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Analyseebenen der Psychologie am Beispiel erklärt: Bedeutung und Abgrenzung


Unter einer Analyseebene versteht man – innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie – einen Betrachtungswinkel unter dem man menschliches Verhalten beurteilt, bewertet und analysiert.

Verschiedene Analyseebenen sind wichtig, um sich ein Bild vom großen Ganzen zu machen. In der Geschichte der Psychologie gibt es eine Vielzahl verschiedener psychologischer Strömungen, welche einen jeweiligen Betrachtungswinkel bieten. So hat sich die Psychoanalyse beispielsweise vornehmlich auf die unbewussten Triebe und Wünsche einer Person konzentriert und damit das menschliche Handeln zu erklären versucht.

Oder…
Im Behaviorismus hingegen herrschte die Annahme vor, dass der Mensch allein aufgrund seiner Erfahrungen geformt sei und nur so handelt, wie er es gelernt hat.

Mittlerweile geht die Psychologie allerdings davon aus, dass diese Ansätze allein nicht weit genug greifen. Das menschliche Denken und Handeln ist so komplex, dass es nicht nur mit einer oder zwei Theorien erklärt werden kann. Stattdessen werden heutzutage unterschiedliche Bereiche beziehungsweise Ebenen in die Erforschung der Psyche eingebunden. Diese beziehen sich auf biologische, psychologische und soziokulturelle Aspekte.

3 Analyseebenen innerhalb der Psychologie

Um Zusammenhänge besser zu verstehen, muss man sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Psychologische Prozesse sind recht kompliziert. Daher reicht es nicht aus, sich nur auf einem Erklärungsansatz auszuruhen. Denn dabei würden zu viele Aspekte schlichtweg zu kurz kommen.

Nehmen wir folgendes Beispiel: In einer Notsituation bietet eine Person keine Hilfe an. Wie erklärst du dir das Handeln dieses Menschen? Es könnte zum Beispiel nicht allein auf eine „schlechte Erziehung“ zurückzuführen sein. Diese kann auf jeden Fall einen großen Anteil daran haben. Denn im Laufe der kindlichen Entwicklung erlernen wir Verhaltensweisen, die uns auch noch im Erwachsenenalter prägen. Allerdings müssen noch weitere Dinge bedacht werden.

Das Verhalten kann nämlich auch aufgrund eines hormonellen Einflusses ausgelöst worden oder von einem Ungleichgewicht im Haushalt der Neurotransmitter im Gehirn verstärkt worden sein. Beides würde unter den Bereich der biologischen Einflüsse fallen, während die Erziehung und die damit verbundenen Lernprozesse eher zu den psychologischen Einflüssen zählen.

Auch andere psychologische Aspekte könnten eine Rolle spielen – zum Beispiel Angst. Vielleicht fürchtet sich diese Person selbst und ist gerade einfach daher, nicht in der Lage zu helfen. Soziokulturelle Aspekte sind ebenfalls zu bedenken. Schon die Anwesenheit anderer Personen kann das Hilfeverhalten des Einzelnen unterdrücken. So könnte diese Person Angst haben, sich vor den anderen zu blamieren. Das wäre etwa der Fall, wenn sie nicht weiß, was in so einer Situation zu tun ist. Oder sie denkt sich, dass schon jemand von den anderen Personen helfend eingreifen wird.

Somit gibt es drei Analyseebenen, welche diese Situation bzw. das Handeln der Person erklären könnten.

  1. biologisch: Hormone, Schädigungen im Hirn oder fehlende Neurotransmitter
  2. psychologisch: Erziehung, fehlende Empathie (wobei dies auch biologische Ursachen haben kann) oder Angst
  3. soziokulturell: soziale Druck verhindert das Hilfeverhalten

Welche dieser drei Analyseebenen wie stark berücksichtigt wird, hängt von dem jeweiligen Ansatz ab. Einige psychologische Forschungsebenen konzentrieren sich zum Beispiel mehr auf die biologischen Einflüsse, während andere den Fokus stärker auf die psychologischen oder soziokulturellen Aspekte legen.

