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3 Dinge, wofür Aachen im Mittelalter bekannt war


wofür war aachen im mittelalter bekannt

Karlsbüste im Aachener Dom, Bildquelle: pixabay.com

Aachen war seit der Antike für seine Thermalquellen geschätzt und fränkische Könige wie Pippin hielten dort Hof. Doch weltberühmt wurde die Stadt mit der Herrschaft von Karl dem Großen in den Jahren 768 bis 814. Mit dem Frankenkönig und späteren Kaiser entwickelte sich das mittelalterliche Aachen zum politischen Machtzentrum Westeuropas und wurde für 600 Jahre zum Krönungsort für 30 Könige.

Hier stand die Kaiserpfalz. Die von Karl dem Großen errichtete Pfalzkapelle war zu ihrer Zeit der größte Kuppelbau nördlich der Alpen und ist heutzutage Bestandteil des Aachener Doms. Mit seinem kostbaren Reliquienschatz entwickelte sich Aachen zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

Der Aachener Karlsthron als mittelalterlicher Krönungssitz

Karl der Große ließ während seiner Regierungszeit eine Pfalz in Aachen bauen. Zu jener Epoche waren Könige stets auf Reisen und eine Pfalz diente als fester Wohnort für die übrigen Zeiten. Die Kaiserpfalz in Aachen wurde die größte und prächtigste Anlage des fränkischen Königshauses. Sie bestand aus einem Palastbau, Wohn- und Hofgebäuden, Thermalbad und einer Kapelle.

In dieser Kapelle steht bis heute der bedeutendste Herrscherthron des Mittelalters. Der sogenannte Karlsthron ist schlicht und schmucklos. Er ist aus Marmorplatten gefertigt, die der Grabeskirche in Jerusalem entnommen sind. In der damaligen Epoche war es wichtig, dass sich Macht, Herrschaft und Bedeutung aus einer sichtbaren, materiell erkennbaren Tradition herleiteten. Die Marmorplatten für den Karlsthron haben deshalb eine Botschaft. Sie besagt: Die Macht des Herrschers auf diesem Thron ist untrennbar verbunden mit Jesus Christus, Jerusalem und dem Heiligen Land.

Diese Botschaft drückte das Machtverständnis aus und war zugleich eine Provokation. Denn Jerusalem im Nahen Osten stand unter der Herrschaft des Kaisers von Byzanz. Er allein sah sich als der legitime Nachfolger des antiken Römischen Reichs. Das einstige weströmische Reich war damals längst untergegangen. Nur das Ostreich mit der römischen Residenz Konstantinopel war vom antiken Weltreich übrig geblieben.

Allerdings wurde Karl der Große im Jahr 800 vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt. In der damaligen Sprache wurde er also zum Cäsaren ernannt. Damit stellte sich Karl der Große in die Tradition des untergegangenen weströmischen Reichs. Gleichzeitig war diese Kaiserrolle damit verbunden, den Papst und die christliche Kirche zu schützen und ihr zu dienen. Ein Herrscherthron mit Marmorplatten aus Jerusalem sagt einerseits aus, dass diese Königswürde von Gott und Papst gesegnet sind. Aber er sagt auch aus, dass es neben dem byzantinischen Reich im Osten nun wieder in Westeuropa eine starke weltliche Macht gibt, die sich als Schutzpatron der Christenheit sieht.

Mit der ersten Kaiserkrönung im Jahr 800 entstand für eine lange historische Epoche die enge politische Verbindung zwischen deutschen Königen und dem römischen Papsttum. Dieses Machtgefüge wurde später als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation bezeichnet. Bis zum Ende des Mittelalters wurden auf dem Karlsthron in Aachen mindestens 30 deutsche Könige gekrönt. Er galt deshalb als der „Erzstuhl“ des Reichs. Aachen war in jener Epoche das symbolische Zentrum dieser weltlichen Macht.

