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Carl Gustav Jung: Kindheit und Familiensituation


Carl Gustav Jung gilt als Begründer der analytischen Psychologie, einer gesonderten Schule der Tiefenpsychologie. Die Erfahrungen in seiner Kindheit mit einem – laut Jung – schwachen Vater und einer zum Okkultismus neigenden Mutter sollten sein späteres Werk prägen.

Carl Gustav Jungs frühe Kindheit

Carl Gustav Jung oder abgekürzt C. G. Jung wurde am 26.07.1875 in Kesswil, einem Dorf in der Ostschweiz, geboren. Zu diesem Zeitpunkt war sein späterer Freund und Kontrahent Sigmund Freud bereits 19 Jahre alt.

Kurz nach Jungs Geburt zieht die Familie nach Laufen am Rheinfall, da der Vater dort eine Pfarrei übernimmt. Der Ort ist geprägt durch eine ländliche Atmosphäre und Einwohnern des schweizerisch- protestantischen Glaubens.

Nach vier Jahren zieht die Familie wieder um, da der Vater einen Pfarrer-Posten in Basel angeboten bekam. Die Aufgabe in Basel bestand darin, als Seelsorger der Basler Psychiatrie Friedmatt zu fungieren. Somit kam C.G. Jung – aufgrund der Stellung seines Vaters – schon früh mit geistig Erkrankten in Berührung.

Bis zum Alter von 6 Jahren wächst C. G. Jung als Einzelkind auf, als im Jahr 1881 seine jüngere Schwester geboren wird. Das Kind wird auf den Namen Johanna Gertrud getauft, in Familienkreisen aber als Trudi bezeichnet. Der gemeinsame Vater stirbt am 28. Januar 1896 und Jung muss – im Alter von 21 Jahren – fortan die Familie versorgen.

C. G. Jungs Vater

Der Pfarrer Johann Paul Achilles Jung (1842–1896) war für den frühen C.G. Jung kein wirkliches Vorbild. In Jungs Autobiographie, aus dem Jahr 1971, beschreibt er seinen Vater als schwach und unaufgeschlossen. Weiterhin bezichtigt er ihn, an einen blinden Glauben festzuhalten und in einer geistigen Enge zu erstarren. Des Weiteren nimmt Jung seinen Vater als überwiegend unglücklich war.

Durch die Arbeit des Vaters, welche die Bereiche Psychiatrie und Religion zusammenbringt, gibt er jedoch auch gewisse Impulse und Denkanstöße an C.G. Jung weiter. Dennoch wird die Sichtweise, die Arbeit und das Wesen des Vaters durch Jung überwiegend entwertet und abgelehnt.

Zitat aus der Autobiographie von 1971:

„Die Tragik meiner Jugend war, dass ich meinen Vater sozusagen vor meinen Augen am Problem seines Glaubens zerbrechen und eines frühen Todes sterben sah.“

Dass Jung der Sohn eines Schweizer Pfarrers war, sollte allerdings die spätere Zusammenarbeit mit Freud beflügeln. Denn Freuds aufgestellte Psychoanalyse litt zuweilen an Sektencharakter und wurde als jüdische Bedrohung wahrgenommen. Durch Jungs Herkunft erhielt die Arbeit zusätzliche Reputation und wurde zunehmend auch von den christlichen Gelehrten positiver wahrgenommen.

C. G. Jungs Mutter

Jungs Mutter, namens Emilie Preiswerk, war Tochter des Schweizer Theologen Samuel Preiswerk. Jung beschreibt sie als gemütlich, korpulent und mit einer „animalischen Wärme“ ausgestattet. Trotz ihrer Familienherkunft war Emilie aufgeschlossen gegenüber Neuem. Sie zeigte großes Interesse an Okkultismus, hielt spirituelle Sitzungen ab und bot dem Jungen eine andere Sichtweise als der Vater.

In Jungs Autobiographie erwähnt er seine Mutter allerdings nur spärlich, stellt ihre Beziehung als widersprüchlich und problematisch dar. Weiterhin soll der Umgang der Eltern untereinander ebenfalls unbefriedigend gewesen sein.

C. G. Jungs Großvater

Die Jung’sche Psychologie oder analytische Psychologie verfolgt die Annahme, dass die menschliche Psyche nach Individuation bzw. Selbstverwirklichung strebt. In seinem Vater, welcher strikt seinem Glauben folgte, erkannte Jung keine Spur von Selbstverwirklichung. Auch seine Mutter, welches dem Ideal des Vaters folgte, sich heimlich ihre Spiritualität widmete und nach Tod des Vaters mittellos war, gab für Jung keinen Anlass zur Idealisierung.

