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Konvergierendes und Divergierendes Denken an Beispielen erklärt


Wie komme ich vom Problem zur Lösung? Um diese Frage zu beantworten, greifen wir auf die Denkprozesse unseres Gehirns zurück. Wir können Probleme durch Versuch und Irrtum lösen. Diese Methode müssen wir nicht einmal tatsächlich ausführen. Schon die Vorstellung über Maßnahmen und deren potenziellen Auswirkungen können uns im Denken voranbringen. So können wir auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen und durch schlussfolgerndes Denken zur Lösung gelangen.

Doch noch ein weiterer Aspekt ist bei der Problemlösung hilfreich: die Kreativität. Diese setzt sich unter anderem aus den zwei Grundprozessen divergierendes und konvergierendes Denken zusammen. Und genau um diese beiden Prozesse dreht sich der folgenden Artikel. Doch zunächst sehen wir uns kurz an, worum es beim Denken eigentlich geht.

Denken als Problemlösung

Wir denken, weil wir vom Ist- zum Zielzustand wollen. Bereits der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen stellt ein Problem dar. Denn wir sind in dem Moment nicht dort, wo wir sein wollen. Also müssen wir uns überlegen, wie wir an unser Ziel kommen. Diese Überlegungen stellen das Denken im Sinne einer Problemlösung dar. Dabei können wir vor einfachen Problemen stehen, jedoch auch vor komplexeren Herausforderungen.

Bei einfachen Problemen sind die Rahmenbedingungen klar: Wir wissen, wo wir stehen und wo wir hin wollen. Im besten Fall wissen wir auch, wie wir diese Differenz überwinden, also welche Hilfsmittel wir dazu nutzen können. Sollst du zum Beispiel mehrere Punkte zu einer bestimmten Figur verbinden, sind Start- und Zielvorgaben klar. Auch weißt du darüber Bescheid, wie du das Problem lösen sollst. Nämlich mit Hilfe eines Bleistifts.

Komplexe Probleme verlangen dem Gehirn bei der Informationsverarbeitung mehr ab als einfache

Bei komplexen Problemen kommt eine Vielzahl von Merkmalen zusammen, die sich alle gegenseitig beeinflussen. Das macht das Problem nicht nur dahingehend schwieriger, als dass das Gehirn von vornherein mehr Informationen verarbeiten muss als bei einem einfachen Problem. Hinzu kommt nämlich manchmal noch eine gewisse Eigendynamik.

Das bedeutet, dass sich die Umstände, unter denen du das Problem lösen sollst, im Laufe des Lösungsprozesses ändern. Dir stellen sich also ständig neue Herausforderungen in den Weg, die es zu bewältigen gilt.

Schrittweise zum Ziel

Doch egal wie groß oder klein das Problem auch sein mag, die inneren Prozesse zur Lösung kannst du dir als eine Reihe verschiedener Schritte vorstellen.

Nachdem dir dein Ausgangspunkt und dein Ziel klar geworden sind, identifizierst du die Barrieren auf dem Weg zum Ziel. Innerlich spielst du daraufhin verschiedene Szenarien durch, die dir zur Lösung verhalfen könnten. Versuch und Irrtum finden also bereits im Geiste statt sowie die dazugehörige Umstrukturierung. Denn merkst du bereits bei deiner Planung, dass dein Vorhaben wegen bestimmter Aspekte nicht aufgeht, legst du dir geistig eine Alternativhandlung zurecht.

Bist du in Gedanken auf die vermeintlich richtige Lösung gekommen, setzt du diese in die Tat um. Hierbei gibt es nun verschiedene Möglichkeiten. Entweder geht dein Plan auf oder eben nicht. Oder vielleicht auch nur teilweise. In dem Fall geht der Denkprozess wieder von vorn los und du gehst wieder verschiedene Möglichkeiten durch.

