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5 Dinge, Wofür Otto der Große bekannt ist und was er getan hat


Während seiner langen Herrschaft gelang es Otto dem Großen, das ostfränkische Reich zu stabilisieren. Er stärkte bei der Ämtervergabe die königliche Entscheidungsgewalt gegenüber dem Adel und band die Reichskirche und ihre Repräsentanten enger an das Königtum. Die Einigung des Reiches unter seiner Herrschaft gipfelte einerseits in einer kulturellen Blüte und in andererseits der Wiederbelebung des römisch-deutschen Kaisertums.

Die Ausgangslage im ostfränkischen Reich vor der Krönung Ottos des I.

Nach dem Zerfall des großfränkischen Reiches kennzeichneten wiederholte Einfälle der Ungarn die Situation im östlichen Franken. Ottos Vater Heinrich, seit 919 als Heinrich I. König der Ostfranken, verstand sich nicht mehr als Reichsoberhaupt, sondern konsolidierte seine Herrschaft durch Freundschaftsbündnis mit den Herzogtümern, welche seine Herrschaft anerkannten und im Gegenzug weitgehend ihre Unabhängigkeit bewahrten. Während zunächst die Herzogtümer Franken und Sachsen Mittelpunkt seiner Herrschaft bildeten, gelang es Heinrich I. später, Lothringen erneut ans ostfränkische Reich anzugliedern und die Verbindung mit den Herzogtümern Bayern und Schwaben zu stärken.

Die königliche Herrschaft beruhte in dieser Zeit auf Gottes Auftrag und wurde dem König von den Bischöfen als Stellvertreter der Apostel übertragen. Er sah sich mit unterschiedlichen Gruppierungen im Reich konfrontiert die oft miteinander verwandt waren und durch Bündnisse ihre gemeinsamen Interessen verteidigten. Die christliche Tugenden „clementia“ und „humilitas“ dienten dem Oberhaupt der Ostfranken als Orientierung, um zwischen diesen Kräften zu vermitteln. Während Ehrfurcht vor Gott die Legitimation des Königs durch eine höhere Instanz widerspiegelt, bildet Barmherzigkeit nicht nur den Grundpfeiler zur Lösung von Konflikten, sondern führt auch zur Gewinnung von zukünftigen Verbündeten.

Herrschaftsantritt Ottos des Großen

Nach fränkischer Tradition wurde die Herrschaft jeweils unter den Söhnen des Königs aufgeteilt. Indem Heinrich I. erstmals eine Nachfolgeregelung zugunsten Ottos auf Kosten der Ansprüche seiner Brüder festlegte, bildete er die Voraussetzung für die zukünftige Unteilbarkeit des Königtums und die Einheit des Reiches. Im Jahr 930 erfolgte im lothringischen Aachen die Salbung Ottos zum König. Zukünftig stärken weiterhin Verbindungen mit Herrschaftshäusern außerhalb des Reiches das Königtum, was im Jahr 929 in der Heirat Ottos I mit der englischen Königstochter Edgith gipfelt.

Nach dem Tod Heinrichs I am 02.07.963 wurde sein Sohn Otto am 07.08.936 in Aachen zum neuen König gekrönt. Die Wahl der Grabstätte Karls des Großen als Krönungsort symbolisiert die Anknüpfung an fränkisch-karolingische Traditionen: Der neue Herrscher übernimmt nicht nur ein bereits stabilisiertes Reich, sondern sieht sich als Nachfolger des fränkischen Kaisers.

Ein Hinweis auf die Legitimation der Herrschaft durch göttliches Recht bildet zukünftig die Gottesgnadenformel „Dei gratia“ im Königssiegel. Erstmals ordnen sich die Herzöge von Lothringen, Franken, Schwaben und Bayern durch Übernahme der Hausämter symbolisch dem König unter. Diese Ehrenämter des Kämmerers, Marschalls, Truchsesses oder Mundschenks wandeln sich in späteren Zeiten zu erblichen Funktionen um und werden dann von den Kurfürsten wahrgenommen werden.

