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6 Vor- und Nachteile der Organspende


Organspende vorteile nachteile

Bei einer Organspende erhält der Empfänger ein Organ von einem für hirntot erklärten Spender. Der Eingriff selbst bringt Vor- und Nachteile mit sich. Zusätzlich spielen moralische Aspekte und entstehende Kosten eine Rolle.

Was ist eine Organspende?

Die postmortale Organspende bezeichnet die Transplantation von Organen von einem Körper in einen anderen. „Postmortal“ bedeutet, dass diese Spenden, anders als Lebendspenden, nur nach dem ärztlich festgestellten Hirntod möglich sind. Hierbei geht es daher auch um lebenswichtige Organe oder Organteile, etwa das Herz oder die Herzklappen.

2021 wurden in Deutschland Organe von 933 Spendern transplantiert. Im selben Jahr starben 826 Menschen, die auf der Warteliste für ein neues Organ waren. Gleichzeitig wurden weitere 4.600 Menschen auf diese Warteliste aufgenommen. Die Nachfrage an Spenderorganen ist demnach sehr hoch.

Dass dennoch so wenig Organe transplantiert werden, liegt nicht an fehlender Bereitschaft. Laut einer Umfrage des BZgA aus dem Jahr 2019 sind 84 % der Deutschen bereit, ihre Organe nach dem Tod zu spenden. Viel mehr sind es die nötigen Todesumstände sowie die genetische Kompatibilität, die viele Spenden verhindert.

Vorteile der Organspende

In Deutschland ist es eine individuelle und jederzeit widerrufbare Entscheidung, seine Organe nach dem Tod zu spenden. Neben persönlichen Vorteilen, etwa das Gefühl, damit etwas Gutes zu tun, gibt es auch messbare Vorteile der Organspende. Insgesamt sind dabei sechs zu nennen.

Keine Auswirkungen auf die medizinische Versorgung

Eingetragene Organspender werden im Krankenhaus genauso behandelt, wie Menschen, die einer Organentnahme widersprochen haben. Spender müssen daher keine Angst haben, dass ihr Tod in Kauf genommen wird, um an ihre Organe zu kommen. Für Ärzte steht weiterhin an erster Stelle, das Leben des Patienten zu retten, der vor ihnen liegt. Ob der Patient sich als Organspender eignet, spielt erst eine Rolle, wenn der Hirntod eingetreten ist.

Zusätzlich wird der Hirntod absolut sicher durch zwei unabhängige Ärzte festgestellt. Erst wenn kein Zweifel an der Diagnose besteht, wird der Verstorbene für die Spende freigegeben.

Von einem Hirntod erholt sich der Mensch nicht. Über künstliche Beatmung ist es möglich, einige Körperfunktionen für eine gewisse Zeit am Laufen zu halten. Dadurch können sich Angehörige verabschieden und die Empfänger auf die Transplantation vorbereitet werden. Eine Genesung aus diesem Zustand ist ausgeschlossen. Spender müssen daher nicht befürchten, fälschlich für Tod erklärt zu werden.

Keine altersbedingten Einschränkungen

Ob eine postmortale Organspende möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Das bloße Alter des Spenders ist dabei uninteressant. Organe können aus einem 20 Jahre alten Körper ebenso transplantiert werden, wie die eines Spenders über 80. Die Lebensdauer der Spenderorgane hängt, nach derzeitigem Kenntnisstand, nicht vom Alter des Spenders ab.

Möglichkeit, mehreren Menschen das Leben zu retten

In Deutschland werden seit Jahren hauptsächlich Spendernieren benötigt. Daneben ist es möglich, Herz, Bauchspeicheldrüse, Lunge, Leber und Darm zu spenden. Zusätzlich kommen Gewebespenden infrage. Dafür eignen sich Horn- sowie Lederhaut der Augen, Haut, Blutgefäße, Herzklappen, Knochen und Knorpel. Organgewebe kann außerdem entnommen und zwischengelagert werden, um es zu einem späteren Zeitpunkt einem geeigneten Spender zu übertragen.

