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10 Funktionen der Sprache und ihre Bedeutung


Die Sprache hat sich im Laufe der menschlichen Evolution herausgebildet. Sie dient einerseits als Überträger von Informationen, ist andererseits allerdings auch ein Hilfsmittel beim Denken oder bei der gesellschaftlichen Integration.

Die jeweilige Kultur einer Bevölkerungsgruppe wird nicht nur durch die Sprache von einer Generation an die nächste weitergegeben, sondern spiegelt sich ebenso in der Kultur wider. Die Kombination von Wörtern und Regeln im System Sprache ermöglicht ein komplexes System mit unterschiedlichen Funktionen. Welche das sind, erfährst du im folgenden Artikel.

Welche Bedeutung hat Sprache für den Menschen?

Sprache ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Doch wie entwickelte sich die Sprache überhaupt? In evolutionärer Hinsicht ist die Sprache an die menschliche Fähigkeit der Traditionsbildung geknüpft. Wir sind in der Lage, Erlerntes an die folgende Generation weiterzugeben. Daher muss auch nicht jede Generation aufs Neue das Konzept der Sprache als Kommunikationsmittel lernen.

Den Grundstein für die Herausbildung der menschlichen Sprache legte vermutlich die Entwicklung des aufrechten Gangs. Dieser ging mit einer sich verändernden Position des Kehlkopfes einher, welche das Sprechen überhaupt erst ermöglichte.

Allerdings führte auch die Entwicklung des Gehirns dazu, dass sich die menschliche Sprache von einer simplen Zeichensprache bis zu dem heute komplexen System weiterentwickeln konnte.

Dass die Sprache sich etablierte, hing auch mit ihrer Nützlichkeit zusammen. Der Austausch von Informationen zwischen den Menschen gelingt mit ihrer Hilfe einfacher und schneller. Auf diese Weise konnten sich auch komplexere soziale Kompetenzen herausbilden, denn die Sprache erlaubt neben dem Austausch von Informationen auch das Ausdrücken von Gedanken und Gefühlen.

Rund um den Planeten entwickelte sich eine Vielzahl von verschiedenen Sprachen, welche bei indigenen Völkern heute zum Teil immer noch vorliegen. Im Zuge der Kolonialisierung in der Vergangenheit und der heutigen Globalisierung erleiden viele Sprachen allerdings einen Bedeutungsverlust und verschwinden langsam vollständig von der Erde.

Sprache besteht aus einem System von Zeichen und Lauten

Diese sind jeweils durch bestimmte Regeln hinsichtlich ihrer Verbindung untereinander gekennzeichnet.

Sobald wir uns verbal äußern, greifen wir gleichzeitig auf verschiedene Funktionen der Sprache zurück. Das muss allerdings nicht immer bewusst geschehen. In den meisten Fällen versuchen wir, unserem Gegenüber etwas mitzuteilen.

Dabei senden wir allerdings unbewusst gleich mehrere Signale aus, die über das gesprochene Wort hinausgehen. Dazu zählen beispielsweise die Körpersprache (Mimik, Gestik oder Blickkontakt) oder auch die Art und Weise, wie das Gesprochene gesagt wird – etwa hinsichtlich der Lautstärke, Tonfall oder der Sprechgeschwindigkeit.

So hilfreich das gesprochene Wort bei der Kommunikation auch ist – es können sich auch Fehler einschleichen. So sind manche Wörter zwei- oder mehrdeutig. Daher kann es hin und wieder notwendig sein, sein Gegenüber genauer über das Gemeinte hinter dem Gesagten aufzuklären.

So kann das Gemeinte zum Beispiel erst in einem bestimmten Kontext ersichtlich werden. Je mehr Kontextinformationen du deinem Gesprächspartner gibst, desto leichter kann er dich verstehen.

Kulturelle und entwicklungstechnische Einflussfaktoren wirken auf die Sprache

Wie wir das Gesagte einer anderen Person wahrnehmen, hängt allerdings nicht nur vom Kontext ab.

Es kommen weitere Einflüsse hinzu. So kann die Intelligenz des Zuhörers einen großen Einfluss darauf haben, ob und wie er das Gesagte interpretiert. Daran gekoppelt sind auch biologische und soziokulturelle Faktoren.

Ist dein Gesprächspartner im „richtigen“ Alter?
Wenn du einem Kleinkind einen bestimmten Sachverhalt erklären möchtest, wird dieses beim Verstehen größere Probleme haben als ein Erwachsener. Das soziale Umfeld hingegen kann die Wahrnehmung und Interpretation vom Gesagten ebenfalls beeinflussen.

