暑/处暑, Chǔshǔ – Ende der Hitze (22.–24. August)
  • 165° 白露, Báilù – Weißer Tau (7.– 9. September)
  • 180° 秋分, Qiūfēn – Herbst­tagundnachtgleiche (22.– 24. September)
  • 195° 寒露, Hánlù – Kalter Tau (8.– 9. Oktober)
  • 210° 霜降, Shuāngjiàng – Reif (23.– 24. Oktober)
  • 225° 立冬, Lìdōng – Winteranfang (7.– 8. November)
  • 240° 小雪, Xiǎoxuě – Mäßiger Schnee (22.– 23. November)
  • 255° 大雪, Dàxuě – Großer Schnee (6.– 8. Dezember)
  • 270° 冬至, Dōngzhì – Winter­sonnenwende (21.– 23. Dezember)
  • 285° 小寒, Xiǎohán – Mäßige Kälte (5.–7. Januar)
  • 300° 大寒, Dàhán – Große Kälte (20.–21. Januar)

Die Jiéqì sind bis heute von Bedeutung für die chinesische Landwirtschaft, was der Hauptgrund sein dürfte, warum der Sonnenkalender weiterhin im Gebrauch ist.

Das Nián wird in zwölf Yuè (月, yuè = „Mond“) unterteilt, die bis auf den ersten Monat Zhēngyuè (正月) durchnummeriert sind. Der Mondkalender der Chinesen birgt im Wesentlichen dieselben Probleme wie andere Lunisolarkalender und auch die Lösung ist vergleichbar. Da sich der chinesische Lunisolarkalender jedoch an der exakten Position von Mond und Sonne zur Erde orientiert, ist seine Berechnung äußerst kompliziert.

Der Mondkalender war auch Grundlage für die Jahreszählung. Diese basiert auf der Regierungszeit des jeweiligen Kaisers. Daneben existiert noch ein 60-Jahre-Zyklus auf der Basis zehn Himmelsstämme (天干, tiāngān) und der zwölf Erdzweige (地支, dìzhī). Letztere werden bei uns häufig als die chinesischen Tierkreiszeichen bezeichnet, obwohl sie sich anders als Tierkreiszeichen westlicher Astrologie nicht zusammen über den Zeitraum eines Jahres erstrecken, sondern jeweils. Es gibt 60 Kombinationsmöglichkeiten von Stamm und Zweig.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

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Gleichzeitig will ich das Wissen recht unterhaltsam servieren, so dass du vielleicht mal wiederkommst.

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Also bis später vielleicht.

LG Mathias Mücke


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