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Evolutionspsychologie an Beispielen erklärt: Definition, Einflüsse und Faktoren


Die Ursachen der Unterschiede zwischen Menschen sind sowohl genetisch- als auch umweltbedingt. Sie spielen in der Verhaltensgenetik eine große Rolle. Doch während man sich hier auf die Unterschiede konzentriert, sieht man sich in der Evolutionspsychologie die Gemeinsamkeiten an. Was verbindet uns Menschen im Denken und Verhalten? Und wie kann die Evolution uns dabei helfen, dieser Frage auf den Grund zu gehen?

Sofern du dich schon einmal mit der Evolutionstheorie beschäftigt hast, kennst du deren Begründer Charles Darwin. Dessen Prinzipien der natürlichen Selektion werden in der Evolutionspsychologie genutzt, um die menschlichen Denkprozesse und Verhaltensweisen besser zu verstehen. Welchen Einfluss die evolutionäre Entwicklung des Menschen auch heute noch auf unsere Psyche hat, ist daher eine spannende Frage.

Was bedeutet natürliche Selektion?

Damit ist eine Weitergabe bestimmter Merkmale gemeint, die das Überleben einer Spezies fördern. Bei der Erhaltung der Art geht es um ein bestimmtes Ziel: so viele Nachkommen hervorbringen wie möglich. Diese sollen natürlich vor allem Merkmale aufweisen, die ihr Überleben sichert. Es setzen sich also diejenigen Gene durch, die überlebenssichernde Merkmale in einer bestimmten Umwelt hervorbringen.

Stelle es dir so vor: Auf einer Insel gibt es verschiedene Arten. Alle diese Arten haben Nachkommen, welche miteinander um das Überleben kämpfen. Ressourcen sind schließlich knapp. Gewisse Eigenschaften ermöglichen es manchen Nachkommen nun, die Ressourcen besser zu nutzen als andere. Sie kommen aufgrund ihrer Größe zum Beispiel besser an bestimmte Nahrungsquellen als ihre Konkurrenz. Da sie mehr zu fressen finden, überleben sie mit einer größeren Wahrscheinlichkeit und pflanzen sich fort. Damit tragen auch ihre Nachkommen die vorteilhaften Gene und bilden günstige Merkmale aus. Andere Arten verschwinden so unter Umständen.

Die Vielfalt wandelt sich auf diese Weise sowohl auf der gesamten Insel als auch in der Population einer Art. Wenn es sich für eine Tierart als günstig erweist, besonders groß zu sein, dann werden die dafür zuständigen Gene an die nächste Generation weitergegeben und diese Tiergruppe ändert ihr Aussehen über die nächsten Generationen hinweg. Das ist allerdings ein langwieriger Prozess und hier nur verkürzt dargestellt.

Ein evolutionäres Musterbeispiel dafür sind im Übrigen die „Darwin-Finken“. Charles Darwin beobachtete auf den Galapagos-Inseln verschiedene Arten von Singvögeln. Diese wiesen unterschiedliche Merkmale auf, durch welche sie an das Nahrungsangebot ihrer Umgebung angepasst waren. Manche haben zum Beispiel starke Schnäbel, mit denen sie Körner zerbeißen können. Andere wiederum weisen lange und dünne Schnäbel auf, die das Stochern nach Insekten ermöglichen.

Von Hunden und Genen

Gene beeinflussen nicht nur das Aussehen, sondern auch das Verhalten. In dem obigen Beispiel zeigt sich, dass die Selektion bestimmter Gene eher zufällig zustande kommt. Die Arten entscheiden sich nicht bewusst für ein bestimmtes Merkmal und geben dieses gezielt weiter. Allerdings lässt sich dieser Prozess auch in eine gewünschte Richtung steuern. Denk nur einmal an die Vielzahl von Hunderassen. Sie haben unterschiedliche Merkmale in Aussehen und Verhalten. Diese Unterschiede zwischen beziehungsweise Gemeinsamkeiten innerhalb der Rassen wurden vom Menschen herbeigeführt.

