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Häusliche Gewalt & Partnergewalt: Definition, Bedeutung, Messung, Psychologische Ursachen


Die Liebe ist etwas Schönes. Doch in jeder Beziehung hängt früher oder später einmal der Haussegen schief. So lange die Partner eine Lösung für ihre Probleme und dadurch schnell wieder zueinander finden, ist das auch keine schwerwiegende Katastrophe.

Allerdings kommt es in einigen Beziehungen immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen. Sei es aufgrund der aggressiven Persönlichkeit eines Partners oder aufgrund eines heftigen Streits. Manche Menschen wissen sich in solchen Situationen nicht anders zu helfen und schlagen zu.

Doch nicht nur körperliche Gewalt hinterlässt Spuren. Auch psychisch bleiben Narben zurück, die unter Umständen das Eingehen einer neuen Beziehung erschweren. Das Thema Partnergewalt ist immer noch tabuisiert, doch gleichzeitig sehr wichtig. Daher wollen wir uns diesem Thema im folgenden Artikel widmen. Du erfährst, was Partnergewalt überhaupt ist und welche Formen unterschieden werden. Außerdem gehen wir darauf ein, wie Geschlechterunterschiede in diesem Bereich zustande kommen und wie Partnergewalt gemessen werden kann.

Unterschied zwischen Partnergewalt und häusliche Gewalt

Gewalt in der Beziehung ist leicht definiert, jedoch nicht einfach zu erklären.
Bei der Partnergewalt findet eine Androhung oder Anwendung körperlicher Gewalt gegen den eigenen Beziehungspartner statt. Dabei handelt es sich um ein weltweites Problem. Dessen Auftretenshäufigkeit variiert dabei sowohl innerhalb der Länder als auch zwischen einzelnen Staaten.

Diese Definition klingt nach einem recht simplen Konstrukt, doch der Eindruck täuscht. Partnergewalt stellt eine Unterform der häuslichen Gewalt dar. Diese bezieht sich auf gewaltsame Übergriffe zwischen verschiedenen Individuen, die in einem Haushalt leben. Bei der Partnergewalt hingegen handelt es sich um ein mehrdimensionales Phänomen, welches verschiedene Formen aufweist und sich nur auf die Beziehungsebene konzentriert. Zudem herrschen unterschiedliche Dynamiken vor sowie individuelle Rahmenbedingungen, die das aggressive Verhalten beeinflussen.

3 Formen von Partnergewalt

Kelley und Johnson unterscheiden mehrere Formen der Partnergewalt.
Die erste Form ist eine zwanghaft kontrollierende Gewalt. Diese stellt in den vielen Fällen von Partnergewalt ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal bei einem der Beziehungspartner dar. Zumeist liegt diese Eigenschaft bei Männern vor. Für die Unterschiede in Bezug auf Aggressionen bei den Geschlechtern gibt es verschiedene Theorien.

Eine dieser Theorien beruft sich auf die Hormone. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron tritt zusammen mit einer höheren Aggressionswahrscheinlichkeit auf. Vor allem im Zusammenspiel mit einem niedrigen Cortisollevel kommt es eher zu einem gewalttätigen Verhalten. Allerdings bedeutet das nicht, dass jeder Mann von Natur aus aggressiv ist. Denn immerhin sind noch andere Faktoren daran beteiligt, wie sich Verhaltensweisen und Konfliktlösestrategien entwickeln.

Das Lernen am Modell ist eine weitere mögliche Ursache. Hat jemand als Kind bei den Eltern beobachtet, wie diese ihre Differenzen durch Gewalt beigelegt haben, ahmt er dieses Verhalten nach. Das bleibt dann in den meisten Fällen auch bis ins Erwachsenenalter bestehen. Diese Form des Erlernens von Gewalt beschränkt sich allerdings nicht nur auf Männer.