Doch gerade durch diese unterschiedliche Fokussierung ergänzen die einzelnen Forschungsgebiete sich und ermöglichen ein umfassenderes Bild. Allerdings ist auch die Kombination dieser Sichtweisen noch nicht allumfassend, da es sich bei der Psyche um ein sehr facettenreiches Gebilde mit einer Vielzahl von Einflüssen und Wirkungszusammenhängen handelt.

Aktuelle psychologische Ansätze

Auf die unterschiedlichen Ansätze in der Psychologie, wollen wir jetzt ein wenig näher eingehen. Es ist wichtig sich klarzumachen, dass jede Sichtweise sich anderen Fragestellungen widmet und dementsprechend auch verschiedene Arbeitsfelder mit sich bringt.

Evolutionstheoretischer Ansatz

Beginnen wir mit dem evolutionstheoretischen Ansatz. Dieser beschäftigt sich mit der Frage danach, wie die natürliche Selektion von Merkmalen sich auf die Weitergabe der eigenen Gene auswirkt. Die Frage lautet demnach, wie die Verhaltensweisen von der Evolution beeinflusst werden. Die Forschungserkenntnisse dieses Ansatzes fließen in die biologische und die Entwicklungspsychologie ein. Allerdings profitiert auch die Sozialpsychologie von den Erkenntnissen.

Neurowissenschaftlicher Ansatz

Der neurowissenschaftliche Ansatz fragt danach, wie Gehirn und Körper Erinnerungen, Emotionen und sensorische Erfahrungen ermöglichen. Wie gelangt beispielsweise ein Schmerzreiz von einer bestimmten Körperstelle zum Gehirn? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Botenstoffe auf die Stimmung? Die Antwort auf solche Fragen kann für die kognitive und die klinische sowie für die biologische Psychologie von Interesse sein.

Verhaltensgenetischer Ansatz

Persönlichkeits- und Entwicklungspsychologie profitieren von den Forschungsergebnissen des verhaltensgenetischen Ansatzes. Denn dieser befasst sich vor allem mit der Frage danach, welchen Anteil unsere Gene und die Umwelt jeweils an unserem Verhalten haben. Merkmale wie Intelligenz oder Kreativität, aber auch die Auftretenswahrscheinlichkeit von psychischen Störungen können sowohl genetische als auch umweltbedingte Ursachen haben.

Psychodynamischer Ansatz

Allerdings fließen in die Persönlichkeitspsychologie auch psychodynamische Ansatzpunkte ein. Hier geht es um die Frage nach dem Einfluss von unbewussten Konflikten und Trieben. Dazu zählen jedoch auch die Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen in der Kindheit und unerfüllten Wünschen. Solche Aspekte finden zudem in der klinischen Psychologie, jedoch auch in der psychologischen Beratung Anwendung.

Kognitiver Ansatz

Der kognitive Ansatz will verstehen, wie der Mensch Informationen aufnimmt, verarbeitet und abruft. Forschungsfragen drehen sich um das Lösen von Problemen, das Gedächtnis und die Wahrnehmung. Die Antworten auf solche Fragen sind natürlich für die kognitive Psychologie von Interesse. Allerdings ziehen auch die klinische und die Arbeits- und Organisationspsychologie sowie die psychologische Beratung ihren Nutzen daraus.

Soziokultureller Ansatz

Dieser Ansatz untersucht die Auswirkungen der Kultur. Kulturkreis, Familie oder Herkunftsland können das menschliche Denken und Handeln maßgeblich beeinflussen. Daher sind die Auswirkungen dieses Einflusses nicht nur in der Sozial- und Entwicklungspsychologie von Bedeutung, sondern auch für die klinische Psychologie sowie für die psychologische Beratung.

Verhaltenstheoretischer Ansatz

Für die klinische Psychologie – jedoch auch für die kognitive und die Arbeits- und Organisationspsychologie sowie für die Beratung – liefert der verhaltenstheoretische Ansatz wichtige Einsichten.

