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Der Grund, Warum Salz in der Wunde weh tut und trotzdem heilt


„Streu nicht auch noch Salz in die Wunde“ ist ein Sprichwort, welches soviel heißt wie „Mach es nicht schlimmer, als es schon ist“.

Dass Salz in offenen Wunden brennt, wurde im Mittelalter sogar für die Folter ausgenutzt. Aber warum schmerzt Salz überhaupt, wenn es in Verletzungen kommt? Die Antwort heißt: Osmose und deren Zusammenspiel bei der Signalübertragung von Nervenzellen.

Was Osmose ist, wie Salz auf den Körper wirkt und warum es in Wunden zu Schmerzen führt, erfährst du im Folgenden.

Was ist eigentlich Osmose?

Die Natur strebt immer ein Gleichgewicht an. Wenn du Salz in Wasserglas füllst, wird es sich auflösen und alle Wasserteilchen enthalten dann die gleiche Salzmenge. Das ist Gleichgewicht.

Osmose bezeichnet in den Naturwissenschaften einen Druckausgleich, also ebenfalls Gleichgewicht. Durch diesen können Zellen bestimmte Stoffe durch ihre Membran transportieren, während die Membran für andere undurchlässig bleibt. Diese Eigenschaft nennt man „semipermeabel“ bzw. halbdurchlässig.

Ein ganz einfaches Beispiel ist der Badeschwamm.
Dieser ist trocken und sobald du diesen ins Badewasser legst, füllt er sich automatisch mit Wasser. Der Grund dafür ist, dass der Schwamm nur mit Luft gefüllt ist. Und dadurch, dass Luft einen geringeren Druck als das Wasser hat – füllt sich der Schwamm automatisch mit Wasser. Das Schwammäußere ist, wie eine Zellmembran, halbdurchlässig und dadurch kann das Wasser eindringen und der Druckausgleich geschieht. Dies geschieht aber nur solange, bis innen und außen der selbe Druck herrscht.

In der Natur kannst du Osmose bei Kirschen beobachten.
Reife Kirschen platzen bei oder nach einem Regenschauer häufig auf, da ihre Zellen das Regenwasser aufnehmen, bis die äußere Haut der Frucht dem dadurch höher werdenden Druck nicht mehr standhalten kann.

Osmose ist also kein bewusster Vorgang, den die Zellen steuern können.
Er findet automatisch statt, wenn die Umweltbedingungen stimmen. Der Grund dafür ist in diesem Fall die Zusammensetzung des Regenwassers und der Frucht. Regenwasser enthält nur wenige gelöste Teilchen, während die Kirsche viel gelösten Zucker und andere Stoffe trägt. Dieses Ungleichgewicht wird durch Osmose ausgeglichen.

Da die Membran der Kirsche den Zucker nicht herauslässt, wird der Druck ausgeglichen, indem Wasser eingelassen wird. Theoretisch würde dies passieren, bis so viel Wasser in die Kirsche eingedrungen ist, dass das Verhältnis gelöster Stoffe in ihr und in dem sich auf ihr befindenden Regenwasser gleich ist.

Ein anderes Beispiel für Osmose ist die beim Baden schrumpelig werdende Haut, vor allem an Füßen und Händen. In den Körperzellen befindet sich mehr Salz, als im Badewasser. Da die Zellmembranen Salz nicht durchlassen, Wasser allerdings schon, dringt Badewasser durch die Haut in den Körper ein, um ein Gleichgewicht herzustellen. Hände und Füße sind wegen ihrer Hornhaut besonders betroffen.

Aus diesem Grund schrumpelt deine Haut auch nicht so sehr, wenn du im Meer baden gehst. Der Salzgehalt des Meerwassers und der deiner Haut ist zwar nicht gleich, aber der Unterschied ist nicht groß genug, um für stark sichtbare Osmose zu sorgen.

Welche Bedeutung hat Osmose für den menschlichen Körper?

Körperzellen besitzen Salz in einer ganz bestimmten Konzentration.
Dies ist wichtig für die Nervenübertragung, wie du gleich feststellen wirst.

Osmose sorgt dafür, dass Körperzellen mit wichtigen Stoffen versorgt werden.
Zwar sind die meisten Zellen nur für Wasser durchlässig, allerdings produziert der Körper bestimmte Bausteine, Transportproteine, die sich an Salze, Minerale, Fette und Vitamine heften.

