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Was bedeutet Seelenfrieden: Definition und Bedeutung


Seelenfrieden ist ein Zustand des Einklanges mit sich selbst, seinen inneren Werten und der Außenwelt. Dieser Zustand der inneren Harmonie führt zur Glückseligkeit, die ein Grundwert antiker Lehren wie dem Epikureismus und dem Streben nach Eudaimonie (Leben mit guten Geistern/gutem Geist) war.

Seelenfrieden als eine Zusammensetzung aus Seele und Frieden

Im Zusammenhang mit Seelenfrieden bedeutet Seele:

  • Die Gesamtheit dessen, was das Fühlen, Empfinden, Denken eines Menschen ausmacht (das Nicht-Materielle bzw. Physische); im erweiterten Sinn auch Psyche (psychische Krankheit = Seelenleiden).
  • Der substanz- und körperloser Teil des Menschen, der nach religiösem Glauben unsterblich ist oder nach dem Tode sogar weiterlebt.
  • Ein spirituell-geistiges Wort für Mensch, das dessen Wesen beschreibt: Eine treue oder brave Seele.
  • Essenz einer Sache oder einer Struktur: Sie ist sie Seele des Betriebes; dieser Ort scheint eine Seele zu haben.

Darüber, was die Seele nun wirklich ist oder nicht ist, streiten sich seit Jahrtausenden Gelehrte, Religionsführer und Philosophen. Es gibt derzeit keine wissenschaftlich fundierten Beweise für die Existenz einer Seele.

Interessanterweise werden auch der innere Lauf einer Feuerwaffe und der innere Strang von Kabeln und Seilen als „Seele“ bezeichnet. Das deutet darauf hin, dass die Seele etwas ist, das uns innewohnt oder unseren Kern ausmacht.

Das deutsche Wort Seele kommt vom mittelhochdeutsch „sele“ oder vom germanischen Wort „saiwaz“ für „See“. In der Vorstellung der alten germanischen Völker wohnten die Seelen der Ungeborenen und Toten im Wasser, wobei es auch eine Vorstellung von himmlischen Wassern und Totenreichen im Himmelreich gab.

Frieden wird so definiert:

  • Einheit (mit sich und der Umwelt), Harmonie, Abwesenheit von Konflikt und Streit.
  • Der Zustand, in dem kein Krieg herrscht.

Was bedeutet Seelenfrieden?

Der Seelenfrieden ist demnach ein Zustand, in dem der Mensch:

  • einen inneren Frieden empfindet, in welchem Harmonie zwischen den verschiedenen Elementen vorherrschend ist
  • die Abwesenheit von Streit und Konflikt (im Innen wie im Außen)
  • Übereinstimmung, Konsens und Einheit zwischen einem Selbst und der Umwelt bestehen

Den Zustand des Seelenfriedens kennen in unserer heutigen Zeit nur sehr wenige Menschen. Das war auch in vergangenen Zeiten so. Dennoch kannten die Menschen das Streben des Menschen, der Persönlichkeit oder der Seele, eben diesen Frieden oder eine unschuldige Form der Glückseligkeit zu finden, in dem Friede und Freude einen Menschen von Last, Streit und Konflikt befreien.

Manchmal sagt man nach dem Tode eines Menschen, „Jetzt hat er seinen Seelenfrieden gefunden!“. Dennoch sollten Menschen zu Lebzeiten daran arbeiten, in Frieden, in Harmonie mit sich selbst und anderen zu leben. Das Streben danach und die Frage, wie man Seelenfrieden erreichen könnte, beschäftigte schon die größten Denker und Gelehrten der Antike. Neben Mathematik, Astronomie und der Naturwissenschaft studierten Sokrates und andere Größen auch mit Fragen des Seelenlebens und der Glückseligkeit des Menschen.

Synonyme für Seelenfrieden

Seelenfrieden ähnelt diesen Begriffen und Beschreibungen oder kann mit ihnen gleichgesetzt werden:

  • im Einklang (mit sich und der Welt) sein
  • Selbstzufriedenheit
  • Glückseligkeit
  • Harmonie
  • Seelenheil
  • Seelenglück
  • Friedfertigkeit
  • Gemütsruhe
  • Seligkeit.

Die Lehre des Epikureismus und der Seelenfrieden

Der Epikureismus ist eine antike Lehre, die auf den griechischen Philosophen Epikur zurückgeht und ab dem 4. Jahrhundert vor Christus entstand. Kernthema dieser Lehre ist das Erreichen einer inneren Glückseligkeit, die weit über den reinen Seelenfrieden hinausgeht. Die Seelenruhe (Ataraxie) wird aber als Grundlage für das Erreichen eines Zustandes der froh gestimmten Heiterkeit beschrieben.