Das bedeutet, dass ein Spender das Leben mehrerer Menschen retten und vieler weiterer entscheidend positiv verändern kann. So ist beispielsweise auch die Transplantation ganzer Körperteilen wie Händen möglich. Eine Hornhautspende kann einem Blinden zu Augenlicht verhelfen.

Keine Nachteile für die anschließende Beerdigung

Gegner der Organspende bezeichnen diese häufig als „Ausschlachten“ eines Menschen. Das ist so allerdings nicht richtig. Die Ärzte gehen mit dem Körper des Verstorbenen pietätvoll und vorsichtig um. Die Entnahme unterscheidet sich im Ablauf kaum von einer gewöhnlichen OP. Nach der Entnahme wird der Körper ordentlich verschlossen und gereinigt, sodass man ihm, bis auf Nähte, nichts ansieht.

Das bedeutet, dass Angehörige sich auch nach der Entnahme ohne Angst verabschieden können. Selbst ein offener Sarg auf der Beerdigung stellt kein Problem dar. Für die Beerdigung selbst ändert sich durch die Organspende ebenfalls nichts.

Schwächen des illegalen Organhandels

Die Nachfrage an Spenderorganen ist auf der ganzen Welt größer als ihr Angebot. Das hat einen großen Schwarzmarkt zur Folge. Neben Bestechungen, um auf der Warteliste vorzurücken, bedeutet das auch, dass völlig gesunde, unschuldige Menschen, entführt und getötet werden. Anschließend werden ihre Organe über den Schwarzmarkt verkauft. Jährlich wechseln darüber geschätzt eine Milliarde Euro den Besitzer. Lungenflügel sind dabei, Expertenschätzungen nach, am teuersten.

Je mehr Menschen sich für eine postmortale Organspende entscheiden, desto unattraktiver wird der illegale Organhandel.

Trost für die Hinterbliebenen

Der Tod eines geliebten Menschen ist immer mit starker Trauer verbunden. Der Gedanke, dass sein Tod nicht völlig umsonst war, kann den Hinterbliebenen bei der Verarbeitung helfen. Es kann tröstend sein, dass beispielsweise das Herz des Verstorbenen in einem anderen Körper weiterschlägt. Nicht nur lebt Etwas von dem Verstorbenen weiter, er wird für den Empfänger auch zu einem Helden.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation bringt Angehörige des Spenders und Empfänger näher zueinander, sofern beide Parteien das wünschen. So können Angehörige nach der Transplantation erfahren, ob diese erfolgreich war. Später können sie erfragen, wie es dem Empfänger geht. In einigen Ländern sind auch Treffen zwischen Angehörigen und Empfänger möglich.

Nachteile der Organspende

Die Organspende hat hauptsächlich moralische Nachteile, die jeder für sich abwägen sollte, wenn er sich dafür oder dagegen entscheidet. Zusätzlich spielen auch die dabei entstehenden Kosten und die Erfolgswahrscheinlichkeit eine Rolle.
Berücksichtigt man alle Punkte, kommt man auf sechs Nachteile durch Organspenden.

Unterschiedliche Auffassungen vom Todeszeitpunkt

Einem Laien ist es nicht möglich, einen hirntoten Menschen als tot zu erkennen. Durch die lebenserhaltenden Maßnahmen erscheint dieser schlafend oder komatös, aber nicht tot. Zusätzlich schlägt zu diesem Zeitpunkt weiterhin sein Herz. Das steht für viele Menschen im Widerspruch mit ihrer Auffassung von „Tod“.

Würde man jedoch die Maschinen abstellen und warten, bis auch das Herz nicht mehr schlägt, würden die Organe absterben. Anschließend eignen sie sich nicht mehr für eine Transplantation.

