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Merimde Kultur


Die Merimde Kultur bestand im fünften Jahrtausend v. Chr. und war die erste prädynastische Kultur Ägyptens, die Keramik herstellte. Sie wird in drei Phasen und fünf Schichten unterteilt, in denen archäologische Funde gemacht wurden. Besonderen Einfluss übte die Merimde-Kultur auf die Fayum-A-Kultur und die Maadi-Kultur aus.

Merimde Kultur: Bedeutung

Die Merimde-Kultur dauerte etwa ein Jahrtausend an. Sie entstand am Ende des 6. Jahrtausends v. Chr. und endete um 4.000 v. Chr. Es handelt sich um eine jungsteinzeitliche Kultur Unterägyptens, die ihren Namen von ihrem Fundort Merimde hat. Merimde liegt etwa 45 km nordwestlich von Kairo.
Die Merimde-Kultur ist die erste Kultur, die zur Prädynastik in Ägypten gezählt wird.

Ihr voran ging eine jungsteinzeitliche Kultur, die noch keine Keramik kannte („präkeramisch“). Überreste dieser Kultur fanden Forscher in dem Ort Heluan, welcher etwa 25 km südöstlich von Kairo liegt. Beide Kulturen haben ihren Ursprung in Südwestasien und sind miteinander verwandt.

Entdeckung

Die Merimde-Kultur wurde 1928 entdeckt. Hermann Junker, ein deutscher Ägyptologe, grub an dem Fundplatz Merimde-Benisalame für insgesamt 10 Jahre. In dieser Zeit wurden etwa 6.400 m² einer jungsteinzeitlichen Siedlung freigelegt. Diese ordnete er der neu entdeckten Merimde-Kultur zu. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges pausierten die Ausgrabungen.

In den 1970er Jahren nahm man sich der Stätte wieder an. Geleitet wurden die Neugrabungen von Josef Eiwanger, der mit dem Deutschen Archäologischen Institut Kairos zusammenarbeitete.

Phasen der Merimde-Kultur

Die Merimde-Kultur wird in drei Phasen unterteilt, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Ihre Keramik, Werkzeuge sowie das allgemeine Siedlungsbild veränderte sich.

Diese drei Phasen sind auf insgesamt fünf Schichten unterteilt, in denen Ägyptologen bisher Funde machen konnten, die der Merimde-Kultur zuzuordnen sind. Drei davon fand Junker, die anderen zwei identifizierte Eiwanger.

Die Ursiedlung

Feuerstein bearbeiteten die Menschen der Ursiedlung mit der sogenannten Klingen-Abschlagtechnik. Die dabei entstehenden Rohwerkzeuge bearbeiteten sie anschließend weiter. Zu den häufigsten Funden gehören Bohrer und Schaber. Außerdem stellten sie Pfeilspitzen und Beile her.

Die Keramik der Ursiedlung war einfach. Hauptsächlich sind Teller, Schalen und Schüsseln in sogenannter Kumpfform überliefert. Der Kumpf ist ein für die Jungsteinzeit typischer Gefäßtyp. Es handelt sich dabei um ein henkelloses Gefäß mit rundem oder abgeflachtem Boden.

Die Keramik ist entweder dunkelrot und poliert oder orangebraun und nicht poliert. Die polierte Form weist außerdem manchmal ein Fischgrätenmuster als Verzierung auf. Der Großteil der Keramikfunde ist nicht verziert.

Neben dieser für den täglichen Einsatz gedachten Keramik, stellten die Menschen der Ursiedlung auch solche zum kultistischen Gebrauch her. Gefäße mit Henkeln sowie Miniaturen kamen ebenfalls vor.

Auffallend ist, dass die hergestellte Keramik keine Magerung aufweist. Eine Magerung wird normalerweise verwendet, um zu fette Tone zu verbessern. Durch die Zugabe von Sand klebt der Ton nicht mehr so stark und behält seine Form leichter. Seine Verarbeitung wird damit einfacher. Die Menschen der Ursiedlung kannten dieses Vorgehen noch nicht.

Für Schmuck nutzten die Menschen Süßwassermuscheln oder Schnecken als Anhänger. Auch Knochen oder durchbohrte Zähne dienten dazu. Straußeneier verarbeiteten sie zu Perlen, die sie auf Ketten zogen. Kleine Stierplastiken sind ebenfalls überliefert.
Darüber hinaus nutzten die Menschen der Ursiedlung Rötel, eine Mineralfarbe, zur Körperbemalung. Damit erzielten sie eine tiefrote Farbe.