So spielte die Lust eine zentrale Rolle in den Gedankengängen der Epiker. Allerdings ist mit dem Wort Lust in diesem Falle nicht das materielle Vergnügen oder eine sexuell-fleischliche Begehrlichkeit gemeint. Vielmehr geht es um Lust als ein Geisteszustand, der durch Übung erreicht werden kann und erfüllend ist. Lust ist demnach nicht Vergnügen sondern Zufriedenheit. Und der Zustand der höchsten Glückseligkeit wird als „Eudaimonia“ beschrieben.

Epikur sagte, um dieses Glück zu erreichen, müssten Menschen „im Verborgenen“ leben, was häufig als ein von der Gesellschaft zurückgezogenes Leben interpretiert wurde. Andere Auslegungen sehen in dieser Verborgenheit ebenfalls eine Geisteshaltung und weniger den generellen Verzicht auf menschliche Gesellschaft oder ein öffentliches Leben. Stattdessen sollte der Mensch genau abwägen, welche Dinge er in den Vordergrund dringen lässt und welche im Hintergrund verborgen bleiben.

Innere Glückseligkeit wird demnach dann empfunden, wenn bestimmte Dinge weggelassen werden dürfen. Dies unterscheidet Glückseligkeit von Glück. Denn Glück ist das Zulassen und Ausleben bestimmter Umstände, welche einen Vorteil versprechen und Glückseligkeit ist das Weglassen bestimmter Zustände, welche nicht benötigt werden und nur für Ablenkung sorgen.

Seine Weisheit zog Epikur unter anderem aus Naturbeobachtungen. Für ihn waren diese Zusammenhänge und die im natürlichen Sein erworbenen Zustände „echter“ als die Lehren von Glauben und Religion (Glaube an viele Götter, die über das Schicksal der Menschen bestimmten). Epikur sah nicht die Götter als verantwortlich für das Schicksal, sondern den Menschen selbst.

Der Epikureismus war neben der Stoa (das Lebensglück hängt nicht von Reichtum oder Ruhm ab, sondern von der inneren Einstellung zum Leben und einem ausgeglichenen Seelenzustand) und dem Atomismus (die Schöpfung besteht aus kleinsten Teilchen, die sich in einem leeren Raum bewegen) die einflussreichste philosophische Schule des Hellenismus und wurde später auch von den Römern übernommen und gelehrt.

Erst mit der Blüte des Christentums ab der Regentschaft von Konstantin dem Großen (3. Jhd. n. Chr.) verschwand der Epikureismus.
Der Glaube an eine Glückseligkeit des Einzelnen (bzw. der Seele) in Einklang mit natürlichen Harmonien wurde durch die damalige Auslegung des Christentums (selbstloser Glaube an einen Gott und Erlöser) als häretisch (im Widerspruch zur Kirche) empfunden.

Eine neue Blüte erlebte der Epikureismus mit der Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert und mit dem Einsetzen des Humanismus ab dem 18. Jahrhundert. In der Moderne versuchte man die Lehren des Epikur mit christlichen Ansichten zu harmonisieren.

Epikur wurde der Überlieferung nach am 20. Gamelion (Januar) 341 v. Chr. auf der griechischen Insel Samos geboren. Ab seiner Jugend studierte er die Natur und Philosophie. Dabei beschäftigten ihn vor allem die damals großen Fragen über Sinn oder Chaos der Schöpfung und menschlichen Seins. Als seine Vorbilder gelten Platon und Aristoteles. Der Sohn eines armen Landwirtes bekam durch Gönner ein Studium in Athen ermöglicht. Dort lernte er wahrscheinlich vom Platoniker Xenokrates und wurde selbst Lehrer der Philosophie.

