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Evolutionspsychologische Sexualtheorie: Unterschiede Mann und Frau


Die Evolutionspsychologie geht verschiedenen Fragen nach, die menschliche Psyche betreffend. Diese können sich darum drehen, warum wir uns auf eine bestimmte Weise innerhalb von Gruppen verhalten oder warum wir uns vor gewissen Dingen fürchten. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder Fragen in der Partnerwahl sind ebenfalls Gebiete, welche mittels der Evolutionspsychologie beleuchtet werden können.

Besonders in Bezug auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bieten sich evolutionspsychologische Ansätze an. So könnten Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch daher rühren, dass Menschen früher jeweils anderen Herausforderungen trotzen mussten.

Die Evolution und Geschlechterunterschiede

Einer der hervorstechendsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern ist der Sexualtrieb. Dieser ist (bis auf einige Ausnahmen) bei den Männern weltweit stärker ausgeprägt als bei den Frauen. Männer ergreifen demnach nicht nur eher die Initiative, wenn es um sexuelle Kontakte geht. Sie denken auch häufiger an Sex, sind leichter zu erregen und befriedigen sich häufiger selbst als das bei Frauen der Fall ist.

Mit dem Begriff „Geschlecht“ sind in der deutschen Sprache sowohl das biologische als auch das soziale Geschlecht gemeint. Im Englischen wird hier zwischen „sex“ für das biologische und „gender“ für das soziale Geschlecht unterschieden. Es handelt sich um biologisch und soziale Charakteristika, die eine Person als männlich oder weiblich definieren.

Unterschiede in der Partnerwahl

Männer und Frauen agieren unterschiedlich, was das Aufnehmen von Sexualkontakten angeht. Laut Befragungen sind Männer eher dazu bereit, Gelegenheitssex mit verschiedenen Partnerinnen einzugehen. Bei Frauen ist diese Bereitschaft weniger stark ausgeprägt. Evolutionspsychologisch wird dieser Umstand damit erklärt, dass Frauen und Männer hier eine unterschiedliche Kosten-Nutzen-Rechnung haben.

Männer haben das (unbewusste) Ziel, möglichst viele Nachkommen zu zeugen, was die höhere Bereitschaft zu einer Vielzahl von Partnerinnen erklärt. Frauen hingegen gehen mit einer Schwangerschaft ein Risiko ein. Diese sind nicht nur auf die eigene Gesundheit bezogen. Schließlich können sie sich nicht darauf verlassen, dass der Vater sich um das Kind kümmert. Außerdem investieren Frauen viele Ressourcen in das Kind, weshalb das Bestreben nach einer guten genetischen Vorlage ausgeprägter ist. Sie sind demnach wählerischer bei der Wahl des potenziellen Vaters.

Des Weiteren deuten Umfragen darauf hin, dass Frauen eher als Männer Zuneigung beziehungsweise Liebe als Grund für Geschlechtsverkehr sehen. Diese Denkweise trifft auf rund die Hälfte der befragten Frauen zu, jedoch nur auf ein Viertel der Männer. Auf der anderen Seite missdeuten Männer freundliche Gesten von einer Frau schneller als sexuelles Angebot. Folgen davon können bis zu sexueller Belästigung und leider auch weit darüber hinaus gehen. Zusätzlich sind die Empfindungen von Frauen und Männern beim Sex unterschiedlich. Während bei Frauen eher Beziehungsaspekte im Vordergrund stehen, geht es bei Männern mehr um den Aspekt der sexuellen Entspannung im Anschluss.

Was finden wir attraktiv?

Was heterosexuelle Menschen am jeweils anderen Geschlecht attraktiv finden, geht ebenfalls auf evolutionäre Ursachen zurück. So finden Männer ein jugendliches Aussehen der Frau ansprechend, weil dieses Merkmal mit Fruchtbarkeit einhergeht. Frauen mit gesunder Haut und jugendlicher Figur haben wahrscheinlich noch viele fruchtbare Jahre vor sich, in denen sie Kinder bekommen können.

Viele Kinder bedeuten eine große Verbreitung der eigenen Gene in der Population. Dadurch ergibt sich das folgende Muster bei der Präferenz der Männer: Teenager fühlen sich zu Frauen hingezogen, die einige Jahre älter sind als sie selbst. Männer Mitte zwanzig finden Frauen im gleichen Alter anziehender und ältere Männer vor allem Frauen präferieren, die jünger sind als sie selbst.

Frauen sollen jung und Männer reich sein?

Männer suchen bei Frauen demzufolge eher nach Aspekten, die einen großen Kindersegen versprechen. Frauen hingegen achten eher auf Hinweise darauf, dass der potenzielle Vater die Kinder auch versorgen kann. Demnach sind Männer beliebter, die bereits reifer und verantwortungsvoller agieren. Auch auf die Ressourcen wird geachtet, die ein Mann mitbringt. Sofern er über die finanziellen und weiteren nötigen Mittel zum Versorgen einer Familie verfügt, hat ein Mann bereits Pluspunkte gesammelt.

