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Warum heißt Aachen auch Aix-la-Chapelle: Ursache und Bedeutung


warum heißt aachen auch aix-la-chapelle

Die deutsche, nordrhein-westfälische Stadt Aachen wird im Französischen Aix-la-Chapelle genannt. „La chapelle“ bedeutet wörtlich übersetzt „die Kapelle“ und bezieht sich auf den Aachener Dom, der zu den beeindruckendsten Bauwerken Europas zählt.

Aachen als Aix-la-Chapelle

Der Aachener Dom ist das wichtigste Bauwerk der Stadt Aachen und das Wahrzeichen des Ortes. Da der Dom im Laufe mehrerer Jahrhunderte erbaut und umgebaut wurde, lässt er sich keinem Architekturstil eindeutig zuordnen, sondern wurde von verschiedenen ästhetischen Einflüssen geprägt. Seine Entstehungszeit reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Die letzten Teilbauten wurden allerdings erst in der späten Neuzeit fertiggestellt. Insgesamt ist der Aachener Dom über 1200 Jahre alt.

8. bis 10. Jahrhundert: Die Zeit der Karolinger

Der heutige Aachener Dom wurde zwischen 793 und 813 von Karl dem Großen erbaut. Der Dom sollte dem Kaiser als Palastkapelle und letzter Ruheort dienen. Aufgrund seiner beeindruckenden Architektur galt der Dom bereits damals als eine herausragende Leistung der Baukunst und wurde sogar als göttliches Werk bezeichnet.

Die Palastkapelle bestand und besteht bis heute aus italienischen und griechischen Marmorsäulen und gilt als erster Kuppelbau in Mitteleuropa seit der Antike. Wegen seines byzantinischen klassischen Stils diente der Aachener Dom im Laufe der Jahrhunderte zahlreichen europäischen Bauwerken als Vorbild. Im Zentrum des Doms steht auch heute noch das sogenannte Oktogon, ein Zentralbau in Form eines Achtecks, das von verschiedenen byzantinischen Kapellen inspiriert ist.

10. bis 11. Jahrhundert: Die Herrschaft der Ottonen

Während der Herrschaft der Ottonen (auch Liudolfinger genannt) wurde die Bedeutung des Doms weiter vergrößert und vor allem die Innenausstattung der Kapelle verändert. Insbesondere Otto III. sorgte dafür, dass die Kapelle bis heute Weltruhm genießt. Aus Bewunderung für Karl den Großen ließ Otto die Wände der Kirche verzieren und verschiedene religiöse Reliquien in den Dom überführen.

11. bis 13. Jahrhundert: Die Herrschaft der Staufer

In die Ägide der Staufer fällt die Ausschmückung des Aachener Doms mit dem sogenannten Barbarossaleuchter. Beim Barbarossaleuchter handelt es sich um einen kunstvollen Radleuchter, den Kaiser Friedrich I, der gemeinhin Barbarossa genannt wurde, 1170 unter dem Kuppeldach der Kapelle anbringen ließ. Der Barbarossaleuchter wurde zum einen in Gedenken an Karl den Großen angefertigt, sollte aber zum anderen auch an die Gottesmutter Maria, die Schutzpatronin des Aachener Doms, erinnern.

Ferner wurden in der Stauferzeit große Teil des Doms im Stile der Romanik umgearbeitet und verschiedene romanische Kloster errichtet. Das Oktogon wurde leicht erhöht.

13. bis 16. Jahrhundert: Die Epoche der Gotik

Auch während der Gotik wurden am Aachener Dom wichtige Umbauarbeiten vorgenommen und Wandmalereien angebracht. So wurden, um Heiligtümer und Reliquien aufbewahren zu können, zwei Turmkapellen hinzugebaut, die fortan als Heiligtumskammern dienten. Darüber hinaus ließ Gerhard Chorus, der damalige Bürgermeister der Stadt Aachen, eine große Chorhalle errichten, deren Bleiglasfenster ihr den Beinamen Glashaus von Aachen verliehen.

Architektonisch ist das Chorhaus von der Saint-Chapelle in Paris beeinflusst. In der Gotik wurde der Aachener Dom außerdem um zahlreiche Anbauten erweitert. Neben der Erbauung eines Kreuzgangs (dabei handelt es sich um einen Torbogen zu den vier Seiten des Innenhofs eines Klosters), umfassen die Neubauten vor allem Kapellen, etwa die Annakapelle oder die Nikolaus- und Michaelskapelle.

