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Byzanz


Byzanz bzw. Byzantion war ab dem Jahr 326 n. Chr. die Hauptstadt des Oströmischen Reiches, welches später zum Byzantinischen Reich erklärt wurde. Sultan Mehmed II. beschloss Mitte des 15. Jahrhunderts, das Osmanische Reich auszuweiten und Byzanz zu erobern. Obwohl der damalige Herrscher Konstantin XI. Palaiologos Geschick bewies und gute Kriegsstrategien einsetzte, konnte er sich nicht gegen das gegnerische Heer von rund 150.000 Männern durchsetzen. Begonnen am 1. April, eroberten die Osmanen schließlich am 29. Mai 1453 die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches, Konstantinopel, woraufhin Mehmed den Sieg über Konstantin verzeichnete.

Die Geschichte Byzanz

Die Geschichte Byzanz reicht bis ins 7. Jahrhundert vor Christus zurück. Gegründet wurde die Stadt im Jahr 660 v. Chr. und wurde später in Konstantinopel und letztendlich in das heutige Istanbul unbenannt. Lange Zeit galt Byzanz als wichtiger Standpunkt im vorderasiatischen Reich. Am 11. Mai 330 n. Chr. erklärte der römische Kaiser Konstantin der Größe die Stadt schließlich zu seiner Hauptresidenz. Nach Konstantins Tod im Jahr 337 erhielt Byzanz ihre erste Namensänderung. Zu Ehren des verstorbenen Herrschers wurde sie fortan Constantinopolis genannt.

Constantinopolis war die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. Ihren Status behielt die Stadt bis zu Ihrer Eroberung durch die Osmanen im Jahr 1453 bei. Lediglich 1204 verlor sie während der Eroberung im Vierten Kreuzzug kurzzeitig ihre große Bedeutung für das Byzantinische Reich. Bis zum Ende des Osmanischen Reiches 1923 blieb die Stadt unter den Namen Kostantiniyye sowie Istanbul die Hauptstadt. Seit 1930 trägt Byzanz offiziell den international bekannten Namen Istanbul.

Die Bedeutung von Byzanz

Konstantinopel als Hauptstand Byzanz galt als eine der am besten befestigten Städte ihrer Zeit. Umgebung von Stadtmauern und Wassergräben und bewacht von rund 10.000 Verteidigern war die Eroberung für Feinde äußerst schwer. Zugleich bestand die Flotte aus 26 Kriegsschiffen, wodurch eine Verteidigung auf sämtlichen Wegen als außergewöhnlich schwierig galt. Gleichzeitig fehlte es der Bevölkerung der Stadt an nichts. Für ausreichend Nahrungsvorräte war jederzeit selbst während einer Belagerung gesorgt.

Der Beginn der Eroberung

Regiert wurde das Osmanische Reich von zahlreichen Herrschern. Große Bekanntheit besaß der siebte Sultan Mehmed II. Dessen osmanische Armee umfasste über 50.000 Männer und zwischen hundert und zweihundert Schiffe in verschiedenen Größen. Mehmed II. plante die Eroberung Konstantinopels, wodurch er Herrscher über Byzanz werden konnte. Für sein Eroberungsvorhaben gab es zahlreiche Gründe.

Zunächst besaß die Hauptstadt des Byzantinisches Reiches eine gute Lage und große Bedeutung in Bezug auf Europa. In der Vergangenheit fand zudem bereits eine diplomatische Beziehung zwischen den Osmanen und Byzanz statt. Einer der Sultane schuldete Kaiser Konstantin XI. Geld, woraufhin dieser seine Gesandten auf den Hof des Sultans sendete. Diese sollten die Schulden eintreiben, wobei sie eine doppelte Rückzahlung durch den Sultan verlangten. Zudem lag im Osmanischen Reich die Festung Rumeli. Rumeli war jedoch auf byzantinischen Grund erbaut, sodass die Byzantiner die sofortige Räumung forderten.

Vorbereitung zur Eroberung

Dies waren alles Gründe für Mehmed II., um gegen Byzanz in den Krieg zu ziehen. Der Sultan versammelte sein Heer, welches aus rund 150.000 Männern bestand, und begann die Belagerung der Hauptstadt. Zuvor erteilte Mehmed dem ungarischen Ingenieur Orbàn den Auftrag, mehrere riesige Bronzekanonen zu gießen. Die größte von ihnen war neun Meter lang und schoss Kugeln mit einem Gewicht von 600 Kilogramm. Ein Schuss reichte weit über 1500 Meter hinaus. Die osmanischen Artilleristen besaßen zusätzlich 69 Geschütze, welche das Kriegsgeschehen deutlich zu ihren Gunsten beeinflusste.

