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Warum sind es 7 Todsünden: Bedeutung, Ursprung und Herkunft


Das Konzept der 7 Todsünden entstammt der Feder eines Mönches. Es basiert nicht auf der Bibel, ist aber im römisch-katholischen Glauben fest verankert und weist die eine oder andere Parallele zur Bibel auf.

Was sind die 7 Todsünden

Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit: Diese gelten gemeinhin als die 7 Todsünden. Bei den sogenannten 7 Todsünden handelt es sich genau genommen um Charaktereigenschaften. Da viele Menschen unter einer Sünde eher eine konkrete, schlechte Handlung verstehen, spricht man in der Theologie mitunter auch von Hauptlastern oder auch von Wurzelsünden. Gemeint sind schlechte Gewohnheiten oder Gesinnungen, die einen beherrschen und aus denen sündige Handlungen entstehen können.

Woher kommen die 7 Todsünden

Auch wenn es den Anschein hat, die 7 Todsünden wären eine biblische Lehre, so entspricht das nicht der Wahrheit. In der Bibel findet sich weder das Wort „Todsünde“ noch eine festgelegte Anzahl von Sünden, die zum Tod führen würde. Laut der Bibel folgt auf jede schlimme Sünde der Tod. Gemeint ist mit Tod nicht zwingend das Sterben, sondern die ewige Trennung von Gott. So nennt der Apostel Paulus im Bibelbuch Galater im Kapitel 19 viel mehr als sieben schlechte Eigenschaften, Gewohnheiten oder Handlungen, zudem schließt er ab mit „und ähnliche Dinge“, was anzeigt, dass es für Gott nicht nur sieben schwerwiegende Sünden gibt, sondern sehr viel mehr.

Andererseits zeigt die Bibel auch ganz klar, dass Gott bereit ist, Sünden zu vergeben, wenn der Sünder aufrichtig bereut und dass es in der Schwere von Sünden durchaus Abstufungen gibt. So wird ein zorniger Mensch, der sich bemüht, gegen seine Neigung anzukämpfen, natürlich nicht auf dieselbe Stufe mit einem Menschen gestellt, der seiner Wut nachgegeben und sich an einem anderen Menschen gerächt hat.

Warum sind es 7 Todsünden?

Mönche haben sich das ausgedacht! Mönche und Nonnen lebten früher wie heute ein sehr einfaches Leben. Sie setzten sich daher häufig mit Themen wie Selbstkontrolle und Versuchung auseinander. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts lebte in der ägyptischen Wüste ein Mönch namens Euagrios Pontikos. Er studierte das Leben von Einsiedlermönchen und sorgte sich um deren Gedankenwelt. Seine Liste enthielt damals jedoch noch 8 Laster, was vermutlich auf die griechische Philosophie zurückgeht.

Seine Liste unterschied sich aber nicht nur zahlenmäßig, sondern auch inhaltlich leicht heute üblicherweise verwendeten Liste. Denn darauf fanden sich noch Trübsinn und Ruhmsucht, den Neid hingegen hatte er noch nicht auf dem Schirm.

Der Neid kam erst Ende des sechsten Jahrhunderts mit Papst Gregor dem Großen (540-640 n.Chr.) dazu. Damals entstand die heutige Liste der 7 Todsünden. Seine Liste richtete sich erstmals an die allgemeine Öffentlichkeit und nicht mehr nur an Mönche. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man stets zwischen dieser Liste an Hauptlastern und schwerwiegenden Sünden entschieden, die jemand ganz bewusst vornimmt, wie Mord oder Ehebruch. Nun aber begannen sich die beiden Begriffe zu vermischen.

Auch außerhalb des Christentums von Interesse

Die Sünde als Verfehlung zu Gott hat einen ganz praktischen Ursprung. Denn die Kirche bzw. das Christentum ist als Gemeinschaft gedacht worden. Und in einer Gemeinschaft braucht es Regeln, an welche sich die Mitglieder halten und welche für ein harmonisches Zusammenleben sorgt. Das Leben in Einheit mit Gott, also ohne Sünde, verspricht demnach ein Weiterleben nach Tod. Gott oder die Kirche treten insbesondere im Mittelalter als Ordnungsmacht auf, welche Regeln und Gesetze erlassen, die das Miteinander möglich machen sollten.

Wenn man sich mit der Bedeutung der 7 Todsüden befasst, erkennt man erkennt schnell: So manche Eigenschaft hat in der modernen Gesellschaft gar keinen so schlechten Ruf, wie das früher anscheinend der Fall war. Gehen wir die 7 Todsünden noch einmal der Reihe nach durch.

  • 1. Hochmut / Angeberei / Arroganz / Selbstüberschätzung: Wer sich als besser, klüger oder schöner als andere einschätzt, könnte mit dieser Todsünde ein Problem haben. Die Eigenschaft ist in unserer Gesellschaft trotzdem weitestgehend akzeptiert.
  • 2. Geiz / Habgier / Habsucht: Hierbei geht es um die Einstellung zu materiellen Dingen. Wem es schwerfällt, sein hab und Gut mit anderen zu teilen, hat mit dieser Todsünde ein Problem. Spätestens wenn jemand bereit ist, anderen Schaden zuzufügen, nur um etwas zu bekommen, wird das von der Gesellschaft nicht mehr toleriert.
  • 3. Wollust / Sexsucht / Ausschweifung: Diese Eigenschaft wird in der westlichen Welt nicht mehr als Sünde angesehen. Ganz im Gegenteil, heute lautet das Motto eher „Sex sells“.
  • 4. Zorn / Rachsucht / Wut / Verbitterung: Zornige Menschen sind heute an der Tageordnung. Man denke nur mal an den Straßenverkehr oder die Gewalt in vielen Familien. Die Schwelle zum Wutausbruch ist nicht mehr hoch.
  • 5. Völlerei / Fresssucht / Trunkenheit: Heutzutage würde man eher von Adipositas, also von Übergewicht, beziehungsweise von Alkoholkrankheit sprechen. Die Fresssucht gilt heute als Charakterschwäche, nicht mehr als Sünde.
  • 6. Neid / Eifersucht: Man gönnt dem anderen seine Freude nicht oder will dasselbe haben. Am Beispiel der Brüder Kain und Abel sieht man, welche schlimmen Auswirkungen das haben kann.
  • 7. Trägheit / Faulheit: Damit kann gemeint sein, körperliche Betätigung zu meiden oder im übertragenen Sinn seine Augen vor fremden Schicksalen zu verschließen. Sich berieseln zu lassen statt selber zu denken lautet heutzutage oft die Devise.

Was Gregor der Große vor Hunderten von Jahren formuliert hat, ist auch heute offensichtlich noch von Interesse. Menschen fragen sich nach wie vor, ob sie schlechten Neigungen nachgeben oder aber versuchen sollen, ihnen Herr zu werden. Die Idee hinter den 7 Todsünden: zu essen, zu trinken oder Sex zu haben, ist nicht verkehrt – was verkehrt ist, ist die Übertreibung. Insofern ist das Konzept zwar nicht biblisch, aber dennoch aktuell.