Bei der zweiten Form der Partnergewalt geht es um eine Reaktion auf die erste Form. In der Regel wird sie durch Frauen ausgeführt, welche Gewalt als Widerstand gegen die zwanghaft kontrollierende Gewalt des männlichen Partners nutzen. Liegt bei diesem eine Neigung zu gewalttätigem Verhalten vor, kann die Frau ihr Verhalten dementsprechend anpassen. Sie kann selbst zu Gewalt greifen, um sich vor den Übergriffen zu schützen.

Schließlich gibt es noch die situative Partnergewalt. Diese entsteht eher aufgrund bestimmter Kontexte. So kann es beispielsweise während eines heftigen Beziehungsstreits zu Handgreiflichkeiten kommen. Hinsichtlich der Geschlechterverteilung bestehen hier zwischen Männern und Frauen kaum Unterschiede.

Gibt es Geschlechtsunterschiede bei der Partnergewalt?

Es bestehen Kontroversen darüber, ob es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt. Um eine Geschlechterverteilung hinsichtlich der Partnergewalt zu untersuchen, können verschiedene Instrumente genutzt werden. Dazu zählen offizielle Zahlen aus Kriminalstatistiken und aus Umfragen zur Kriminalitätsbelastung. Daneben gibt es auch noch wissenschaftliche Datenerhebungsmethoden, zu denen Conflict Tactic Scales (kurz CTS) gehören.

Ein Blick auf die Zahlen der Kriminalstatistiken zeigen, dass Frauen häufiger Opfer von Partnergewalt werden. Auch besteht für sie ein größeres Risiko für körperliche Verletzungen. Die British Crime Survey ergab für das Jahr 2007 für Großbritannien, dass 18 % der weiblichen Befragten und 10 % der männlichen Umfrageteilnehmer mindestens einmal seit ihrem sechzehnten Lebensjahr körperliche Gewalt in der Partnerschaft erlebt haben.

Es zeichnet sich also auch hier ein größerer Opferanteil auf Seiten der Frauen ab. Der prozentuale Unterschied relativierte sich allerdings wieder, als sich die Befragung nur auf die vergangenen zwei Monate bezog. Hinsichtlich dieses unmittelbaren Zeitraums vor der Umfrage gaben 2,2 % der Frauen und 2 % der Männer Erfahrungen mit Partnergewalt an.

Zur Erfassung von Partnergewalt werden Conflict Tactic Scales genutzt. Diese Messinstrumente liefern allerdings kein so eindeutiges Bild, wie es zunächst den Anschein hat. Eine Vielzahl der CTS-Studien fanden einen Geschlechterunterschied: Demnach zeigen Frauen sich aggressiver in Beziehungen als Männer. Frauen erzielten in diesen Skalen höhere Aggressionswerte, wobei Männer von mehr Opfererfahrungen berichteten. Diese Daten stehen also im Widerspruch zu den Kriminalstatistiken. Warum das so ist, darauf gehen wir weiter unten ein.

Möglichkeiten zur Messung von Partnergewalt

Spezielle Fragebögen erfassen die Häufigkeit und Schwere der Partnergewalt.
Neben der Möglichkeit, auf vorliegende Statistiken zurückzugreifen, können die schon erwähnten Conflict Tactic Scales einsetzt werden. Den Befragten wird hierbei eine Liste vorgelegt, welche die Schwere der körperlichen Aggression erfasst sowie deren Häufigkeit. Es gibt eine parallele Liste zur Erfassung der Opfererfahrung und noch eine separate Skala zur Erfassung der Verletzungsschwere.

Alternativ kann noch auf den CTS 2 zurückgegriffen werden. Dabei handelt es sich um eine überarbeitete Fassung der CTS. Dieser erfasst die psychologische Aggression, die sexuelle Aggression und das Maß an Aushandlung. Letzteres meint Lösungsstrategien, die ohne Gewalt in Konflikten angewendet werden. Mit psychologischer Aggression ist eine Kommunikationsform gemeint, die den Partner psychologisch verletzen soll. Dazu zählen etwa Beleidigungen oder Beschimpfungen. Denn bereits so früh fängt Partnergewalt bzw. häusliche Gewalt an.