Die mittlere Merimde-Kultur

Die mittlere Merimde-Kultur folgt nicht unmittelbar auf die Ursiedlung. Nachdem letztere aufgegeben worden war, dauerte es lange, bis sich erneut Menschen an dieser Stelle niederließen. Dies ist durch die Sedimentablagerungen deutlich zu erkennen. Zur mittleren Merimde-Kultur gehört die zweite und dritte Schicht der insgesamt fünf Schichten, die der Kultur zugeordnet werden.

Die Art, Steine zu bearbeiten, änderte sich zwischen der Ursiedlung und der mittleren Merimde-Kultur. Weiterhin stellen die Menschen Pfeilspitzen her. Diese haben nun sehr lange Flügel. Ihre Speerspitzen sind trapezförmig, haben also keine Spitze, sondern eine geschärfte Kante.
Daneben finden sich in dieser Schicht Messerklingen, Beile, Dechsel und Sicheln. Ihre Bohrer waren sehr lang und schmal. Sie unterscheiden sich so stark von den Bohrern anderer prädynastischer Kulturen, dass sie als Erkennungsmerkmal für die Merimde-Kultur zählen.

Gefundene Netzsenker sprechen für wachsende Fischerei, ebenso Angelhaken aus Muscheln. Mahl- und Reibsteine deuten auf die Verarbeitung von Getreide hin.

Die Keramik der Ursiedlung und der mittleren Merimde-Kultur unterscheiden sich stark. Zwar dominieren noch immer flache Schalen und tiefere Schüsseln, aber diese sind nun viel größer. Das erreichten die Menschen durch eine Magerung, die sie nun verwendeten.

Die Ränder der Gefäße sind abgeschnitten, es sind keine Kultgefäße überliefert. Neben der rot polierten Keramik gibt es jetzt auch grau polierte Stücke. Die nicht polierte Variante der Ursiedlung tritt nicht mehr auf. Auch Verzierungen kommen nicht mehr vor. Neben Keramikgefäßen waren auch solche aus Alabasterstein verbreitet.

Schmuck und Dekorationsgegenstände sind in dieser Schicht häufiger zu finden als in der Ursiedlung. Die Menschen stellten Plastiken her, die Personen oder Stiere darstellen. Straußeneiperlen waren noch immer beliebt, wobei nun auch neue Formen hinzukamen. Zähne und geschliffene oder geschnitzte Knochen waren häufige Kettenanhänger. Hinzu kamen Armreife aus Elfenbein sowie Ringe. Rötel diente weiterhin zur Körperbemalung.

Insgesamt handelte es sich bei den Funden der mittleren Merimde-Kultur um einzelne, kleine Siedlungen, die in Flussnähe errichtet worden waren. Ihre Häuser bestanden aus Schilf oder Flechtwerk und hatten einen runden oder elliptischen Grundriss. Sie waren etwa 40 cm in den Boden eingelassen und zwischen 1,5 und 3 m breit.

Neu hinzu kamen außerdem kleine Gruben, in denen Getreidevorräte lagerten. Diese gehörten nicht dem Dorf, sondern einem einzelnen Haus, was den Stand der Familie gehoben haben dürfte. Die Vorräte wurden in Körben in den Boden eingelassen. Sie heißen daher auch Korbspeichergruben.

Die jüngere Merimde-Kultur

Die vierte und fünfte Schicht der Merimde-Kultur gehören zur jüngeren Merimde-Kultur. In dieser Zeit nahm die Besiedlungsdichte deutlich zu.
Die Feuersteinbearbeitung verbessert sich. Man bearbeitet zunächst den ganzen Stein und schlägt anschließend idealerweise direkt mehrere Werkzeuge von dem Kern ab. Diese Technik heißt Levallois-Technik und bringt mehr und bessere Werkzeuge hervor. Zur Zeit der mittleren Merimde-Kultur hatten die Menschen schon damit begonnen.

Die Beschaffenheit der Pfeilspitzen ändert sich. Ihre Flügel werden kürzer und weisen in der letzten Schicht eine konvexe (nach außen gewölbte) Schneidenbahn auf. Grobgeräte kommen kaum noch vor. Andere Werkzeuge wie Dechsel und Sicheln ändern sich stetig und werden größer. Bohrer kommen weiterhin vor, wobei sich nun mehrere Bohrerspitzen an einem Werkzeug befinden.

