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Wieso wir Weisheitszähne haben, wie lange sie wachsen und wie man sie behandelt


Die meisten Menschen haben sie. Viele wollen sie möglichst früh loswerden und manchen machen sie überhaupt nichts aus: Die Weisheitszähne.

Dieser besondere Extra-Satz Zähne scheint wenig Sinn zu machen.
Im schlimmsten Fall bereitet er sogar große Probleme. Aber warum gibt es sie überhaupt? Hat sie jeder und was macht man mit ihnen? Hier lernst du alles Wissenswerte über Weisheitszähne.

Warum haben wir Weisheitszähne?

Anders als beim Hai wachsen uns Menschen keine Ersatzzähne.
Die Weisheitszähne sind also keine „Reserve“, die darauf wartet, gebraucht zu werden. Die Existenz der Extrazähne ist mit der Evolution zu erklären. Unsere sehr weit zurück liegenden Vorfahren hatten wesentlich mehr Zähne als wir Menschen heute.

Bei uns sind es noch 32, damals waren es noch 44 Stück.
Im Laufe der Evolution haben sich bei unseren direkten Vorfahren, den Affen, die Schnauzen verkleinert. So kommt es, dass auch wir Menschen einen schmaleren Kieferbereich haben. Die 4 Weisheitszähne sind jedoch noch übrig aus Zeiten, in denen noch mehr Platz in „der Schnauze“ vorhanden war.

Begriffserklärung und Namensherkunft

Die Weisheitszähne wurden bereits vor über 1000 Jahren von einem persischen Arzt benannt.
Der Name „Weisheitszahn“ kommt daher, dass diese Zähne meist erst im Erwachsenenalter hervor kommen.
Da Menschen früher meist nicht älter als 30 wurden, galten sie zu der Zeit also schon als „weise“ Alte.

Andere Namen für diese Zähne gibt es zum Beispiel in Thailand, dort wird er „kauernder Zahn“ genannt. Interessant ist auch der indonesische Name „den Eltern unbekannt“, oder der arabische Name „Zahn des Geistes“. Jede Region hat also eine eigene Umschreibung für diese besonderen Zähne gefunden. Im Kern sagen sie aber alle aus, dass die Zähne sich erst erstaunlich spät bemerkbar machen.

Wachstum und Anzahl der Weisheitszähne

Die Anlage für Weisheitszähne besteht schon in der frühen Kindheit.
Sie entwickeln sich in den ersten Lebensjahren und liegen verdeckt im Kiefer. Im Normalfall entwickeln sich vier Stück, also jeweils in Oberkiefer und Unterkiefer auf jeder Seite einer. Sehr selten kommt es auch vor, dass ein Mensch nur zwei Stück besitzt.

Je weiter die Zähne nach oben wachsen, desto näher kommen sie den bereits bestehenden Zähnen.
Dann kommt es darauf an, ob und wie sie durchbrechen. Bei manchen Menschen brechen nur zwei durch, bei anderen alle vier.

Meist passiert das im frühen Erwachsenenalter oder kündigt sich schon im Jugendalter durch Schmerzen oder Druckgefühl an. Das passiert sehr häufig, denn unser Kiefer ist eigentlich nicht auf 32 Zähne ausgerichtet. Er bietet gerade genug Platz, um bequem 28 Zähne zu halten. Drückende Weisheitszähne können also zu vielen Problemen führen, wie du später noch lesen wirst.

Was hat die Kopfgröße mit Weisheitszähnen zu tun?

Größe und Form des Kopfes ist bei jedem Menschen anders.
Daher ist auch die Ausprägung des Kiefers ganz individuell. Im Vorteil sind hier Menschen mit einem großen Kopf bzw. breiten Kiefer. Sie haben nämlich meistens genügend Platz im Kiefer, um die zusätzlichen Zähne aufnehmen zu können. Solange diese richtig liegen und problemlos durchbrechen, ist bei ihnen keine OP nötig.

Menschen mit zierlichen und schmalen Köpfen bekommen oft besonders früh Schwierigkeiten mit den Weisheitszähnen. Meist machen sie sich schon durch Druckschmerz bemerkbar, lange bevor sie durchbrechen. Außerdem verursachen sie dadurch auch öfter Fehlstellungen der restlichen Zähne.

