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Gedanken: Wie sie entstehen, Psychologische Bedeutung und wie man sie ändert


Wir alle denken. Und das ununterbrochen.
Uns gehen jeden Tag unzählige Gedanken durch den Kopf. Manche sind schön, andere weniger. Einige sind flüchtig, während andere hartnäckig hängen bleiben. Wir grübeln und verlieren uns in Gedanken oder schwelgen gern in ihnen in Form von schönen Erinnerungen. Wir überlegen, wie wir Probleme lösen können oder uns kommen unverhofft neue Ideen.

Aber warum haben wir so viele Gedanken?
Und was ist ein Gedanke überhaupt?

Was sind Gedanken wissenschaftlich betrachtet?

Laut Psychologie, sind Gedanken das Ergebnis und gleichzeitig die Elemente eines Denkprozesses.
Ein Gedanke könnte als eine neuronale Repräsentation im Gehirn erklärt werden. Diese Repräsentation wäre dann in Form eines bestimmten Aktivitätsmusters vorhanden. So könnten bildgebende Verfahren, wie etwa eine Computertomografie, die Gedankengänge beziehungsweise die besagte neuronale Aktivität sichtbar machen.

Außerdem müsste dann derselbe Gedanke auch bei verschiedenen Personen das gleiche Muster ergeben. So einfach ist es allerdings nicht. Gedanken sind wesentlich komplexer und richten sich immer nach der persönlichen Erfahrungswelt eines Menschen. Außerdem gibt es nicht die eine bestimmte Stelle im Gehirn, welche Gedanken produziert. Sie entstehen aus einer Zusammenarbeit etlicher Neurone, die sich durch das gesamte Gehirn erstrecken.

Ein Gedanke entsteht in einem Netzwerk von unzähligen Nervenzellen.
Da Gedanken durch mehrere Faktoren beeinflusst werden, stehen sie auch nicht für sich allein. Es handelt sich nicht um abgegrenzte Gedächtnisinhalte. Vielmehr sind sie das Ergebnis, aber auch ein Baustein eines ganzen Denkprozesses. Dieser Prozess unterliegt Einflüssen aus der Umwelt, den eigenen Emotionen und Erfahrungen. Daher sind Gedanken auch nicht bei jeder Person identisch.

Die Aufgabe von Gedanken ist es, uns die Orientierung in der Welt zu erleichtern.
Sie ermöglichen es uns, Objekte oder Ereignisse wiederzuerkennen und zu interpretieren.

Wenn du zum Beispiel an einen Apfel denkst, hast du vielleicht einen großen, dunkelroten Apfel vor deinem inneren Auge. Denkt eine andere Person an einen Apfel, kann dieser schon ganz anders aussehen. Vielleicht ist dieser Apfel klein und grün. Wie das prototypische Bild eines Objekts für dich ganz persönlich aussieht, hängt von deinen Erfahrungen ab.

Nehmen wir an, deine Mutter hätte eine Vorliebe für große rote Äpfel und daher lagen diese immer in deinem Elternhaus in der Obstschale auf dem Küchentisch. Du hast dieses Objekt in dieser spezifischen Form als Apfel kennengelernt und daraus einen Prototypen für Äpfel erstellt. Wenn du nun an Äpfel denkst, kommt dir daher als erstes dieses eine Bild in den Sinn.

Und dabei wird nicht nur eine einzige Nervenzelle aktiviert.
Es werden verschiedene Neurone in mehreren Bereichen des Gehirns aktiv. Diese verarbeiten die verschiedenen Aspekte des Apfels: Farbe, Form, Geruch, Geschmack und so weiter. All diese Informationen fließen dann mit Hilfe der Kommunikation unter den Neuronen zu einem Gesamtbild zusammen. Das wiederum führt dazu, dass du einen Apfel erkennst, wenn du ihn siehst. Da dein gedanklicher Prototyp aber nicht nur auf eine bestimmte Sorte Äpfel beschränkt ist, erkennst du auch andere Äpfel als solche.