Kreativität kann auf dem Weg zur Problemlösung hilfreich sein. Doch um kreative Lösungswege zu finden, bedarf es noch weiterer Prozesse als nur einem breiten Expertenwissen. Und an dieser Stelle kommen das konvergierende und divergierende Denken ins Spiel. Beide können im Wechselspiel miteinander zu neuen Denkansätzen und kreativen Lösungswegen führen.

Was ist divergierendes Denken?

Am Anfang sollte die Wahrnehmung so offen wie möglich sein. Beim divergierenden Denken wird der Fokus erst einmal auf nichts Bestimmtes gelegt. Stattdessen werden alle Informationen aufgenommen, die in irgendeiner Weise nützlich sein könnten. Die Betonung liegt auf dem Wort „könnte“, denn auf Bewertungen sollte in dieser Phase vorerst verzichtet werden. Das ist auch wichtig, wenn im Team eine Lösung gefunden werden soll.

Werden die Ideen der einzelnen Gruppenmitglieder direkt als schlecht oder gut bewertet, melden sich diejenigen mit den „schlechten“ Ideen anschließend seltener zu Wort. Das führt dazu, dass viele Möglichkeiten unentdeckt bleiben. Denn in dieser ersten Findungsphase geht es nicht um Qualität, sondern um Quantität. Das klingt vielleicht erst einmal komisch. Doch erst aus einer Vielfalt von Ideen können später die geeignetsten herausgesucht werden.

Verrückt ist nicht unbedingt schlecht

Dabei sollten auch nicht zunächst „verrückt“ erscheinende Ideen direkt ausgesondert werden. In diesen verbergen sich unter Umständen gute Lösungsansätze, an die man vorher vielleicht einfach noch nicht gedacht hatte. Die ganzen aufkommenden Ideen werden gesammelt und verbunden. Das gilt auch für die, die ungeeignet oder zu abwegig erscheinen, um damit zum Ziel zu gelangen. Wenn man die einzelnen Elemente dieser Ideen verknüpft, können neue und kreative Lösungswege entstehen.

Was ist konvergierendes Denken?

Auf der anderen Seite steht nicht mehr das Sammeln, sondern das Filtern. Nachdem im divergierenden Denkprozess Ideen gesammelt, kombiniert und weitergesponnen wurden, kommt es jetzt zur Analyse. Beim konvergierenden Denken gibt es ebenfalls ein paar „Regeln“ zu beachten, wenn es um kreative Lösungsansätze geht. Die Bewertung der Ideen war in der Phase des divergierenden Denkens noch nebensächlich beziehungsweise spielte sie bewusst keine Rolle.

Nun wird die Bewertung wichtiger, da sie ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Problembewältigung spielt. Zwar neigen Menschen dazu, sich vornehmlich auf die Fehler und Mängel einer Sache zu konzentrieren. Doch das ist bei der Ideenbewertung nicht sonderlich hilfreich.

Den Blick auf das Positive wenden

Es ist zielführender, den Fokus auf die positiven Aspekte der Ideen zu legen. Die Frage ist daher nicht „Wo liegt der Schwachpunkt?“, sondern „Wo verbirgt sich Potenzial?“. An diesem Punkt findet eine bewusste Auswahl von Ideen statt. Da keine Idee perfekt ist, sollten sie anhand von verschiedenen Kriterien überprüft werden. Welche Ideen könnten am ehesten zum Ziel führen und warum? Dabei nimmt die Anzahl der Lösungsvorschläge automatisch ab.

In der Phase des divergierenden Denkens sind vielleicht einige kuriose Ideen zusammengekommen, welche nun in Bezug auf das angestrebte Ziel auf ihre Nützlichkeit hin untersucht werden. Vielleicht klingt Option A wesentlich interessanter, kreativer und innovativer als Option B. Doch vielleicht schießt Option A auch völlig am Ziel vorbei. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Eine Idee ist nur eine Idee

Neuartige Ideen sollten zwar nicht vorschnell abgelehnt werden. Doch ein übereiltes Annehmen der Ideen könnte eine gescheiterte Umsetzung zur Folge haben. Wurden die am geeignetsten erscheinenden Ideen herausgefiltert, müssen sie weiterentwickelt werden. Denn eine bloße Idee ist noch kein fertiger Lösungsweg. Häufig neigen wir dazu, auf uns vertraute Ideen zu setzen. Das liegt an unserem vorliegenden Erfahrungsschatz.

