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Merkmale, Besonderheiten der Inselkulturen: Entstehung und Entwicklung


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Die Steinskulpturen (Moai) auf den Osterinseln sind Zeremonialanlagen der polynesischen Inselkultur

Die vom Menschen unveränderte Natur ist das Gegenteil von Kultur. Kultur ist all das, was von Menschen geschaffen wird, alles Materielle, aber auch alles Immaterielle wie etwa Wertvorstellungen, Sitten, Bräuche oder Sprachen. Überall da, wo es Menschen gibt, gibt es auch Kultur.

Je länger sich eine bestimmte Gruppe von Menschen unbeeinflusst von anderen Menschengruppen entwickeln konnte, desto eigenständiger entwickelte sich auch ihre Kultur. Aus diesem Grund weisen Inselkulturen, also Kulturen, die auf Inseln weitab von einem Festland entstanden sind, besondere Merkmale auf.

Inselkulturen unterscheiden sich von Kulturen eines Festlandes grundsätzlich dadurch, dass sie wesentlich fragiler sind. Verändern sich die ökologischen Bedingungen, verändert sich auch die Lebensgrundlage der Menschen auf den Inseln. Ihr Überleben hängt davon ab, wie ressourcenschonend sie sich verhalten. Äußere Einflüsse wie Klimaveränderungen, aber auch Überfälle von See her können eine Inselkultur vernichten, wenn sie nichts entgegenzusetzen hat.

Gelangt umgekehrt eine Inselkultur zu Größe, muss sie entweder expandieren oder dringend benötigte Ressourcen heranschaffen, denn die sind auf einer Insel limitiert. Wirtschaftliches Wachstum bedeutet automatisch Ressourcenverbrauch. Solche Inselkulturen werden zu Seefahrern. Sie expandieren und gründen Kolonien, führen Krieg oder betreiben Handel. Ihre Kultur breitet sich aus und aus einer ursprünglich abgeschiedenen Inselkultur wird ein kultureller Impulsgeber auf breiter Ebene.

Was sind Inselkulturen und wie entstehen diese?

Es gibt Hunderte von Meeresinseln. Aber nicht jede Insel ist bewohnt und nicht auf jeder bewohnten Insel entwickelt sich eine eigenständige Kultur. Eine Inselkultur entwickelt sich nur unter bestimmten Bedingungen und diese können nur dann vorhanden sein, wenn die Insel entsprechend groß ist. Bedingungen für die Möglichkeit der Entwicklung einer Inselkultur sind beispielsweise:

  • das Vorhandensein von Nahrung, die geerntet, angebaut oder gejagt werden kann
  • das Vorhandensein von Baumaterialien
  • das Vorhandensein einer bestimmten Anzahl von Menschen
  • das Vorhandensein einer Hierarchie innerhalb der Gruppe
  • Umweltbedingungen, die ein dauerhaftes Überleben ermöglichen
  • eine ausreichend große Distanz zu einem Festland oder anderen Inseln, um eine fremde kulturelle Dominanz auszuschießen

Ohne Abgeschiedenheit ist eine eigenständige kulturelle Entwicklung kaum denkbar. Eine Isolation im Sinne absoluter Abgrenzung ist allerdings ebenso wenig denkbar. Von irgendwoher müssen die Menschen, die eine Insel besiedeln, gekommen sein. Sie haben eine kulturelle Prägung mitgebracht.

Sie hatten dieselbe Abstammung, kamen in Booten und Kanus über das Meer und besiedelten die verschiedenen Inseln, beispielsweise in Polynesien, wo sie im Laufe der Zeit unterschiedliche Inselkulturen entwickelten. Zu den bekanntesten zählen die der Osterinsel und die der Maori in Neuseeland.

Die polynesischen Inseln sind zum Teil Tausende Kilometer voneinander entfernt. Solche Strecken eignen sich nicht, um in einem regelmäßigen kulturellen Austausch miteinander zu sein. Weder Kriege noch Handel sind auf solchen Distanzen möglich und ein regelmäßiger Kulturtransfer ist ausgeschlossen.

