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Problemlösendes Denken an Beispielen erklärt: Definition, Schritte und Denkansätze


Die Problemlösung ist ein kognitiver Denkprozess, der von einem Ausganszustand zu einem Zielzustand führt. Unterschieden wird zwischen einfachen und komplexen Problemen. Dazu finden im Geiste verschiedene Stadien der Lösung statt. Diese beinhalten unter anderem Versuch und Irrtum sowie Einsicht. Zu Lösungen kommen wir mit Hilfe des schlussfolgernden Denkens. Dieses ist in deduktives und induktives eingeteilt. Doch auch die Kreativität spielt eine Rolle bei der Problemlösung.

Wieso wird Denken in der Psychologie als Prozess der Problemlösung verstanden?

Wenn wir vor einem Problem stehen, setzen sich bei uns automatisch Denkprozesse in Gang. Die Begriffe „Denken“ und „Problemlösen“ werden zum Teil in der Literatur sogar synonym verwendet.

Das Problemlösen fängt natürlich bei einem Problem an. Doch was genau versteht man überhaupt darunter? Ein Problem besteht dann, wenn sich der Ist-Zustand vom Soll-Zustand unterscheidet. Um diese Diskrepanz zu überwinden, müssen wir handeln. Doch bevor wir handeln, sollten wir uns eine sinnvolle Lösung überlegen. Wie ausgeklügelt unser Vorgehen und die damit verbundenen Denkprozesse sein müssen, hängt unter anderem von der Komplexität des Problems ab.

Beispiele für einfache Probleme sind zum Beispiel Probleme mit einem „Trick“, wie das „Neun-Punkte-Problem“ oder sequenzielle Probleme. Bei diesen findet eine schrittweise Annäherung an den Zielzustand beziehungsweise die Lösung statt. Beim „Neun-Punkte-Problem“ sieht die Testperson ein Feld mit neun Punkten vor sich, welche zu einem Quadrat angeordnet sind. Die Aufgabe ist es nun, alle Punkte mit vier oder weniger geraden Linien zu verbinden. Dabei darf der Stift nicht abgesetzt werden.

Ein anderes Beispiel für ein einfaches Problem ist der „Turm von Hanoi“. Dabei geht es um einen Turm, der aus mehreren Scheiben besteht. Die kleineren Scheiben liegen auf den größeren und diese Reihenfolge muss auch beibehalten werden. Der Testaufbau besteht aus einem Anfangs- und einem zu erreichenden Zielzustand.

Der Anfangszustand sieht etwa so aus, dass drei unterschiedlich große Scheiben auf Stange A aufgestapelt sind. Stange B ist für die zwischenzeitliche Ablage der einzelnen Scheiben gedacht, um diese wiederum in ihren Zielzustand auf Stange C zu befördern. Wie gesagt: Es darf nie eine größere auf einer kleineren Scheibe liegen. Auch nicht bei der Umschichtung.

Das komplexe Problemdenken

Den einfachen Problemen steht das komplexe Problemlösen gegenüber. Ein komplexes Problem zeichnet sich durch mehrere Merkmale aus. Es besteht aus verschiedenen Variablen, was die Informationsverarbeitung aufwendiger macht. Hinzu kommt der Aspekt der Vernetztheit. Die Variablen sind miteinander verknüpft. Das erschwert die Lösung des Problems, da sie dadurch in verschiedenen Abhängigkeiten zueinanderstehen. Man muss die Variablen beziehungsweise die Informationen daher strukturieren und theoretische Modelle zur Lösung erstellen.

Komplexe Probleme weisen zudem häufig eine Eigendynamik auf. Das heißt, es entwickelt sich weiter – und zwar ohne, dass der Handelnde eingreift. Es bleibt demnach nur eine begrenzte Zeit zum Nachdenken. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, so dass es folglich nur zu einer eher oberflächlichen Verarbeitung der vorliegenden Problematik kommt.

Hinzu kommen weitere Aspekte wie Polyteile und Intransparenz. Mit dem Punkt „Polyteile“ ist gemeint, dass es mehr als nur einen zu lösenden Teil des Problems gibt. Stattdessen bestehen komplexe Probleme aus einer Vielzahl von Kriterien, die beachtet werden müssen. Dabei kann es allerdings auch sein, dass die einzelnen Teile sich widersprechen.