Einige Beispiel-Items aus dem CTS 2 sind:

  • „Ich habe etwas nach meinem Partner/meiner Partnerin geworfen, das ihm/ihr wehtun konnte“
  • „Ich habe meinen Partner/meine Partnerin weggestoßen“
  • „Ich habe meinen Partner/meine Partnerin getreten“
  • „Nach einer Auseinandersetzung mit mir musste mein Partner/meine Partnerin einen Arzt aufsuchen“

Diese Aussagen werden von der befragten Person dann auf einer Skala von 1 bis 6 bewertet. Die Ziffern 1 und 2 beinhalten, dass das beschriebene Verhalten einmal beziehungsweise zweimal im letzten Jahr aufgetreten ist. Die 3 gibt an, dass das Verhalten drei bis fünf Mal vorkam, während die 4 bereits von sechs bis zehn Fällen ausgeht. Die 5 umfasst das Vorkommen eines aggressiven Verhaltens von elf bis zwanzig Mal und die 6 beinhaltet, dass das Verhalten häufiger als zwanzig Mal im letzten Jahr vorkam.

Daneben gibt es noch die Möglichkeit „B“ oder „N“ anzukreuzen. Sollte es im vergangenen Jahr zu keinem Vorfall gekommen sein, jedoch im Jahr zuvor, dann wird „B“ gewählt. Der Buchstabe „N“ gibt an, dass die beschrieben Verhaltensweisen noch nicht vorgekommen sind.

Wie kommt es, dass Frauen laut CTS scheinbar mehr Partnergewalt anwenden?

Bei der CTS handelt es sich um ein Selbstberichtsmaß.
Dieses erfasst die Häufigkeit von Partnergewalt sowohl aus Täter- als auch aus Opfersicht. Kritiker bemängeln dabei die Tatsache, dass lediglich die Häufigkeit von gewalttätigen Zwischenfällen in Partnerschaften erfasst wird. Kontextbedingungen hingegen werden nicht berücksichtigt.

Es wäre also zusätzlich sinnvoll zu erfragen, unter welchen Umständen es zu aggressiven Übergriffen kommt. Immerhin spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, welche diese Umstände auslösen können.

  • Findet die Gewaltanwendung der Frauen gegenüber ihren Partnern in Notwehr statt?
  • Wenden sie überhaupt körperliche Gewalt an?
  • Wurden sie vom Partner provoziert, bevor sie selbst gewalttätig wurden?

Um diese und andere Fragen zu beantworten, müssten die Selbstberichtsmaße überarbeitet und um weitere Fragen ergänzt werden. So würde sich ein weniger verzerrtes Bild ergeben.

Behält man diese Information im Hinterkopf und vergleicht sie mit den Informationen aus den Kriminalstatistiken, kommt es zur folgenden Annahme:

Obwohl Frauen in den CTS häufiger ein aggressives Verhalten gegenüber ihrem Partner angeben als Männer, so sind sie in den Kriminalstatistiken doch häufiger als Opfer zu finden.

Das liegt daran, dass Frauen zumeist eine andere Form von Aggression zeigen als Männer. Geht die Partnergewalt von Männern aus, kommt es häufiger zu körperlichen Verletzungen und nur dieser werden in den Kriminalstatistiken erfasst. Das wiederum würde erklären, warum Männer nur zu einem so geringen Anteil als Opfer in den Statistiken auftauchen.

Selbst wenn sie körperlich unverletzt bleiben, können sie dennoch Gewalt durch ihre Partnerin erleben. Um noch einmal auf die verschiedenen Formen von Partnergewalt zurück zu kommen, ist bezogen auf diese noch weitere Forschung nötig. Durch weitere Erkenntnisse der Formen und den damit einhergehenden Kontextbedingungen kann die Dynamik besser verstanden werden, welche in Beziehungen zu Gewalt führt.

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Über den Autor:

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