Skip to main content

Wie und warum definiert man Begriffe


wie und warum definiert man begriffe

Jedes existierende Wort lässt sich klassifizieren und damit genau definieren, auch wenn es Wörter gibt, die mehrere Bedeutungen haben. Umgekehrt müssen neue Wörter, Wortneuschöpfungen, Wortzusammensetzungen oder aus anderen Sprachen übernommene Wörter definiert oder definierbar gemacht werden, damit sie einwandfrei verwendet werden können. Schließlich sollen alle geläufigen Wörter wohldefiniert in Wörterbüchern erscheinen, damit wir ihre Bedeutung, Funktion und Definition nachschlagen können. Das alles geschieht, um einen reibungslosen Sprachgebrauch zu gewährleisten.

Vom Wort zum Begriff

Jedes Wort ist ein sprachliches Konstrukt. Ein Sprecher entscheidet, ob er ein Wort verwendet, oder ob er es besser weg lässt. Wörter können modern sein, sie können aber auch aus der Mode kommen und langfristig in Vergessenheit geraten. Immer wenn es zu Neuerungen in der Gesellschaft kommt, ob es gesellschaftliche Trends, Erfindungen oder neue Ideen sind, so müssen diese Neuerungen einen Begriff erhalten.

Manchmal werden erklärende Begriffe aus dem Lateinischen oder Griechischen verwendet, manchmal werden Fremdworte eingedeutscht, sehr häufig direkt aus der englischen Sprache. Diese eingedeutschten Wörter aus dem Englischen nennen sich Anglizismen. Somit werden diese gesellschaftlichen Neuerungen mit dem neuen Begriff verbunden, um sie genau zu definieren und von anderen Ereignissen oder Dingen genau abgrenzen zu können.

Danach, wenn sie von der Bedeutung und Funktion definiert sind, können wir über diese Neuerungen sprechen und schreiben, sie verwenden und in unseren Wortschatz übernehmen.

Warum definiert man Begriffe

Begriffe werden deshalb definiert, damit wir sie in ein sprachliches Regelsystem einbinden und ordnungsgemäß verwenden können. So schützen wir uns vor einer falschen oder irrtümlichen Verwendung von Begriffen. Auf diese Weise können Begriffe einheitlich genutzt werden. So wird die Sprache von Sprachwissenschaftlern eindeutig definiert und klassifiziert.

Wir können per Definition erkennen, ob ein Wort zu den Substantiven gehört, welches Geschlecht das Wort besitzt, also ob männlich, weiblich oder neutrum, wie es dekliniert wird, also welche grammatikalischen Regeln anzuwenden sind, nach denen ein Wort seine Form verändern kann.

Wie definiert man Begriffe

Wir haben in der Grammatik und der Morphologie ein System an Regeln, die vorgeben, wie Begriffe zu gebrauchen, zu beschreiben, zu bilden oder zu definieren sind. Wenn wir also einen Begriff definieren wollen, brauchen wir entweder das entsprechende Fachwissen oder ein geeignetes Wörterbuch, das Aufschluss über einen Begriff gibt. Wörterbücher, Lexika oder der Duden sind mitunter Bestimmungsbücher für Wörter, denn sie liefern immer eine Definition der Wörter, manchmal sogar mit einem kodierten Abkürzungssystem wie pl. für Plural oder f. für feminin bzw. weiblich und nicht nur Hinweise auf die korrekte Rechtschreibung oder die Bedeutung.

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen, um einen Begriff zu definieren. Er kann sogar morphologisch definiert werden, indem das Ursprungswort oder der Wortstamm dargelegt wird. Ein Wort kann aber auch ethymologisch hergeleitet werden, also von der Herkunft und Enstehungsgeschichte des Wortes. Ja ganze Wortkarrieren können beschrieben werden, also ein Bedeutungswandel im Laufe der Zeit. Ein Begriff kann zudem grammatikalisch und auch semantisch definiert werden.

Bei einer grammatikalischen Definition erfahren wir etwas über Wortart (z.B. Adjektiv), Zahl (Numerus), Fall (Kasus) und Geschlecht (Genus) des beschriebenen Wortes. Geht es um eine semantische Definition, so erfahren wir etwas über die Bedeutungslehre. Selbst in der Bedeutungslehre gibt es Klassifikationsmodelle, wir können Oberbegriffe finden wie zum Beispiel Säugetier zu Delfin, um Begriffe besser beschreiben und einordnen zu können.