Hier geht es zum Beispiel um die Frage, wie wir Verhalten und Reaktionen erlernen. Das ist etwa bei der Entstehung und Behandlung von Phobien und Ängsten von Belang. Allerdings helfen Erkenntnisse in diesem Bereich auch bei der Änderung von bestimmten Verhaltensweisen. Das Rauchen aufzugeben, mehr Sport zu treiben und gesünder zu essen können Ziele sein, bei denen das Wissen um Verhaltensänderungen sehr wertvoll ist.

Warum braucht man in der Psychologie die verschiedenen Analyseebenen?

Am besten eignet sich dazu ein nachvollziehbares Beispiel, wie Sucht. Um Abhängigkeiten zu behandeln, muss man sie möglichst umfassend verstehen. Personen können verschiedene Abhängigkeiten entwickeln. Einige sind stoffgebunden (zum Beispiel Drogen), andere stoffungebunden (wie etwa Glücksspielsucht). Schauen wir uns die drei Analyseebenen am Beispiel der Alkoholabhängigkeit an. Auf der biologischen Ebene kann die genetische Veranlagung dazu beitragen, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt.

Verträgt jemand sehr viel Alkohol, tritt bei ihm eher eine berauschende Wirkung ein als bei jemanden, der nur wenig verträgt. Letzterem wird schneller übel und er trinkt nicht so viel, dass ein als positiv empfundener Rausch einsetzt. Das kann also als Schutzfaktor verstanden werden, der die Entwicklung einer Abhängigkeit unwahrscheinlicher macht. Viel Alkohol vertragen zu können, stellt in Bezug auf die Sucht einen Risikofaktor da.

Auf der soziokulturellen Ebene haben die Eltern und der Freundeskreis einen großen Einfluss. Wie war das Trinkverhalten der Eltern? Wird die „Fähigkeit“ besonders viel zu trinken im Freundeskreis als cool angesehen? Wie normal ist der Alkoholkonsum in der Gesellschaft allgemein? Solche Einflüsse wirken sich auf das eigene Trinkverhalten aus.

Auch die psychologische Ebene ist zu beachten. Nutzt jemand den Alkohol, um Sorgen und Probleme zu vergessen? Die Ursachen für das Ausbilden einer Sucht haben Auswirkungen auf den Genesungsprozess. Daher ist eine individuelle Unterstützung bei der Behandlung wichtig.

Zusammenfassung

  • Um ein möglichst umfassendes Bild von der menschlichen Psyche zu erhalten, ist die Kombination verschiedener Sichtweisen und Ansatzpunkten nötig.
  • In der Geschichte der Psychologie haben sich unterschiedliche Strömungen entwickelt. Diese haben jeweils auf unterschiedliche Weise die heutige Psychologie geprägt. Durch eine Verknüpfung verschiedener Ansätze und Sichtweisen lässt sich das menschliche Denken und Verhalten besser verstehen.
  • Die heutige Sicht auf die Psyche besteht aus drei Analyseebenen.
  • Diese Ebenen befassen sich mit den biologischen, soziokulturellen und psychologischen Einflüssen.
  • Die unterschiedlichen Ansätze in der heutigen Psychologie beschäftigen sich mehr oder weniger stark mit den jeweiligen Einflüssen.
  • So bilden die biologischen Einflüsse etwa in der klinischen oder der biologischen Psychologie ein zentrales Thema.
  • Die Ebene der soziokulturellen Einflüsse spielt beispielsweise in der Entwicklungs- und Sozialpsychologie eine wichtige Rolle.
  • Die psychologische Einflussebene – wie etwa das Erlernen von Verhaltenseisen oder das Aufnehmen und Verarbeiten von Informationen – ist in der kognitiven Psychologie sowie in der Arbeits- und Organisationspsychologie von Bedeutung.
  • Die Relevanz verschiedener Ebenen kann zum Beispiel in der Suchtbehandlung zum Einsatz kommen. Dabei ist die Kenntnis von verschiedenen Risiko- und Schutzfaktoren auf unterschiedlichen Analyseebenen für die Behandlung von Abhängigkeiten bedeutsam.

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