Sein Großvater, welcher ebenfalls Karl Gustav Jung (1794-1864) hieß, inspirierte den Jungen und dass obwohl er bereits zu dessen Geburt 10 Jahre tot war. Unter den späteren Anhängern Jungs erhielt der Großvater scherzhafter Weise den Beinamen C.G. Jung Ⅰ., obwohl Karl mit K geschrieben wurde, anstelle eines C’s.

In der Familie Jung wurde die Legende aufrecht gehalten, dass der Großvater ein unehelicher Sohn von Goethe gewesen sei, weshalb sich der junge Carl Gustav auch mit den Werken des deutschen Dichters befasste. Der Großvater studierte bis 1816 in Heidelberg und promovierte im Fachbereich Medizin.

Für C. G. Jungs späteres Medizinstudium und der Facharztausbildung zum Psychiater war die Biografie des Großvaters nicht unerheblich. Denn der alte Jung setzte sich dafür ein, dass die sogenannte „Anstalt der Hoffnung“ für geistig Behinderte gegründet wurde und forderte die Einrichtung einer psychiatrischen Klinik. Diese Idee wurde allerdings erst nach seinem Tod verwirklicht, als die Basler Klinik Friedmatt die Arbeit aufnahm und Jungs Vater als Seelsorger einstellte.

Somit hat Karl Gustav Jung und dessen Nachwirken einen erheblichen Einfluss auf das Arbeitsleben seines Sohnes genommen und schließlich zur Berufung seines Enkels geführt.

Introvertierte Jugend Jungs

Die familiäre Situation, welche durch verschiedene Ansichten innerhalb der Familie geprägt war, verleitete C. G. Jung dazu, sich immer mehr zurückzuziehen. Laut seiner Autobiographie begab sich der damals 12-Jährige in eine Welt der Fantasie und Selbstbeschäftigung.

Weiterhin erlitt er diverse Ohnmachtsanfälle, welche das Fernbleiben vom Schulunterricht zur Folge hatten. In seinen späteren Werken versuchte Jung eine Selbstreflektion seiner Kindheit aufzunehmen. Dazu stellte er die Introvertiertheit als Typologie heraus und begann damit, diese zu beschreiben und zu konzeptualisieren.

In seinen autobiographischen Erinnerungen (1971) versuchte Jung, seine Ohnmachtsanfälle als Neurose zu verstehen. Seiner Meinung nach, waren diese Anfälle ein Versuch, vor bevorstehenden Aufgaben und damit verbundenen Problemen zu fliehen. Diese Überlegung wird in den späteren Werken Jungs zur Selbstverwirklichung bzw. Individuation ein Kernthema sein. Denn die Ausflüchte bzw. seine Ohnmachtsanfälle blockieren die Individuation und sorgen dafür, dass die menschliche Psyche vor gewissen Reifeschritten einfach stehen bleibt, vor diesen flüchtet oder diese umgeht.

Als 17-jähriger führte Jung heftige Diskussionen mit seinem Vater über Glauben, Religion und christlichen Vorschriften. Dieses Lebensbild des Vaters beschäftigte den späteren Psychiater ebenfalls zunehmend, allerdings abgrenzend und entwertend. Zum Ende seines Lebens wurde die Glaubensfrage zu einem zentralen Thema seiner Gedanken und führte zu versöhnlicheren Auseinandersetzung.

Es ist anzunehmen, dass die Missverständnisse, die Auseinandersetzung mit seinen Eltern und die Umgebung, in welcher Jung aufwuchs, zu einer Introversion führte, welche später den Anlass zur Selbstreflexion bot. Weiterhin führte der Drang, sich von den Eltern abzugrenzen, zu Sinn- und Erkenntnisfragen – welche Jungs Werk prägen. Diese Beschäftigung mit sich selbst sorgte dafür, dass Jung einen Zugang zum Unbewussten erhielt, welches später zu einem wichtigen Werkzeug in der analytischen Arbeit werden sollte.

Es ist weiterhin anzunehmen, dass in seiner Jungend der Grundstein für die spätere Erforschung des kollektiven Unbewussten – aufgrund des Abgleichs zwischen psychischer Innen- und Außenwelt – entstand.


Quellenangabe


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