Die Kontakte untereinander waren teilweise Jahrhunderte unterbrochen. Aus diesem Grund kam es bei den Inseln im polynesischen Seegebiet nie zu einer einheitlichen kulturellen Entwicklung. Dennoch lässt sich gerade in Polynesien sehr gut feststellen, dass eine gemeinsame Abstammung und ähnliche Bedingungen zu ähnlichen kulturellen Ergebnissen führen. Ähnlichkeiten finden sich:

  • bei der Sprache
  • bei den Glaubensvorstellungen
  • bei den gesellschaftlichen Strukturen
  • im Fehlen eines Schriftsystems (außer auf der Osterinsel)
  • Geschichte wird in Form von Gesängen mündlich überliefert
  • bei den Anbaumethoden
  • im Hausbau
  • in den handwerklichen Techniken
  • im Schiffsbau und in der Schifffahrt

Aufgrund dieser Ähnlichkeiten gilt Polynesien mit seinen Inseln und Inselkulturen als Kulturareal, also als ein geografisch abgegrenztes Gebiet, in dem sich aufgrund gemeinsamer Abstammung und gleichartiger Lebensbedingungen ähnliche oder vergleichbare Kulturelemente entwickelt haben.

Historische Inselkulturen und ihre besonderen Merkmale

Die Minoische Kultur auf Kreta

Die bekannteste historische Inselkultur ist die der Minoer von Kreta im östlichen Mittelmeer. Die minoische Kultur ist die früheste Hochkultur Europas. Ihre älteste kulturelle Phase, Frühminoisch I, verläuft zeitlich parallel etwa zur 3. bis 5. Dynastie im alten Ägypten (ca. 2600-2400 v. Chr.).

Obwohl es Kontakte nach Ägypten, in die Levante und nach Mesopotamien gab, entwickelte sich auf Kreta eine eigenständige Kultur. Vermutlich war der Ausbruch des Vulkans auf der Insel Santorin, dem damaligen Thera, etwa 1500 v. Chr. entweder direkt oder indirekt der Anfang vom Ende der minoischen Kultur Kretas.

Die Insel wurde schon vor über 100.000 Jahren in der Altsteinzeit (Paläolithikum) von Menschen besiedelt, die mit Booten oder Flößen vom Festland kamen. Kreta bot reichhaltige Beute und Ernte für Jäger und Sammler. Genuntersuchungen ergaben, dass sich während der Jungsteinzeit (Neolithikum) vor etwa 9.000 Jahren Menschen aus Westanatolien auf Kreta und auf dem griechischen Festland niederließen. Sie waren die Vorfahren der Minoer und der Mykener.

Bei den Mykenern des Festlandes wurden zentralasiatische DNA-Spuren gefunden, die darauf hinweisen, dass indogermanische Steppennomaden das griechische Festland erreichten und sich mit den Mykenern vermischten. Dies erklärt die unterschiedlichen Schriftsysteme der beiden Kulturen: Die Mykener entwickelten vermutlich aus dem Indogermanischen heraus das Griechische. Die Minoer blieben ohne weitere kulturelle Beeinflussung und entwickelten mit ihrer Linearschrift A ein eigenständiges Schriftsystem, das nicht mit dem griechischen verwandt war.

Die altkanarische Kultur von Risco Caído auf Gran Canaria

In der zentralen Bergregion Gran Canarias befinden sich die altkanarischen Höhlensiedlungen von Risco Caído. Diese Inselkultur entwickelte sich in dem von Schluchten und Klippen geschützten Vulkankessel des Caldera de Tejeda. Hier konnte sich die Kultur der Altkanarier gut 1500 Jahre lang unbeeinflusst von außerhalb entwickeln.

Vor etwa 2000 Jahren besiedelten nordafrikanische Berbervölker die Insel. Abgeschieden und weit vom Festland entfernt konnten sie ihre Höhlensiedlungen ausbauen. Behausungen, Zisternen, Getreidespeicher und Tempel wurden in das Vulkangestein gehauen. Außerdem finden sich an den Höhlenwänden Felsgravuren und Malereien.