Netzsenker und Mahlsteine sind verbreitet. Auch Beile, Keulen und palettenförmige Artefakte gehören zu den häufigeren Funden.
Neben den roten und grauen Keramikgefäßen kam zur Zeit der jüngeren Merimde-Kultur noch eine schwarz polierte Variante hinzu. Diese war außerdem anders poliert, sodass Muster auf der Oberfläche entstanden. Auch andere Verzierungen kommen nun wieder vor. Man ritzte oder malte einfache Muster auf die Oberfläche.

Die Formen der Keramik sind weitestgehend gleichbleibend. Ovale und kugelige Gefäße sind häufig. Hinzu kommen kegelförmige Vasen und Töpfe. Die Ränder sind abgerundet.

Neu hinzu kommen Doppelkammergefäße. Auch Keramik mit s-förmig profilierter Mündungspartie, quasi einem Ausguss, treten nun häufiger auf. Diese Gefäße sind schwieriger herzustellen und weisen daher auf eine beginnende Spezialisierung hin. Die runden Böden weichen langsam den Standplatten oder Standringen. Außerdem ist allmählich eine Unterscheidung zwischen Gebrauchskeramik und Feinkeramik zu erkennen. Die Gebrauchskeramik stellten die Menschen auf traditionelle Weise her, während sie bei der Feinkeramik neue Herstellungswege wagten.

Schmuck und andere Kleinfunde sind in der vierten und fünften Schicht seltener. Tonfiguren, die Menschen und Tiere darstellen, kommen weiterhin vor. Knochen als Anhänger sind ebenfalls noch immer beliebt. Neu sind hingegen impressoverzierte Armbänder. Dafür nahmen die Menschen Muscheln und drückten die Ränder in Ton und andere Rohstoffe, die sie verzieren wollten. Dadurch entstanden Muster aus Wellen oder Strichen. Diese sogenannte „Impressokultur“ kam in der Jungsteinzeit rum um das westliche Mittelmeer vor. Auch Keramik wurde auf diese Weise verziert.
Mit der wachsenden Bevölkerung wuchsen auch die einzelnen Siedlungen. Insgesamt erstreckt sich das Hauptausgrabungsgebiet auf ungefähr 25 Hektar.

Ernährung

Die Landwirtschaft war zur Zeit der Merimde-Kultur der wichtigste Nahrungslieferant. Auch Viehhaltung war essenziell. Die Menschen hielten hauptsächlich Rinder und Schweine, wobei Rinder deutlich häufiger vorkamen. Während zur Zeit der Ursiedlung noch viele Schafe gehalten wurden, spielten sie in der jüngeren Merimde-Kultur kaum noch eine Rolle. Mit Wüstenschnecken erweiterten ebenfalls nur die Menschen der Ursiedlung ihren Speiseplan. Danach verschwinden sie aus der Ernährung.

Beim Fischfang verhielt es sich umgekehrt: Fisch und Flussmuscheln gewannen immer weiter an Bedeutung und waren gegen Ende der Merimde-Kultur ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Zu Beginn der Merimde-Kultur war Fischerei dagegen selten.

Auch bei der Jagd konzentrierte man sich mit der Zeit stärker auf Tiere in unmittelbarer Nähe zum Nil. So gehörten Nilpferde, Krokodile und Schildkröten zur häufigsten Jagdbeute. Auch Wildwiederkäuer erlegten die Menschen häufig.
Im Verlauf der Merimde-Kultur ist daher ein deutlicher Trend in Richtung Nil zu sehen.

Daneben kam es vereinzelt zur Jagd auf Wild der Wüste. Auf kleine Landtiere oder Vögel machten die Merimde-Menschen nicht gezielt Jagd. Bei ihnen handelte es sich eher um Zufallsbeute.

Bestattungskult und Forschung an sterblichen Überresten

Ihre Toten begruben die Menschen der Merimde-Kultur nicht auf Friedhöfen. Sie setzten sie in der Siedlung bei. Dafür hoben sie ovale Gruben aus und legten die Verstorbenen in gehockter Stellung hinein. Grabbeigaben waren nicht üblich.

In den Gräbern fand man hauptsächlich Überreste von Frauen. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Menschen der Merimde-Kultur größer und kräftiger waren als die späterer Kulturen der Prädynastik.

