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Zivilisation: 13 Fragen & Antworten zum Begriff + Geschichte


Die Zivilisation (lateinisch: civis = Bürger) ist eine Gesellschaftsform, welche durch technologischen Fortschritt, moralische Grundprinzipien und daraus abgeleiteten Rechtsvorschriften ihren Bürgern bestimmte Rechte garantiert und gleichzeitig Pflichten abverlangt, welche das soziale Zusammenleben der Menschen bestimmen. Gelenkt werden Zivilisationen durch Politik, welche Vorschriften erlassen und durch die Wirtschaft, welche für eine Verteilung des Wohlstands sorgt.

Was bedeutet Zivilisation?

Eine Zivilisation bezeichnet eine Gesellschaft mit einem hohen Entwicklungsstand. Die Gesellschaft kann dabei aus einem oder mehreren Völkern bestehen, umfasst aber normalerweise eine hohe Anzahl an Personen.

Das Wort fasst den Entwicklungsstand der Gesellschaft zusammen. Wichtig sind hierbei technologische, wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und politische Aspekte.

Nach dieser Definition entsteht eine Zivilisation aus dem natürlichen Bedürfnis des Menschen, sich zu Gruppen mit ähnlichen Vorstellungen zusammenzufinden.

Was ist eine antike Zivilisation

Die Antike war ein historische Epoche in Europa zwischen 800 v.Chr. und 600 n.Chr. Zur Antike werden vornehmlich zwei Kulturen gezählt, das antike Griechenland und das Römische Reich.

Weiterhin werden auch Kulturen in diese Epoche gezählt, welche von Griechenland und Rom kulturell beeinflusst wurden. Dies waren bspw. die Gallier oder die Germanen.

Eine antike Zivilisation ist demnach eine Kultur, welche zwischen 800 v.Chr. und 600 n.Chr. den beiden antiken Staaten zuzuordnen ist oder die von beiden Staaten kulturell geprägt wurde. Kulturen, wie in China , Mesopotamien (z.B. Babylonier, Assyrer) oder im Nahen Osten (z.B. Phönizier) existierten zeitgleich, hatten aber andere Kulturen – weshalb man diese Zivilisationen nicht zur Antike sondern zum Altertum zählt.

Was ist der Unterschied zwischen „Zivilisation“ und „zivilisiert“?

„Zivilisation“ bezeichnet eine große Gruppe Menschen. Mit „zivilisiert“ meint man hingegen meist einige wenige oder sogar nur eine einzelne Person. Entsprechend werden die Begriffe unterschiedlich definiert.

Sagt man, dass jemand zivilisiert sei, meint man damit sein Benehmen in der Öffentlichkeit und seine Umgangsformen. Eventuell spielt auch sein Bildungsstand eine Rolle. Um zivilisiert zu sein, muss sich die Person in der Öffentlichkeit an geltende Regeln und Gesetze halten. Müll einfach auf die Wege zu werfen oder sich laut und störend zu verhalten, empfinden wir oft als unzivilisiert.

Auch das Nutzen von Schimpfwörtern und unhöfliche Sprache gegenüber Fremden fassen wir negativ auf. Ein niedriger Bildungsstand wird direkt mit dem Entwicklungsstand der Zivilisation, in der die Person aufgewachsen ist, verbunden. Entsprechend erscheint sie zivilisierter, wenn sie hochgebildet ist.

Zivilisiert bedeutet demnach, dass sich eine Person in eine bestehende Zivilisation – mit Regeln und Gesetzen – einordnet. Unzivilisiertes Verhalten ist demnach eine Nichtanpassung oder Missachtung dieser Regeln. Allerdings wird der Begriff lediglich individuell genutzt. Es gibt keine allgemein gültige Definition (mit Merkmalen) für zivilisiertes Verhalten.

Warum heißt es „Zivilisation“?

Der Begriff „Zivilisation“ stammt aus dem Lateinischen. Ursprung ist das Wort „civis“, was übersetzt „römischer Bürger“ oder „Städter“ heißt. Im Deutschen wurde daraus im Mittelalter zunächst „zivil“, was man synonym zu „bürgerlich“ benutzte.