Die Intransparenz hingegen steht mit der Informationsverarbeitung im Konflikt. Zwar ist aufgrund der Eigendynamik ein schnelles Handeln gefragt, das notgedrungen zum Ignorieren einiger Informationen zwingt. Doch andererseits erfordert die Intransparenz auch das Beschaffen von weiteren Informationen. Das liegt daran, dass für eine Entscheidung nun einmal gewisse Informationen gebraucht werden. Nur sind diese nicht immer zugänglich.

Ein komplexes Problem ist beispielsweise ein Spiel, bei dem eine Stadt geplant werden muss. Die Interessen der Bewohner sind vielschichtig und können sich widersprechen. Zudem müssen etliche Punkte für eine erfolgreiche Planung bedacht werde. Dazu zählen etwa die Versorgung mit Strom, Wasser oder der Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Umstände können sich zudem stetig wandeln und dem Planer sind nicht immer alle Informationen bekannt. Entscheidungen müssen daher nach bestem Wissen und Gewissen getroffen werden, basieren jedoch auch jedes Mal zum Teil auf Unsicherheiten.

Der Problemlösungsprozess als Denkprozess

Wenn wir vor einem Problem stehen, durchlaufen wir mental verschiedene Schritte. Dabei spielen wir im Geiste Probehandlungen durch, welche mit Versuch und Irrtum einhergehen. Laufen unsere Versuche ins Leere, müssen wir umdenken beziehungsweise umstrukturieren. Eine erfolgreiche Umstrukturierung kann zur Einsicht führen, worauf schließlich die Lösung folgt.

Nehmen wir dazu folgende Situation. Ein kleines Kind hat das starke Verlangen nach etwas Süßem. Die Keksdose steht allerdings außerhalb seiner Reichweite – und zwar oben auf dem Küchenschrank. Wie könnte dieses Kind nun vorgehen?

5 Schritte zur Problemlösung

  • 1. Ausgangspunkt, Zielsituation und Barriere der Problemlösung

Der Ausgangspunkt der Situation ist der, dass das Kind die Kekse möchte, jedoch nicht ohne Weiteres an diese herankommt. Die Kekse sind demnach das Ziel. Als Barriere ist der Lagerungsort der Kekse zu begreifen. Diese befinden sich außerhalb der Reichweite des Kindes. Dies könnte zum Beispiel auf einem Schrank oder Regal sein, welches das Kind nicht erreichen kann. Es besteht also eine Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand.

  • 2. Innere Probehandlung mit Irrtum und Versuch

In diesem Schritt werden die einzelnen möglichen Schritte mental durchgespielt. Das Kind könnte sich überlegen, ob es den Schrank hochklettern kann. Doch es bemerkt, dass die Oberfläche der Schranktüren zu glatt ist, als dass es an diesen hinaufklettern könnte. Auch die Griffe der Schranktüren liegen zu weit auseinander. Das Kind kann auch keinen Erwachsenen um Hilfe bitten, weil es gerade allein ist. Das Kind spielt also seine Möglichkeiten im Geiste durch und schließt Irrtümer bzw. schlechte Strategien aus.

  • 3. Umstrukturierung

Nachdem das Kind verschiedene Strategien durchgespielt hat, verwirft es bereits alle unpassenden Lösungsansetze. Es sortiert mental aus und es kommt zur Umstrukturierung. Dabei fallen dem Kind Dinge ein, die eigentlich nichts mit dem Kontext zu tun haben. Dennoch könnten diese Einfälle nützlich sein. So weiß das Kind etwa, dass es an die Tischoberfläche kommt, wenn es auf einen Stuhl klettert. Diese Information liegt in seinem Erfahrungsschatz verborgen, welche sich in anderen Situationen bereits bewährt hat. Zwar hat es noch nie einen Stuhl zum Erreichen dieses Küchenschrankes genutzt, kann diese Information allerdings auch für die aktuelle Situation nutzen.

  • 4. Einsicht

Das Kind hat nach einigem Hin- und Herüberlegen einen „Aha-Moment“. Es kommt zu der Einsicht, dass es mit Hilfe des Stuhls auch an den Küchenschrank und somit an die Kekse kommen kann.