Handel und kulturelle Einflüsse

Sieht man sich die Keramikformen der ersten beiden Phasen der Merimde-Kultur an, fallen Zusammenhänge auf. Auch die Straußeneiperlen und die Stierplastiken waren in beiden Phasen weit verbreitet. Dennoch änderte sich der kulturelle Bezugsraum zwischen der ersten und der zweiten Phase.
Ursprünglich spielte Südwestasien eine große Rolle und übte kulturellen Einfluss auf die Merimde-Kultur zur Zeit der Ursiedlung aus. Während der mittleren Merimde-Kultur konzentriert sich dieser Einfluss eher auf den afrikanischen Raum. Forscher machen diesen Wandel an ihren Funden fest. Die Harpunen, Beile, Dechsel und Angelhaken der Merimde-Menschen der zweiten und dritten Schicht ähneln stärker denen anderer afrikanischer Kulturen.

Die Erklärung dafür liegt in einer Änderung des Klimas. Während der mittleren Merimde-Kultur kam es zu einer ariden Phase (Wüstenklima), die eine extreme Trockenheit mit sich brachte. Dadurch entstand ein kulturelles Vakuum, wodurch die Merimde-Kultur von Asien abgeschnitten war. So häuften sich ganz automatisch andere kulturelle Einflüsse.

Die jüngere Merimde-Kultur hingegen setzte ihre eigene Kultur durch. Sie beeinflusste die Fayum-A-Kultur und die Maadi-Kultur auf vielfältige Weise (Korbspeichergruben, Form der Pfeilspitzen und Keramik). Auch die Tasa-Kultur brachte ähnliche Keramik wie die späte Merimde-Kultur hervor.
Die Merimde-Kultur muss Handel betrieben haben. Die Muscheln und Schnecken, mit denen die Menschen Schmuck und kleine Werkzeuge wie Angelhaken herstellten, kommen teilweise nur im Roten Meer vor. Einige der von ihnen genutzten Arten sind zusätzlich nur in sehr begrenzten Regionen zu finden, während sich die Merimde-Kultur selbst auf das Nildelta beschränkt. Das bedeutet, dass die Merimde-Menschen dauerhaften Kontakt zu anderen Siedlungen gehabt haben müssen.

Zusammenfassung

  • Die Merimde-Kultur umfasst das 5. Jahrtausend v. Chr.
  • Diese Kultur ist ein Vorläufer der prädynastischen Kultur des Alten Ägyptens
  • Ihren Ursprung hat die Merimde-Kultur in Südwestasien.
  • Benannt ist die Kultur nach ihrem Fundort Merimde, der etwa 45 km nordwestlich von Kairo liegt.
  • Die Merimde-Kultur wurde 1928 von Hermann Junker entdeckt.
  • Die Merimde-Kultur wird in drei Phasen unterteilt: Die Ursiedlung, die mittlere Merimde-Kultur und die jüngere Merimde-Kultur.
  • Während der Phasen veränderte sich das kulturelle Einflussgebiet von Südwestasien nach Afrika, was sich in der Beschaffenheit der Werkzeuge niederschlug.
  • Die Merimde-Menschen lebten anfangs von der Landwirtschaft und der Viehzucht.
  • Ab der mittleren Merimde-Kultur wird Fischerei immer wichtiger.
  • Allgemein verlagert sich das Leben der Merimde-Menschen zum Nil hin.
  • Ihre Toten begruben die Menschen der Merimde-Kultur innerhalb ihrer Siedlung in ovalen Gruben ohne Grabbeigaben.
  • Sie stellten Schmuck aus Muscheln und Schnecken her, was einen Hinweis auf weitreichende Handelsbeziehungen zum Roten Meer darstellt.
  • Die jüngere Merimde-Kultur beeinflusste die darauf folgende Fayum-A-Kultur und Maadi-Kultur nachhaltig.

Literatur und Quellen

  • Robert Forrer: Über Steinzeit-Hockergräber zu Achmim, Naqada etc. in Ober-Ägypten, und über europäische Parallelfunde, ISBN 1012193519*
  • Regine Schulz (Hrsg.), Matthias Seidel (Hrsg.): Ägypten – Die Welt der Pharaonen, ISBN 3895085413*
  • Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten: Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra, ISBN 3406549888*

Tasse

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