Bei den Höhlentempeln handelt es sich um einzigartige Heiligtümer, die eine astronomische Funktion hatten und mit jahreszeitlichen Ritualen im Zusammenhang standen. Ein Wegenetz verband die zahlreichen Höhlensiedlungen.

Ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem ermöglichte zudem den Anbau auf Terrassenfeldern. Die Höhlensiedlungen der Altkanarier mit ihren komplexen Raumplanungen und Landnutzungsmodellen sind Beispiele für die anpassungsfähige Ressourcenbewirtschaftung von Inselkulturen.

Die altkanarische Kultur entstammte als einzige Inselkultur den nordafrikanischen Berbervölkern und entwickelte sich ohne belegbare Kontakte zur Außenwelt. Untergegangen ist sie nach der Ankunft der Spanier im 15. Jahrhundert.

Die Osterinsel

Chile ist das zur Osterinsel nächstgelegene Festland und über 3.500 Kilometer entfernt. Die nächstgelegene bewohnte Insel ist das über 2.000 Kilometer entfernte Pitcairn. Geografisch gehört die Osterinsel zu Polynesien, politisch aber zu Chile.

Die Insel liegt isoliert im Südostpazifik. Ihre Bewohner entwickelten eine eigenständige Kultur, deren bekanntesten Symbole die Moai, die monumentale Steinskulpturen sind. Als einzige Insel des polynesischen Kulturareals entstand auf der Osterinsel ein Schriftsystem, die Rongorongo-Schrift. Weltweit existieren aber nur 25 authentische Schriftzeugnisse. Bis heute ist es nicht gelungen, sie zu übersetzen.

Wann und von wem die Insel zuerst besiedelt wurde, ist ungeklärt. Vermutlich gelangten die ersten polynesischen Siedler um 1000 n. Chr. auf die Insel. Es entwickelte sich eine Stammeskultur mit streng unterschiedenen sozialen Schichten. Ab 1100 n. Chr. entstanden die Zeremonialplattformen mit den monumentalen Moai, aber auch Beobachtungstürme und Zisternen.

Die Blütezeit dieser Inselkultur dauerte bis Mitte des 17. Jahrhunderts. Bis dahin erschufen die Insulaner vermutlich über eintausend der kolossalen Steinstatuen. Danach begann der Niedergang und es kam zum Zerfall zentraler Traditionen und der auf Ahnenverehrung basierenden Kultur. Es wird vermutet, dass die Insulaner selbst die Moai systematisch zerstörten. Weitere Hinweise, die in Kombination zum Untergang der Inselkultur führten, sind folgende:

  • Ab 1300 n. Chr. wurde die Insel radikal entwaldet, was zu einer starken Bodenerosion führte.
  • Die Menschen lebten vom Meer. Ab dem 1200 n. Chr. besiedelten die Menschen aber verstärkt das Inselinnere, ohne Zugang zum Meer.
  • Der Landbau wird ab 1425 stark intensiviert, bis die Stammesgesellschaft im 17. Jahrhundert zusammenbricht.
  • Ab 1500 kommt es vermehrt zu Überfällen und Kriegen unter den verschiedenen Stämmen.
  • Ab 1650 werden keine Steinskulpturen mehr gebaut.
  • Ab Ende des 17. Jahrhunderts werden die Kultplätze mit den Kolossalstatuen von den Insulanern selbst zerstört. Die Moai stellten vermutlich berühmte Könige oder Ahnen dar, Bindeglieder von Diesseits und Jenseits. Die Kultur verfällt.

Wie es am Ende zu dem Niedergang der Inselkultur kommen konnte, ist vollkommen unklar. Am wahrscheinlichsten kommt der Raubbau an den natürlichen Ressourcen infrage, wodurch das natürliche ökologische Gleichgewicht zerstört wurde. Möglicherweise kam es dadurch zu Stammes- oder Religionskriegen, die die endgültige Vernichtung der alten Religion und des Herrschaftssystems einleiteten.

Unterschiede zwischen Inselkulturen und Kulturen des Festlandes

Kulturen unterscheiden sich zwangsläufig voneinander. Wäre es anders, gäbe es keine unterschiedlichen Kulturen. Die Menschen werden geprägt von den Lebensumständen. Diese können natürlicher Art oder menschengemacht sein. Landschaften prägen die Menschen und damit ihre Kultur ebenso wie das Klima oder die vorhandenen Ressourcen.

