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Was ist die mitteleuropäische Zeit: Definition und Bedeutung


Die mitteleuropäische Zeit, abgekürzt MEZ, ist eine Zonenzeit. Sie umfasst einen Großteil der mitteleuropäischen Länder, aber auch viele Länder Afrikas. Die Welt ist in verschiedene Zeitzonen eingeteilt, eine davon ist die MEZ (englisch: Central European Time, kurz CET). Um zu verstehen, wie die Zeitzonen und die jeweiligen Zonenzeiten funktionieren, bedarf es eines Blickes auf die Längengrade, an denen sich die Zeitzonen orientieren.

Der Nullmeridian

Zeitmessung ist von Menschen gemacht und kommt nicht irgendwie natürlich vor, sondern ist ein künstliches Verfahren. Bei den Zeitzonen, der Weltzeit oder der Sommerzeit handelt es sich um aus pragmatischen Gründen entwickelte Systeme. Die Grundlagen dazu wurden im Jahr 1884 auf der Washingtoner Meridiankonferenz gelegt. Es war eine internationale wissenschaftliche Konferenz, bei der ein Nullmeridian als Bezugslängengrad festgelegt wurde.

Der Äquator ist die Nulllinie, an denen sich die Breitengrade orientieren. Eine natürliche Nulllinie zur Festlegung der Längengrade gibt es aber nicht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde deswegen der Beschluss gefasst, den Nullmeridian, also den 0. Längengrad, durch die Londoner Sternwarte Greenwich zu führen. Er ist eine Art Halbkreis, der sich über die halbe Erdkugel vom Nordpol zum Südpol erstreckt.

Vom Nullmeridian wurden in Richtung Osten und in Richtung Westen jeweils 180 Längengrade festgelegt. Auf der anderen Seite der Erdkugel befindet sich also gegenüber dem Nullmeridian der 180. Längengrad, sowohl aus Westen als auch aus Osten kommend.

Die Weltzeit

Auf der Meridiankonferenz in Washington Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch eine Weltzeit eingeführt. Als Bezugszeit wurde die mittlere Sonnenzeit am Nullmeridian festgelegt, die sogenannte Greenwich Mean Time (GMT). Zur Erklärung: Steht die Sonne exakt über dem Nullmeridian, ist es entlang dieses 0. Längengrads 12 Uhr mittags. Gleichzeitig ist es auf der gegenüberliegenden Seite der Erdkugel, entlang des 180. Längengrads, Mitternacht.

Diese Übereinkunft ermöglichte es, Uhrzeiten weltweit zu synchronisieren und zu vergleichen. Die Greenwich Mean Time beruhte auf astronomischen Messungen, sodass von ihr als Zeitstandard alle Ortszeiten weltweit abgeleitet werden konnten. Im Jahr 1928 wurde die GMT in „Weltzeit“ umbenannt und als Universal Time (UT) bezeichnet. 1972 wurde die sogenannte „Koordinierte Weltweit“ eingeführt, die Universal Time Coordinated (UTC, deutsch: Koordinierte Weltzeit). Die UTC basiert auf der Zeitmessung von Atomuhren und ist heute der gültige Welt-Zeitstandard. Die GMT bezeichnet heute keinen Zeitstandard mehr, sondern eine Zeitzone (UTC±0). Es ist die Zeitzone entlang des Nullmeridians.

Die Zeitzonen

Vom Nullmeridian ausgehend wurden insgesamt 24 Zeitzonen festgelegt, 12 in Richtung Westen und 12 in Richtung Osten. Eine Zeitzone für jede Stunde des Tages. Die Sonne bewegt sich in unserer Wahrnehmung immer aus dem Osten kommend Richtung Westen und damit Richtung Sonnenuntergang. Sie beginnt in der idealen Festlegung ihren Lauf über dem Nullmeridian um 12 Uhr mittags. 12 Stunden später ist sie auf der gegenüberliegenden Erdseite am 180. Längengrad angekommen, um Mitternacht (UTC+12). Weitere 12 Stunden später steht sie wieder direkt über dem 0. Längengrad.