Weisheitszähne bei Kindern

Die zusätzlichen Zähne machen sich meistens schon im frühen Jugendalter bemerkbar.
Je nach Lage üben sie Druck auf die Backenzähne aus. Das kann sämtliche Zähne im Kiefer zusammen schieben und zu Fehlstellungen führen.

Um dem vorzubeugen, sollten frühzeitig Röntgenbilder gemacht werden.
Schon bevor Beschwerden auftreten, kann man das Bestehen und die Lage von Weisheitszähnen prüfen. So lässt sich voraus sehen, ob die Weisheitszähne genügend Platz haben werden. Wenn sie gerade durchbrechen können, müssen sie nicht entfernt werden. Liegen sie jedoch krumm, zu nah oder sogar quer, sollten sie nicht länger bleiben dürfen. Je länger sie im Gebiss bleiben, desto mehr verschieben sie die kindlichen Zähne. Die Folge sind dann lange und teure Behandlungen beim Kieferorthopäden. Müssen die Zähne also raus, dann besser früher als später.

Weisheitszähne richtig putzen

Vielleicht hast du das seltene Glück, deine Weisheitszähne behalten zu dürfen.
Das geht, wenn der Kiefer breit genug ist und sie gerade nach oben durchgebrochen sind. Dann besitzt du vier Zähne mehr als die meisten Menschen. Du musst aber auch vier Zähne mehr pflegen und erhalten. Gerade bei den sehr weit hinten liegenden Weisheitszähnen kann das schwierig werden.

Du solltest daher eine Zahnbürste mit möglichst kleinem Kopf benutzten. Kinderzahnbürsten eignen sich dafür sehr gut. Der kleine Bürstenkopf gelangt in der Zahnreihe bis ganz nach hinten. Wenn du dir unsicher bist, ob du die Weisheitszähne erreichst, prüfe nach dem Putzen mit der Zunge nach, ob sie sich glatt anfühlen. Zusätzlich solltest du Mundspülung benutzen und damit besonders gründlich die Backentaschen spülen.

Schmerzen durch Weisheitszähne

Problematisch liegende Weisheitszähne äußern sich meistens durch Schmerzen.
Das sind vor allem Druckschmerzen im Kiefer, die bis in den Knochen ziehen können.

Auch das Zahnfleisch kann im hinteren Bereich der Kiefer dauerhaft geschwollen und empfindlich sein.
Wenn die Weisheitszähne zu nah an den Backenzähnen sitzen, können sie außerdem auf deren Wurzeln drücken. Das fühlt sich dann an, als wären die Backenzähne entzündet.

Wenn die Weisheitszähne langsam hervor kommen, entstehen dadurch oft Lücken oder Taschen im Zahnfleisch. Durch diese kann an den Zähnen Karies entstehen, bevor sie überhaupt komplett hervor gebrochen sind. Im schlimmsten Falle bilden sich in solchen Zahnfleischlücken um kleine Entzündungen herum Zysten.
Bei all diesen Schmerzen sollte so schnell wie möglich ein Zahnarzt aufgesucht werden. Wahrscheinlich müssen die Weisheitszähne dann entfernt werden, um die Schmerzen zu beheben.

Weisheitszahnschmerzen bekämpfen

Du hast Schmerzen an den Weisheitszähnen aber es dauert noch bis zum Arzttermin?
Um so lange nicht leiden zu müssen, helfen Maßnahmen gegen den Schmerz.

Spezielles Zahngel mit dem Wirkstoff Benzocain betäubt die schmerzenden Stellen.
Es kann auf das umliegende Zahnfleisch aufgetragen werden und wirkt dann einige Stunden. Falls keine Apotheke offen hat und die Schmerzen akut sind, hilft auch ein Hausmittel. Nelken haben ebenfalls betäubende und gleichzeitig desinfizierende Wirkung. Sie wurden früher schon als Mittel gegen Zahnschmerzen eingesetzt. Dazu einfach eine Nelke in den Mund legen, leicht darauf beißen und mit der Zunge an die schmerzende Stelle schieben. Die Nelke kann den ganzen Tag dort bleiben. Falls du ätherisches Nelkenöl im Haus hast, kannst du auch einfach einen Tropfen davon auftragen.