Im Französischen nutzte man das Wort ab dem 18. Jahrhundert als Gegenbegriff zu „Barbarei“. Vor allem wollte man sich damit eine Möglichkeit erschaffen, Länder außerhalb Europas als „unzivilisiert“, also „barbarisch“ zu bezeichnen.

Das ebnete unter anderem den Weg für den Kolonialismus. Schon vorher rechtfertigte man dieses Vorhaben damit, dass die indigene Bevölkerung primitiv sei. Auch wurde ihnen häufig Kannibalismus vorgeworfen, auch wenn es dafür keine Anhaltspunkte gab. Zusätzlich spielte die christliche Missionierung eine große Rolle.

Als sich der Begriff der Zivilisation immer mehr verbreitete, trat dieser Grund nach vorn. Ein häufig angebrachtes Beispiel ist das Gedicht „The White Man’s Burden“ von Joseph Rudyard Kipling. Er schrieb auch „Das Dschungelbuch“. Das Gedicht handelt aber davon, dass der Kolonialismus eine Bürde der Weißen sei. Sie ziehen daraus keinen Vorteil, sondern seien aufgrund ihrer Zivilisation verpflichtet, diesen Vorteil in die unzivilisierte Welt zu tragen. Dass dabei gute Menschen sterben, hätten die Weißen in Kauf zu nehmen.

Später brachten die Briten das Argument der Zivilisation, als es 1920 um die Bedingungen im Vertrag von Versailles ging. Sie gaben an, dass das Deutsche Reich in den afrikanischen Kolonien keinen Fortschritt errungen hatte. Stattdessen hatte es ihnen Krieg und Völkermord gebracht. Entsprechend sollte es seine Kolonien verlieren.

Welche Merkmale hat eine Zivilisation?

Der Begriff der Zivilisation wird in unterschiedlichen Sprachen verschieden definiert. Entsprechend gibt es keine allgemein gültige Definition für eine Zivilisation. Allerdings treffen viele Merkmale auf so gut wie alle Zivilisationen zu, die wir kennen.

Sesshafter Lebensstil und Städte

Der Übergang vom nomadischen Leben zur Sesshaftigkeit ist für viele Zivilisationen das erste Merkmal, das sie erfüllen konnten. Alle Zivilisationen haben gemeinsam, dass sich ein Großteil des Lebens in städtischen Zentren abspielt.

Diese dienen als wirtschaftliche Knotenpunkte, bieten aber auch Platz für politische und kulturelle Entfaltung der dort lebenden Bevölkerung.

Die Sesshaftigkeit wird historisch als neolithisches Bündel bezeichnet, welches sich im Zuge der Neolithisierung, also dem Übergang von Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht ergab.

Landwirtschaft

Mit dem Wegfallen des Nomadismus brauchten die Menschen eine neue Nahrungsquelle. Zuvor waren sie Tierherden nachgereist und hatten als Jäger und Sammler gelebt. Bleibt man an einer Stelle, dünnt man das Wild im Umland zwangsläufig aus. Auch pflanzliche Nahrung, die gesammelt werden kann, geht irgendwann zur Neige. Daher musste eine neue, sichere Art der Nahrungsbeschaffung her.

Landwirtschaft ist deshalb ein sicheres Merkmal für Zivilisationen. Die Felder werden meist im direkten Umland der erbauten Städte angelegt, um kurze Transportwege einzuhalten. Der Übergang zur Landwirtschaft begann auf dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes etwa 10.000 v.Chr., weshalb dort die ersten Zivilisationen entstanden.

Der Fruchtbare Halbmond umfasst den Nahen Osten und Mesopotamien, wo die Neolithische Revolution vor etwa 12.000 Jahren begann und sich dann nach Südeuropa ausbreitete.

Hierarchien

Typisch für Zivilisationen sind hierarchische Strukturen, die zur Bildung einer Elite führen. Vor allem zu Beginn der Zivilisation ist die Elite sehr klein und deutlich besser gestellt als der Rest der Bevölkerung. Gleichzeitig entwickeln sich dadurch politische Strukturen mit Herrschern. Je nach Zivilisation können das Einzelpersonen oder Bevölkerungsgruppen sein. Demokratische Strukturen sind zum Beginn einer Zivilisation eher ungewöhnlich.