Wie entstehen Gedanken?

Ein Gedanke entsteht durch das Zusammenwirken von unzähligen Neuronen im Gehirn.
Besonders in der Großhirnrinde sind die Neurone sehr stark miteinander vernetzt. Ein Neuron ist eine Nervenzelle, die Reize an weitere Neurone überträgt. Alle Neurone zusammen bilden das Nervensystem eines Organismus.

Die Reizübertragung selbst erfolgt über die sogenannten Synapsen.
Dies geschieht durch elektrische Impulse, die eine chemische Reaktion in den Synapsen auslösen. Bei Synapsen handelt es sich um die Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Gehen ausreichend starke elektrische Impulse ein, beginnt das Neuron zu feuern. Es schickt also einen elektrischen Impuls an die mit ihm verbundenen Neurone weiter. Innerhalb des synaptischen Spalts sorgen dann Neurotransmitter dafür, dass die nächste Nervenzelle entweder aktiviert oder gehemmt wird.

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die in den Synapsen enthalten sind. Bei einem Reiz werden diese Transmitter freigesetzt. Ein äußerer Umstand kann diese Reizübertragung auslösen. Doch diese sind nicht zwingend notwendig. Denn im Gehirn finden auch Denkprozesse statt, wenn von außen kein Input kommt. Die Neurone im Gehirn feuern fast permanent und erhalten ihre Aktivität so gesehen von selbst aufrecht. Daher denken wir auch ohne Informationen von außen.

Das zeigt sich besonders gut am Beispiel von Träumen.
Während wir schlafen, nehmen wir bewusst keine Informationen auf. Trotzdem arbeitet unser Gehirn. Es speichert zum Beispiel neue Informationen ab, wandelt sie um und fügt sie bestehenden Konzepten hinzu.

Welche Faktoren beeinflussen meine Gedanken?

Unsere Emotionen, Erinnerungen und Umwelt haben einen großen Einfluss auf unsere Gedanken.

Gefühle wirken besonders stark auf unsere Gedanken ein.
Sobald negative Emotionen aufkommen, ändert sich das Denken. Bei Angst etwa kann sich das Denken in verschiedenste Richtungen bewegen. Einerseits könnte sich der gedankliche Fokus dahin ausrichten, das angstauslösende Problem zu beseitigen. Die Angst gibt hier den Anstoß, sich aktiv mit einer problematischen Situation auseinanderzusetzen. Die Gedanken können aber auch in die Richtung gehen, das Problem vermeiden zu wollen.

Beide Richtungsbeispiele kannst du dir ganz gut im Rahmen einer Prüfungsvorbereitung vorstellen. Dir steht eine Klausur bevor, welche dich ziemlich nervös macht. Wenn du problemorientiert an die Sache heran gehst, erstellst du dir zum Beispiel einen Lernplan oder informierst dich über verschiedene Lernmethoden. Du legst deinen Fokus auf Handlungen, die deiner Angst entgegenwirken und dein Problem auflösen sollen.

Versuchst du das Problem allerdings zu vermeiden, könntest du prokrastinieren.
Du weißt, dass du eigentlich lernen müsstest. Allerdings fallen dir plötzlich unzählige Dinge ein, die noch erledigt werden müssen, bevor du dich an den Schreibtisch setzen kannst. Aus Angst vor dem Versagen, tun wir lieber nichts. Denn wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen – so der Trugschluss.

Hier kommt allerdings noch ein weiterer Punkt hinzu.
Denn wir bestätigen gern das Bild, das wir von uns selbst haben. Und zwar auch dann, wenn es ein negatives Bild ist. Wenn wir also von uns selbst denken, dass wir die Klausur eh nicht bestehen, lernen wir auch erst gar nicht dafür. Stattdessen prokrastinieren wir fleißig und schreiben am Ende eine schlechte Note. Diese nehmen wir dann als Beweis für unsere Unzulänglichkeit. Immerhin wussten wir ja von vornherein, dass wir die Klausur versemmeln würden. Unsere Gedanken werden also nicht nur von außen beeinflusst, sie beeinflussen auch unser Handeln.