Noch fünf Jahre vor der Eroberung erkannte der regierende oströmische Kaiser Konstantin XI. Palaiologos die nahende Gefahr. Infolge bat er in Europa um Beistand, um Mehmed und sein Heer abwehren zu können. Lediglich Genua und Venedig entstanden schließlich rund 700 Soldaten, welche vom jungen Genuesen Giovanni Giustiniani angeführt wurden. Letzten Endes setzte sich die Streitmacht Konstantins aus ungefähr 7.000 Männern zusammen, welche die Hauptstadt verteidigen sollten.

Die tatsächliche Eroberung

Das Eroberungsvorhaben durch Mehmed II. begann schließlich am 1. April 1453. Vorposten der ersten osmanischen Truppen sicherten die Vorrückung ab. Als Folge befahl Konstantin, sämtliche Stadttore zu schließen. Selbst die Hafeneinfahrt ins Goldene Horn, welches bei Galata lag, wurde durch eine massive Eisenkette gesperrt. Zusätzlich wurden sämtliche Brücken zerstört, welche stadteinwärts führten. Dieser Plan sollte verhindern, dass die Osmanen in Konstantinopel eindringen konnten.

Gemeinsam mit seiner Hauptstreitmacht traft Mehmed II. am 3. April vor Ort ein. Der gesamte Kampf rund um Konstantinopel und Byzanz sollte acht Wochen andauern. Zunächst erteilte der Sultan den Befehl, Konstantinopel Tag und Nacht mit Geschützen anzugreifen. Serbische Mineure, welche Teil der osmanischen Streitmacht waren, gruben gleichzeitig Tunnel und führten unterirdische Sprengungen durch. Diese sollten dafür sorgen, dass die Mauern der Festung einstürzten. Die osmanischen Tunnelsysteme wurden allerdings durch den deutschen Ingenieur Johannes Grant ausfindig gemacht und als Folge zerstört. Das Vorgehen verhinderte eine frühzeitige Eroberung der Stadt.

Die Kämpfe hielten an. Gelang es Konstantins Belagerungsgeschütze, eine Bresche beziehungsweise Lücke zu schlagen, konterte Mehmed mit seinen „Baschi-Bazouks“. Diese waren irreguläre Söldnerverbände aus verschiedensten Ländern und bewaffnet mit einer Vielzahl an unterschiedlichsten Waffen wie Schleudern, Schießprügeln, Bögen und Krummsäbeln.

Stratege gegen Stratege

Ab 6. April gelang es Mehmed und seiner Streitmacht schließlich, das Kriegsgeschehen auf ihre Seite zu ziehen und Konstantinopel zu belagern. Drei Wochen lang stürmten die osmanischen Truppen dauerhaft die Stadt. Giovanni Giustiniani bewies allerdings sein Geschick und erteilte präzise Verteidigungsmaßnahmen. Am 12. April trafen die letzten osmanischen Flotten vor Ort ein. Dies bedeutete gleichzeitig einen Großangriff gegen Byzanz. Mit 28. April gelang es den Osmanen, das Goldene Horn zu erobern, dem wichtigsten Hafen Konstantinopels. Die Hoffnung auf einen Sieg Byzanz‘ schwand somit deutlich. Zudem minimierten sich die Nahrungsmittelvorräte, welche Konstantin zuvor anhäufen ließ, sodass diese nun beinahe aufgebraucht waren.

Mehmed II. hingegen motivierte seine Männer, den Kamp für sich zu entscheiden. Er verkündete, dass die Stadt drei Tage lang für Plünderungen jeglicher Art freigegeben war. Gold- und Silbergeschirr, Kleidung und Gefangene – seine Truppen durften sich alles nehmen, sobald der Sieg erreicht war. Die zuvor nachlassende Moral war dadurch erneut gestiegen. Am 28. Mai stellten die osmanischen Truppen fest, dass am nachfolgenden Tag der Generalsturm begonnen werden konnte.

Der große Sturm

In der Nacht auf den 29. Mai fand der vollständige Angriff auf Konstantinopel statt. Obwohl die ersten zwei heftigen Angriffe abgewehrt werden konnten, gelang es, eine kleinere Ausfallpforte nördlich des Charisios-Tores einzuschlagen. Mehmeds Truppen konnten als Folge in die Stadt eindringen. Gegen halb 9 in der Früh war Konstantinopel erfolgreich eingenommen und die Plünderungen starteten. Bereits nach einem Tag war Konstantinopel leer geplündert. Am 30. Mai 1453 zog Sultan Mehmed in die Stadt ein und ernannte sie zu seiner Hauptstadt.

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