  • 5. Lösung

Nach dem Moment der Einsicht, löst das Kind sein Problem. Es schiebt den Stuhl vor den Küchenschrank, klettert hinauf und nimmt sich die Kekse heraus.

Welche Rolle spielen Erfahrungen bei inneren Probehandlungen?

Erfahrung hilft bei bekannten Problemen. Haben wir erst einmal ein Problem erfolgreich gelöst, behalten wir die Lösungsschritte im Gedächtnis. Das ermöglicht es uns, ähnliche Problemlagen auf die gleiche Art und Weise erneut erfolgreich zu bewältigen. Wir wissen in dem Fall, welche Operatoren beziehungsweise Hilfsmittel und Lösungsstrategien uns zum erwünschten Ziel führen. Wir bilden uns aufgrund unserer Vorerfahrungen sozusagen Daumenregeln, welche in der Psychologie auch als Heuristiken bezeichnet werden.

Wie viele Erfahrungen wir machen, hängt unter anderem von unserer Persönlichkeit ab. Menschen werden häufiger mit Problemen konfrontiert, wenn sie risikobereit und offen für neue Erfahrungen sind.

Allerdings sind Erfahrungen bei neuen Problemen nur bedingt oder gar nicht nützlich. An dieser Stelle müssen wir wohl oder übel auf die Methode von Versuch und Irrtum zurückgreifen. Wie gut uns das Finden einer Lösung gelingt, hängt zudem auch von unserem Grad an Kreativität ab.

Was ist schlussfolgerndes Denken bei der Problemlösung?

Schlussfolgerndes Denken wird auch als logisches Denken bezeichnet. Dahinter verbergen sich kognitive Prozesse, mit denen auf Grundlage von bestehendem Wissen neue Erkenntnisse gewonnen werden. Unterschieden wird dieser Prozess in deduktives und indikatives Denken. Beim deduktiven werden aus allgemeinen Beobachtungen bestimmte Regeln oder Prämissen abgeleitet.

Bei der Induktion findet das Gegenteil statt. Aus diesen Prämissen lässt sich eine Lösung schließen. Von der Struktur her gilt Folgendes: Alle A sind B. C ist ein A. Also ist C ein B. Etwas konkreter wird es an diesem oft genutzten Beispiel: Alle Menschen (A) sind sterblich (B). Sokrates (C) ist ein Mensch (A). Also ist Sokrates (C) sterblich (B).

Mit dem deduktiven beziehungsweise schlussfolgernden Denken ist auch eine Wenn-Dann-Beziehung der Aussagen verbunden. Das folgende Beispiel beinhaltet eine solche Beziehung. Wenn gilt: Jungen weinen nicht. Und wenn ebenfalls gilt: Kai ist ein Junge. Dann ergibt sich daraus: Kai weint nicht. Der Wenn-Teil ist die Prämisse der Aussage, während der Dann-Teil die Schlussfolgerung darstellt.

Solche deduktiven Vorgehensweisen sind im Alltag allerdings häufig fehleranfällig. Das kommt vor allem daher, dass verschiedene Beobachter eine Prämisse unterschiedlich interpretieren können. Soll heißen: Nur weil du etwas als wahr erachtest, muss es das noch lange nicht sein. Denn häufig fehlen uns zur Beurteilung eines Sachverhalts die nötigen Informationen. Das ist besonders in sozialen Interaktionen der Fall, so dass wir Verhaltensweisen anderer Menschen ganz einfach falsch deuten und aufgrund dessen falsche Schlüsse ziehen.

Beim induktiven Denken wird von einem oder wenigen Fällen auf die Allgemeinheit geschlossen. Beide Varianten können uns jedoch bei der Lösung von Problemen helfen. Wenn-Dann-Beziehungen lassen uns die Folgen unseres Handelns abschätzen, was bei der Aufgabenbewältigung sinnvoll ist. Schlussfolgerndes Denken ermöglicht ein Stück weit das Abschätzen, wie wir zur Lösung kommen und wir können den Weg in Teilziele splitten.

Was ist schöpferisches Denken bei der Problemlösung?