Was bewirken positive und negative Gedanken im Körper?

Gedanken beeinflussen unsere Emotionen und unsere Gesundheit.
Negative Gedanken in Form von Sorgen können zu Stress führen. Wenn dein Gedankenkarussell sich ununterbrochen dreht und deine negativen Emotionen anheizt, wirkt sich das auf deinen Körper aus. Unter Stress fällt es dir nicht nur schwerer, dich zu konzentrieren. Dein Gehirn kann nicht unterscheiden, ob eine Bedrohung real ist oder nur in deinem Kopf. Die körperliche Reaktion ist in beiden Fällen dieselbe.

Positive Gedanken im Rahmen einer optimistischen Denkweise hängen häufig mit einem positiven Selbstwertgefühl zusammen. Gleichzeitig findet aber auch eine andere Interpretation von Ereignissen statt als es bei pessimistischen Personen der Fall ist.

Optimistische Menschen gehen mit problematischen Ereignissen zum Beispiel so um, dass sie aktiv nach Lösungen suchen. Sie sehen sich nicht in einer Opferrolle, sondern bewerten eine Situation neu. Etwa könnten sie sich fragen, was sie aus dieser bestimmten Situation lernen könnten. Das hat zur Folge, dass ihr Körper weniger Stresshormone ausschüttet. Dadurch ist ihr Immunsystem weniger anfällig und ihr Herz-Kreislauf-System reagiert bei Stress weniger stark.

Menschen mit einer Neigung zu negativen emotionalen Zuständen hingegen sind wesentlich schneller gestresst. Während optimistische Personen eine Situation als Herausforderung ansehen, fühlen pessimistische Personen sich von dieser Situation bedroht. Da ihr Körper daher sehr häufig Stresshormone ausschüttet, leidet auch ihre Gesundheit. Sie werden anfälliger für chronische Krankheiten, ihr Immunsystem ist schwächer und sie erkranken häufiger an psychischen Störungen.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Gedanken und Gefühlen?

Es sind nicht nur Emotionen, die unser Denken beeinflussen.
Stattdessen ist es vielmehr so, dass Gedanken und Emotionen in Wechselwirkung stehen. Deine Gedanken haben also ebenso einen Einfluss auf deine Gefühlswelt.

Negative Gedanken verstärken negative Gefühle. Doch positive Gedanken können deine Laune auch wieder verbessern. Diese Gedanken werden entweder durch einen äußeren Umstand angestoßen oder du kommst selbst auf die Idee, deine Gedanken zu verändern. Weit verbreitet ist der Glaube daran, dass Emotionen von den Handlungen anderer Menschen oder den Umständen bestimmt werden.

In der Regel läuft es bei uns folgendermaßen ab:
Eine Person sagt etwas zu uns und wir fühlen uns verletzt. Doch warum? Die erlebte Situation erinnert uns an eine frühere negative Erfahrung. Diese Erfahrung ist ein Gedanke, den wir umgehend bewerten. Das läuft meistens unbewusst ab. Die Folge dieser Bewertung ist dann eine Emotion. Vielleicht kommen Wut oder Trauer auf. Es ist bei genauerem Hinsehen also nicht die Situation an sich, die das negative Gefühl ausgelöst hat. Das Gefühl ist nur eine Reaktion auf unsere Bewertung der Gedanken, die wir in Bezug auf diese bestimmte Situation haben.

Das ist keinesfalls eine neue Erkenntnis.
Schon der Philosoph Epiktet stellte vor ungefähr 2000 Jahren fest: Nicht die Dinge machen uns zu schaffen, sondern die Art und Weise, wie wir diese wahrnehmen. Wenn man diesen Umstand verinnerlicht, fühlt man sich weniger als Opfer von unglücklichen Umständen.