Ab 307 v. Chr. hatte er ein Haus in Athen, wo Epikur einen Kreis Schüler und Anhänger um sich scharte. Sein Lehrzentrum und seine Schüler bezeichnete er als Garten. Im 271 v. Chr. starb Epikur an einem Nierenleiden, das er Zeitzeugen zufolge mit einer unglaublichen Ruhe ertragen hatte. Sein Werk hinterließ Epikur vor allem in Form von kurzen Lehrsätzen, die seine Schüler auswendig lernten und rezitierten:

„Ein glückliches und unvergängliches Wesen hat weder selbst Schwierigkeiten, noch bereitet es einem anderen Schwierigkeiten. Daher hat es weder mit Zornesausbrüchen noch mit Zuneigung zu tun; denn alle Gefühle dieser Art sind Zeichen von Schwäche.“

„Der Tod hat keine Bedeutung für uns; denn was sich aufgelöst hat, empfindet nichts; was aber nichts empfindet, hat keine Bedeutung für uns.“

Das Prinzip der Eudaimonie

Der Begriff der Eudaimonie ist weit älter als die Lehre Epikurs. Schon Sokrates beschäftigte sich mit diesem Geisteszustand der Glückseligkeit. Bevor die Philosophen den Begriff diskutierten, war Eudaimonie ein ganz normaler Begriff der griechischen Alltagssprache und bedeutete in etwa „Glück“ oder „Glückseligkeit“. Der Begriff enthält die Wörter „Dämon“ und „Harmonie“. Man kann das griechische Adjektiv „eudaimon“ mit „mit einem guten Dämon verbunden“ übersetzen.

Moderne Interpretationen sehen den Begriff „Glück“ oder „Glückseligkeit“ als Übersetzung als zu einseitig an. In Originaltexten bleibt Eudaimonie daher meistens als Eigenbegriff unübersetzt. Gelegentlich wird der Begriff mit Synonymen gleichgesetzt:

  • Seelenfrieden bzw. Seelenglück
  • ausgeglichener Gemütszustand
  • Fülle oder Lebensfülle in Sinne eines Reichtums, der nicht von Materiellem abhängt, dieses aber auch nichts ausschließt (so wie die antiken Schulen das oft taten)
  • vom Leben gesegnet sein
  • Glückskinder usw.

Dämonen und der Seelenfrieden

In unserem neuzeitlichen Verständnis werden Dämonen (griech. Daimones) oft mit dunklen, negativen Wesen gleichgesetzt. In der christlichen Religion wurden sie als niedere Gegenspieler der hohen und reinen Engelwesen interpretiert. Andere Kulturen ziehen diese strenge Linie nicht. Es gibt gute und böse Dämonen beziehungsweise aufbauende und abbauende Kräfte, mit denen man als Mensch in Kontakt stehen kann. Die östlichen Weisheitsschulen lehren ein Gleichgewicht der dunklen und hellen Kräfte (Yin und Yang). Die meisten indigenen Völker kennen den Glauben an gute und böse Geister, von denen Menschen besetzt oder durchdrungen sein können.

Im alten Griechenland waren die Daimones Schicksalskräfte, Götter oder gottähnliche Geister, die in das menschliche Leben hineinwirkten und untrennbar damit verbunden waren. Hatte jemand ein helles und erfolgreiches Wesen, galt er als „eudaimon“, „glückselig“ oder „von einem guten Schutzengel begleitet“. Heute würde man auch Dinge wie erfolgreich, charismatisch oder „von den Göttern geküsst“ dazu sagen.

Solchen Menschen wurde Gesundheit, Wohlstand, Seelenfrieden, Erfolg und Ansehen zuteil. Das Gegenteil war der „kakodaimon“, der von einem schlechten Daimon besessene Mensch, den das Pech verfolgte und dem es übel erging.

Die großen Philosophen und die Eudaimonie

Es war typisch für die Auslegung der antiken griechischen Philosophen, dass sie weniger von einem Einfluss von Außen (Schicksal, Glück oder Pech) oder dem Wirken von Gottheiten ausgingen. Sie sahen die Ursache für Glückseligkeit im Inneren des Menschen, in dessen Seele (die Griechen bezeichneten die Seele als Psyche oder Pneuma, was in etwa Geist bedeuten würde).

Der Mensch entschied deren Ansicht nach selbst durch sein Verhalten und seine inneren Einstellungen (Tugenden und Ethik), ob er Glückseligkeit und Seelenfrieden fand oder nicht. Zu den Grundtugenden gehörten Begriffe wie:

  • Selbstgenügsamkeit (Autarkie), in der Glück nicht von äußeren Faktoren abhängt, sondern im Inneren des Menschen entspringt.
  • Nur wer eine Gemütsruhe (Seelenfrieden) für sich erreicht hatte, konnte den äußeren Umständen trotzen, selbst große Belastungen gelassen nehmen und sich dadurch das Glück bewahren.
  • Freiheit von Angst und Todesfurcht. Einigen Philosophen zufolge stellte sich dieser Zustand mit dem Erreichen der Eudaimonie von selbst ein.