Kreativität spielt eine wichtige Rolle beim Lösen von Problemen. Sobald ein individuell oder für die Gesellschaft nützliches neues Produkt ohne das Zutun von Routineverfahren entsteht, ist auch von schöpferischem oder kreativen Problemlösen die Rede. Kreative Menschen zeichnen sich durch verschiedene Persönlichkeitsmerkmale aus.

Ihre intellektuellen Fähigkeiten erlauben es ihnen, ein Problem zu entdecken und zu definieren. Außerdem können sie es sich besser vorstellen, da sie beispielsweise ihre visuelle Vorstellung für die Repräsentation des Problems sehr gut nutzen können. In Bezug auf die Bewertung ihres Handelns gehen sie ebenfalls sehr effektiv vor. So überdenken und überarbeiten sie ihre Lösungswege mehrfach, bis sie das Optimum erreicht haben und wählen unter verschiedenen Strategien die erfolgversprechendste aus.

Stufen und Merkmale eines kreativen Problembewältigungsprozesses

Ein kreativer Prozess besteht aus verschiedenen Phasen. Es ist ein Irrglaube, dass Kreativität einfach aus dem Nichts entsteht. Stattdessen geht ihr meist eine lange Vorbereitung voraus. Bevor erfolgreiche Schriftsteller, Erfinder oder Komponisten ein Meisterwerk schaffen, erarbeiten sie sich über Jahre hinweg Expertise in ihrem Gebiet.

Zum kreativen Problemlösen gehört allerdings auch eine sogenannte Inkubation. Das bedeutet, dass wir uns eine Weile nicht mit dem Problem befassen und später „plötzlich“ doch eine Lösung haben. Es wird vermutet, dass das Gehirn Zeit für die Veränderung von Assoziationen zwischen Gedächtnisinhalten braucht.

Sobald neue Verbindungen geschaffen sind, kommen wir eher zur Lösung. Die weiter oben bereits erwähnte Einsicht gehört ebenfalls zum kreativen Prozess. Der „Aha-Effekt“ kommt häufig nach der Inkubation. Anschließend folgt eine kritische Bewertung der Idee. Hierbei werden meist auch Normen und Werte herangezogen. Zum Schluss findet die Ausarbeitung der Idee statt.

Während des kreativen Prozesses fühlen sich die Handelnden häufig in einem Flow wieder. Sie empfinden eine „Ichferne“. Dadurch gehen sie vollständig in ihrem Tun auf und vergessen sich selbst dabei. Die Ideen fließen geradezu und eine bildhafte Vorstellung von der Idee kommt zustande.

Häufig folgt auch das Gefühl von Neuheit. Dabei ist nicht die objektive Neuheit gemeint, denn vielleicht hat jemand schon mal ein ähnliches Werk geschaffen. Doch der Handelnde empfindet seine Arbeit als etwas Neues. Besonders schön ist die emotionale Erregung im kreativen Prozess. Der Handelnde ist zufrieden mit seiner Arbeit, empfindet Glück und Stolz.

Kreativität als Problemlösung ist somit eine Neukombination von verschiedenen Strategien, welche einen schöpferischen Denkansatz fördern. Alte Lösungsstrategien werden mit neuen Elementen verknüpft, wodurch neue bessere Lösungen entstehen. Eine Geschichte, welche ein Autor erfand – beruht oftmals auf alte Mythologie oder geschichtliche Ereignisse. Diese waren auch schon vor der neu erfundenen Geschichte vorhanden. Doch durch den kreativen Autor erhalten diese ein neues Element, welches der Erzählende geschickt mit den alten Elementen kombiniert. Und es entsteht ein kreativer Lösungsweg.

Voraussetzung dieses neuen Weges ist es, dass die alten Lösungsstrategien oder auch Vorlagen begriffen und durchdrungen wurden. Ein Autor, welcher einen historischen Roman mit einer Liebesgeschichte kombiniert, muss beides verstanden haben – Die Liebe und die Historischen Verhältnisse.

Ein Kind, welches den Stuhl als Klettermöglichkeit für die Keksdose nutzt – muss verstanden haben – dass sein Problem die Höhe ist und es muss verstanden haben, dass diese durch einen Stuhl überwunden werden kann. Erst dann entsteht ein kreativer Lösungsprozess.


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