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Warum heißt der Rhein nicht Aare


Der Rhein und die Aare entspringen beide in den Schweizer Alpen, bevor sie, immer noch auf dem Gebiet der Schweiz, zu einem Fluss zusammenfließen. Was sind die Besonderheiten der beiden Flüsse, welche größeren Flusssysteme bilden sie und was verbindet sie sonst noch miteinander? Dies alles sind ebenso interessante Fragen wie die nach der Namensgebung; denn erstaunlicherweise müsste der Rhein nach dem Zusammenfluss Aare heißen und nicht umgekehrt, wenn gängige Regelungen ihre Anwendung gefunden hätten.

Wo entspringt die Aare und wie ist der Verlauf?

Die Aare ist der längste Fluss, der komplett innerhalb der Schweiz verläuft. Sie ist ein sehr wasserreicher Fluss und entspringt in den Aargletschern am Finsteraarhorn. Als bedeutender Schweizer Fluss durchquert die Aare die Kantone Bern, Solothurn und Aargau. Größere Städte auf ihrem Weg sind Thun, Bern, Solothurn und Aarau. Im schweizerischen Koblenz (nicht zu verwechseln mit der deutschen Stadt Koblenz in Rheinland-Pfalz) mündet sie schließlich nach einer Gesamtlänge von rund 290 km in den Rhein.

Der Rhein von der Quelle bis zur Mündung

Der Rhein ist für Deutschland und das gesamte West- und Mitteleuropa ein Fluss von immenser Bedeutung. Einige Mythen sind mit dem Rhein verbunden, vom sagenumwobenen Rheingold aus dem Nibelungenlied bis zur Loreley, die viele Rheinschiffer ins Unglück gestürzt haben soll. Aus wirtschaftlicher Sicht gehört der 1.237 km lange Strom zu den wichtigsten und verkehrsreichsten Wasserstraßen in Europa und wohl auch der ganzen Welt. Der Rhein entspringt nicht nur aus einer einzelnen Quelle, sondern weist ein gesamtes Quellgebiet auf. Zwar gilt der Tomasee in Graubünden gemeinhin als Rheinquelle, das gesamte Flusssystem des Rheins ist jedoch äußerst komplex und besteht mit Vorderrhein und Hinterrhein und deren jeweiligen kleineren Zuflüssen schon zu Beginn aus einer Vielzahl verschiedener Stränge. Nach dem Zusammenfluss von Vorderrhein und Hinterrhein gliedert sich der Rhein wiederum in mehrere Abschnitte vom Alpenrhein bis zum Deltarhein an seiner Mündung in die Nordsee in den Niederlanden.

Das Flusssystem des Rheins

Das Flusssystem des Rheins stellt das größte System nordwestlich der von Gibraltar bis Moskau verlaufenden Europäischen Hauptwasserscheide dar. Insgesamt erstreckt sich das Einzugsgebiet mit einer imposanten Ausdehnung von 220.000 km² auf die neun europäische Länder Schweiz, Italien, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg und die Niederlande. Der Rhein durchquert einige verschiedene Naturräume mit gänzlich unterschiedlicher Charakteristik. Ist er zunächst in den Alpen ein wilder Hochgebirgsfluss, erfährt er nach dem Passieren des Alpenvorlandes eine Begradigung im Schwarzwald, den Vogesen und im Oberrheinischen Tiefland. Nach der Grenze zu den Niederlanden entwickeln sich mehrere wasserreiche Verzweigungen, bevor kurz vor der Mündung die Maas dem Hauptarm des Rheins zufließt.

Was verbindet die Aare und den Rhein?

Die Aare und der Rhein sind über das Flusssystem des Rheins miteinander verbunden. Von den vielen Zu- und Nebenflüssen des Rheins ist die Aare vor der Maas der wasserreichste Zufluss. Aus dem Flusssystem des Rheins sticht die Aare nicht nur aufgrund ihres Wasserreichtums hervor, sondern auch wegen zweier Besonderheiten: Am Beginn des Flusses steht ein Ursprungsgletscher und im weiteren Verlauf durchquert die Aare mehrere kleinere und größere Seen. Ähnlich wie der Rhein verfügt auch die Aare in ihrem Flusssystem über einige markante Zuflüsse, wobei die Reuss und die Limmat kurz vor der Mündung in den Rhein die bedeutendsten sind.

Warum heißt der Rhein nicht Aare?

Eigentlich gibt es die Regel, dass der wasserreichere Fluss beim Zusammentreffen zweier Fließgewässer dem neuen Hauptfluss den Namen gibt. Dies ist beim Zusammenfluss von Aare und Rhein eindeutig die erstgenannte, die Aare führt bei Koblenz deutlich mehr Wasser als der Rhein. Warum heißt der Rhein dann nicht Aare? Es gibt keine eindeutige, wissenschaftlich herleitbare Antwort darauf. Eine mögliche Erklärung besagt, dass der Name Rhein schon früh viel verbreiteter war als Aare.

Eine große Rolle dürften auch die Römer gespielt haben, die den Rhein als sehr gut schiffbaren Fluss nutzten, während die Aare keine große wirtschaftliche Bedeutung hatte. Der schiere Längenunterschied zwischen dem Rhein und der Aare, der auch schon an der Stelle des Zusammenflusses bei Koblenz vorhanden ist, spricht ebenso für den Rhein als Namensgeber.