Arbeitsteilung

Hierarchische Strukturen und Sesshaftigkeit tragen dazu bei, dass die Menschen einer Zivilisation spezialisierte Berufe ausüben. Es ist nicht mehr jeder für die Beschaffung von Nahrung nötig. Manche Personen beschäftigen sich in anderen Bereichen. Da sie dafür nun mehr Zeit haben, können sie sich voll darauf konzentrieren. Die dabei entstehenden Stücke werden daher mit der Zeit hochwertiger.

Die Arbeitsteilung macht einen regen Handel nötig. Man tauscht oder zahlt mit Geld als universell einsetzbares Tauschmittel. Auch die Arbeitsteilung und Spezialisierung werden dem Neolithischen Bündel zugeordnet, da deren Grundlage die Landwirtschaft und die damit verbundene Überproduktion von Nahrung ist.

Schrift

Während der Sesshaftigkeit begann die Entwicklung erster Schriftsysteme. Die Schrift gilt daher auch als Merkmal der Zivilisation. Durch Schrift konnte Tauschhandel festgehalten werden, Besitz schriftlich fixiert werden, wodurch Gesetze den Besitzer schützen konnten.

Nomadenvölker gaben ihr Wissen mündlich weiter. Dabei ging jedoch immer wieder etwas verloren oder wurde vergessen. Schriften ermöglichen es, gesammelten Wissen über Generationen sicher aufzubewahren. Verfeinerungen sind dadurch einfacher möglich.

Technologischer Fortschritt

Schriften und die Arbeitsteilung führen zu einem beschleunigten Fortschritt in vielen Bereichen. Die Weiterentwicklung des gesammelten Wissens und neue Errungenschaften sind daher ein typisches Merkmal für Zivilisationen.

Dazu gehören beispielsweise landwirtschaftliche Techniken wie Pflüge und erste Mühlen. Beim Häuserbau musste man von transportfähigen Zelten auf überdauernde Bauwerke umschwenken. Gerade hier ist der Fortschritt deutlich sichtbar.

Aufwendige Tempelanlagen und Pyramiden wurden schon von sehr frühen Zivilisationen errichtet. Auch die Töpferei ist eine sehr frühe Kunst, die bereits von nomadisch oder halbnomadisch lebenden Völkern genutzt wurde.

Kulturelle Errungenschaften

Das Zusammenspiel der anderen Merkmale führt bei Zivilisationen auch dazu, dass sie sich kulturell schnell weiterentwickeln. Typisch sind unterschiedliche Kleidungsstile, je nach gesellschaftlichem Stand des Trägers. Auch Musik und Tänze spielten bereits in frühen Zivilisationen eine große Rolle. Bauwerke wurden häufig aufwendig geschmückt. Malereien und Skulpturen wurden daher immer wichtiger.

Darüber hinaus haben sesshaft lebende Menschen mehr Zeit, sich mit Mythologien und Religion zu beschäftigen. Auch Nomaden besitzen Religionen, diese sind aber oft einfacher aufgebaut (ohne Hierarchien im Götterbild) und verändern sich stärker, da ihnen die Schrift fehlt.

Was ist der Unterschied zwischen Zivilisation und Kultur?

Nur im Deutschen wird zwischen „Zivilisation“ und „Kultur“ unterschieden. In romanischen und angelsächsischen Sprachen werden beide Begriffe synonym verwendet. Das passiert je nach Kontext auch im Deutschen. Die Begriffe sind eng miteinander verbunden, meinen aber oftmals leicht unterschiedliche Facetten eines Themas.

So meint man mit „Kultur“ meist die geistigen und emotionalen Aspekte einer Gesellschaft. Der Begriff fasst kreatives und soziales Schaffen eines Volkes zusammen. Bereiche der Kultur sind daher Religion, Bräuche, Feste, Werte, Kunst und Musik, die ein Volk miteinander teilt.

Unter Zivilisation versteht man eher die Komplexität der Gesellschaft, die durch Fortschritte im technologischen Bereich erreicht werden. Soziale Aspekte sind ebenfalls wichtig, dienen aber ebenfalls eher dem Fortschritt und nicht der persönlichen Entfaltung. Es geht hierbei um Strukturen, nicht um Individualität.