Sprache und Schrift

Menschen, die eine unbewohnte Insel entdecken und besiedeln, entstammen einer Kultur, deren Merkmale sie mitbringen. Die kleinste Gemeinsamkeit der Siedler ist die Sprache. Bleiben die Inselbewohner ohne Kontakte zur Außenwelt, wird ihre Sprache sich anders entwickeln als an ihrem Ursprungsort.

Neue Eindrücke müssen ebenso wie neu entdeckte Tiere und Pflanzen bezeichnet oder umschrieben werden. Es entwickeln sich also neue Begriffe. Trennen sich die Inselbewohner und leben in verschiedene Gruppe an unterschiedlichen Orten, werden sich Dialekte entwickeln. Letztendlich entsteht eine einzigartige Sprache.

Einige Inselkulturen entwickelten auch ein eigenständiges Schriftsystem. Nicht jede Kultur erfindet eine Schrift. Solche Erfindungen brauchen Zeit und müssen sich über Generationen etablieren. Beispiele dafür sind die Minoer auf Kreta oder die Menschen auf der Osterinsel. Mit dem Untergang von Kulturen geht zumeist auch das Wissen über die Schrift verloren. Es findet keine Überlieferung mehr statt, die die Schriftzeichen erklären könnte.

Schriftlose Kulturen sind komplett auf die kontinuierliche mündliche Überlieferung ihres Wissens angewiesen. Ist eine solche Kultur erst einmal vernichtet, gibt es keine Möglichkeit mehr, ihre immateriellen Schöpfungen erkennen oder würdigen zu können.

Es bleiben Bauwerke, Kunst- und Alltagsgegenstände, Werkzeuge und Textilien, aber nichts, was direkt etwas über das Denken dieser Menschen aussagen würde. Alles Wissen über eine solche Inselkultur bleibt für immer Interpretationssache.

Kulturelle Errungenschaften

Ebenso verhält es sich mit allen anderen kulturellen Errungenschaften. Ob Kunst, Architektur, Sitten und Bräuche, handwerkliche Techniken oder Glaubensvorstellungen, alles entwickelt sich auf einer Insel in eigenständiger Weise. Je nachdem, ob es Kontakt zu anderen Kulturen gibt oder ob sich die Inselkultur über einen langen Zeitraum isoliert entwickeln kann, unterscheiden sie sich stark oder sehr stark von allen anderen Kulturen um sie herum.

Inselkulturen sind so etwas wie Nischenkulturen mit sehr spezifischem Wissen, ohne das eine Besiedlung der polynesischen Inseln beispielsweise nicht möglich gewesen wäre.

Mündliche Überlieferung ermöglichte die Bewahrung überlebensnotwendigen Wissens über Generationen hinweg. Inseln konnten über Entfernungen von Tausenden von Kilometern wiedergefunden werden. Dazu brauchte es Navigationswissen, denn navigiert wurde durch die Wahrnehmung und Interpretation vorgefundener Hinweise wie die Sterne, Wolkenbildungen und -bewegungen, Vogel- und Fischschwärme, Strömungen oder Treibholz.

Die Menschen müssen sowohl auf dem Meer als auch vor Ort mit dem zurechtkommen, was sie vorfinden. Gibt es Tiere, die gejagt werden können, werden sie sich zu Jägern entwickeln, andernfalls werden sie vielleicht das Meer als Nahrungsquelle für sich entdecken und Fischer werden. Da auf einer Insel alle Ressourcen limitiert sind, müssen die Inselbewohner entsprechend vorsichtig mit ihnen haushalten. Raubbau an der Natur ist für eine Inselkultur lebensbedrohlich.