Damit ermöglichen sie diesen Stoffen, die Zellmembranen zu überwinden.
Ohne Osmose würden somit die Zellen nicht versorgt werden. Außerdem verhindert sie eine Vergiftung durch zu viel Salz und sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser aus dem Körper transportiert wird.

Nervenzellen und Kochsalz

Kochsalz ist notwendig für die Erregungsleitung der Nervenzellen. Als Erregungsleitung bezeichnet man in der Medizin, wenn eine Nervenzelle einen Reiz weiterleitet. Im Prinzip ist mit diesen Reizen alles gemeint, worauf du reagieren musst, beispielsweise im Straßenverkehr oder beim Sport.

Jeder Reiz, wie ein Schmerz oder auch ein Sehreiz wird durch elektrische Signale in den Zellen weitergeleitet. Dafür ist eine Kochsalzlösung, also ein Gemisch aus Wasser und Salz, wichtig. Letztendlich kommen diese Reize im Gehirn an und werden dort übersetzt. Und dein Gehirn schickt Maßnahmen zurück an die verantwortliche Körperstelle.

Diese Weiterleitung geschieht über eine kurzweilige Öffnung der Natriumkanäle der Nervenzellen.
Dadurch strömt sich außerhalb der Zelle befindendes Natrium ein und ändert damit die elektrische Ladung der Zelle und ihrer Umgebung. So werden elektrische Impulse freigesetzt, die diesen Reiz weiterleiten. Das alles geschieht innerhalb von ein bis zwei Millisekunden. Diese Phänomen nennen Mediziner die Kalium-Natrium-Pumpe.

Bedenke bitte…
Salz ist Natriumchlorid. Somit besteht jedes Salz aus einer ganz bestimmten Menge Natrium.

Befindet sich kein oder kaum Natrium außerhalb der Zelle, findet kein Ladungswechsel statt. Somit kann es in diesem Fall auch nicht zu einem elektrischen Impuls kommen. Ohne ausreichend Kochsalz (für einen erwachsenen Menschen sind das zwei bis fünf Gramm am Tag) funktioniert demnach die Reizweiterleitung nicht.

Salz in Wunden – warum brennt es?

Wenn etwas weh tut, signalisiert das Gehirn dem Körper – Vorsicht. Ein Schmerz ist somit ein Warnsignal, welches vom Gehirn ausgesendet wird, um eine bestimmte Körperstelle zu schützen. Diese Signalübertragung findet über Nervenzellen statt. In den Nervenzellen existieren Kalium-Natrium-Pumpen, welche Natrium aus den Zellen herausbefördern und gleichzeitig Kalium einschleusen. Dadurch wird eine Oberflächenspannung erzeugt, welche für die Reizübertragung wichtig ist. Dieser Prozess geschieht durch Osmose.

Kommt Salz in eine offene Wunde entsteht eine zusätzliche Spannung, welche dem Gehirn einen Impuls schickt. Dort wird dieser Impuls übersetzt und als Schmerz interpretiert. Durch Salz in den Wunden wird den Zellen außerdem Flüssigkeit entzogen, wodurch diese unter Umständen absterben oder austrocknen können. Beides führt zu den brennenden Schmerzen. Da die in der Nähe liegenden Nervenzellen damit auch ausreichend Natrium zur Verfügung haben, können sie den Schmerzreiz ungehindert weitergeben.

Also nochmal Klartext:

  • Durch das Salz wird der Verletzung bzw. der Zelle Wasser entzogen. Dies geschieht aufgrund der Osmose.
  • Das Salz entwickelt im Zusammenspiel mit Wasser eine andere Oberflächenspannung und Reizübertragung.
  • Durch das Natrium, welches im Salz (Natriumchlorid) ist, findet eine optimale Signalübertragung statt. Das heißt Nervenzellen geben Schmerz schnell und ungehindert weiter.

Wunden mit Salz versorgen

Forscher haben herausgefunden, dass Fresszellen des körpereigenen Immunsystems in einer salzigen Umgebung besser auf Krankheitserreger reagieren können.

In Versuchen mit Mäusen, bei denen eine Gruppe deutlich mehr Salz zu fressen bekam als eine andere, zeigte die erste Gruppe bessere Entzündungswerte. Ihr Immunsystem kam also mit einer Infektion besser klar, als die Vergleichsgruppe, die wenig Salz bekommen hatte.