Wir haben im Laufe unseres Lebens viele Eindrücke gesammelt und können uns schon vor dem Ausführen einer Handlung vorstellen, ob sie funktioniert oder eben nicht. Doch wenn wir allein auf unser Gedächtnis vertrauen, geraten neue Ideen schnell ins Hintertreffen. Und genau das soll ja bei der Suche nach kreativen Lösungsansätzen vermieden werden.

Divergierendes und Konvergierendes Denken im Vergleich

Während wir unsere Wahrnehmung beim divergierenden Denken ausweiten, engen wir sie beim konvergierenden Denken wieder ein. Beide Prozesse sind bei der Suche nach kreativen Lösungsansätzen nötig. Würden wir uns schon in der Anfangsphase nur auf eine oder zwei Ideen versteifen, würden uns viele mögliche Lösungswege entgehen. Daher ist zu Beginn der kreativen Problemlösung die Offenheit für Neues wichtig.

Dazu gehört auch, die Ideen nicht zu bewerten – auch dann nicht, wenn sie zu verrückt erscheinen. Die Bewertung findet erst in der konvergierenden Phase statt. Doch so einfach die Regeln für das divergierende Denken auch klingen: Diese Denkweise fällt Erwachsenen häufig wesentlich schwerer als Kindern, da sie bereits mehr Erfahrungen gesammelt haben.

Erfahrungen können fördern, jedoch auch ausbremsen

Zusammen mit dieser Lebenserfahrung gehen nämlich festgefahrene Denkmuster einher, welche die Kreativität einschränken. Doch ohne konvergentes Denken bringt der divergente Prozess einen nicht unbedingt weiter. Denn ohne den Fokus auf das Ziel in der konvergierenden Denkphase würden wir eben dieses verfehlen.

Die bunte Vielfalt an möglichst ausgefallenen Ideen bringt dich nicht weiter, wenn sie nicht zu deinem angepeilten Ziel passen. Durch das Zusammenspiel von divergierendem und konvergierendem Denken kannst du deine innovativsten Ideen auswählen und anschließend verfeinern. Auf diese Weise gelangst du zu einer kreativen Lösung deines Problems.

Zusammenfassung

  • Denken ist ein Prozess der Problemlösung. Die Gemeinsamkeit von einfachen und komplexen Problemen liegt in der Differenz zwischen Ist- und Sollzustand.
  • Bei der Überwindung dieser Differenz können verschiedene Wege eingeschlagen werden.
  • Einerseits kann der Rückgriff auf Erinnerungen hilfreich sein. Wenn wir aus Erfahrungen wissen, wie wir einen Problemzustand überwinden, liegt die Lösung recht nah. Doch manchmal erfordert es Kreativität, um das Ziel zu erreichen.
  • Zwei Prozesse der kreativen Lösungsfindung sind das divergierende und das konvergierende Denken.
  • Beim divergierenden Denken wird die Wahrnehmung weit geöffnet. Alle Ideen und Handlungsmöglichkeiten werden aufgenommen. Dabei sollten sie in dieser Phase nicht bewertet, sondern vorerst nur gebündelt werden.
  • Die Analyse der Ideen folgt erst in der Phase des konvergierenden Denkens. Hier findet eine Bewertung der Ideen statt. Dabei muss genau abgewogen werden, ob die Ansätze wirklich zur Lösung führen könnten.
  • Ein zu schnelles Aussortieren von Ideen sollte dennoch vermieden werden. Es ist ein genaues Abwägen wichtig, um geeignete Ideen ausfindig zu machen. Da die Ideen an sich allerdings noch keine komplette Lösung darstellen, muss beim konvergierenden Denken noch eine Weiterentwicklung erfolgen.

Tasse

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