Wenn der Mensch sich einen besonders verspielten oder anhänglichen Hund wünscht, werden über mehrere Generationen hinweg nur solche Exemplare miteinander verpaart, die genau diese Eigenschaften aufweisen. Auf diese Weise werden etwa die Gene selektiert, welche mit einem eher aggressiven Verhalten zusammenhängen. Auf diese Weise kamen Wach-, Hirten- oder Spürhunde zustande. Es wird vermutet, dass unsere Vorfahren sich bereits die gezielte Zucht von Wölfen zunutze gemacht haben, um aus ihnen zahme Weggefährten zu machen.

Die Selektion von Genen wird jedoch nicht nur in der Hundezucht eingesetzt, sondern auch in der Psychologie. Es werden beispielsweise gezielt Versuchstiere gezüchtet, welche sich in ihrer Reaktionszeit oder Lerngeschwindigkeit unterscheiden.

Neue Genkombinationen durch Mutationen

Eine Anpassung an die Umwelt geschieht in der Natur ohne Intention. Das Entstehen neuer Verhaltensmuster und Merkmale entsteht nach dem oben genannten Prinzip: Gewisse Gene führen zu bestimmten Eigenschaften, die in einer bestimmten Umwelt von Nutzen sind. Die Träger dieser Gene sind durch diese Eigenschaften im Kampf ums Überleben besser ausgerüstet und geben ihre Gene an ihre Nachkommen weiter. Es ist eher Glück und nicht die bewusste Entscheidung zur Anpassung. Doch wie kommen diese neuen Eigenschaften überhaupt erst zustande? Gene werden zu gleichen Teilen von der Mutter und vom Vater an die Nachkommen weitergegeben. Es sind sozusagen Kopien dieser Gene, die bei der Empfängnis zu neuen Kombinationen führen.

Allerdings kann es bei der Kopie der Gene (auch Genreplikation genannt) auch zu Kopierfehlern kommen. Bei diesen Kopierfehlern spricht man von Mutationen. Diese können durchaus von Vorteil sein, sofern sie überlebensfördernde Eigenschaften zur Folge haben. In dem Fall pflanzen sich die Nachkommen mit der Genmutation fort und geben sie wiederum an ihre Nachkommen weiter. So breitet sich das mutierte Gen in einer Population aus, sofern es zur Fitness der Art beiträgt.

Mit Fitness ist übrigens nicht die körperliche Stärke eines Individuums gemeint, sondern dessen Angepasstheit an seine Umwelt. Die Übersetzung der Redewendung „Survival of the Fittest“ meint demnach nicht „das Überleben des Stärkeren“, sondern das des „am besten Angepassten“.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Menschen

Menschen haben eine ganze Palette an unterschiedlichen Eigenschaften, allerdings auch viele Gemeinsamkeiten. Wenn du dich in deinem Familien- und Freundeskreis umsiehst, fallen dir vermutlich zuerst die Unterschiede auf. Das können rein äußerliche sein, wie zum Beispiel Haar-, Haut- und Augenfarbe, Körpergröße oder -gewicht. Doch auch im Denken und Handeln zeigen sich sehr viele Unterschiede.

Jeder vertritt eigene Überzeugungen und Werte, hält an gewissen Verhaltensmustern fest und geht eigene Interessen nach. Dennoch gibt es psychologische Merkmale, die alle Menschen gemein haben. Etwa das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Freude über das Wiedersehen mit Freunden oder die Angst davor, ausgegrenzt zu werden. Viele Denk- und Verhaltensweisen sind über Kulturen hinweg zu finden. Wie lässt sich das also erklären?

Wir Menschen haben ein gemeinsames Genom

Mit dem menschlichen Genom ist ein genetisches Profil gemeint, das wir mit allen anderen Menschen teilen. Wie auch bei anderen Arten entwickelte sich dieses aufgrund der genannten Mechanismen. Es bekamen vor allem diejenigen Nachkommen, die sich ihrer Umwelt besonders gut anpassten. Wir tragen das genetische Erbe jener Vorfahren in uns, deren Verhaltensweisen ihr Überleben sicherte und uns das eigene erst ermöglichte.