Auch auf den Umgang mit Kindern legen Frauen Wert bei der Partnerwahl. So fanden Evolutionspsychologen in Experimenten heraus, dass Frauen genau darauf achten, wie Männer auf Babyfotos reagierten. Diejenigen Männer, die von verschiedenen Bildern am liebsten die Babyfotos ansahen, wurden von den befragten Frauen positiver bewertet. Es wird vermutet, dass dieser Umstand einen Hinweis auf die Fähigkeit eines Mannes zur Versorgung der Familie interpretiert wird.

Unabhängig vom Geschlecht finden wir übrigens symmetrische Gesichter ansprechender als unsymmetrische.

Die natürliche Selektion bei der Partnerwahl

Die obigen Beispiele zeichnen ein eindeutiges Bild. Menschen sind (wie alle anderen Lebewesen auch) Träger von Genen. Ziel ist es, diese im Genpool zu halten und auszuweiten. Das geschieht mittels der Fortpflanzung. Daher sind bei Frauen Gene von Vorteil, die sie bei Männern attraktiv und gebärfähig erscheinen lassen. Männer hingegen werden von Frauen bevorzugt, wenn sie genügend Ressourcen mitbringen, um den potenziellen Nachwuchs auch zu versorgen und aufzuziehen. Überspitzt könnte man auch sagen: Männer wollen junge, hübsche Frauen – Frauen wollen reiche und reife Männer.

Kritisch nachgehakt

Doch ist das nicht etwas zu kurz gegriffen?
Tatsache ist, dass wir nicht in die Vergangenheit reisen und die evolutionäre Entwicklung bestimmter Verhaltensweisen und Präferenzen in der Partnerwahl mitverfolgen können. Was die Forschung in der Evolutionspsychologie angeht, ist es in großen Teilen Spekulation. Außerdem spielen biologische und gesellschaftliche Einflüsse immer zusammen. Was heute als attraktiv gilt, wurde vor nur hundert Jahren anders gesehen.

Außerdem besteht die Gefahr, dass gewisse Umstände aufgrund solcher Forschungsergebnisse rechtfertigt werden könnten. Männer, die Frauen belästigen oder sie zum Sex zwingen, könnten sich auf ihre genetische Veranlagung berufen und ihre Taten damit zu entschuldigen suchen. Forschung soll allerdings nur erklären und nicht moralisch rechtfertigen oder entschuldigen.

Verschiedene Fragen bleiben ungeklärt

Außerdem stellt sich die Frage, wie evolutionspsychologisch homosexuelle Beziehungen zu erklären sind. Wenn der Mensch nur ein Transportmittel für seine Gene ist, welche sich ausbreiten wollen, warum suchen sich dann manche Menschen gleichgeschlechtliche Partner? Schließlich gehen aus diesen Verbindungen keine direkten genetischen Nachkommen hervor. Was ist mit heterosexuellen Paaren, die keine Kinder wollen?

Ein weiteres Rätsel für die Evolutionspsychologie ist der Suizid. Wenn das einzige Ziel die Verbreitung der eigenen Gene ist, warum setzen einige Menschen dann ihrem eigenen Leben und damit der Weitergabe ihrer eigenen Gene ein Ende?

Einige Erkenntnisse der Evolutionspsychologie konnten nachgewiesen werden. Zum Beispiel der Umstand, dass wir uns Partner suchen, welche uns genetisch ähnlich sind sowie typisch weibliche und typisch männliche Strategien in der Partnerwahl. Doch viele Fragen sind noch ungeklärt und es bleibt offen, ob die Evolutionspsychologie die Antworten auf diese bereithält. Schließlich ist das menschliche Denken und Handeln nicht ausschließlich auf seine Gene zurückzuführen.

Zusammenfassung

  • Es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nicht nur beim biologischen und sozialen Geschlecht an sich, sondern auch in Bezug auf die Partnerwahl. Mittels der Evolutionspsychologie wird versucht, diese Unterschiede evolutionär zu begründen.
  • Frauen und Männer unterscheiden sich in ihrem Sexualtrieb, in ihren Suchstrategien bei der Partnerwahl und darin, was sie am anderen Geschlecht attraktiv finden. Demnach suchen Männer bevorzugt junge Frauen, da diese rein theoretisch mehr Schwangerschaften durchleben könnten als ältere Frauen. Bei Männern hingegen wird darauf geachtet, dass diese genügend Reife und Ressourcen aufweisen, um potenzielle Kinder auch versorgen zu können.
  • Es stellt sich allerdings die Frage, inwiefern diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf rein evolutionäre und genetische Ursachen zurückgehen. Immerhin wird der Mensch zusätzlich von Umwelt und Kultur beeinflusst.
  • Auch auf verschiedene Fragen (zum Beispiel in Bezug auf die Homosexualität) hält die Evolutionspsychologie bisher keine überzeugenden Antworten bereit.

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