Laut dieser Überzeugung würde Seelenfrieden erreicht werden, indem man erkennt – dass nur innere Faktoren ein Beitrag leisten und von Bedeutung sind. Dadurch würde die Bedeutung von Umweltfaktoren (Dämonen) abgeschwächt bzw. derart gemindert werden, dass die innere Harmonie stabil erhalten bleibt, auch wenn Reize in der Umwelt auftreten, welche das Harmoniegebilde bedrohen. Diese allgemein definierte Überzeugung wurde von den griechischen Philosophen der Antike aufgegriffen und durch weitere Gedanken erweitert. Zu diesen zählen:

  • Heraklit (520-460 v. Chr.), der für den Ausspruch „panta rei“, „alles fließt“ bekannt wurde, nutzte den Begriff als erster in einem philosophischen Kontext. Er grenzte die Glückseligkeit vom Glauben der Volksreligion an ein gottgesandtes Schicksal ab und behauptete: „Für den Menschen ist sein Ethos (seine Lebenshaltung) sein Daimon.“
  • Sokrates (469-399 v. Chr.) galt als ein Meister der Eudaimonie. Allerdings geriet er durch sein Wirken und seine Thesen mit den Mächtigen Athens in Konflikt. Im Alter von 70 Jahren bezichtigte man ihn des Hochverrates und richtete Sokrates durch Vergiften hin. Sein Schicksal soll er gelassen bis heiter genommen haben. Sokrates hinterließ keinerlei Aufzeichnungen. Er soll seinen Schülern ein Leben in Glückseligkeit empfohlen haben, deren höchstes Gut die Lebenslust (Hedonismus) war. Dennoch war dieses Lustempfinden ungebunden an materielle Güter oder körperliche Genüsse.
  • Platon (428-347 v. Chr.) war einer der bekanntesten Schüler Sokrates’ und verbreitete nach dessen Tod die Lehren des Meisters auch in schriftlicher Form und entwickelte sie weiter. Platon achtete die Lust, sah sie aber trotzdem als einen niederen Wert an. In seiner Ethik nahm „das Gute“ als eine metaphysische Erfahrungsebene der Realität den höchsten Stellenwert ein. Nach Platons Annahme ist die menschliche Seele in ihrer Natur dem Göttlichen ähnlich. Durch Seelenfrieden, Tugendhaftigkeit und Eudaimonie könne zu Lebzeiten eine Nähe zu göttlichen Sphären erreicht werden. Erotik und der Eros waren für Platon gleichbedeutend mit einer seelischen Liebe und einem Begehren, das sich nicht nach Körperlichkeit sehnte oder von ihnen abhing (platonische Liebe).
  • Xenophon (430-425 v. Chr.) war der zweite Meisterschüler des Sokrates sah die Tugend und Eudaimonie als untrennbare Werte. Tugenden waren aber keine strengen Pflichten, sondern das Streben des Menschen nach Tüchtigkeit oder Vortrefflichkeit (Persönlichkeitsentfaltung), um Seelenfrieden und Glückseligkeit zu erreichen. Xenophon betonte, dass für ein wirklich glückliches und erfolgreiches Leben auch Werte im Außen, Besitz, Wohlstand, Lob und Anerkennung notwendig seien. Mühelos erreichbares Vergnügen war für Xenophon kein echtes Glück.
  • Aristoteles (384-322 v. Chr.), ebenfalls Plantons Schüler, widmete sich vor allem der Definition der Tugenden und Werte. Er zählte Reichtum, Gesundheit, Schönheit, Macht und Ansehen sowie die Tugenden Besonnenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Weisheit zu den Grundpfeilern der Eudaimonie. Als wichtigstes Gut galt ihm der Erfolg. Wissen und Einsicht in das, was der Mensch am dringendsten benötigt, waren für ihn die Tore zur Weisheit und zum Erreichen der inneren Ruhe und Glückseligkeit. Er teilte nach Frieden und Glück strebende Menschen in drei Gruppen: Die Genussmenschen, Diener des Staates und Menschen, die sich der Philosophie (Wissenschaft) hingaben.

Seelenfrieden im Christentum und in der Moderne

Durch die christlichen Auslegungen von Werten wie Dämonen, Leid und das Wohl des Einzelnen änderte sich auch die Haltung der Menschen dem Glück gegenüber. Pflicht, stummes Ertragen von Leid und ein Streben nach einem Himmelreich nach dem Tod galten lange als hohe christliche Werte.