Künstliches Hinauszögern des Ablebens

Wird der Hirntod durch zwei unabhängige Ärzte festgestellt und der Patient zur Organentnahme freigegeben, gilt dieser medizinisch als tot. Dennoch wird er weiter beatmet, damit sein Herz-Kreislauf-System nicht zum Erliegen kommt. Sein tatsächlicher Todeszeitpunkt ist also ein anderer. Erst nach der Organentnahme ist der Patient tatsächlich tot.

Da zwischen den Untersuchungen der beiden Ärzte mindestens 24 Stunden liegen müssen, wird sein Todeszeitpunkt mindestens um diese Zeit verzögert. Meist wird die Zeitspanne deutlich größer ausfallen, da die Empfänger der Spenderorgane für die Transplantation vorbereitet werden müssen.

In dieser Zeit liegt ein Toter auf der Intensivstation. Im schlimmsten Fall muss das Krankenhaus andere Patienten ablehnen, da dadurch kein Platz mehr frei ist.

Organentnahme und Patientenverfügung können sich widersprechen

Eine Patientenverfügung und ein Organspenderausweis sind nicht dasselbe. Sie können sich sogar widersprechen, wenn der Patient den künstlichen Erhalt seiner Körperfunktionen untersagt, aber als Organspender registriert ist. In dem Fall müsste er entgegen seinem ausdrücklichen Wunsch über den Hirntod hinaus beatmet werden. Alternativ könnte der Organspende nicht entsprochen werden, da diese nur bei Erhalt der Herz-Kreislauf-Funktionen möglich ist.

Organentnahme erschwert Abschiednehmen der Hinterbliebenen

Das Hinauszögern des Todes, obwohl dieser unvermeidlich ist, kann den Schmerz der Angehörigen verstärken. Diese wissen um den Zustand ihres geliebten Menschen und müssen die Organentnahme abwarten, um sich endgültig verabschieden zu können.

Hinzu kommt, dass das Pflegepersonal häufig stark überlastet ist. Für lange, erklärende Gespräche gibt es selten Zeit. Dabei würde das Wissen darum, welche Schritte der Verstorbene vor der Bestattung noch durchläuft, das Warten erleichtern. Diese Gespräche können Ärzte aber kaum führen. Daher bleiben die Angehörigen im Dunkeln. Sie warten womöglich mehrere Tage, bis der für hirntot Erklärte von den lebenserhaltenden Maschinen genommen wird.

Gespendete Organe haben eine geringere Lebensdauer

Das Alter des Spenders hat zwar keine Auswirkungen auf die Lebensdauer seiner Organe im Körper des Empfängers. Allerdings fällt diese allgemein deutlich geringer aus als die Lebenserwartung des Empfängers. Ein Empfänger einer Organspende benötigt daher häufig später in seinem Leben eine erneute Spende.

Durchschnittlich versagen Spenderorgane nach etwa 15 Jahren. Es ist aber auch möglich, dass sie viel früher abgestoßen werden oder gar nicht erst erfolgreich transplantiert werden können. Das Spenderorgan geht dabei verloren und der Empfänger schwebt möglicherweise in Lebensgefahr. Dieser war vorher durch seine Krankheit bereits geschwächt. Die erfolglose Operation verschlechtert seinen Zustand weiterhin.

Hinzu kommen die Umstände, unter denen ein Spenderorgan im Empfängerkörper am Leben gehalten wird. Der Empfängerkörper erkennt das Fremdgewebe als solches an und möchte es abstoßen. Nur durch starke Immunsuppressiva, also Medikamente, die das Immunsystem schwächen, wird das verhindert. Das bedeutet, dass Menschen, die eine Organspende erhalten haben, viel anfälliger für Infektionskrankheiten sind. Erkranken sie, haben sie häufiger mit schweren Verläufen zu kämpfen.

Das, die Ursache der Organspende sowie weitere Risiken führen dazu, dass fünf Jahre nach der Transplantation nur noch etwa 80 % der Empfänger leben. Nicht nur das Spenderorgan hat demnach eine geringe Lebensdauer. Auch die Organspende an sich verlängert nicht unbedingt das Leben des Empfängers.

