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Wie ist Arbeitsteilung entstanden: 3 geschichtliche Phasen, Hintergründe und Bedeutung


Arbeitsteilung ist allgegenwertig. Denn alle Arbeiter sind Spezialisten. In der Regel absolvieren wir eine schulische Ausbildung und anschließend eine Berufsausbildung oder ein Studium. Wir treffen eine Entscheidung, für welches Sachgebiet wir uns interessieren.

Und letztendlich finden wir einen Arbeitsplatz innerhalb unseres Sachgebietes und nutzen unsere erlernten Fachkenntnisse. Der berufliche Werdegang jedes Menschen beschreibt die heute normale und einfachste Form der Arbeitsteilung.

1. Entstehungsphase der Arbeitsteilung: Der Mensch wird vom Selbstversorger zum Händler

Im Laufe der menschlichen Evolution war eine Arbeitsteilung zunächst nicht üblich. Der Mensch verstand sich ursprünglich als soziales Wesen, welches für sich selbst und den eigenen Stamm alle notwendigen Aufgaben erledigte. Das Fachwissen war so breit gefächert, dass Tausch und Handel nicht erforderlich waren. Innerhalb einer Familie, einer Sippe oder einer Stammesgemeinschaft waren alle Fähigkeiten vorhanden um sich komplett autark versorgen zu können.

Die Gemeinschaft bildete einen Mikrokosmos, in welchem sich eine natürliche Arbeitsteilung ergab. Aber in jedem ökonomischen System entstehen durch Produktion auch Überschüsse. Diese sind hervorragend zum Tausch geeignet und Tauschgeschäfte sind durchaus lohnend. So entwickelte sich mit fortschreitender Zivilisation eine gesellschaftliche Arbeitsteilung.

Jeder spezialisierte sich auf das, was er oder sie am besten konnte und begann die eigenen sonstigen Bedarfe über Tausch und Handel auf Märkten zu decken. Mit sukzessiver Spezialisierung entstanden im Laufe der Zeit Berufe und Branchen.

2. Phase der Arbeitsteilung: Industrialisierung und Globalisierung – Die Prozesse werden zerlegt, der Wohlstand wächst

Im Zuge der von den britischen Inseln ausgehenden Industrialisierung im 18. Jahrhundert begann eine weitere Spezialisierung. Innerhalb der Branchen und Berufe wurde die schon bestehende Arbeitsteilung nach feingliedriger unterschieden. Resultierend kam es 1776 zur Begründung der klassischen Nationalökonomie durch das Buch „An inquiry into the nature and causes of the wealth of the nations“.

In seinem Hauptwerk erläutert der englische Moralphilosoph und Aufklärer Adam Smith anhand der damals gebräuchlichen Stecknadelproduktion seine Theorien. Er geht davon aus, dass eine detaillierte Zerlegung von Prozessen in Teilprozesse und eine Konzentration auf schnell wiederholbare Tätigkeiten zu einer enormen Steigerung der Fertigkeiten und Fähigkeiten der Arbeiter führen.

Das logische Resultat ist eine steigende Produktivität und Effizienz der Teilprozesse und nachfolgend auch des Gesamtprozesses. Die Idee der Arbeitsteilung nahm nun Einfluss auf die betriebswirtschaftlichen Abläufe. Die Arbeit selbst wird zum volkswirtschaftlichen Produktionsfaktor. Ihre sinnhafte Aufteilung wird zum Verfahren, das Produktionsprozesse durch Spezialisierung optimiert.

Heute ist die Arbeitsteilung eine unscheinbare Selbstverständlichkeit. Wir leben in einer globalisierten Welt. Weder die Menschen noch die Unternehmen und Volkswirtschaften können autark agieren. Wir sind gezwungen Handel und Tausch zu treiben um unsere Bedarfe in jeglicher Hinsicht decken zu können. Alle benötigten Spezialisten finden wir heute nicht mehr in der eigenen Familie oder im eigenen Unternehmen sondern auf einem globalen Markt. Zahlreiche Formen der Arbeitsteilung vernetzen uns weltweit.

3. Phase der Arbeitsteilung: Weltweiter Wohlstand oder globale Ausbeutung

Bereits die Industrialisierung sorgte im 18. Jahrhundert für eine regelrechte Zeitenwende. Nach anhaltender Stagnation erzeugte sie einhergehend mit der vorangetriebenen Arbeitsteilung ein nie zuvor dagewesenes Wirtschaftswachstum. Nicht zuletzt profitierten die Menschen vom neu gewonnen Wohlstand des anhaltenden Aufschwungs.

Heute, in unserer globalisierten Welt und unserer durch Wohlstand geprägten Gesellschaft, muss sich die Arbeitsteilung offener Kritik stellen. Die Vorwürfe sind vielseitig. Primär geht es darum, dass durch die Arbeitsteilung die Ausbeutung von Dritte-Welt- und Entwicklungsländern begünstigt wird.

Reiche Industrienationen nutzen Niedriglohngefüge um günstig zu produzieren, günstig einzukaufen und anschließend mit enormer Marge wieder zu verkaufen. Der Wohlstand maximiert sich durch die Arbeitsteilung nun nicht mehr für alle, sondern nur für den Einzelne. Neben der Ausbeutung wird auch der Beitrag zum Klimawandel als Vorwurf formuliert.

Arbeitsteilung und Prozessoptimierungen erfordern weltweite Kooperationen und einhergehende Transporte. Hinzu kommen die weltweit sehr unterschiedlichen Umweltschutzbestrebungen der verschiedenen Volkswirtschaften, die den Klimawandel ebenfalls vorantreiben. Die großen Herausforderungen an die Arbeitsteilung sind somit früher, heute und auch in Zukunft neben Produktivitätssteigerungen auch die Vermeidung von Ausbeutung, Klimaschutz und globale Wohlstandsentwicklung.


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