Zivilisation wird demnach umgangssprachlich dazu genutzt, um eine gewisse Kulturstufe zu beschreiben, welche auf Regeln und Gesetzen beruht. Diese kann sich gegenüber „niederen Kulturstufen“ (Umgangssprache) – welche weniger komplex (einfacheres Regelwerk) abgrenzen.

Weiterhin ist Kultur ein persönlicher Begriff, der feinere Unterteilungen erlaubt. So kann ein Mensch Teil mehrerer kultureller Gruppen innerhalb seiner Zivilisation sein. Dabei bleibt er aber immer ein Teil einer Zivilisation und kann nicht zwischen ihnen wechseln.

Kultur ist dadurch wandelbarer als die Zivilisation, die sie umgibt. Diese ist gleichzeitig auf ihre starren Formen angewiesen, die sie erst möglich machen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kultur ein Bereich der Zivilisation ist. Genauer beschäftigt sich die Kultur vor allem mit der Identität des Einzelnen und den Möglichkeiten, sich kreativ zu entfalten. Die Zivilisation schafft den Rahmen sowie organisatorische und technologische Hilfsmittel, die das erst ermöglichen. (siehe auch Hauptartikel: Fragen und Antworten zu Kulturen)

Was ist der Unterschied zwischen Zivilisation und Hochkultur?

Der Begriff „Hochkultur“ bezeichnet eine Gesellschaftsform, die durch besondere Komplexität auffällt. Sie hebt sich damit von anderen Kulturen in ihrer Nähe (zeitlich oder örtlich) ab. Damit gemeint sind vor allem Gesellschaften des Alten Orients, Amerikas vor der Entdeckung durch Kolumbus sowie Indus- und Erlitou-Kultur.

Hochkulturen sind ebenfalls Zivilisationen. Bei der Entscheidung, ob man von einer Zivilisation oder spezieller von einer Hochkultur spricht, spielt das Umfeld eine Rolle. Hebt sich die Zivilisation durch ihre technologischen Fortschritte sichtbar von den Nachbarn ab, sprechen wir eher von einer Hochkultur. Auch wenn ihre sozialen Strukturen deutlich komplexer sind, wählt man eher die Bezeichnung als Hochkultur, als allgemein von einer Zivilisation zu sprechen.

Ein wichtiger Aspekt einer Hochkultur ist deren Blütezeit und deren Untergang. Die Kultur des antiken Griechenlands und des Römische Reich überdauern bis heute – weshalb griechische und lateinische Fachausdrücke existieren, die Monate und Wochentage nach griechisch-römischen Göttern benannt sind usw. Dadurch sind diese beiden Kulturen zwar Zivilisationen aber keine Hochkulturen, da das Untergangsmerkmal fehlt. (siehe Hauptartikel: 13 Merkmale von Hochkulturen und ihre Bedeutung an Beispielen erklärt)

Wo liegt die Wiege der Zivilisation?

Als „Wiege der Zivilisation“ werden frühe, hoch entwickelte Zivilisationen bezeichnet. Insgesamt gibt es sechs solche Wiegen, vier davon in der Alten Welt, zwei in der Neuen Welt.

Mesopotamien

Mesopotamien gilt als eine Wiege der Zivilisation. In Sumer, einem Bereich im südlichen Schwemmland Mesopotamiens, kam es um 5.000 v. Chr. zur Bildung der ersten Zivilisation. Daher entstanden auch die ersten Schriftstücke in sumerischer Sprache.

Die Sumerer entwickelten Bewässerungsmethoden für ihre Felder, wodurch ihre Städte wachsen und mehr Menschen beherbergen konnten. Dabei war jede Stadt politisch eigenständig. Sie führten regen Handel untereinander.

Ein bekannter Herrscher in Sumer war Gilgamesch. Im gleichnamigen Epos wird seine Geschichte mythologisch erzählt. Ihm gehörte die Stadt Uruk, die gleichzeitig die wichtigste der Sumerer war.

Das Alte Ägypten

Die Geschichte des Alten Ägyptens beginnt im vierten Jahrtausend v. Chr. Auch die Ägypter entwickelten eine Schrift, Bewässerungssysteme und aufwendige Bauwerke. Typisch für das Alte Ägypten waren reiche Grabbeigaben, wobei Tote teilweise auch ohne Geschenke begraben wurden.