So erwies es sich in der Vorzeit als praktisch, sich in Gruppen zusammenzufinden. Diese boten nicht nur Schutz, sondern ermöglichten auch eine Gelegenheit zum Austausch von Ressourcen. Anderen (und damit auch der Gruppe und sich selbst) zu helfen, ist immer noch in uns verwurzelt. Unser moralischer Kompass wurde demnach schon vor etlichen Generationen eingestellt. Das gilt auch für andere Bereiche.

Allerdings muss man auch im Hinterkopf behalten, dass sich viele Verhaltensmuster in einer Zeit entwickelten, die der heutigen nicht mehr entspricht. In einer prähistorischen Umwelt mit Nahrungsknappheit hatten unsere Vorfahren nur selten fettige und süße Speisen. Da solche Lebensmittel nicht nur rar waren, sondern gute Energielieferanten sind, entwickelten die Menschen eine Vorliebe für diesen Geschmack. Was unsere Vorfahren durch Hungersnöte brachte, birgt heute erhebliche Nachteile.

In westlichen Industrienationen erleben wir keine Hungersnöte – im Gegenteil. Wir finden uns in einem Überangebot von (süßer und fettiger) Nahrung wieder und lieben diesen Geschmack nach wie vor. Das führt allerdings immer häufiger zu Übergewicht und zu damit einhergehenden Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen.

Unsere Geschmacksvorlieben passen nicht mehr zu unserer heutigen Umwelt. Das Gleiche gilt in gewisser Weise auch für unsere Ängste. Für unsere Vorfahren war eine Angst vor Schlangen, Spinnen oder Höhe durchaus berechtigt. Da wir heute allerdings kaum noch mit solchen Tieren in Berührung kommen, ist eine stark ausgeprägte Angst vor Schlangen heute weniger sinnvoll. Eine Angst vor modernen Bedrohungen wäre angebrachter, findet sich jedoch kaum wieder. Elektrizität kann töten – dennoch hat kaum jemand Angst vor Steckdosen.

Zusammenfassung

  • Die evolutionspsychologische Forschung hat das Ziel die Gemeinsamkeiten der Menschen mittels der evolutionären Entwicklung zu erklären.
  • Dazu bedient sie sich der Mechanismen der Evolutionstheorie. Eine davon ist die natürliche Selektion. Dieser Prozess beinhaltet die Weitergabe derjenigen Gene beziehungsweise Merkmale, die für das Überleben in einer bestimmten Umwelt von Vorteil sind.
  • Wenn bestimmte Gene und die damit verbundenen Merkmale das Überleben erleichtern, pflanzen sich die Träger dieser Gene mit einer höheren Wahrscheinlichkeit fort. So geben sie diese Gene an ihre Nachkommen weiter und das Merkmal verbreitet sich innerhalb einer Art.
  • Durch die Mutation von Genen können neue Genvarianten entstehen. Diese haben neue Merkmale zur Folge, welche positiv oder negativ für das Überleben sein können. Sofern es sich um nützliche Merkmale handelt, findet es sich zunehmend in der Population wieder.
  • Die natürliche Selektion ist ein Zufallsprodukt. Gene werden beibehalten und weiterverbreitet, wenn sie das Überleben sichern. Andere Gene werden aussortiert (selektiert).
  • Die Selektion von Genen ist in der Natur kein bewusster oder zielgeleiteter Prozess. Anders sieht es aus, wenn der Mensch in diesen Prozess eingreift. Mit Hilfe der Genselektion kann er beispielsweise Hunderassen züchten, die seinen Vorstellungen entsprechen.
  • Beim genetischen Profil des Menschen spricht man vom Genom. Diese ist im Laufe der Evolution entstanden und verbindet die heutigen Menschen auf vielfache Weise. So ähneln wir uns selbst über Kulturen hinweg in verschiedenen Denk- und Verhaltensweisen.
  • Diese Muster entwickelten sich in einer früheren Zeit und waren an die damaligen Gegebenheiten angepasst. Das kann uns heute zum Nachteil werden. Ein Beispiel dafür ist die geschmackliche Vorliebe für süße und fettige Lebensmittel. Diese waren früher selten und als Energielieferanten geschätzt. Der Mensch entwickelte eine Präferenz dafür, welche im heutigen Überangebot von Nahrung zu Übergewicht und damit verbundenen Krankheiten führen kann.

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