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Was bedeutet Kaiserpfalz: Definition und Bedeutung


Die Königs- oder Kaiserpfalz sind verschiedene Reisepunkte, welche Könige, Kaiser und andere Herrscher im Mittelalter aufsuchten, um von dort aus ihren Regierungsgeschäften nachzugehen. Diese Orte waren neben dem Stammsitz eines Königs oder Kaisers, weitere wichtige Stützpunkte des Regierungsgeschehens.

Was bedeutet Pfalz: Definition und Bedeutung

Das Wort Pfalz bezeichnet nicht nur eine Gegend in Deutschland, sondern auch einen Gebäudekomplex. Davon gibt es im gesamten Bundesgebiet sowie in Österreich und der Schweiz gleich mehrere. Sie dienten einst als Quartiere für Herrschende – und tragen daher auch die Bezeichnung Königs- oder Kaiserpfalz.

Die bekannteste von ihnen steht in Aachen. Sie ist eng mit Karl I. verknüpft, der aufgrund seiner außergewöhnlichen Körperlänge auch „der Große“ genannt wurde. Er selbst ließ sich gern „Carolus Magnus“ rufen – denn diese lateinisierte Namensform entsprach ganz seinem Vorbild, dem Römischen Reich. Weil er die Kultur des Staates so liebte, ahmte er sie häufig nach. So ließ Karl I. in Aachen ein Schwimmbad errichten, das durch die umliegenden Thermalquellen gespeist wurde. Die landesweit einzigartige Einrichtung machte den Standort zur Lieblings-Pfalz des Kaisers. Hier kehrte er nach seinen Reisen besonders gern ein und ließ das Gebäude daher besonders prächtig ausstatten.

  • Doch inwiefern konnte Karl eine Lieblings-Pfalz haben?
  • War Aachen nicht sein eigentlicher Wohnsitz?
  • Von welchen Reisen kehrte er ein und hatte er noch andere Residenzen?

Pfalzen als königliche Herbergen

Antworten auf all diese Fragen liefert das Wort Pfalz. Es entstammt der mittelhochdeutschen Sprache und bedeutet so viel wie „fürstliche Wohnung“. Das ist etwa gleichbedeutend mit dem lateinischen Begriff Palast, der ebenfalls ein prachtvolles Bauwerk bezeichnet. Wenn Karl in seine Pfalz kam, war er quasi zuhause.

Als Herrscher des frühen Mittelalters besaß er jedoch keinen festen Wohnsitz, sondern zog viel herum. Er sah mal hier nach dem Rechten und mal da; schlichtete dort einen Streit und führte anderswo eine Verhandlung. Dieses Regierungsmodell ist als „Reisekönigtum“ in den Geschichtsbüchern verankert. Sein Vorteil bestand darin, dass der Herrscher allgegenwärtig war und jeden Zipfel seines Landes persönlich kennen lernte.

Ein landesweites Netz

Doch da Reisen im Mittelalter eine beschwerliche Sache war, kam der Regent dabei nur langsam voran. Mehr als 20 oder 30 Kilometer pro Tag schaffte er mit einem ganzen Hofstaat zu Pferd oder im Wagen nicht. Darum standen in genau diesen Abständen überall „fürstliche Wohnungen“ bzw. Pfalzen. Neben Aachen waren Worms, Eisleben und Fulda bekannte Adressen; doch prinzipiell konnte der König überall in eine Pfalz einkehren. Viel weiter als eine Tagesreise lagen die Gebäude nicht auseinander.

Krönungsort zahlreicher deutsch-römischer Herrscher

Aachen aber blieb eine Ausnahme unter den verfügbaren Bauten. Die hiesige Pfalz gefiel nicht nur Karl am besten, sondern auch nachfolgenden Herrschern. Aufgrund ihrer Größe und prachtvollen Ausstattung wurde sie zum Krönungsort der deutsch-römischen Könige. Über mehrere Jahrhunderte hinweg bekamen Regenten in der Aachener Pfalz ihre Herrschafts-Insignien verliehen – das Zepter, den Reichsapfel und die Krone.

Otto I. ließ zu diesem Zweck ein Gotteshaus errichten, für das er 936 den Grundstein legte. Heute ist dieses Gebäude als Hoher Dom zu Aachen bekannt und hat seinem Standort die Kosebezeichnung Aix-la-Chapelle eingebracht.


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