Festigung der Herrschaft Ottos des Großen

Die Anfangsjahre der Herrschaft kennzeichnen zahlreiche Konflikte mit Adeligen und Angehörigen der königlichen Familie. Otto fühlte sich durch seine Salbung zum König über die anderen Adeligen erhoben und wollte Ämter nur noch nach eigenem Ermessen besetzen. Nach germanischer Tradition besaßen jedoch alle Königssöhne Ansprüche auf die Herrschaft. Dieses Verständnis führte zu Aufständen seiner Brüder Heinrich und Liudolf, welche eine Beteiligung an der Herrschaft einforderten.

Otto konnte diese Rebellionen ebenso niederschlagen wie die Erhebungen der Herzöge von Franken, Bayern und Lothringen. Anschließend führte eine Vergabe der Herzogsämter an Angehörige der eigenen Familie zu einer erneuten Konsolidierung des Reiches. So fällt im Jahr 948 das Herzogtum Bayern an Ottos Bruder Heinrich und im Jahr 949 das Herzogtum Schwaben an seinen Sohn Liudolf.

Anstelle der von seinem Vater praktizierten Bindung von Vasallen durch Freundschaft setzte der neue Herrscher Bündnisse durch Heirat. Beispiele für diese Art der Bindung von Gefolgsleuten sind die Vermählung des westfränkischer Königs Ludwig IV. mit Ottos Schwester Gerberga im Jahr 939 oder die Hochzeit des lothringischen Herzogs Konrad mit Ottos Tochter Liudgard im Jahr 944.

Krönung Ottos des Großen zum König von Italien und Kaiserkrönung

951 führte ein Hilfeersuchen der Königinwitwe Adelheid zur Eroberung des Königreichs Italien durch Otto den Großen. Im selben Jahr heiratete er Adelheid in zweiter Ehe. Da die Witwe des Herrschers nach langobardischer Tradition die Königswürde durch Heirat übertragen konnte, folgte auf die Vermählung die Königskrönung in Pavia.

Nachdem Otto I. im Jahr 961 seinen minderjährigen Sohn als Otto II. zum Mitkönig erhoben hatte, brach er im folgenden Jahr zu einem zweiten Italienfeldzug auf. Anlass hierfür war ein Ersuchen von Papst Johannes XII., der sein Herrschaftsgebiet durch Ottos Lehnsmann Berengar bedroht sah.

Das erfolgreiche Unternehmen gipfelte noch im selben Jahr in der Kaiserkrönung in Rom durch Papst Johannes XII.. Durch die Ausstellung des so genannten Ottonianums erhielt der Papst zahlreiche Besitztümer in Italien zugesprochen. Zugleich wurde in diesem Privileg festgelegt, dass künftig allein der Klerus und das Volk von Rom zur Wahl des Kirchoberhauptes berechtigt sind.

Im Gegenzug setzte die Weihe zum Kirchoberhaupt künftig die Ablegung eines Treueeides auf den Kaiser voraus. Die Ergebnisse des Ottonianums bestanden in der Anerkennung eines Kirchenstaates und der Wiedereinführung des römisch-deutschen Kaisertums. Als Ergebnis der Verknüpfung der ostfränkischen Krone mit dem Kaisertum sollte künftig jeder deutsche König zur Kaiserkrönung die Reise nach Rom auf sich nehmen.

Heirat Ottos II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu

966 brach Otto der Große nach der Inhaftierung des Papstes Johannes XIII durch die römische Bevölkerung zu einem dritten Italienfeldzug auf. Daraus resultierten Spannungen mit dem byzantinischen Kaiserreich, das in Süditalien mit den Herzogtümern Capua und Benevent über Besitzungen verfügte. Otto musste in diesem Zusammenhang daran gelegen sein, einem drohenden militärischen Konflikt aus dem Weg zu gehen und eine Anerkennung seines Kaisertum durch Byzanz zu erreichen.

Bereits seit 945 bestanden Kontakte des ostfränkischen Königshauses mit dem oströmischen Reich, begleitet durch Verhandlungen über ein Ehebündnis. Die Bemühungen führten 972 zur Krönung des Thronfolgers Otto II. zum Mitkaiser und zur Heirat mit der zwölfjährigen Prinzessin Theophanu, einer Nichte des oströmischen Kaisers. Damit gelang Otto dem Großen die Lösung des Zweikaiserproblems, das seit der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 bestand: Einerseits beruhte das Kaisertum bisher auf einem weltumspannenden Machtanspruch, andererseits existierten das fränkische und das oströmische Kaisertum parallel.