Sprache nimmt einen Einfluss darauf, was und wie wir denken. Doch um überhaupt das Gesprochene interpretieren zu können, müssen wir auf das Wissen im Langzeitgedächtnis zurückgreifen. Wenn wir als Kinder die Sprache unserer Eltern erlenen, speichern wir die dazugehörigen Wörter und Regeln in unserem Gedächtnis ab.

Mit der Sprache nehmen wir allerdings auch soziale und kulturelle Aspekte unserer Umgebung auf. Unterschiede in der jeweiligen Sprache können daher auch zu Unterschieden im Denken führen.

In Bezug auf diese Unterschiede kommt auch der Begriff des linguistischen Determinismus auf. Dabei handelt es sich um die Hypothese über den Einfluss der Sprache auf unsere Denkweise. Allerdings ist diese Hypothese etwas zu drastisch. Denn wir können durchaus auch an Dinge denken, für die wir keine Wörter haben. Das können beispielsweise bestimmte Gefühle sein, welche wir nicht weiter beschreiben können.

Dennoch finden sich kulturell bedingte Unterschiede in den Sprachen und damit auch im Denken wieder. Westliche Nationen sind in der Regel individualistischer geprägt als östliche Kulturen. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass Deutsche oder Engländer sehr viele Wörter für selbstbezogene Begriffe haben.

Japaner hingegen sind eher kollektivistisch geprägt und weisen in ihrem Wortschatz mehr Begriffe für zwischenmenschliche Gefühle auf. Das führt sogar soweit, dass zweisprachige Menschen verschiedene Persönlichkeitsmerkmale aufweisen – und zwar abhängig davon, in welcher Sprache sie einen Persönlichkeitstest ausfüllen.

Eine Studie mit kanadischen Studenten chinesischer Herkunft zeigte etwa, dass diese in einem englischsprachigen Test ein individualistischeres Selbstbild beschrieben. Waren die Fragestellungen des Tests auf Chinesisch, füllten sie den Fragebogen gemäß den chinesischen Wertevorstellungen aus.

Sprache als Werkzeug der Problemlösung

Unser Handeln wird auch insofern von unserer Sprache beeinflusst, als dass sie ein Werkzeug bei der Problemlösung darstellt.

So besitzen beispielsweise die Pirahã (ein Volk aus dem Amazonasgebiet) einen nur sehr kleinen Wortschatz für Zahlen. Daher haben sie auch Probleme, was das Zählen angeht. Allerdings stellt sich auch gleichzeitig die Frage, warum manche Menschengruppen mehr oder weniger Wörter haben.

Die Lebensweise könnte ein Einflussfaktor sein. Vielleicht haben die Pirahã einfach nur deshalb so wenige Begriffe für Zahlen, weil sie diese in ihrem Alltag nicht brauchen. Einen weiteren Einfluss hat die Sprache auf den Orientierungssinn. Manche Völker haben beispielsweise keine Bezeichnungen für links und rechts, sondern nutzen dafür die Position von Personen oder Dingen in Abhängigkeit von der Himmelsrichtung.

1. Die Kommunikationsfunktion der Sprache

Über Sprache wird ein Austausch von Informationen zwischen Menschen ermöglicht.

Zu diesem Zweck nutzen wir in vielen Situationen Small-Talk. Allerdings kommt diese Funktion auch in tieferen Gesprächen zum Einsatz. Es geht hierbei vorrangig um den Austausch von Informationen. Wollen wir jemandem etwa die Uhrzeit mitteilen, geben wir ihm diese Informationen in Form von Zahlen.

2. Die Verständigungsfunktion der Sprache

Die Verständigung ist mehr als der bloße Informationsaustausch. Es geht auch darum, anderen bestimmte Sachverhalte näherzubringen.

Erklärungen sind ein Beispiel für die Verständigungsfunktion von Sprache. Ohne Erklärungen würden wir nicht verstehen, wie bestimmte Dinge funktionieren. Seien es Geräte und Maschinen oder auch biologische Prozesse im menschlichen Körper.

3. Die Beschreibungsfunktion der Sprache

Bei Beschreibungen wird die Sprache mit der realen Situation verknüpft.

So kommt die Sprache ihrer Beschreibungsfunktion nach, wenn wir beispielsweise Gegenstände oder Personen beschreiben. Wir setzen unseren Gesprächspartner damit darüber in Kenntnis, über welche Merkmale das beschriebene Objekt, eine Situation oder eine Person verfügt.

4. Die Ausdrucksfunktion der Sprache

Mit Hilfe der Sprache können wir uns ausdrücken.

Das gilt vor allem für Gemütszustände. Es ist sehr hilfreich, seine Emotionen und Gedanken formulieren zu können. Auf diese Weise können andere deinen Standpunkt besser einnehmen und dich leichter verstehen.