Kosten

Eine Organtransplantation ist mit enorm hohen Kosten verbunden. Diese Kosten belasten das Gesundheitssystem, wodurch Geld an anderen Stellen fehlt. So kostet eine Nierentransplantation in Deutschland bis zu 65.000 €. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse des Empfängers. Auch die lebenserhaltenden Maßnahmen, welche zuvor an dem Spender vorgenommen werden, sind hoch. Viele Tausend Euro fallen dafür jeden Tag an, die der Spender auf der Intensivstation verbringt.

Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, ob es sinnvoll ist, diese Summen für eine Organspende auszugeben. Immerhin müsste man diese durchschnittlich alle 15 Jahre wiederholen. Zusätzlich ist das Risiko, dass der Empfänger trotzdem frühzeitig verstirbt, stark erhöht. Wäre es da nicht besser, das Geld in die Prävention zu stecken?

Die Niere ist das meist benötigte Organ auf der Welt. Sie wird vor allem durch Diabetes mellitus und Bluthochdruck geschädigt. Beides sind Krankheiten (geht man von Typ-2-Diabetes aus), die auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen sind. Sie hängen unter anderem mit ungesunder Ernährung, Übergewicht und wenig Bewegung zusammen.

Indem man mehr Mittel für die Prävention dieser Krankheiten steckt, könnte man langfristig die Menge an benötigten Spendernieren senken. Das würde nicht nur Kosten sparen, sondern auch vielen Menschen das Leben retten, die momentan ohne Spenderniere versterben.

Zusammenfassung

  • Die postmortale Organspende ist die Transplantation eines Organs von einem Spenderkörper in einen Empfängerkörper nach dem Hirntod des Ersteren.
  • Die Nachfrage an Spenderorganen ist viel höher als das Angebot.
  • Die Organspende hat sechs Vorteile.
  • Die Organentnahme erfolgt nur bei gesichert festgestelltem Hirntod, von dem sich ein Mensch nicht mehr erholt, was bedeutet, dass Spender und Nicht-Spender von Ärzten gleich behandelt werden.
  • Das Alter der Spenderorgane hat keine Auswirkungen auf die Erfolgschance der Transplantation, weswegen jeder Mensch spenden kann.
  • Indem sich ein Mensch als Organspender registriert, kann er mehreren Menschen durch innere Organe das Leben retten und durch Gewebespenden das Leben weiterer entscheidend verändern.
  • Trotz einer Organentnahme bleibt der Körper äußerlich, bis auf Nähe, unverändert, sodass auf der Beerdigung nichts gegen einen offenen Sarg spricht.
  • Aufgrund der hohen Nachfrage existiert ein großer Schwarzmarkt für illegal beschaffte Organe, welcher mit mehr registrierten Spendern bekämpft werden kann.
  • Der Gedanke, dass ein Teil eines geliebten Menschen im Körper eines anderen weiterlebt, kann für Angehörige Tröstend sein.
  • Die Organspende hat sechs Nachteile.
  • Der Organspender wird über seinen Hirntod hinaus beatmet, um seine inneren Organe transplantierfähig zu halten, was die Grenzen von Leben und Tod verschiebt.
  • Der Spenderkörper blockiert mehrere Tage einen Platz auf der Intensivstation, während Ärzte den Hirntod feststellen und die Empfänger für die Transplantation vorbereitet werden.
  • Eine Patientenverfügung und Organspender sein kann sich widersprechen, da man für eine Organspende künstlich am Leben gehalten werden muss.
  • Es erschwert den Trauerprozess der Angehörigen, dass zwischen der Feststellung des Hirntods und der Entnahme der Organe mehrere Tage liegen können.
  • Ein Spenderorgan hält selten ein ganzes Menschenleben, macht die Einnahme starker Immunsuppressiva nötig und verlängert nicht immer das Leben des Empfängers.
  • Das Geld, das eine Organspende kostet, könnte man auch in die Prävention der Krankheiten stecken, die die Spende erst nötig machen, um langfristig die Anzahl der nötigen Organspenden zu senken.

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