Inselkulturen in heutiger Zeit

Inselkulturen sind fragil. Sie sind in hohem Maße abhängig von Lebensbedingungen, die sie nicht beeinflussen können. Dazu zählen vor allem die Umwelt und das Klima. Auch wenn Inselkulturen Jahrhunderte lang abgeschieden existierten, sind sie heutzutage dennoch den Festlandkulturen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die Erderwärmung als Folge der weltweiten Industrialisierung hat eine Erhöhung des Meeresspiegels zur Folge. Verweigern die Festlandkulturen weiterhin ein radikales Umdenken, sind die Inselkulturen der Vernichtung preisgegeben.

Wandel durch Handel

Die Redewendung „Wandel durch Handel“ war in historischer Zeit eindeutig wahr. Je intensiver die Kontakte zu Festland- oder anderen Inselkulturen waren, desto geringer wurden die kulturellen Unterschiede. Moden wurden übernommen, handwerkliche Techniken oder auch Glaubensvorstellungen. In heutiger Zeit kann diese Formel deswegen kaum noch aufgehen, denn es gibt praktische keine Kultur mehr, die sich nicht schon längst gewandelt und an die sie umgebenden Kulturen angepasst hätte.

Es gibt keine „unkontaktierten“ Inselkulturen mehr. Zwar gibt es immer noch große Unterschiede zwischen einzelnen Kulturen, aber keine mehr, die sich noch wesentlich durch den Handel verändern ließen. Diese Veränderungen wurden schon vor langer Zeit, vielleicht vor Generationen vollzogen. Die kulturellen Erscheinungsformen heutiger Kulturen sind trotz ihrer ganzen Unterschiedlichkeit längst an die weltweit um sich greifende Globalisierung und Digitalisierung angepasst.

Unkontaktierte Inselkulturen

Unkontaktierte Inselkulturen lebten entweder freiwillig in Isolation oder aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage wie etwa die Menschen auf der Osterinsel. Sie wurden erst spät mit einer Festlandkultur konfrontiert und waren ihr auch prompt unterlegen.

Der Kontakt zu Festlandkulturen hatte immer fatale Folgen, entweder sofort oder langfristig durch Handel, Missionierung, ansteckende Krankheiten oder Krieg. Es gibt wenige Beispiele für Inselkulturen, die Festlandkulturen beeinflussten und dominierten, am bekanntesten ist die minoische Kultur von Kreta, deren Einflüsse im alten Ägypten, Griechenland und auch in der Levante zu finden sind.

Die Maori in Neuseeland

Neuseeland wurde als eine der letzten Weltgegenden im 13. Jahrhundert von Menschen besiedelt. Die Vorfahren der Maori stammten aus Polynesien. Bis zur Ankunft der ersten Europäer entwickelten sie dreihundert Jahre lang eine eigenständige Kultur, danach erfolgte eine vielmals erzwungene Unterwerfung. Die Könige der Maori trugen beispielsweise traditionell Mäntel aus Vogelfellen, später trugen sie aber – zumindest vereinzelt – schwarze Anzüge, Stiefel und Zylinder, um sich den Gepflogenheiten der Europäer anzupassen.

Ihre ursprüngliche Sprache wird Te Reo Maori genannt und ist seit 1987 Amtssprache in Neuseeland. Im Jahr 2006 waren nur noch 23,3 Prozent der neuseeländischen Bevölkerung in der Lage, sich in der maorischen Sprache zu verständigen.

Eine Schrift entwickelte sich in der kurzen Zeit der Eigenständigkeit nicht. Maorisch gilt schon länger als bedrohte Sprache, die spätestens Ende des 19. Jahrhunderts fast vollständig vom Englischen verdrängt wurde. Europäische Missionare sorgten gewaltsam für ein Verbot der einheimischen Sprache.

Darf eine Sprache nicht gesprochen werden, stirbt sie und damit zugleich auch die Identität der betroffenen Menschen. Mit einer Sprache – zumal in einer schriftlosen Kultur – stirbt Wissen, sterben Glaubens- und Wertvorstellungen, traditionelle Lebensweisen und handwerkliche Traditionen.

Jahrhunderte altes Wissen wird vergessen, weil es weder schriftlich noch in der einheimischen Sprache, die als einzige die komplexen Wissenssysteme einer schriftlosen Kultur auszudrücken vermag, weitergegeben kann.


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