Verhältnis zur Reichskirche und christliches Selbstverständnis Ottos des Großen

Otto der Große sah die Verbreitung des christlichen Glaubens sowie die Missionierung des Ostens als Schwerpunkt seiner Herrschaft. Bereits im Jahr 937 gründete er das Moritzkloster in Magdeburg. 948 richtete er fünf neue Bischofssitze ein, um auf diese Weise seine Herrschaft durch Verbreitung des Christentums zu legitimieren und Angehörige durch Besetzung kirchlicher Ämter an sich binden zu können.

Während Ottos Bruder Brun 953 zum Erzbischof von Köln ernannt wurde, fiel seinem Sohn Wilhelm das Erzbistum Mainz zu. Otto der Große verfügte während seiner Herrschaft zahlreiche Schenkungen und Privilegien an die Reichskirche, die diese wiederum an den König banden, indem sie Verpflichtungen mit sich brachten, wie beispielsweise die Beherbergung und Versorgung des Königs oder das Stellen von Truppen in Kriegszeiten.

Den Abschluss seiner Bestrebungen bildete die Gründung des Erzbistums Magdeburg im Jahr 968. Von hier aus sollte nicht nur die Christianisierung der Slawen ihren Ausgang nehmen, sondern hier sollte auch die zukünftige Grabstätte des Königs entstehen. Den Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955 sowie den anschließenden Sieg über die Slawen führte Otto der Große auf die Hilfe Gottes zurück. Diese Erfolge verliehen dem König nicht nur den Nimbus des Beschützers der Christenheit, sondern beendeten auch die dauerhaften Einfälle der Ungarn, welche nach und nach sesshaft wurden und zum Christentum übertraten.

Ottonische Renaissance

Kurz vor seinem Tod am 07.05.973 befand sich Otto I. auf dem Höhepunkt seiner Macht, was sich Ostern auf dem Hoftag von Quedlinburg zeigte, wo Gesandte aus ganz Europa eintrafen. Hoftage fanden inzwischen im festen Wechsel in Quedlinburg und Aachen statt. Ottos Herrschaft wird charakterisiert durch die Förderung von kirchlicher Kunst und Architektur sowie die Gründung zahlreicher Frauenklöster. Der Begriff „Ottonische Renaissance“ steht für ein Zeitalter kultureller Blüte, das auf spätantiken, karolingischen und byzantinischen Vorbildern beruht und beispielsweise in Buchmalerei, Goldschmiedkunst und Architektur zum Ausdruck kommt. Nach der Heirat Ottos mit der byzantinischen Kaiserin Theophanu folgen Künstler und Wissenschaftler der Prinzessin ins ostfränkische Reich und machen den Hof Ottos des Großen zu einem kulturellen Zentrum.

Zusammenfassung

Bereits der Namenszusatz „der Große“ weist darauf hin, dass es sich bei Kaiser Otto I. um einer herausragende Persönlichkeit der deutschen Geschichte handelt. Er vollendete das Werk seines Vaters Heinrich I und setzte während seiner Herrschaft gegen allen Widerstand des Adels und seiner Familie die Unteilbarkeit des ostfränkischen Reiches durch. Als Ergebnis einer geschickten Heiratspolitik schmiedet er wichtige Bündnisse mit benachbarten Herrschern und sorgt für eine Stabilisierung seiner Herrschaft. Sein Verdienst besteht nicht nur in der Erweiterung des Reiches, sondern auch in der Beendigung der wiederkehrenden ungarischer Einfälle in der Schlacht auf dem Lechfeld. Gleichzeitig mit der Wiedererrichtung des deutsch-römischen Kaisertums gelingt ihm der Ausgleich mit dem oströmischen Reich. Nicht zuletzt stärkt er mit seinen Bemühungen um die Ausbreitung des Christentums die Reichskirche und ermöglicht durch gezielte Förderung von Klöstern und Bistümern sowie durch kulturellen Austausch eine kulturelle Blütezeit, die als „Ottonische Renaissance“ in die Geschichte eingeht.


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