Nur wer sittlich lebte, eigene Bedürfnisse zurücksteckte und Gottes Gebote streng einhielt, konnte dafür Erlösung (Seelenheil oder Seelenfrieden) erwarten. Werte wie Erlösung, Seelenfrieden und Glückseligkeit erinnern an das Glücksstreben der Antike, dennoch war das Christentum lange von Dunkelheit (Ausrottung von Heiden, Hexenverfolgungen) und der Abwertung menschlichen Lebens auf der Erde geprägt.

Neuzeitliche Philosophen wie Immanuel Kant lehnten das Konzept der Eudaimonie ab, weil sie das Streben nach Glückseligkeit für einen niederen Wert hielten und die tugendhafte Pflichterfüllung als höchstes Gut ansahen. Solche Werte finden wir heute noch als Grundglauben in der westlichen Zivilisation (Leistungsgesellschaft statt Glücksgesellschaft).

Die Menschen sehen das größte Glück in der Pflichterfüllung (Arbeit) und oft auch dem Anhäufen materieller Güter (Streben nach Sicherheit statt Glückseligkeit). Weil diese Dinge aber oft keinen Seelenfrieden bringen, nehmen geistig-psychische Krankheiten rasant zu.

Östliche Philosophien und Religionen kennen den Seelenfrieden und die Glückseligkeit als eine Form der Erlösung des Geistes aus dem Dualismus (den Widersprüchen und Gegensätzlichkeiten der Welt). Wer diesen Zustand durch Übung (Meditation, Verzicht, Geistesschulung) erreicht, ist frei vom Rad der Wiedergeburten in ein Karma gebundenes Leben (Prinzip von Ursache und Wirkung). Dieser Zustand kann zu Lebzeiten erreicht werden und gilt als Meisterschaft über das Leben. Durch den großen Seelenunfrieden in unserer Gesellschaft finden östliche Werte und eine neue Spiritualität immer mehr Anhänger.

Die moderne westliche Spiritualität kennt den Begriff der Fülle. In diesem liegen Werte wie Gesundheit (auch Selbstheilung), der Zugang zu metaphysischen Dimensionen (die Schönheit, Liebe und Glückseligkeit), sowie die Auflösung des Egos als Abwendung von selbstsüchtigem Streben und belastenden materiellen Bindungen.

Die Fülle wird auch mit dem „Flow“ (Heraklit, panta rhei, alles fließt), einem natürlichen gewinnbringenden Fließen von glücklichen und Erfolg bringenden Ereignissen, in Verbindung gebracht.

Der innere Frieden oder Seelenfrieden gilt als eine Grundvoraussetzung für das Erleben der Fülle und weitere Zustände wie Ekstase (Verzückung) oder Erleuchtung (Einsichten in die Wirklichkeit der Welt).

Zusammenfassung

  • Der Begriff Seelenfrieden bezeichnet einen Zustand der Zufriedenheit mit sich selbst und dem Einklang von inneren und äußeren Werten.
  • Die Seele wird gemeinhin als ein innerer Anteil des Menschen gedeutet, der mit dem Gefühlsleben, den Emotionen, Werten und der Psyche (oder auch Persönlichkeit) zu tun hat.
  • Der griechische Philosoph Epikur begründete im 4. Jhd. v. Chr. den Epikureismus. Diese Lehre rät zu einem Leben in Seelenfrieden und Eudaimonie, was zu einer gelassenen Erhabenheit über das Auf und Ab dieser Welt führen soll.
  • Eudaimonie ist ein Begriff aus der altgriechischen Sprache und bedeutet so viel wie, von guten Geistern geführt und geleitet zu sein.
  • Ab ca. dem 5. Jhd. v. Chr. begannen die großen griechischen Philosophen über das Wesen und die Natur der Eudaimonie zu diskutieren.
  • Sokrates, Platon, Xenophon und Aristoteles kamen zu jeweils unterschiedlichen Auslegungen und Lehren über den Zustand der „Glückseligkeit“.
  • Seelenfrieden galt als Basis für das Erreichen des Zustands der Glückseligkeit oder inneren Verzückung, die von äußeren Werten unabhängig war, sie aber nicht zwingend ablehnen musste.
  • Durch die Tugenden des Christentums und später dem Realismus der Aufklärung gerieten die Werte der Eudaimonie in Misskredit.
  • Erziehung der Neuzeit setzen Tugenden wie Pflichterfüllung und Leistung vor Werte wie Glückseligkeit oder ein Leben in einer inneren Fülle.
  • Die Ziele vieler östlicher Weisheitsschulen und Religionen ähneln den Ideen der antiken Eudaimonie. Ebenso die Bestrebungen der modernen westlichen Spiritualität (einschließlich New Age Bewegung und Esoterik).