Die Bevölkerung gliederte sich in eine soziale Hierarchie. An ihrer Spitze stand der Pharao, gefolgt von Priestern und Beamten. Handwerker und Bauern bildeten den Großteil der Bevölkerung und genossen gleichzeitig wenig Ansehen. Sklaven wurden immer wieder im Alten Ägypten gehalten.

Mehrgarh

Mehrgarh bezeichnet eine frühe Zivilisation im heutigen Pakistan. Sie entstand etwa um 7.000 v. Chr. Zu Beginn lebten die Menschen noch halbnomadisch, betrieben aber bereits Ackerbau mit Weizen und Gerste. Außerdem hielten sie Schafe, Ziegen und Rinder.

Töpferei kannten die ersten Menschen dieser Zivilisation noch nicht. Sie stellten aber geflochtene Körbe und Schmucke aus Perlen, Edelsteinen und Muscheln her. Ihre Häuser bestanden aus getrocknetem Schlamm und teilten sich in vier Räume auf.

Zivilisationen im Alten China

China vertritt eine eigene Entstehungsgeschichte des Menschen, in der China in den Fokus rückt. Demnach habe sich der moderne Mensch nicht in Afrika entwickelt, sondern in Asien. Die meisten Wissenschaftler außerhalb Chinas bezweifeln das jedoch stark.
Dennoch gab es auch im Alten China diverse frühe Zivilisationen. Daher kann dieses Gebiet ebenfalls als eine Wiege der Zivilisation angesehen werden.

Die früheste ist die Pengtoushan-Kultur, die von 7.500 bis 6.100 v. Chr. andauerte. Die Menschen der Pengtoushan-Kultur begruben ihre Toten mit Töpferwaren als Grabbeigaben und bauten Reis an. Überreste gefundener Reiskörner waren sichtbar größer als die des Wildreises. Man kann also davon ausgehen, dass die Menschen bereits eine Weile Landwirtschaft betrieben und den Reis gezielt nach Pflanzen mit mehr Ertrag aussuchten.

Etwas später, von 5.000 bis 3.000 v. Chr., existierte die Yangshao-Kultur. Sie stellten komplexere Töpferwaren her, hielten vor allem Schweine und Hunde und zogen Seidenraupen auf. Ihre Häuser waren quadratisch, rechteckig oder rund. Ihren Toten gaben sie unter anderem Nahrungsmittel ins Grab mit. Man kann daher davon ausgehen, dass die Yangshao-Kultur bereits an ein Leben nach dem Tod glaubte.

Norte-Chico-Zivilisation

Die Norte-Chico-Zivilisation ist auch als Caral-Supe-Zivilisation bekannt. Sie existierte etwa ab 9.000 v. Chr. in Peru. Die älteste bisher gefundene Pyramide wird auf ein Alter von ungefähr 5.200 Jahre geschätzt. Es muss mindestens 25 Städte gegeben haben, die zu dieser Zivilisation zählen. Keramik wurde erst später bekannt.

Olmeken-Zivilisation

Eine jüngere Zivilisation sind die Olmeken, die von etwa 1.500 bis 400 v. Chr. an der Küste des Golfs von Mexiko lebten. Es ist aber möglich, dass sie schon viel früher existierten, man bisher nur keine älteren Funde machen konnte.

Den Olmeken schreibt man die Erfindung von Ballspielen, Tempelpyramiden, Kalenderrechnung und der Schrift zu. Sie waren herausragend in der Steinbearbeitung und stellten Schmuck aus Obsidian und Jade her.

Was war die erste Zivilisation?

Die erste Zivilisation entstand mit der Neolithischen Revolution. Damit bezeichnet man den Beginn der sesshaften Lebensweise und das Aufkommen der anderen Merkmale einer Zivilisation dadurch. Welche Zivilisation die erste war, lässt sich nur vermuten.
Die ältesten Hinweise auf Zivilisationen stammen von um 9.500 v. Chr. aus der Levante. So bezeichnet man den Bereich, der östlich vom Mittelmeer liegt. Die Menschen stellten damals noch keine Keramik her, weswegen die Zeit Präkeramisches Neolithikum genannt wird. Je nach genauem Alter der Funde unterscheidet man sie in A (vor 8.800 v. Chr.) und B (nach 8.800 v. Chr.).