Lexikologie, Lexikographie und Semantik

Das genaue Definieren oder Klassifizieren von Begriffen kommt in unterschiedlichen Bereichen der Sprachwissenschaft zum Tragen, sowohl in der Lexikographie, also der Wissenschaft von der Erstellung der Wörterbücher, als auch in der Lexikologie, die auch als Wortkunde bezeichnet wird. Mitunter müssen diese neuen Begriffe in ein Klassifikationssystem eingeordnet werden, ohne dass es zu Missverständnissen kommt.

Auch die Semantik spielt eine wichtige Rolle. Unter Semantik verstehen wir die Bedeutungslehre. Hier kann zugeordnet werden, ob ein Begriff vulgär oder umgangssprachlich ist, ob wissenschaftlich, diskriminierend, veraltet, dialektal, also ob er nur in einer bestimmten Dialektregion vorkommt. Besondere Bedeutung bekommt die Semantik in der Computerwissenschaft, in der Computerlinguistik und der Übersetzungswissenschaft, wenn Begriffen semantische Eigenschaften zugeordnet werden, manchmal auch versehen mit einem Plus- oder Minuszeichen.

Das dient der besseren Erkennbarkeit durch Computersoftware, beispielsweise bei automatischen Übersetzungen. So ließen sich Begriffe ergänzend beschreiben als plus emotional oder minus emotional, plus belebt oder minus belebt, plus essbar oder minus essbar. Sogar die Lautstruktur und Ausspracheregeln lassen sich definieren, damit wir anhand einer phonetischen Umschrift nachschlagen können, wie Wörter ausgesprochen werden. Eine phonetische Umschrift ist eine Lautschrift.

Die Regeln der Morphologie als Bauplan für Wörter

Unter Morphologie verstehen wir die Wortbildunglehre. Die Morphologie gibt ein Regelsystem vor, wie Wörter in einer Sprache aufgebaut werden müssen, damit sie als treffend und richtig angesehen werden. Wörter müssen von den Sprechern akzeptiert werden, damit sie dauerhaft verwendet werden und überleben. Nicht nur Experten entscheiden über neue Begriffe, sondern auch der einfache Mensch, der sogar Wörter zum Unwort des Jahres wählen kann oder bestimmte Wörter einfach aus seinem Wortschatz streicht. So wird im Radio bei der Verkehrsvorhersage heutzutage das Wort Falschfahrer verwendet, während früher stets Geisterfahrer gesagt wurde.

Wir müssen also beide Seiten sehen. Nicht nur, dass einem neuen Gegenstand oder Thema ein geeignetes Wort zugeordnet wird, um es in den täglichen Sprachgebrauch zu integrieren. Das fortan zu verwendende Wort muss auch in sich logisch aufgebaut sein, muss nach den Regeln konstruiert sein, zeitgemäß, muss in den Kontext passen und darf nicht zu Verwirrung führen. Das Wort Handy beispielsweise wird in der Form nicht im englischsprachigen Raum verwendet. Bei Anglizismen wird der Plural anders gebildet als im Englischen. Wir sagen im Plural Handys. Die Briten würden als Plural handies schreiben, also mit ie statt mit y, da die englischen Rechtschreibregeln es so verlangen.

Neue Wörter müssen in bestehende Klassifizierungsschemata passen

Die Definition von neu eingeführten Wörtern sollte von Fachleuten vorgenommen werden, sodass sie widerspruchsfrei in das bestehende Sprach- und Klassifizierungssystem passen. Das können Wörter und Begriffe sein, die bisher noch nie in einem Wörterbuch standen, zum Beispiel Corona. Wir müssen definieren, ob Corona mit C oder K geschrieben werden soll und ob dieses Substantiv deklinierbar ist.

Das ist ein ähnliches Prinzip, als würde ein neues Metall entdeckt werden, das fortan im Periodensystem der Elemente zu finden sein wird und später auch in Wörterbüchern und Lexika erscheint. Ähnlich ist es bei Produktnamen. So haben zum Beispiel große Firmen Mitarbeiter oder Partnerfirmen, die diese Begriffe erarbeiten, auch wenn es Neologismen sind, also Wortneuschöpfungen, mit denen eine Sache besser beschreibbar gemacht wird. Das ist häufig der Aufgabenbereich von Linguistikprofessoren, aber in vielen Fällen auch von Marketingagenturen, wenn es zum Beispiel um das Bezeichnen von neuen Produkten oder Marken geht.

Wenn ein neues Automodell auf den Markt kommt, so werden mitunter diese Sprach- und Marketingspezialisten konsultiert. Denn der Name ist Konzept und ein guter Name ist verkaufsfördernd.


Ähnliche Beiträge