Das ist beispielsweise bei Arztbesuchen von Vorteil. Wenn du deine Beschwerden genau beschreiben kannst, dann kann der Arzt auch eher eine passende Behandlung vorschlagen. Doch auch im Rahmen von etwa Psychotherapien ist es nützlich, deine inneren Prozesse gut beschreiben zu können. Auch hier ist es aufgrund möglichst genauer Beschreibungen deiner Gedanken und Gefühle einfacher, Strategien zur Problemlösung zu erarbeiten.

5. Die Appellfunktion der Sprache

Worte dienen als Signale.
Mit der Sprache (egal ob gesprochen oder in schriftlicher Form) können direkte Befehle erteilt werden. Diese wirken sich auf das Verhalten des Zuhörers aus, da er zu einem bestimmten Verhalten aufgefordert wird. Neben Befehlen gehören allerdings auch Instruktionen dazu.

6. Die Handlungsfunktion der Sprache

Sprache kann die Handlungen anderer verändern.
Um nochmal auf das Beispiel des Arztbesuchs oder der Therapie zurückzukommen: Sprache kann die Handlungen anderer Menschen beeinflussen oder steuern. Der Arzt oder der Therapeut kann Tipps und Anweisungen geben, welche im Sinne der Behandlung sind.

Allerdings kommt die Handlungsfunktion auch im Alltag zum Zuge. Zum Beispiel dann, wenn dich ein Freund um Rat fragt und du mit brauchbaren Tipps weiterhelfen kannst. Sein Handeln kann er dementsprechend anpassen.

7. Die Denkfunktion der Sprache

Sprache hilft uns beim Denken.
Wenn wir über ein Problem nachdenken, können wir uns zum Beispiel mit Hilfe von Selbstgesprächen durch die Angelegenheit arbeiten. Sprache kann nämlich weitere kognitive Fähigkeiten und Funktionen anregen und beeinflussen.

Durch die angestoßenen Assoziationen und Gedanken können wir mit dem Hilfsmittel Sprache zur Lösung eines Problems gelangen. Dass Sprache auch beim mathematischen Denken beteiligt ist, hat dir das obige Beispiel der Pirahã ja bereits gezeigt.

Allerdings kann Sprache auch zur Persönlichkeitsbildung genutzt werden. Schließlich stützen wir das Bild über uns selbst auf einer Reihe von Bezeichnungen für Persönlichkeitseigenschaften.

8. Die Erinnerungsfunktion der Sprache

Beim Lernen und Erinnern spielt die Sprache eine besondere Rolle.
Das liegt nicht nur daran, dass wir in der Schule und im Studium vornehmlich aus Büchern – also anhand geschriebener Sprache – lernen.

Während du für eine Klausur büffelst, liest du dir deine Notizen vielleicht immer wieder laut vor. Durch wiederholtes Aufsagen können wir uns Dinge besser merken. Das können wir einerseits nutzen, wenn wir langfristig neue Inhalte abspeichern wollen.

Andererseits nutzen wir die Sprache beziehungsweise das wiederholte Aufsagen auch dann, wenn wir nur kurz etwas behalten sollen. Stell dir vor, jemand sagt dir eine Telefonnummer.

Allerdings liegen gerade weder Zettel noch Stift bereit und du musst dir erst einmal etwas zum Schreiben suchen. Sobald du Schreibutensilien zur Hand hast, notierst du die Nummer. Doch bis dahin hast du sie vermutlich mehrere Male (laut oder leise) wiederholt, um sie so lange im Kopf zu behalten.

9. Die Kulturtradierungsfunktion der Sprache

Die Sprache erlaubt die Weitergabe von Kultur.
Das zeigt sich beispielsweise in Sprichwörtern, Ritualen oder Redewendungen allgemein. Doch auch kulturelles Wissen, Werte und Moral werden durch die Sprache von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Auf diese Weise kann jede Generation über gesprochene und verschriftlichte Sprache auf die Erkenntnisse ihrer Vorfahren zurückgreifen. So muss nicht jede Generation wieder bei Null beginnen.

10. Die Gesellschaftsfunktion der Sprache

Sprache hat eine relevante Stellung in der Gesellschaft.
Wer eine Sprache beherrscht, gehört dazu. Ob wir eine Sprache verstehen und sprechen entscheidet maßgeblich darüber, wie stark wir am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Das reicht vom Verstehen von amtlichen Formularen oder gesetzlichen Vorgaben bis hin zu alltäglichen zwischenmenschlichen Abläufen. Sprache ist daher auch ein wichtiger Punkt, wenn es um das Thema Integration geht.


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