Gibt es so etwas wie Nervenautobahnen, welche immer wieder die gleichen Gedanken hervorbringen?

Mit Gedankengängen verhält es sich ähnlich wie mit Gehwegen.
Stell dir einmal vor, du gehst durch einen Wald. Wenn du noch nie durch diesen Teil des Waldes gekommen bist, dauert es recht lange bis du ihn durchquert hast. Der Weg ist uneben und schwierig. Bist du den Weg schon häufiger gegangen, befindet sich hier schon ein kleiner Trampelpfad und du kommst schneller voran. Aus einem Pfad kann eine Straße werden. Aus einer Straße eine Autobahn. Je besser ein Weg ausgebaut ist, desto schneller kommst du voran.

Im Gehirn läuft es ähnlich ab.
Wenn wir etwas lernen, bilden sich dementsprechend neue Synapsen aus. Je mehr Wissen wir zu einem Thema anhäufen, desto mehr Synapsen entstehen. Die neuronalen Verbindungen im Gehirn verändern sich also. Dabei spricht man auch von Neuroplastizität. Hier spielt die Wiederholung ebenfalls eine wichtige Rolle. Je öfter wir eine bestimmte Reaktion auf einen bestimmten Reiz zeigen, desto wahrscheinlicher zeigen wir diese Reaktion auch in Zukunft.

Diese Nervenautobahnen sind also so gesehen nicht die Ursache für gleichbleibende Gedankenmuster. Sie sorgen allerdings dafür, dass diese bestimmten Gedanken schneller aufkommen als andere Gedanken.

Sind Gedanken erlernbar und welcher Zusammenhang besteht zu Gewohnheiten?

Durch Gewohnheiten werden diese neuronalen Straßen ausgebaut und werden häufiger benutzt.

Die Reizübertragung läuft schneller ab. Die Konsequenz ist dabei, dass wir uns nicht viel Zeit für Entscheidungen nehmen müssen. Das kann viele Vorteile haben. Besonders im Alltag ist es praktisch, nicht lange überlegen zu müssen, wie das Zähneputzen funktioniert oder wie man beim Autofahren den Gang wechselt. Doch der Nachteil ist, dass wir uns auch Dinge angewöhnen, die uns nicht wirklich helfen. Zum Beispiel negative Gedanken, die automatisch auf einen Reiz folgen und unsere Laune vermiesen.

Zum Glück können diese Autobahnen auch in eine positive Richtung gelenkt werden.
Neuronale Verbindungen, die selten genutzt werden, verkümmern sozusagen. Wenn du es also ändern möchtest, dass du automatisch in negative Gedanken fällst, kannst du das tun. Dafür müssen zunächst alternative Gedanken erdacht werden, welche du in Zukunft in solchen Situationen denken möchtest.

Damit ist der erste Schritt bereits getan.
Je öfter du dann diese positiven Gedanken alternativ zu den negativen anwendest, desto häufiger werden dir diese in den Sinn kommen. Du baust eine neue Nervenautobahn. Zeit ist hierbei ein entscheidender Faktor. Je länger und engagierter du bei den neuen Gedanken bleibst, desto besser wirst du sie verinnerlichen. Und umso besser gelingt deren Abruf in der entscheidenden Situation.

Über den Autor:

Mein Name ist Mathias Mücke und ich bin Autor und Inhaber von ScioDoo.

Das Ziel von ScioDoo ist es, dass du hier Informationen findest, welche du für deinen Alltag, Schule, Studium oder eine betriebliche Weiterbildung brauchst.

Aber nicht nur das...

Gleichzeitig will ich das Wissen recht unterhaltsam servieren, so dass du vielleicht mal wiederkommst.

Ich weiß selbst, dass dieser Ansprung enorm ist.

Aber deshalb arbeite ich auch jeden Tag an mir und an diesem Projekt, so dass du auch jeden Tag neues kostenloses Wissen bekommst.

Nicht schlecht, oder?

Also bis später vielleicht.

LG Mathias Mücke


Tasse

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