Typisch für diese Zeit war eine frühe Landwirtschaft und erste Haustiere. Die Menschen bauten feste Rundhäuser mit Terrazzo-Fußboden. Das ist ein mineralisches Gemisch aus Wasser, Kalk, Zement und Pigmenten, um den Boden farblich anzupassen. Nach dem Aushärten lässt er sich schleifen.

Die Häuser waren nun deutlich größer und besaßen teilweise Treppen oder Umfassungsmauern. Auch die Siedlungen waren größer. Sie umfassten bis zu 7,5 ha Land.

Im Präkeramischen Neolithikum B wurden die Häuser rechteckig und besaßen mehrere Räume. Die Wege zwischen den Häusern wurden mit gebrannten Lehmziegeln ausgelegt. Die Siedlungen waren inzwischen doppelt so groß.

Landwirtschaft hatte sich so etabliert, dass erste Veränderungen an den Pflanzen durch den Menschen sichtbar wurden. Bei angebauten Hülsenfrüchten waren die Früchte durch gezielte Zucht durch den Menschen größer geworden als bei den Wildformen. Außerdem domestizierten die Menschen jetzt Schafe und Ziegen.

Warum gehen Zivilisationen unter?

Den Untergang einer Zivilisation nennt man „Zivilisationskollaps“. Er läuft meist innerhalb weniger Jahrzehnte ab. Selten braucht er deutlich weniger Zeit. Anschließend ist es möglich, dass sich die Zivilisation wiederbelebt oder so sehr verändert, dass eine neue Zivilisation entsteht. So geschah es in der Vergangenheit beispielsweise in China und Ägypten. Das Maya-Reich erholte sich hingegen nicht mehr nach seinem Untergang.

Gründe für so einen Kollaps sind vielfältig. Zivilisationen können durch Naturkatastrophen, Krankheiten, Kriege, Entvölkerung sowie daraus resultierenden oder unabhängigen Hungersnöten untergehen. Darüber hinaus ist auch der soziale Zusammenhalt zwischen den Menschen wichtig. Fehlt es daran, etwa durch zu starke Ungerechtigkeit, droht die Zivilisation ebenfalls zusammenzubrechen.

Beim Römischen Reich war die Größe ein wichtiger Grund für den Kollaps. Ein so großes Reich ließ sich zu seiner Zeit nicht regieren. Es dauerte schlicht zu lange, um Befehle von einem Ende zum anderen Ende zu transportieren.

Wissenschaftler vermuten, dass es in der Zukunft erneut zu Zusammenbrüchen kommen wird. Neben den bereits genannten Gründen geben sie weitere an. So ist die wachsende Weltbevölkerung ein großes Problem, das zu Ressourcenknappheit führen könnte. Auch Landungen auf anderen Planeten und das Anlegen von Kolonien können sich auf die Zivilisationen der Erde negativ auswirken. Zusätzlich bedrohen uns die Klimakrise und das anhaltende Artensterben.

Welche Zivilisationsstufen gibt es?

In welche Stufen sich eine Zivilisation einteilen lässt, hängt von dem Modell ab, das man nutzt. Nachfolgend werden drei solche Modelle näher beleuchtet.

Zivilisationsstufen nach Kardaschow

Die Kardaschow-Skala geht auf den russischen Astronomen Nikolai Kardaschow zurück. Dieser stufte Zivilisationen 1964 anhand ihres Energieverbrauches ein. Daraus ergaben sich drei Typen.

Typ I bezeichnet eine Zivilisation, die dem technologischen Stand der Erde entspricht. Kardaschow nutzte für diese Einordnung den Stand der Erde von 1964. Später wurde diese Stufe geändert. Sie umfasste nun alle Zivilisationen, die ihren Planeten so nutzen können, wie es ihr Stern zulässt. Für die Erde bedeutet das etwa 1,74 · 1017 Watt.

Zivilisationen von Typ II sind darüber hinaus in der Lage, die Gesamtleistung ihres Sterns für sich zu nutzen. Das Entspricht einem Wert von 4 · 1026 Watt.