Für das tägliche Leben eignet sich diese Erkenntnis jedoch nicht.
Zu viel Salz ist ungesund, verursacht Bluthochdruck und lässt die Gefäße schneller altern. Sein Nutzen für die Immunabwehr wiegt diese Nachteile nicht auf.

Eine Wunde mit einer Salzlösung zu reinigen, kann jedoch bei der Heilung helfen.
Dabei solltest du jedoch auf die Salzkonzentration achten und unbedingt sterile Lösungen verwenden. 0,9 % Kochsalz, was als physiologische Kochsalzlösung bezeichnet wird, eignet sich dafür. Eine zu hohe Konzentration kann sogar gefährlich sein. In ausreichender Menge kann Salz selbst gesunde Haut angreifen und damit die Wunde noch vergrößern. Mit offenen Wunden im Meer baden, hat auch keinen positiven Effekt auf die Heilung. Die Mikroorganismen, die sich im Meerwasser befinden, können durch die Wunde ungehindert in den Körper eindringen und zu Entzündungen führen.

Salz als Foltermethode im Mittelalter

Salz auf Wunden ist eine Foltermethode, welche im Mittelalter durch Gerichte stattfand. Oft wollte man von Verdächtigen ein Geständnis herauskitzeln. Diese Geständnisse konnten wahre Verbrecher entlarven, aber auch Unschuldige belasten. So gestanden Kräuterfrauen, dass sie Hexenwerk betrieben und vom Teufel geleitet werden, nur um die Folter zu beenden und dann einen schnellen Tod zu finden.

Die Redewendung „ein Geständnis herauskitzeln“ stammt aus dieser Zeit. Denn auch Kitzeln war eine oft verwendete Foltermethode. Dazu wurde den Verdächtigen Salz auf die Füße oder andere erogene Zone gestreut. Eine Ziege leckte das Salz ab und das langanhaltendes Auskitzeln verursachte starke Schmerzen in den Lungen und Bauch.

Im Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus“ von Grimmelshausen werden die Gräueltaten des Dreißigjährigen Krieges beschrieben. Der Autor erzählt wie Soldaten einen Bauernhof überfallen, den Besitzer durch Kitzeln mit Ziege und Salz solange foltern, bis dieser das Versteck seiner Wertsachen preisgibt.

Da Ziegen relativ raue Zungen haben, war es durchaus möglich, dass die Fußsohlen irgendwann wund waren. Dieser Umstand erhöhte dann die Qualen des Gefolterten.

Kitzeln als Foltermethode wurde bis in die Kolonialzeit betrieben. Ein Verurteilter wurde dann öffentlich zur Schau gestellt, dessen Füße fixiert und vorbeigehenden Passanten durften den Mann bzw. die Frau kitzeln.

Die IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) hat eine Liste der gängigen Foltermethoden der Gegenwart veröffentlicht. Eine andere Salzfolter findet demnach heute noch statt. Und zwar wird, in einigen Unrechtsstaaten dieser Welt, Inhaftierten Salzwasser verabreicht. Diese Form der Zwangsernährung führt dann zu starken Erbrechen und kann, ohne medizinische Behandlung, auch tödlich sein.

Fazit

  • Osmose, der Druckausgleich zwischen Zellen und ihrer Umgebung, ist für Menschen, Tiere und Pflanzen lebensnotwendig.
    Durch sie werden die Zellen mit Nährstoffen versorgt und eine Vergiftung durch zu viel Salz verhindert.
  • Salz ist außerdem unverzichtbar bei der Reizweiterleitung durch Nervenzellen.
  • Es brennt in offenen Wunden, weil es den Körperzellen das gesamte Wasser entzieht und sie absterben lässt. Daher eignet es sich nur bedingt zur Wundbehandlung.
  • Eine physiologische Kochsalzlösung kann eine Wunde desinfizieren, während höhere Konzentrationen von Salz negative Effekte auf die Heilung haben.
  • Gleichzeitig regt Salz die Fresszellen der Immunabwehr an, wodurch diese bei sehr salzige Ernährung besser auf Krankheitserreger reagieren können.
  • Da Salz in großen Mengen jedoch zu Bluthochdruck und anderen Beschwerden führen kann, solltest du nicht darauf zurückgreifen, um dein Immunsystem zu stärken.

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