17. bis 18. Jahrhundert: Die Zeit des Barock

Im 18.Jahrhundert wurde mit der sogenannten Ungarnkapelle eine Kapelle errichtet, die bis heute erhalten ist. Ausgeführt wurde der Bau von den damals sehr bekannten Architekten Johann Joseph Couven und Joseph Moretti. Außerdem wurden einige Teile des Doms im Sinne des Barockstils modernisiert. Hierfür wurden unter anderem wertvolle Mosaike aus vergangenen Epochen entfernt und durch Wandmalereien oder Stuckverzierungen ersetzt. Allerdings ist heute nicht zweifelsfrei geklärt, in welchem Umfang der Dom tatsächlich barockisiert wurde, da die meisten Veränderungen nicht erhalten sind und das bauhistorische Quellenmaterial viele Fragen offenlässt.

1794 bis 1814: Französische Besatzung

In diese Zeit fallen die napoleonischen Eroberungskriege und die französische Vorherrschaft in Mitteleuropa. Aachen wurde 1794 von der französischen Armee besetzt. Große Teile der Inneneinrichtung des Doms wurden geplündert und nach Paris gebracht. Das Blei der Dachabdeckung wurde aus militärischen Gründen von den Franzosen entfernt, sodass viele Gemälde, Verzierungen und andere Bestandteile der Inneneinrichtung durch die Witterung zerstört wurden.

Zeitweilig wurde der Dom von den französischen Besatzern sogar zum Pferdestall umfunktioniert. Eines der wenigen Dinge, die vor den Franzosen gerettet werden konnte, war der wertvolle Domschatz, der bereits vor Ankunft der französischen Soldaten ins Bistum Paderborn verbracht worden war.

1815 bis 1918: Die Herrschaft der Preußen

1815 wurde die französische Besatzung im Rahmen des Wiener Kongresses beendet. Aachen gehörte von nun an zum Königreich Preußen. Die Franzosen mussten die aus dem Dom gestohlenen Kunstwerke zurückgeben. Die Teile des Doms, die im Rahmen der französischen Besatzung zerstört oder beschädigt worden waren, konnten aus Geldnot lange Zeit nicht restauriert werden. Erst 1842 erklärte sich das preußische Königshaus bereit, finanzielle Unterstützung zu leisten und die antiken Säulen wiederherzustellen. Trotzdem wurde erst 1849 damit begonnen, die zerstörten Kapellen sowie die Chorhallen wiederaufzubauen.

1918 bis 1945: Die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus

Nachdem Dom zwischen 1918 und 1939 vielfältige weitere Instandsetzungsarbeiten am Dom stattgefunden und auch der Domschatz aus Paderborn zurück nach Aachen gebracht worden war, führte der Zweite Weltkrieg zu schweren Beschädigungen. Zwar hatte man 1939 bereits verschiedene Vorkehrungen getroffen, um den Dom vor den Bombenangriffen und möglichen Bombardierungen zu sichern. Diese Schutzmaßnahmen konnte jedoch nicht verhindern, dass 1941 etwa die Heiligtumskapelle oder der Kreuzgang dem Krieg zum Opfer fielen.

Die sogenannte Domwache sorgte jedoch dafür, dass die grundlegende Bausubstanz des Doms intakt blieb. Bei der Domwache handelte es sich um eine Gruppe von Jugendlichen, die das Feuer in den Nächten der Bombenangriffe unmittelbar nach Ausbruch löschten und auf diese Weise größere Zerstörungen verhinderten.

1945 bis heute: Die Nachkriegszeit

In den Jahren nach dem Krieg begannen rasch die Wiederaufbauarbeiten. Insbesondere die in Mitleid gezogenen Dächern mussten rasch repariert werden. Bereits im Jahr 1951 war es wieder möglich, eine Heiligtumsfahrt in den Aachener Dom zu ermöglichen. Beginnend im Jahr 1985 wurde an einer Generalsanierung des Doms gearbeitet, für die insgesamt 40 Millionen Euro investiert worden. 2016 wurde diese Generalsanierung abgeschlossen.


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