In Richtung Westen wird die Zeit bei jedem Übertritt von einer Zeitzone zur nächsten um jeweils eine Stunde zurückgestellt. In Richtung Osten wird sie um jeweils eine Stunde vorgestellt. Die Zeitumstellung geht der Sonne entgegen. Wer sich also Richtung Osten bewegt, kommt immer da an, wo die Sonne schon war. Deswegen ist am Ankunftsort schon mehr Zeit vergangen. Es ist später als gefühlt und die Uhr muss entsprechend vorgestellt werden. In Richtung Westen ist es umgekehrt. Die Sonne war noch nicht da, ist noch hinterher. Deswegen muss die Zeit um jeweils eine Stunde zurückgestellt werden. Es fühlt sich zwar an, als wäre mehr Zeit vergangen, doch die Sonne lässt noch auf sich warten.

Es gibt insgesamt 360 Längengrade, die gleichmäßig über die Erde gelegt sind und die die Sonne in 24 Stunden überquert. Daraus ergibt sich, dass 15 Längengrade einer Zeitverschiebung von einer Stunde entsprechen. Jeder 15. Längengrad kann also als Bezugsmeridian zur Ermittlung der mittleren Sonnenzeit der jeweiligen Zeitzone genutzt werden.

Die mitteleuropäische Zeit (MEZ)

Alle Menschen befinden sich in ihrer jeweiligen Zonenzeit. Das ist die einer bestimmten Zeitzone zugeordnete Standard- bzw. Normalzeit. In vielen Weltgegenden ist eine geometrisch exakte Ausrichtung der Zeitzonen entlang der Längengrade aus wirtschaftlichen oder kulturellen Gründen aber nicht sinnvoll. Deswegen sind viele Staaten zu politisch definierten (also gesetzlich festgelegten) Zonenzeiten übergegangen. Diese amtlichen Zonenzeiten orientieren sich zum Teil nur sehr grob an den Längengraden. Sie umfassen eventuell wirtschaftspolitisch zusammenarbeitende Gebiete oder vermeiden die zeitliche Trennung zusammengehöriger ethnischer Gruppen.

Die Mitgliedstaaten der EU verteilen sich auf insgesamt drei Zonenzeiten: die westeuropäische Zeit (UTC±0), mitteleuropäische Zeit (MEZ = UTC+1) und osteuropäische Zeit (UTC+2). Die Zeitzonen, in denen sich beispielsweise England und Deutschland befinden, liegen direkt nebeneinander. Deutschland liegt eine Zeitzone östlich der GMT (UTC±0). Die Standard- bzw. Normalzeit für Deutschland lautet also UTC+1.

Die MEZ deckt ganzjährig alle mitteleuropäischen Länder ab und außerdem Teile Afrikas, beispielsweise Benin, Kamerun, Angola, Niger, Nigeria, die Zentralafrikanische Republik, der Tschad, die Republik Kongo und der westliche Teil der Demokratischen Republik Kongo. Insgesamt liegen 35 Länder in der Zeitzone der MEZ.

In Deutschland liegt die Stadt Görlitz auf dem 15. Längengrad Ost, weshalb man in Deutschland bei der Einführung der MEZ Ende des 19. Jahrhunderts von der Görlitzer Zeit sprach. Die mitteleuropäische Zeit wird neuerdings auch als mitteleuropäische Normalzeit oder mitteleuropäische Winterzeit bezeichnet. Im Gegensatz dazu ist die Sommerzeit zu sehen, während der die Zeit eine Stunde vorgestellt und dann als UTC+2 abgekürzt wird. Die Differenz zur Weltzeit UTC beträgt während der Sommerzeit in Deutschland +2 Stunden.

Die Sonne hält sich nicht an die menschengemachten Zeitzonen. An der Westgrenze der MEZ (bei 7,5° Ost) liegt Dortmund, an der Ostgrenze (22,5° Ost) ist es die Stadt Lublin im Osten Polens. Die mittlere Sonnenzeit weicht an den Rändern der Zeitzone zum Teil beträchtlich von der idealen Zonenzeit ab. In Ostpolen ist es eine halbe Stunde. Es ist am Ostrand der MEZ also 30 Minuten früher dunkel als am Westrand.


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