Noch fortgeschrittener ist eine Zivilisation von Typ III. Sie nutzt die Gesamtleistung einer ganzen Galaxie. Das sind etwa 4 · 1037 Watt.

Die Zivilisations- und Kulturstufentheorie nach Hans Bobek

Der Geograf Hans Bobek entwarf ein Modell, um Zivilisationen anhand ihrer Entwicklungsstadien voneinander abzugrenzen. Dafür verwendete er sechs Stufen.

Stufe 1

Stufe 1 ist die Wildbeuterstufe. Sie entspricht etwa dem Leben als Jäger und Sammler, also genaugenommen dem Leben, das sich noch nicht als Zivilisation definieren lässt.

Stufe 2

Stufe 2 nennt er die Stufe der spezialisierten Sammler, Jäger und Fischer. Damit meint er den Beginn der Arbeitsteilung, die eine Vorratshaltung möglich machte. Wir befinden uns damit aber immer noch vor dem Beginn der Landwirtschaft.

Stufe 3

Stufe 3 ist das Sippenbauerntum und Hirtennomadismus. Diese Zivilisationen leben nur noch teilweise nomadisch, halten Nutztiere und bauen erste Nutzpflanzen an.

Stufe 4

Stufe 4 ist die hierarchisch organisierte Agrargesellschaft. Sie zeichnet sich durch soziale Ungleichheit mit einer Elite und abhängigen Bauern aus.

Stufe 5

Stufe 5 bezeichnet er als Stufe des älteren Städtewesens und des Rentenkapitalismus. Hier gibt es Grundbesitzer, die ihr Land gegen Pachtgebühren (Teile des Ertrags) zur Verfügung stellen.

Stufe 6

Die letzte Stufe ist Stufe 6, die Stufe des produktiven Kapitalismus.

Kultur- und Zivilisationsstufen nach Friedrich Engels

Friedrich Engels arbeitete eng mit Karl Marx zusammen. 1884 erschien ein gemeinsames Werk, das die Stufen einer Zivilisation erklären sollte.

Engels teilt die vorgeschichtlichen Kulturen in zwei Stufen mit Unterstufen ein. Die Wildheit teilt er in drei Unterstufen: Leben auf Bäumen, Beginn der Fischerei und Erfindung von Pfeil und Bogen. Die Barbarei teilt er ebenfalls in drei Unterstufen: Einführung der Töpferei, Domestikation von Tieren und Beginn der Schmiedekunst.

Anschließend spricht Engels die Entwicklung der Familie an, die zeitgleich stattfand. Er unterscheidet vier Familienformen.
Die Blutverwandtschaftsfamilie ist nach ihm die ursprüngliche Familienform. Dabei kommt es über Generationen zu Inzest.

Die Gruppenfamilie ist die nächste Stufe. Dabei existieren mehrere Stämme, die untereinander heiraten. Inzest ist daher nicht mehr nötig. Entsprechend entwickeln sich diese Familien besser.

Als Drittes benennt Engels die Paarungsfamilie. Dabei hat ein Mann mehrere Ehefrauen, die er gleichbehandeln und versorgen muss. Die Ehebande sind in diesem Stadium von beiden Seiten noch leicht aufzulösen.

Als letzte Stufe nennt Engels die monogame Familie. Dabei ist der Mann der Patriarch seiner direkten Familie, also seiner Frau und seinen Kindern. Diese Form der Familie ist nur möglich, wenn der Mann ausreichend Ressourcen zur Verfügung hat, um seinen Status zu halten.

Was ist eine Typ 1 Zivilisation?

Der Begriff der Typ 1 oder Typ I Zivilisation stammt aus der Kardaschow-Skala. Der Typ ist auch als planetarische Zivilisation oder globale Zivilisation bekannt. Solche Zivilisationen sind von leistungsstarken, nicht erneuerbaren Energiequellen abhängig. Dazu gehört etwa die Kernfusion. Außerdem bedarf sie einiger erneuerbaren Energiequellen, um ihren Energieverbrauch zu decken.

Welche Typ-Zivilisation sind wir?

Aktuell liegt der Weltenergiebedarf der Erde deutlich unter dem Energieangebot unserer Sonne. Entsprechend befinden wir uns noch nicht auf der Kardaschow-Skala. Unser Status wird deshalb als Typ 0 bezeichnet.


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