Die berühmte Pfalzkapelle in Aachen

Dass sich Karl der Große mit dem Kaiser in Byzanz auf die gleiche Stufe stellte, drückt seine berühmte Pfalzkapelle in Aachen aus. Sie wurde von 793 bis 813 erbaut und auf ihrem Kuppeldach steht eine Inschrift. Sie richtete sich direkt an den byzantinischen Kaiser und lautet: „Ich bin dir ebenbürtig.“ Das war eine klare machtpolitische Botschaft. Entsprechend imposant war die Palastkirche mit 30 Metern Höhe. Ihre Außenfassade besitzt 16 Ecken, der Innenraum ist achteckig.

Die Kapelle heißt deshalb auch Oktogon. Um eine so große Kuppel auf das schmale und hohe Bauwerk mit nur 85 cm Wandbreite zu setzen, wurde eine neuartige Technik mit Ringankern verwendet. Die Außenfassade wurde außerdem verputzt und erhielt eine leuchtend rote Farbe. Mit diesem Rot wurden damals Kirchenbauten im byzantinischen Reich geschmückt. Es war die Farbe der Macht.

Die Architektur war neu und erstaunlich. Die gewöhnlichen Menschen in Nordwesteuropa hatten so etwas im Jahr 800 noch nie gesehen. Sie kannten nur Fachwerk- und Lehmhäuser. Außerdem gab es Pfarr-, Kloster- und Bischofskirchen sowie die adeligen Kirchenbauten. Allerdings erreichten sie kaum eine Höhe von 30 Metern. Viele dieser Bauten wurden sogar einfach nur als Holz errichtet. Die Landschaft war damals von Wäldern und Landwirtschaft geprägt. So kann man sich vorstellen, dass die Pfalzkapelle in leuchtendem Rot ein weithin sichtbares Bauwerk war, das die Menschen in Ehrfurcht versetzte. Sie hielten diese Palastkirche nur zur Hälfte für ein menschliches Werk. Alles Erstaunliche an ihr konnte ihrem Glauben nach nur göttlichen Ursprungs sein.

Die Kapelle wurde der Maria geweiht und sollte wie ein Abbild des Himmlischen Jerusalems gestaltet sein. Sie drückt ihrer Symbolik nach die Begegnung von Himmel und Erde aus. Kaiser Barbarossa ließ im Jahr 1165 seinen Vorgänger Karl den Großen heiligsprechen. Er stiftete für die Kapelle einen goldenen Radleuchter, der scheinbar schwerelos in der Kuppelhalle schwebt. Dieser verkörpert ebenfalls die Himmlische Stadt Jerusalem, wie sie sich vom Himmel auf die Erde niedersenkt. Die Kapelle wurde mit den damals wertvollsten Materialien ausgestattet und war für Jahrhunderte der bedeutendste Kirchenbau im nordwestlichen Europa. Heutzutage ist der Oktogon Bestandteil des Aachener Doms.

Aachen als mittelalterlicher Wallfahrtsort

Im goldenen Marienschrein des heutigen Aachener Doms befinden sich die vier wichtigsten Heiligtümer der Stadt und des Bistums Aachen. Das sind:

  • Kleid der Maria
  • Windel Jesu
  • Lendentuch des sterbenden Jesus am Kreuz
  • Enthauptungstuch Johannes des Täufers

Bei drei der vier Heiligtümer ist es wissenschaftlich abgesichert, dass sie schon zu Lebzeiten Karls des Großen zu seinem Kirchenschatz gehörten. Alle Textilien zählen zu den sogenannten Berührungsreliquien. Durch ihren Körperkontakt mit Jesus, Maria und Johannes dem Täufer sind sie aus christlicher Sicht mit besonderen Segens- und Heilskräften ausgestattet. Zusammen mit weiteren Reliquien wie einem Gürtelstück Jesu oder einem Stück vom Geißelstrick Jesu wurde die Pfalzkapelle zum bedeutendsten mittelalterlichen Wallfahrtsort im deutschsprachigen Raum.

Das verstärkte sich erst recht nach der Heiligsprechung Karls des Großen. Auch seine Gebeine im goldenen Karlsschrein gehören zu den Reliquien. Sie wurden teilweise in außerordentlich kunstvolle Goldarbeiten eingefügt. Die berühmteste ist sicherlich die Karlsbüste, die einen Teil der Schädeldecke Karls des Großen umschließt. Die Aachener Heiligtumsfahrt hat sich bis in die heutige Zeit erhalten und findet alle sieben Jahre statt.


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