Natürlich hilft zwischenzeitlich auch die Einnahme von Schmerztabletten. Pass aber auf, dass du dich nicht daran gewöhnst und die Abklärung der Schmerzen hinaus zögerst.

Weisheitszähne ziehen lassen

Der Entschluss, dass die Zähne entfernt werden müssen, ist kein Grund zur Sorge.
Weisheitszähne ziehen ist ein Routinevorgang und läuft größtenteils schmerz- und problemlos ab. Bezahlt wird die Operation von der Krankenkasse und durchgeführt von einem Zahnarzt oder Kieferchirurgen.

Unter örtlicher Betäubung wird das Zahnfleisch aufgeschnitten und der Zahn mit einer Zange heraus gehebelt. In manchen Fällen muss auch etwas Knochen entfernt werden, um den Zahn weit genug frei zu legen. Für den Patienten ist dabei nur ein ziehendes oder drückendes Gefühl zu spüren, aber kein Schmerz.

Anschließend wird die kleine Wunde vernäht.
Meistens werden jeweils zwei Zähne zugleich entfernt und die restlichen zwei bei einer weiteren OP.
In manchen Fällen werden auch alle vier Weisheitszähne zugleich entfernt. Dann aber eher unter Vollnarkose.

Eine Vollnarkose ist auch dann möglich, wenn man ein Panikpatient ist.
Wenn man also zum Beispiel extreme Angst vor Zahnbehandlungen oder Operationen hat. Auch das wird normalerweise von der Krankenkasse übernommen, sofern der Arzt die Wichtigkeit der Vollnarkose bestätigt.

Wie geht es nach der OP weiter?

Egal ob örtliche Betäubung oder Vollnarkose, die Nachbehandlung läuft gleich ab.
Direkt nach der Operation sollte eine Begleitperson dich nach Hause bringen, da dein Kreislauf noch nicht zuverlässig ist. Der Kieferbereich sollte ständig gekühlt werden, am besten mit Gel-Pads, die sich optimal den Wangen anpassen.

Dennoch kann der Bereich für einige Tage anschwellen und auch Blutergüsse zeigen.
Das ist ganz normal und kein Grund zur Sorge. Nach der OP solltest du dich mindestens 3 Tage schonen und viel schlafen. Regelmäßige Schmerzmittel sorgen dafür, dass die ersten Tage erträglich werden. Nimm die nächste Tablette nicht erst dann, wenn der Schmerz schon zu schlimm ist! Achte auf Schmerzmittel, die nicht blutverdünnend wirken, also keine Acetylsalicylsäure enthalten.

Pflege und Nachkontrolle

Beim Essen heißt es erst einmal, sich zurück zu halten.
Den restlichen Tag nach der OP am besten nichts essen oder höchstens am Abend eine dünne Suppe trinken. In den folgenden Tagen sollte es auch nur Suppe, Eintopf oder Smoothies geben.

Alkohol, Koffein oder schwarze Gewürze sind tabu, denn sie stören die Wundheilung.
Außerdem würde sie viel zu sehr in den Wunden schmerzen. In manchen Fällen kann es nötig sein, mehrere Wochen nur vorsichtig zu kauen und keine harten Lebensmittel zu beißen. Das ist dann der Fall, wenn der Kieferknochen an der Stelle der ehemaligen Weisheitszähne erst dicker wachsen muss. Der Arzt wird das dann aber deutlich sagen.

Der Zahnarzt wird einen Termin zur Nachkontrolle ansetzen. Dabei schaut er sich an wie gut alles verheilt ist und zieht evtl. auch schon die Fäden. Und damit ist das Thema Weisheitszähne dann ein für allemal erledigt.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

Das Ziel von ScioDoo ist es, dass du hier Informationen findest, welche du für deinen Alltag, Schule, Studium oder eine betriebliche Weiterbildung brauchst.

Aber nicht nur das...

Gleichzeitig will ich das Wissen recht unterhaltsam servieren, so dass du vielleicht mal wiederkommst.

Ich weiß selbst, dass dieser Ansprung enorm ist.

Aber deshalb arbeite ich auch jeden Tag an mir und an diesem Projekt, so dass du auch jeden Tag neues kostenloses Wissen bekommst.

Nicht schlecht, oder?

Also bis später vielleicht.

LG Mathias Mücke


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